Kraftpaket: Fujifilm Finepix S9500 Zoom

von David D. Busch am , 11:46 Uhr

Pro
  • Bedienung fast wie bei einer Spiegelreflex-Kamera
  • solide Leistung
  • langer Zoombereich
  • zwei Anschlüsse für externen Blitz
Con
  • chromatische Abweichungen
  • Rauschverringerungs-Artefakte bei hohen Lichtempfindlichkeiten
Hersteller: Fujifilm Listenpreis: 699 Euro
ZDNet TESTURTEIL: GUT 7,0 von 10 Punkte
Fazit:

Die Fujifilm FinePix S9500 Zoom ist eine der besten Kameras mit elektronischem Sucher und semiprofessioneller Ausstattung, jedoch erreicht sie nicht die Bildqualität einer digitalen Spiegelreflex-Kamera.

Die Sucherkamera S9500 ist einer digitalen Spiegelreflex in vielerlei Hinsicht vergleichbar. Die umfangreiche Ausstattung überzeugt.

Die Finepix S9500 von Fujifilm zeigt, wie nahe digitale Möchtegern-Spiegelreflexkameras sich dem Original bereits angenähert haben. Diese Kamera mit elektronischem Sucher kann sich sowohl in den Reihen der Spiegelreflexkameras (kurz dSLR) als auch unter anderen Kameras behaupten. Die Finepix S9500ist nur geringfügig kleiner und hat einen ähnlichen Preis wie einige digitale Spiegelreflexkameras.

Auch in der Handhabung ähnelt sie den Konkurrenzmodellen mit austauschbaren Objektiven, in manchen Bereichen ist sie sogar besser ausgestattet. Sie deckt eine Brennweite von 28 bis 300 Millimeter ab (entsprechend 35-mm-Kleinbildkamera) und hat ein 10,7-fach-Zoomobjektiv, während die meisten preisgünstigen dSLRs nur über ein normales Zoomobjektiv verfügen. Der 1/1,6-Zoll-Fuji-Super-CCD-HR-Sensor hat 9 Millionen Pixel, im Vergleich zu den 6 Millionen Pixeln der meisten billigen digitalen Spiegelreflexkameras.

Die Kamera bietet Anschlüsse für externe Blitzgeräte, Lichtempfindlichkeitseinstellungen bis hin zu ISO 1600, eine minimale Auslöseverzögerung und Objektivringe zur manuellen Einstellung von Zoom und Schärfe – genau wie eine echte dSLR-Kamera. Darüber hinaus verfügt sie über ganz und gar nicht dSLR-typische Ausstattungsmerkmale, wie die Möglichkeit zum Aufnehmen von 640-mal-480-Filmen mit 30 Bildern pro Sekunde. Warum also sollten Fotobegeisterte, die nicht auf Superweitwinkel- oder Superteleobjektive angewiesen sind, eine andere Kamera kaufen?

Fotoamateure, die bei hohen Lichtempfindlichkeitseinstellungen nicht beste Bildqualität erwarten, mit einer Serienbildfunktion von vier Bildern pro Sekunde und dem Zoombereich der S9500 zufrieden sind, finden in dieser Kamera eine gute Kombination aus Leistung, Funktionsumfang und dSLR-artiger Bedienung. Die Fujifilm FinePix S9500 schneidet auch im Vergleich mit anderen Superzoom-Kameras mit elektronischem Sucher (EVF) gut ab. Wer aber alle Eigenschaften braucht, für die digitale Spiegelreflexkameras bekannt sind, ist mit einer echten dSLR-Kamera besser beraten.

Die Anordnung der Bedienelemente auf der 128 mal 93 mal 129 mm großen und 645 Gramm schweren Fujifilm Finepix S9500 ist der Aspekt, in dem sie einer Spiegelreflexkamera am nächsten ist, was bedeutet, dass sie mit Bedienelementen für zahllose Optionen übersät ist. Es befinden sich aber nicht alle häufig verwendeten Einstellungen darunter. So haben viele Kameras zum Beispiel eigene Tasten für den Weißabgleich, die Lichtempfindlichkeit, den Selbstauslöser und die Auflösung – um diese Einstellungen bei der S9500 vorzunehmen, muss man über das Menü gehen. Durch das Aufteilen der Einstellungen auf die Tasten Menu und Function werden einige Handgriffe eingespart, aber wenn man einfach nur ein paar Bilder im Rohdatenformat aufnehmen möchte, muss man mindestens zwölf Mal auf Tasten drücken.

Andere Funktionen der Fujifilm FinePix S9500 sind benutzerfreundlicher angelegt. Oben befindet sich ein Auswahlrad mit den bei Fotoamateuren beliebten Optionen Manuell, Zeitautomatik, Blendenautomatik und Programmautomatik sowie Film und Automatik plus fünf Szenenmodi, darunter Motivschärfe, Umgebungslicht, Porträt, Landschaft und Nachtaufnahme. Die Oberseite des Gehäuses wird von festen Tasten für Belichtungsausgleich, Blitz- und Serienbildfunktion bedeckt, die in Verbindung mit einem Bildschirmmenü und einem Auswahlrad verwendet werden, das sich gleich hinter den Tasten befindet.

Der Auslöser befindet sich auf dem gut zu fassenden Handgriff, um ihn herum liegt ein ringförmiger An-/Aus-/Aufnahme-/Wiedergabe-Schalter. Der Buckel, in dem sich bei einer Spiegelreflexkamera normalerweise das Pentaprisma befindet, beherbergt ein ausklappbares, elektronisches Blitzgerät und einen Anschlussschuh für ein externes Blitzgerät. Ein zweiter Blitzanschluss findet sich in Form eines handelsüblichen PC-Anschlusses (kurz für die Verschlussform Prontor-Compur, nicht für Personal Computer) an der Frontseite der S9500. Ebenfalls auf der Vorderseite befinden sich ein externer Autofokus-Sensor und eine strahlend grüne Autofokus-Hilfslampe.

Auf der linken Seite befinden sich die USB-, A/V- und Stromversorgungsanschlüsse, ein Auswahlrad, mit dem man zwischen einmaligem AF, kontinuierlichem AF und manueller Fokussierung wählt (mit einem Knopf zum Übergehen des Autofokus) und eine Taste zum Aktivieren des Makro- und Super-Makro-Modus. Eine Informationstaste ruft ein Histogramm und Informationen über die aktuellen Einstellungen auf, darunter jene für Weißabgleich, Kontrast und Blitzausgleich. Mit einer Disp-Taste auf der Rückseite der Kamera kann man weitere Statusinformationen, wie die Verschlussgeschwindigkeit, Blendeneinstellung, Lichtempfindlichkeit, ein Gitter für die Drittel-Regel (Bildaufbau) sowie weitere Daten aufrufen. Wer gern stets über die verwendete Compactflash- oder XD-Speicherkarte und andere Details im Bilde ist, wird diese Informationen schätzen. Im Test wurden diese Anzeigen eher als störend empfunden und blieben meist abgeschaltet.

Das mit zwei Scharnieren versehene 46-mm-LCD mit einer Auflösung von 118.000 Pixeln lässt sich zum Fotografieren aus der Hüfte oder über Kopf ausklappen. Im Test wurde jedoch der mit einer Dioptrienanpassung versehene elektronische Sucher vorgezogen, der über eine glatter anmutende Auflösung von 235.000 Pixeln verfügt. Beide LCDs zeigen annähernd 100 Prozent des Bildausschnitts. Rechts von den Function– und Disp-Tasten befindet sich ein Vier-Wege-Schalter mit integrierter Menü-/Bestätigungstaste. Mit Druck auf den Aufwärts- oder Abwärts-Pfeil aktiviert beziehungsweise deaktiviert man den zweifachen Digitalzoom. Mit einem anderen Auswahlrad schaltet man zwischen 256 Messfeldern, mittenbetonter Integralmessung und Spotmessung um. Zu den weiteren Ausstattungsmerkmalen gehören eine Belichtungszeit-Arretierung, ein Umschalter für LCD und EVF und eine praktische Taste, mit der man den mittleren Bereich des Bildes vergrößern kann, um das Scharfstellen zu erleichtern.

Die zahllosen Tasten, mit denen die Finepix S9500 gespickt ist, sind ein Hinweis darauf, dass Fuji diese Kamera mit vielen interessanten Funktionen ausgestattet hat. Sehr interessant ist das 28-bis-300-mm-Zoomobjektiv: Es ist relativ schnell (f/2.8 im Weitwinkelbereich und f/4.9 bei voller Teleleistung) und kompakt. Mit seiner Super-Makro-Funktion kommt man bis auf 10 Millimeter an sein Motiv heran, und im regulären Makromodus bis auf 100 Millimeter. Die Verschlussgeschwindigkeiten liegen zwischen 30 Sekunden und 1/4.000 Sekunde bei Belichtungsanpassungen von plus oder minus 2 in Schritten von je 1/3. Die Lichtempfindlichkeit reicht von ISO 80 bis ISO 1600. Auch wenn Motivschärfe nach Bildstabilisierung klingt, erhöht die Kamera in diesem Modus bei langsamen Verschlussgeschwindigkeiten die Lichtempfindlichkeit. In der Praxis kann dies durchaus zu stabileren Aufnahmen führen, jedoch muss man dafür ein stärkeres Bildrauschen in Kauf nehmen.

Die vier AA-Batterien, die die S9500 mit Energie versorgen, liefern genug Saft für den wuchtigen, integrierten elektronischen Blitz, der bei automatischer Lichtempfindlichkeitseinstellung eine Reichweite von bis zu 5,6 Metern hat. Der Blitz bietet die üblichen Ein-, Aus-, Rote-Augen- und Langzeitsynchronisationseinstellungen (wobei Blitzlicht und Umgebungslicht gemeinsam den Hintergrund besser ausleuchten) und strahlt breit genug, um auch in der 28-mm-Weitwinkeleinstellung aufgenommene Motive auszuleuchten.

Auch wenn man mit dem Serienbildmodus nur je vier Bilder aufnehmen kann, kann man entweder die ersten vier Bilder nach dem Drücken des Auslösers speichern oder aber den Auslöser für bis zu 40 Aufnahmen gedrückt halten, wobei nur die letzten vier auf der Speicherkarte gesichert werden. Diese Funktion kann sich als nützlich erweisen, wenn man nicht genau weiß, wann eine Handlung ihren Höhepunkt erreicht. Wenn die Kamera auf Automatik oder einen der Szenenmodi geschaltet ist, kann man in Intervallen von 1,1 Bildern pro Sekunde bis zu 40 Aufnahmen ohne Unterbrechung schießen.

Die Fujifilm Finepix S9500 Zoom erreichte bei jeder Leistungsprüfung anständige bis hohe Ergebnisse. Man kann Feineinstellungen vornehmen, die sie sogar noch besser abschneiden lassen. Die Auslöseverzögerung ist mit 0,5 Sekunden bei kontrastreichen Lichtverhältnissen und 0,9 Sekunden bei weniger günstigen Lichtverhältnissen ziemlich gut. Die grüne Fokushilfslampe unterstützt den Fotografen beim Scharfstellen, indem sie bei schwacher Beleuchtung ein die Kontraste betonendes Muster auf das Motiv projiziert. Wenn man auf den Highspeed-Modus umschaltet, wird jedoch eine universelle Entfernung eingestellt, wodurch das Autofokus-System nicht mehr bemüht werden muss und sich die Auslöseverzögerung auf 0,4 Sekunden oder weniger verkürzt.

Die Kamera kann in nur 1,6 Sekunden aus dem Tiefschlaf geweckt werden, um danach alle 1,7 Sekunden ein weiteres Foto zu schießen. Mit Blitz verlängern sich die Zeitabstände zwischen den Aufnahmen allerdings auf mehr als fünf Sekunden. Sollen die Aufnahmen im Raw-Format gespeichert werden, muss man sich auf Wartezeiten von 18 Sekunden einstellen. Die S9500 schafft im Serienbildmodus nur vier Bilder, nimmt jedoch etwas über zwei Aufnahmen pro Sekunde bei voller Auflösung oder im 640-mal-480-Pixel-VGA-Modus auf.

Der elektronische Sucher zeigt 100 Prozent des Bildausschnitts an und kann mit der beachtlichen Bildwiederholrate von 60 Bildern pro Sekunde auftrumpfen. Trotzdem ist das Bild grobkörnig und weniger lichtintensiv als bei den besten optischen dSLR-Suchern. Außerdem ist er, wie alle anderen LCDs, die gleichzeitig zur Informationsanzeige dienen, schnell übervoll, wenn alle gewünschten Informationen angezeigt werden.

Obwohl die Fujifilm Finepix S9500 Zoom allen Ansprüchen gerecht wird, was die Auflösung angeht, leidet das nicht auswechselbare 10,7fache Zoomobjektiv unter einigen optischen Problemen, einschließlich wilder chromatischer Abweichungen. Die viel gerühmte Real Photo Technology-Bildverarbeitung von Fujifilm funktioniert hervorragend, aber durch die erhebliche Rauschunterdrückung entstehen neue Artefakte, was ab einer Lichtempfindlichkeit von ISO 200 beklemmende Ausmaße annimmt.

Auch der Dynamikumfang entspricht nicht den Erwartungen. An einem schönen Tag mit über einem tiefblauen Himmel vorüberziehenden Wolken muss man sich entscheiden, ob man die Details der Wolken festhalten und den Vordergrund unterbelichtet lassen will oder den Vordergrund richtig belichten und den Himmel überbelichten will.

Positiv fällt die S9500 mit ihren gesättigten und dennoch realistischen Farben und ihrem System zur Verhinderung roter Augen auf, das keinerlei scharlachrote Pupillen sehen ließ. Mit elektronischem Blitz aufgenommene Bilder zeigen attraktive Glanzlichter anstelle eines matten roten Leuchtens. Farbige Schatten sind kaum auszumachen, Aufnahmen bei Kunstlicht fallen jedoch ein wenig warm aus.

Die ISO-Einstellung 1600 ist brauchbar, was beachtlich ist, wenn man bedenkt, dass die meisten Digitalkameras ohne Spiegelreflexsystem nicht einmal ISO 800 anbieten. Allerdings zeigte sich hier noch immer viel mehr Bildrauschen, als dies bei einer dSLR-Kamera in dieser Preisklasse der Fall ist, etwa der Nikon D50. Bei ISO 400 verringert sich das Bildrauschen auf ein erträgliches Niveau, und bei ISO 80 ist nur noch ein minimaler Anteil an farbigen Tupfen zu sehen.

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