Klassisches Design: Nikon Coolpix S4

von David D. Busch am , 08:01 Uhr

Pro
  • einfache Bedienung
  • Porträt-Autofokus mit Gesichtserkennung
  • exzellente Rote-Augen-Korrektur
  • Zeitraffer-Aufnahmen
Con
  • wenig manuelle Steuerungsmöglichkeiten
  • begrenzter Verschlussgeschwindigkeitsbereich
  • Bildrate der Movie-Clips nur 15 fps.
Hersteller: Nikon Listenpreis: 399 Euro
ZDNet TESTURTEIL: GUT 6,6 von 10 Punkte
Fazit:

Nikons klassisches Design mit schwenkbarem Objektiv kehrt mit modernen Akzenten zurück; Bildqualität und Leistung sind allerdings nicht auf dem neuesten Stand.

Die Nikon Coolpix S4 erweckt das klassische Design des Herstellers mit schwenkbarem Objektiv unter Zugabe moderner Akzente wieder zum Leben. Die Kamera bietet außerdem zahlreiche Motivprogramme und kamerainterne Bildoptimierungsfunktionen für häufige Probleme. Dennoch bleiben die Bildqualität und Leistung verbesserungswürdig.

Altgediente Digitalfotografen, die immer noch voller Nostalgie die Nikon Coolpix 900-Reihe pflegen, werden von der Wiederauferstehung des Schwenkobjektivs der Coolpix S4 nach fast drei Jahren begeistert sein. Die S4 ist insgesamt eine kompaktere Erscheinung mit einer Auflösung von sechs Megapixeln, einem 10-fachen Zoomobjektiv, einem 64 Millimeter (2,5 Zoll) großen LCD-Display und Nikons charakteristischen benutzerfreundlichen Funktionen. Aber die fehlenden Möglichkeiten zur manuellen Einstellung machen diese kompakte Schnappschuss-Kamera zu einer eher schlechten Wahl für Innen- oder Bewegungsaufnahmen.

Design

Obwohl die Form der Coolpix S4 an ältere Nikon-Modelle mit schwenkbarem Objektiv erinnert, sieht sie neben der klassischen Coolpix 995 schön kompakt aus. Mit Abmessung von 112 mal 69 mal 36 Millimeter und einem Gewicht von 204 Gramm misst die silberfarbene Nikon Coolpix S4 in Höhe, Breite und Tiefe jeweils mindestens 25 Millimeter weniger als die 990 und wiegt nur etwa halb so viel wie ihre Vorgängerin.

Abgesehen von der Familienähnlichkeit zeichnet sich die neueste Coolpix mit Schwenkobjektiv durch ein ultramodernes Design aus. Man kann (und muss) die Aufnahmen auf dem LCD arrangieren und kontrollieren – einen optischen Sucher gibt es nicht. Und anstelle eines Aufklappblitzes hat Nikon ein winziges Blitzgerät gleich neben dem Objektiv eingebaut.

Das schwenkbare Objektiv ist ein großer Vorteil für Fotografen, die gern Selbstporträts aufnehmen, und gibt ihnen die Freiheit, Motive aus ungewöhnlichen Perspektiven aufzunehmen, beispielsweise aus der Hüfte oder von oben. Objektiv und LCD können gegeneinander verdreht werden, um so das LCD dem Benutzer immer zugewandt zu lassen. Werden Objektiv und LCD beide auf den Fotografen ausgerichtet, wird die Anzeige vertikal gespiegelt, so dass das Bild immer richtig ausgerichtet bleibt. Das LCD ist groß genug, um die Kamera auf einem Stativ zu befestigen und die Bildkomposition vorzunehmen, wenn man sich mit dem Selbstauslöser fotografieren will.

Die Nikon Coolpix S4 ist für den beidhändigen Gebrauch ausgelegt. Hält man die Kamera, wie es am bequemsten wäre, nur mit einer Hand fest, verdeckt der rechte Daumen zwei Drittel des LCDs. Nimmt man aber beide Hände, ist es möglich, den Zeigefinger auf den auf der Oberseite befindlichen Auslöser zu legen und gleichzeitig den Zoomhebel zu bedienen. Nikon hat außerdem ein Mikrofon, einen Lautsprecher, eine Ein-/Aus-Taste mit Betriebsanzeige und einen Schieberregler für verschiedene Modi (Aufnahme, Motivprogramme und Film) auf der Oberseite untergebracht.

Die Rückseite wird fast vollständig vom LCD-Display eingenommen, bietet aber zudem Platz für vier einzelne Tasten und eine Vier-Wege-Taste, mit der man in den Menüs navigieren, den Selbstauslöser bedienen, die Blitzoptionen und den Makromodus aktivieren kann. Mit den vier Einzeltasten stellt man die Optionen für die Displayinformationen ein, löscht das zuletzt aufgenommene Bild, ruft das Menüsystem auf und wechselt in die Wiedergabevorschau. Aufgrund dieser minimalistischen Anzahl an Bedienelementen muss man die Belichtung (+/- 2 LW in 1/3-LW-Schritten), den Weißabgleich, die ISO-Empfindlichkeit und andere Einstellungen mithilfe der Menüs vornehmen. Die gut gestalteten Menüs sind in ein zweiseitiges Aufnahmemenü und ein vierseitiges Setupmenü aufgeteilt. Beide zeigen großen, leicht zu lesenden Text und aussagekräftige Markierungen.

Das 10-fache Zoomobjektiv der Nikon Coolpix S4 ist das interessanteste Feature, zumal die meisten anderen Superzoom-Kameras deutlich schwerer sind. Die Brennweite von 38 bis 380 Millimeter (entsprechend 35-Millimeter-Kleinbildkamera) zeigt, wie wichtig Nikon der Tele-Bereich ist. Dafür wurde allerdings auch die Weitwinkelperspektive geopfert. Der Autofokus stellt im Makromodus bis zu 42 Millimeter scharf und man kann zwischen auf die Bildmitte orientiertem, Mehrpunktfokus und automatisch ausgewählten Fokuszonen wählen.

Wie andere Kameras der Nikon-S-Reihe hat auch dieses Modell Funktionen speziell für anspruchvolle Hobbyfotografen zu bieten, die sich üblicherweise viele verschiedene Optionen wünschen, aber nur wenige wichtige Entscheidungen treffen wollen. Beispielsweise kann man Fotos im Zeitraffermodus aufnehmen, Panoramabilder und Nahaufnahmen schießen und hat die Wahl zwischen 16 Motivprogrammen, wobei man die vielen kleinen nervigen Details der S4 überlassen kann.

Die Motivprogramme decken die meisten üblichen Aufnahmesituationen ab. Es gibt allein fünf Programme für Nachtaufnahmen (Porträt bei Nacht, Sonnenuntergang, Dämmerung, Nachtlandschaft und Feuerwerk). Die anderen Motivprogramme sind: Porträt, Landschaft, Sport, Party/Innenaufnahmen, Strand/Schnee, Nahaufnahme, Museum, Dokumentkopie, Gegenlicht, Panorama-Assistent und Automatik. Einige Motivprogramme unterstützen die Overlay-Funktion, die für eine perfekte Bildkomposition von Porträt- und Landschaftsaufnahmen sorgt.

Die Motivprogramme stellen die beste Möglichkeit dar, auf die Aufnahmen Einfluss zu nehmen, da die Nikon Coolpix S4 über keine andere Möglichkeit zur manuellen Fokus- oder Belichtungseinstellung verfügt als den Belichtungsausgleich, manuelle ISO-Einstellung (ISO 50 bis 400), Weißabgleich und vier verschiedenen Farboptionen. Die Belichtungsmessung mit einer Matrix von 256 Segmenten bietet fünf Blendeneinstellungen von f/3,5 bis f/13,5 und Belichtungszeiten zwischen 2 und 1/1.000 Sekunden.

Zu Nikons charakteristischen Funktionen gehört der Porträtautofokus, der besonders beim ersten Ausprobieren viel Spaß bringt. Bei diesem Modus wird ein spezielles Feld auf dem LCD eingeblendet. Gerät ein menschliches Gesicht in dieses Sichtfeld, wird dies automatisch mithilfe von eingeblendeten Klammern scharf gestellt.

Auch die kamerainternen Bildoptimierungsfunktionen der Coolpix wollen entdeckt werden. Der „Best Shot Selector“ beispielsweise nimmt eine Reihe von bis zu zehn Bildern auf und speichert nur das schärfste oder das am besten belichtete Bild. Zu den weiteren Bildoptimierungsfunktionen gehören eine effektive Rote-Augen-Korrektur sowie die D-Lighting-Funktion, die partielle Unterbelichtungen im Bild kompensiert, eine ausgewogene Bildhelligkeit herstellt und eine Kopie des bearbeiteten Bildes abspeichert. Zudem lässt sich die Zeitrafferfunktion so einstellen, dass die Kamera Bilder in festgelegten Abständen von 30 Sekunden bis 60 Minuten aufnimmt.

Die Coolpix S4 ist mit einem internen Speicher von 13,5 MByte ausgestattet, der Platz für vier Aufnahmen in höchster Qualität bietet. Nikon stellt ihn als eine Art praktisches Notfallfeature zur Verfügung, für den Fall, dass die Speicherkarte voll ist. Wer sich für die Coolpix S4 entscheidet, sollte zusätzlich in eine Secure Digital (SD)-Speicherkarte investieren.

Trotz der großzügigen Stromversorgung durch die AA-Batterien hat der Blitz nur eine Reichweite von 3 Metern (nicht ISO-spezifisch). Bei den Blitzoptionen hat der Fotograf die Wahl zwischen den Optionen Blitz aus, Aufhellblitz, Automatik, Automatik mit Rote-Augen-Korrektur und Blitz-Langzeitsynchronisation. Movie-Clips werden mit einer Auflösung von 640 mal 480 Pixeln aufgenommen, wobei dem Benutzer sowohl die einmalige als auch die fortlaufende automatische Fokussierung zur Verfügung steht. Die Bildrate von 15 fps lässt allerdings zu wünschen übrig, man darf keine ruckelfreien Filme erwarten.

Bei den Performancetests schneidet die Nikon Coolpix S4 nur durchschnittlich ab. Die Einschaltzeit beträgt 2,5 Sekunden, der Zeitabstand zwischen zwei Bildern 2,8 Sekunden. Einzelbildaufnahmen mit Blitz können nur alle 5,6 Sekunden gemacht werden. Im Serienbildmodus bietet die Kamera sowohl bei voll aufgelösten Bildern als auch bei Aufnahmen mit niedriger Auflösung (640 mal 480 Pixel) eine Geschwindigkeit von 1,1 fps, wobei der Zwischenspeicher der S4 nur sechs mit voller Auflösung gemachte Fotos aufnehmen kann, während es fast unmöglich ist, diesen Speicher mit niedrig aufgelösten Bildern zu füllen. Im Test konnten 66 Bilder in 60 Sekunden geknipst werden, bevor sich eine Ermüdung des Auslöse-Fingers bemerkbar machte.

Die Verschlussverzögerung liegt bei kontrastreicher Beleuchtung bei mittelprächtigen 0,8 Sekunden, mithilfe der Fokushilfsleuchte kann fast die gleiche Geschwindigkeit – 0,9 Sekunden – auch bei schwierigerer kontrastarmer Beleuchtung erreicht werden.

Das große, in der Helligkeit regulierbare LCD-Display mit 110.000 Pixeln bietet bei der Bildkomposition nur einen Bildausschnitt von 97 Prozent des tatsächlichen Sichtfelds (100 Prozent bei der Bildbetrachtung). Der Bildschirm kann mit Ausnahme sehr heller Lichtverhältnisse problemlos für Außenaufnahmen verwendet werden, und auch bei Innenaufnahmen mit schummriger Beleuchtung leistet das Display noch akzeptable Dienste. Dennoch leidet es manchmal unter Ghosting-Effekten.

Die Bildqualität der Nikon Coolpix S4 ist im Großen und Ganzen für eine kompakte Kamera mit sechs Megapixeln in Ordnung. Sie macht gleichmäßig belichtete Bilder und lässt sich von Gegenlicht nicht leicht in die Irre führen, unabhängig davon, ob man die D-Lighting-Option nutzt oder nicht. Digitalkameras neigen im Allgemeinen zu intensiven Spitzlichtern, aber die S4 schlägt sich auf diesem Gebiet besser als die meisten anderen Modelle und bildet in einer einzigen Aufnahme sowohl Details in Schattenbereichen als auch flauschige Wolken korrekt ab. Chromatische Aberration ist bei Nutzung des maximalen Telebereichs am deutlichsten sichtbar, wobei blaue Farbsäume das größte Problem darstellen.

Die Kombination aus Vorblitz und kamerainterner Rote-Augen-Korrektur leistet beinahe perfekte Arbeit und das trotz der Nähe des Blitzlichts zum Objekt. Die mit Blitz geschossenen Testaufnahmen von Personen zeigten weiße Highlights in den Augen und keine Spur von roten Pupillen.

Artikel von CNET.de: https://www.cnet.de

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