Spiele-Notebook im Konsolenlook: Dell XPS M170

von Florian Kalenda am , 14:16 Uhr

Pro
  • starke Leistung, insbesondere bei Grafik
  • klasse Sound durch Subwoofer
  • einfallsreiches Zubehör
  • reaktionsschneller Dreijahres-Service
Con
  • Display spiegelt
  • Dual-Core-Nachfolger bald zu erwarten
Hersteller: Dell Listenpreis: 3101 Euro
ZDNet TESTURTEIL: SEHR GUT 8,0 von 10 Punkte
Fazit:

Wenn nicht in wenigen Wochen ein Nachfolger mit Core-Duo-Chip zu erwarten wäre, das XPS M170 wäre klar zu empfehlen: Es bietet kompromisslose Ausstattung zu einem allerdings hohen Preis.

Leuchtender Schriftzug, oszillierende Silber-Abdeckung: Das mächtige Inspiron XPS M170 sieht einer Spielkonsole ähnlicher als den meisten Notebooks. Allerdings steckt tatsächlich einiges an Technik unter der Haube.

Für das Dell Inspiron XPS M170 gibt es einen im Design an das Notebook [1] angepassten Rucksack – das lässt bereits auf die wesentlichen Züge schließen. Es handelt sich nämlich um ein Notebook, mit dem man nicht gemütlich über den Bahnsteig schlendern möchte, sondern ein Schwergewicht mit gut vier Kilo. Und es sieht nicht aus wie jedes Notebook: Vielmehr ist es unterkühlt-poppig wie manche Spielkonsole gestaltet.

Als Spielkonsole kann man das Notebook begreifen: Schließlich bringt es Nvidias derzeit stärkste Notebook-Grafik und ein 17-Zoll-Display mit. Das XPS M170 ist für Spiele- und Multimedia-Freaks, die ihr Arbeitsgerät gern selbst mitbringen – um gleich vor Ort den Film zu schneiden oder auf der LAN-Party mit der vertrauten Hardware zu zocken.

Design

4,15 Kilo wiegt das monströse Testgerät, 4,6 Zentimeter ist es hoch. Das ziegelsteingroße Netzgerät wiegt noch einmal über 900 Gramm. Und das trotz Verwendung von Notebook-Technologie, nämlich Intels Centrino-Plattform. Dells Design-Abteilung hat auch keinerlei Versuche unternommen, den Umfang des Geräts zu beschönigen, es schmaler aussehen zu lassen.

Die auffällige Abdeckung mit dem Schriftzug XPS kann man austauschen, wenn man andere Farben als die Standard-Kombination Silber-Schwarz vorzieht. Die untere Hälfte steht über die Abdeckung hinaus und offenbart von Lautsprechern eingerahmte CD-Bedientasten von Play bis Fast Forward sowie Tasten zum Regeln der Lautstärke. Sie funktionieren aber nicht mit einer Pre-Boot-Utility, wie das manche anderen Fabrikate können, sondern dienen der Steuerung innerhalb von Windows.

Die hohen Seiten bieten reichlich Platz, den Dell für zahlreiche Anschlüsse und fast ebenso zahlreiche Belüftungsschächte nutzt. Sechs USBs sind vorhanden, ein Firewire-Miniport, Modem- und Netzwerkbuchse, zwei Monitorausgänge (DVI und VGA) und ein TV-Ausgang sowie zwei Kartenschächte, der eine für PC-Cards vom Typ II, der andere für SD-Flashkarten. Und zuletzt sind da zwei Klinkensteckerbuchsen für Mikro und Kopfhörer, leider etwas unpraktisch an der rechten Seite statt an der Front.

Klappt man das Gehäuse nun auf, was mit einem einzigen Entriegelungknopf und also auch mit einer Hand zu machen ist, wirkt die schwarze Tastatur winzig – so viel silberne Fläche umgibt sie, und so groß ist im Vergleich der 17-Zoll-Widescreen darüber. Dabei haben die Tasten ganz normale Größe. Die Anordnung überzeugt nicht ganz: der Cursorblock ist zwar angenehm abgesetzt, aber wer die nicht unwichtige Kombination Strg+Alt+Entf drücken will, sucht eine Weile – nach Entfernen, das in der zweiten Reihe von oben als dritte Taste von rechts sitzt. Überhaupt irritieren die oben rechts über die Funktionstasten geklatschten Tasten wie Menü öffnen, Druck oder Num mehr, als sie helfen. Wie die Funktionstasten selbst ist die obere Halbreihe niedriger als die Standardtasten. Das bleibt unverständlich – schließlich böte das Gehäuse genug Platz, um jede Taste in voller Größe anzubieten und die einzelnen Blöcke wie bei einer Desktop-Tastatur sauber voneinander abzusetzen. Auch das Touchpad ist etwas klein, wenn man die Scrollbereiche im Geiste abzieht, dafür sind die Maustasten um so größer. Gut, die meisten Nutzer werden stattdessen ohnehin eine vernünftige Lasermaus verwenden.

Der Bildschirm ist beachtlich groß. Die native Auflösung beträgt 1920 mal 1200 Pixel. Er stellt Farben sehr kräftig dar, ist aber – wie die meisten Bildschirme mit Farboptimierung – nicht entspiegelt. Im freien oder mit einem Fenster im Rücken bekommt man garantiert Probleme, besonders düstere Spiele zu erkennen.

Das System ist mit Notebook-Kernkomponenten ausgestattet, und nicht etwa mit einem Desktop-Prozessor. Es handelt sich um den aktuell schnellsten Pentium M, also die Single-Core-Notebook-CPU von Intel, deren Nachfolger Core Solo eben vorgestellt wurde. Dell verbaut jeweils das beste verfügbare Material: den Pentium M 780 mit 2,26 GHz, 1024 MByte DDR2-533-Speicher, eine Festplatte mit 5400 Umdrehungen pro Minute und Nvidias stärkste Notebook-Grafik Geforce Go 7800 GTX mit 256 MByte Speicher.

Als Verbindungstechnologie wird Gigabit-Ethernet angeboten, ebenso wie die 54 MBit/s schnellen WLAN-Standards 802.11a und g. Bluetooth hat das Testgerät nicht, die Technologie ist aber für 17,40 Euro Aufpreis verfügbar.

Als optisches Laufwerk kann man einen CD- oder einen DVD-Brenner wählen. Das Testgerät hat den Dual-Layer-DVD-Brenner von NEC, der zweischichtige Medien mit 2,4facher Geschwindigkeit beschreibt, DVD+RW mit 8x und CD-R mit 24x. Ein Diskettenlaufwerk gibt es als externe Option.

Insgesamt ist die Auswahl an Optionen auf der Dell-Website im Vergleich zu anderen Produkten relativ eng: Dell hat das XPS als High-End-Gaming-Notebook definiert. Der Einbau einer 40-GByte-Platte ist da nicht sinnvoll und wird deshalb auch nicht angeboten.

Als Betriebssystem ist Windows XP Home mit Service Pack 2 vorinstalliert, als derzeitiges Aktionsangebot bekäme man Media Center Edition ohne Aufpreis (nicht getestet) oder XP Pro für 34,80 Euro extra.

Das Soundsystem besteht nicht nur aus den erwähnten, wie die Lüftungsschächte blau leuchtenden Stereo-Boxen, sondern umfasst auch einen integrierten Subwoofer. Der Klang ist für ein Notebook erstaunlich, die Lautstärke reicht aber nicht allzu weit. Für ein oder zwei Benutzer, die nicht zu weit vom Notebook entfernt sitzen, genügt sie aber.

Die Lüftung des Notebooks ist im Betrieb stets recht beschäftigt und auch dezent vernehmbar, wenn gerade keine Musik läuft. Auch sollte man darauf achten, dass das Notebook nicht auf weichem Untergrund stehen sollte, um das Kühlsystem nicht zu behindern. Der Geräuschpegel bleibt dann aber jederzeit erträglich: Viele aktuelle Spielkonsolen sind lauter.

Die Redaktion misst die 3D-Leistung von Notebooks für gewöhnlich mit dem fünf Jahre alten 3DMark 2001 SE. Das XPS M170 allerdings wird durch diesen Test (im Gegensatz zu Business-Notebooks) unterfordert. Das Ergebnis sind 24.647 Punkte, etwa zehnmal so viel, wie Intels Extreme Graphics schafft, und auch die aktuellere GMA 950 kommt über etwa 3500 Punkte nicht hinaus.

Richtig gefordert wird die Grafik erst durch die aktuelleren Tests wie 3DMark 05 (6660 Punkte bei 1024 mal 768) oder den ganz neuen 3DMark 06 (3445 Punkte, ebenfalls bei 1024 mal 768 Pixeln). Zum Vergleich [2]: Die Desktop-Variante des Geforce 7800 GTX mit 512 MByte schafft im 3DMark 06 6529 Punkte. Die Leistung des Notebook-Grafikchips ist also trotz des gleich klingenden Namens längst nicht mit der Desktop-Variante auf einer Ebene. Dies liegt natürlich auch an der schwächeren CPU im Vergleich zum im Grafik-Testsystem verwendeten Athlon 64 FX-60. Was Notebooks angeht, schlägt das XPS M170 aber alle bisher getesteten Geräte.

Die folgende Tabelle fasst ein paar weitere Ergebnisse im Überblick zusammen. Es wurde jeweils bei 1024 mal 768 Bildpunkten getestet.

Benchmark-Ergebnisse
Test Ergebnis
Cinebench 03
1 CPU 283 Punkte
C4D Shading 337 Punkte
OpenGL SW 1458 Punkte
OpenGL HW 3378 Punkte
Aquamark 3
GFX 11,97 Punkte
CPU 11,14 Punkte
Framerate 77,86 fps
3DMark
3DMark 01 SE 24.647 Punkte
3DMark 03 14.753 Punkte
3DMark 05 6660 Punkte
3DMark 06 3445 Punkte

Auch bei den Applikationstests aus den Bereichen Office-Dokument- und Multimedia-Erstellung schneidet der Dell XPS M170 natürlich hervorragend ab. Mit 26,7 Punkten im Business Winstone 2004 und 28,8 Punkten im Content Creation Winstone 2004 bleibt er aber hinter den eben erst erschienenen Core-Duo-Notebooks wie dem Asus V6J [3] mit 28,8 beziehungsweise 34,5 Punkten zurück.

Etwas überraschend kommt da schon, dass das XPS M170 auch im letzten Test gar nicht so schlecht abschneidet: im Batterymark 2004 nämlich (der sonst von ZDNet verwendete Batterymark 4.01 war nicht zum Laufen zu bringen). Unter Belastung durch den Test, der typische Office-Anwendungen durchführt, um realen Einsatz vorzutäuschen, läuft das Notebook zwei Stunden und 50 Minuten. Denkt man an das Display und die leistungsfähige Grafik, ist das erstaunlich lang. Allerdings senkt das Notebook die Display-Helligkeit auf ein gerade noch akzeptables Minimum.

Den guten Wert verdankt das Notebook ansonsten seinem leistungsfähigen und auch großen Akku mit 7200 mAh Kapazität. Dell hat ihn wohl mit dem Gedanken verbaut, dass bei dem Gewicht die Akkugröße auch schon nicht mehr entscheidend ist. Und tatsächlich wird dem Käufer so die Möglichkeit geboten, auch ohne Stromanschluss drei Stunden zu spielen, einen Film zu schauen oder mit dem Rechner zu arbeiten.

Dell empfiehlt für dieses Notebook Vor-Ort-Service am nächsten Werktag für einen Zeitraum von drei Jahren. Dieser Service ist in die Berechnung des Preises von 3101 Euro auch mit eingeflossen (die Versandkosten in Höhe von 75 Euro kommen noch dazu). Wer den Service auf das Minimum reduziert, 1 Jahr vor Ort, spart 255 Euro.

Da ein Gaming-Notebook wohl kaum Produktivitäts- und Einnahmenverluste nach sich zieht, wenn es ausfällt, scheint der empfohlene Service auf den ersten Blick übertrieben. Andererseits, wenn man 3000 Euro für ein Notebook ausgibt, lohnt es sich wohl kaum, ausgerechnet beim Service zu sparen – und sollte es Probleme geben, wäre das teure Gerät unter Umständen monatelang beim Kundendienst.

Ansonsten bietet Dell sehr hilfreiche Webseiten mit zahlreichen Downloads und Tipps. Über den Telefonsupport, der einige Zeit von von einem slowakischen Call-Center erledigt wurde, jetzt aber dem Vernehmen nach wieder in Deutschland operiert, äußern allerdings Kunden in diversen Webforen Unzufriedenheit.

Fazit

Das Inspiron XPS M170 vereinigt auf sich einige Vorzüge der Playstation Portable, der Xbox 360 und eines Standard-PCs. Den PC kann es dank der zahlreichen Anschlüsse und guten Ausstattung sogar ganz ersetzen. In der U-Bahn kann man mit dem Notebook freilich nur schwerlich spielen.

Als Gaming-Notebook gehört das XPS M170 derzeit zur Spitzenklasse. Dazu hat sich Dell mit optionalem Rucksack im passenden Design und den veränderbaren Farben nette Extras ausgedacht. Der empfohlene, dreijähige Vor-Ort-Service am nächsten Werktag ist für ein Notebook dieser Preisklasse durchaus sinnvoll.

Die neuen Dual-Core-Prozessoren für Notebooks von Intel würden dem XPS auch nicht schlecht stehen. Für Spiele dürfte die Grafik der limitierende Faktor sein, aber wer auf dem Notebook etwa auch Videos bearbeitet, sollte noch ein, zwei Monate auf den Nachfolger warten.

Artikel von CNET.de: https://www.cnet.de

URL zum Artikel: https://www.cnet.de/39140471/spiele-notebook-im-konsolenlook-dell-xps-m170/

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[1] Notebook: http://www.cnet.de/themen/notebook/

[2] Vergleich: http://www.zdnet.de/enterprise/client/0,39023248,39140380-3,00.htm

[3] Asus V6J: http://www.zdnet.de/mobile/notebooks/0,39023409,39140087,00.htm