Ein völlig neues PC-Konzept: UMPC Samsung Q1

von Sandra Vogel am , 17:33 Uhr

Pro
  • kompakt und leicht
  • Touchscreen
  • Wi-Fi und Bluetooth integriert
Con
  • Mangel an USBs und Business-Features
  • Tastatur und optisches Laufwerk nur optional
  • Rotation des Bildschirms nur teilweise unterstützt
  • Leistung und Akkulaufzeit mäßig
  • teuer
Hersteller: Samsung Listenpreis: 1199 Euro
ZDNet TESTURTEIL: GUT 6,7 von 10 Punkte
Fazit:

Insgesamt fällt der Q1 für professionelle Nutzer zwischen den Stühlen durch: Ihm fehlt die Tragbarkeit eines Handhelds und die Funktionsvielfalt eines Notebooks. Leider bringt er aber auch keine besonderen Fähigkeiten mit, die diese Nachteile kompensieren würden.

Der erste Ultra Mobile PC wird ab Juni 2006 in Deutschland lieferbar sein. Der Test zeigt, wie sich der Samsung Q1 zwischen Tablet PCs, Notebooks und Handhelds positioniert und für welche Einsatzbereiche er sich eignet.

Samsungs Q1 ist der erste Vertreter einer neuen Art von Computern – ein Ultra Mobile PC (UMPC). Diese gemeinsame Entwicklung von Intel und Microsoft [1], die zuerst auf der CeBIT 2006 vorgestellt [2] wurde, soll in eine Lücke zwischen Handhelds und den notebookähnlichen Tablet-PCs stoßen. Auf der CeBIT haben zwei weitere Hersteller UMPCs angekündigt, Asus und Founder, aber das Samsung [3] Q1 wird als erster in Deutschland verfügbar sein: ab dem 1. Juni 2006.

Design

Der Q1 in den Farben Schwarz und Silber sieht aus wie ein großer Handheld oder ein tragbarer Media Player; entfernt ähnelt er auch einem Slate-Tablet-PC. Das Gehäuse enthält keine Tastatur. Stattdessen ist das Display von diversen Knöpfen und Statusleuchten umgeben, während drei der vier Seiten mit Anschlüssen gespickt sind. Die Oberfläche um den Bildschirm herum scheint geradezu, wenn man sie poliert – aber Fingerabdrücke hinterlassen schnell Spuren.

Das Q1 misst 22,7 mal 13,9 Zentimeter, also ähnlich dem Format DIN A5, bei einer Höhe zwischen 2,5 und 2,7 Zentimetern. Das Gewicht von 779 Gramm liegt unter dem der meisten Notebooks – der Tablet-PC Lifebook P1510 [4] von Fujitsu Siemens ist allerdings nicht viel größer und wiegt nur rund ein Kilo.

Der Bildschirm misst in der Diagonale sieben Zoll. In drei Auflösungen kann man den gesamten Desktop sehen: 800 mal 400 (die native Auflösung), 800 mal 600 und 1024 mal 600 Pixel (jeweils mit Verkleinerung). Zwischen diesen Auflösungen kann man mit einem Button links neben dem Display wechseln. Die Windows-Steuerung bietet eine Reihe weiterer Auflösungen bis hin zu 1600 mal 900, aber dann muss man zu verschiedenen Desktop-Bereichen hin scrollen.

Die Anschlüsse und Slots finden sich an der Vorderfront und den beiden Seiten. Sie sind nicht ganz so zahlreich wie bei einem Notebook [5], aber schlecht ist es um die Connectivity des Q1 auch nicht bestellt. Links sitzen etwa ein USB-Port, ein Lautstärkeregler, eine Kopfhörer-Buchse und eine Sperr-Taste, die alle Knöpfe deaktiviert. Daneben wird auch noch das externe optische Laufwerk über einen Spezialanschluss verbunden. Rechts gibt es einen zweiten USB, einen analogen Monitoranschluss (VGA) sowie den Netzteil-Anschluss für die Stromversorgung.

An der Vorderseite sitzen ein Netzwerk-Port, ein Slot für Compactflash-Karten plus der Einschalter. Hinten gibt es keine weiteren Anschlüsse, da dort der wechselbare Lithium-Ionen-Akku sitzt. Zwei ausklappbare Stützen ermöglichen es, den Q1 auf dem Schreibtisch mit einem Winkel von 80 oder 20 Grad nach Wahl aufzustellen.

Seitlich über dem Display hat Samsung Platz für zwei Lautsprecher gefunden, während zwei Mikrofone am unteren Rand für bessere Aufnahme-Qualität sorgen sollen – zumindest im Vergleich zu einem einzelnen Mikro. Dies verbessert dann auch die Verständlichkeit bei VoIP-Telefonaten.

Links neben dem Bildschirm sitzt eine Art flacher, runder Mini-Joystick, der sich in acht Richtungen bewegen lässt. Daneben ist der erwähnte Auto-Scale-Button. Rechts gibt es einen Schnellstartknopf, der eine von vier häufig genutzten Anwendungen aufruft, ein Knopf für Eingabe oder Auswählen sowie ein Button, der das Optionsmenü startet: Dort kann man etwa die Helligkeit, die Bildschirmausrichtung oder das WLAN einstellen.

Das Q1 wird mit einer Tragetasche und einer Handballenauflage ausgeliefert, dazu die Installations-CDs, ein gedrucktes Schnellstart-Handbuch, ein Stift, Stromkabel und ein Standard-Akku. Optional kann man eine Tastatur, einen langlebigeren Akku und ein optisches Laufwerk hinzukaufen.

Das Q1 läuft unter Windows XP Tablet PC Edition. Der Bildschirm ist berührungsempfindlich, oder anders gesagt, passiv statt aktiv: Man kann ihn mit jedem Zeigegerät (einschließlich einer Fingerspitze) bedienen. Der mitgelieferte Plastikstift wiegt sehr wenig. Er findet in einem Einschub an der Rückseite Platz

Unter XP Tablet PC Edition kann man den Bildschirm leicht vom Hoch- zum Querformat drehen, was Samsung über sein Optionsmenü realisiert. Der Q1 ist jedoch offenbar vor allem für das Querformat ausgelegt. So funktionieren die aufklappbaren Stützen nur im Querformat, und die Bedienelemente an der Vorderseite lassen sich schlecht nutzen, wenn man das Gehäuse hochkant hält.

Ist das Q1 im Querformats-Modus, kann man den Cursor mit dem linken Daumen auf dem Mini-Joystick bewegen, wenn man gleichzeitig die Menütaste mit dem rechten Daumen drückt. Das ist nicht unergonomisch, aber der Cursor bewegt sich extrem langsam. Kompliziert wird es erst, wenn man klicken oder doppelklicken möchte: Dann muss zusätzlich der Auto-Scale-Knopf unter dem Joystick gedrückt werden. Im Test wurde dieses System schnell zugunsten der Steuerung mit Finger oder Stift aufgegeben.

Als weitere Texteingabemöglichkeit stellt Samsung Dialkeys bereit, eine Applikation, die eine Tastatur in Form zweier Halbkreise am unteren Bildschirmrand abbildet. Diese kann man leicht mit den Daumen bedienen. Außerdem stehen natürlich auch die üblichen Tablet-PC-Komponenten Soft-Keyboard und Handschriftenerkennung zur Verfügung.

Dialkeys gehört zu Microsofts Touch Pack for Tablet PC, und aus dieser Suite stammt auch der Programm-Launcher. Hier werden Anwendungen nach ihren Funktionen gruppiert und mit großen Icons präsentiert, auf die man mit dem Finger tippen kann. Es ist anpassbar, aber nur über das Standard-Interface von XP Tablet PC Edition. Auch kann man nur neun Programmkategorien und in jeder maximal zwölf Shortcuts einrichten.

Dass das Touch Pack auf dem Stand der Zeit ist, demonstriert es mit einer weiteren Komponente, einem Sudoku-Spiel.

Samsung hat weiterhin die Software AV Station installiert, die schon von einigen Notebooks des Herstellers bekannt ist. Damit kann man Filme sehen, Musik abspielen und Fotos ansehen, ohne Windows XP überhaupt erst zu starten. Stattdessen startet man AV Station über den Einschaltknopf, der eigentlich ein Schieberegler ist. Schiebt man ihn nach rechts, bootet Windows. Schiebt man ihn nach links, fährt stattdessen AV Station hoch – allerdings kann man AV Station auch innerhalb von Windows verwenden. Zum Lieferumfang gehört daneben noch Norton Antivirus und die IP-Telefonie-Lösung Skype in der Version 2.0.

Was die Hardware angeht, enthält das Q1 einen Celeron-M-Prozessor mit 900 MHz Takt – ein Ultra-Low-Voltage-Modell. Der Speicherslot ist mit einem 512-MByte-Modul belegt, während die im Chipsatz 915GMS integrierte Lösung GMA900 von Intel für die Grafik zuständig ist. Das Testgerät hat weiter eine 40-GByte-Platte, einen Fast-Ethernet-Anschluss und als drahtlose Verbindungstechnologien WLAN nach 802.11b/g sowie Bluetooth. Es gibt keinen Infrarot-Port.

Die beschriebene Testkonfiguration scheint sehr stark auf Heim-Anwender fokussiert, wenn man etwa an die vorinstallierten Mutimedia-Anwendungen denkt. Eine Videopräsentation von Samsung auf der Festplatte deutet aber an, dass das Q1 auch für das Büro-Umfeld und insbesondere Präsentationen geeignet sei, für die Navigation im Auto oder auch für den Einsatz in Schulen und Krankenhäusern.

Ist das Q1 wirklich so universell nutzbar? In einigen speziellen Situationen kann ein solches Gerät praktisch sein – vielleicht in einem Eins-zu-eins-Gespräch mit einem Kunden, dem man so seine Präsentation zeigt, oder um mobil Daten zu erfassen. Das Q1 bietet aber nichts, was ein ultraportables Notebook beziehungsweise ein Convertible Tablet PC nicht auch könnten – und trotz der vielen Texteingabe-Möglichkeiten ist das Fehlen einer Tastatur ein schwerer Nachteil.

Auch andere fehlende Ausstattungspunkte dürften Business-Nutzer irritieren: keine Unterstützung von PC-Cards, keine Slots für Flash-Karten außer Compactflash, nur zwei USBs (obwohl man die am Schreibtisch doch schon für Maus und Tastatur braucht), kein Modem, keine Unterstützung von Mobilfunk-Technologien wie GPRS, EDGS oder UMTS, keine Positionierung mit GPS und kein Infrarot-Port.

Es war im Testlabor bisher nicht möglich, den üblichen Benchmark-Test Mobilemark 2002 durchzuführen. Setzt man das Q1 in der Praxis ein, um etwa im Web zu surfen, für E-Mail, Tabellenkalkulation und Präsentationen, geht das auf dem Celeron-System mit 900 MHz Prozessortakt einigermaßen flüssig – aber anspruchsvolle Aufgaben würde man vermeiden wollen.

Die Akkulaufzeit gibt Samsung mit maximal 3,5 Stunden an, oder 1,4 Stunden beim Abspielen von DVDs vom optionalen Laufwerk. Dies scheint im Vergleich zum Test etwas zu optimistisch geschätzt. Sobald Benchmark-Ergebnisse vorliegen, werden sie an dieser Stelle nachgereicht.

Insgesamt fällt das Q1 für professionelle Nutzer zwischen den Stühlen durch: Ihm fehlt die Tragbarkeit eines Handhelds und die Funktionsvielfalt eines Notebooks. Leider bringt es aber auch keine besonderen Fähigkeiten mit, die diese Nachteile kompensieren würden.

Artikel von CNET.de: https://www.cnet.de

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[1] Microsoft: http://www.cnet.de/unternehmen/microsoft/

[2] auf der CeBIT 2006 vorgestellt: http://www.zdnet.de/news/messen/cebit2006/entertainment/0,39033468,39141721,00.htm

[3] Samsung: http://www.cnet.de/unternehmen/samsung/

[4] Tablet-PC Lifebook P1510: http://www.zdnet.de/mobile/notebooks/0,39023409,39137542,00.htm

[5] Notebook: http://www.cnet.de/themen/notebook/