High Resolution für die Westentasche: Canon HV10

von Lori Grunin am , 09:00 Uhr

Pro
  • ausgezeichnete Videoqualität
  • kompaktes Design
  • Vielzahl an Ausstattungsmerkmalen
Con
  • Ergonomie lässt einige Wünsche offen
  • schlecht platziertes Mikrofon
  • keine Anpassung des Weißabgleichs während der Aufnahmen möglich
  • kein HDMI-Ausgang
  • kurze Akkulaufzeit
  • Videosoftware nicht im Lieferumfang
Hersteller: Canon Listenpreis: 1399 Euro
ZDNet TESTURTEIL: SEHR GUT 7,5 von 10 Punkte
Fazit:

Der Canon HV10 ist ein ausgezeichneter hochauflösender Video-Camcorder mit einer Vielzahl an Ausstattungsmerkmalen, aber auch einigen Macken.

Der Canon HV10 ist ein ausgezeichneter und hochauflösender Video-Camcorder mit einer Vielzahl an Ausstattungsmerkmalen, aber auch einigen Macken.

Der HV10 von Canon verfügt über eine ansprechende Optik und lässt sich problemlos in jeder Jackentasche verstauen. Allerdings schafft das Gerät auch das zweifelhafte Kunststück, einerseits über ein ansprechendes Design zu verfügen, sich aber trotzdem nicht so ganz einfach bedienen zu lassen. So befinden sich zwar alle Bedienelemente an der richtigen Stelle, lassen sich leicht erreichen und sind gut verständlich, viele sind jedoch einfach zu klein, lassen sich schwer bedienen oder sind ziemlich anfällig für Fehlbedienungen. So muss der Camcorder zur Kompensation mit der linken Hand stabilisiert werden, während man gleichzeitig Einstellungen mit der rechten Hand vornimmt, was mitunter recht kompliziert vonstatten geht.

Canon HV10
Zoomregler, Auslöseknopf für Bilder und der Modusschalter befinden sich relativ dicht nebeneinander, was jedoch nicht unbedingt problematisch ist.

Ähnlich wie bei Schnappschusskameras sind bei der HV10 die Menüs auf zwei Gruppen aufgeteilt: Aufnahmeoptionen, darunter Weißabgleich, Belichtungseinstellungen und Einzelbildqualität, können über die Taste „Func“ aufgerufen werden. Die meisten anderen Einstellungen lassen sich über die Taste „Menü“ vornehmen. Das Navigieren erfolgt auf dem 2,7 Zoll großen Breitbild-LCD-Display über ein Jog-Dial.

Ausstattung

Die Bildaufnahme des HV10 erfolgt über einen CMOS-Sensor mit drei Megapixeln zur Erfassung von 1920 horizontalen und 1080 vertikalen Pixeln für hochauflösende 1080i-Videobilder oder Breitbild-Videos mit Standardauflösung. Die horizontale Auflösung kann auf 1440 heruntergestuft werden, um 576i-Videos mit Standardauflösung aufzunehmen.

Für Einzelbildaufnahmen werden 2,76 Megapixel (1920 mal 1440) im 4:3-Format und 2,07 Megapixel (1920 mal 1080) im 16:9-Format verwendet. Der HV10 kombiniert den Sensor mit einem 10-fach-Canon-HD-Videoobjektiv, einer abgespeckte Version des 20-fach-Objektivs der XH-Serie, das über die optischen Eigenschaften der professionellen L-Objektivserie von Canon verfügt.

Der HV10 hat auch sonst sehr viel mit deutlich teureren Modellen gemeinsam. Wie die XH-Serie verfügt er über einen optischen Super-Range-Bildstabilisator, ein hybrides optisch-elektronisches System, bei dem der Prozessor dem optischen Stabilisator Feedback gibt, um die vorgenommenen Korrekturen optimal abzustimmen. Canon hat auch die Funktion Instant AF integriert. Das Fokussierungssystem berechnet den Abstand zum Objekt, bevor die Speicherung vorgenommen wird, um dadurch die Autofokusperformance zu verbessern. Leider kann Instant AF bei Aufnahmen unter schlechten Lichtbedingungen nur wenig bewirken, da der Entfernungsmesser genug Kontrast benötigt, um das Objekt zu lokalisieren.

Der HV10 verwendet denselben digitalen Prozessor Digic DV II HD wie andere Modelle der Serie auch, was der Farbverarbeitung und Rauschunterdrückung zugute kommt und darüber hinaus Fotofunktionen wie Serienaufnahmen und gleichzeitige Video-Aufzeichnung sowie Einzelbilder mit zwei Megapixeln ermöglicht.

Canon HV10
Der HV10 hat sowohl eine Videolampe als auch ein Blitzlicht. Die Videolampe kann auch für Fotos eingesetzt werden.

Obwohl sich der HV10 wie ein vollautomatischer Camcorder bedienen lässt, bietet er für anspruchsvollere Anwender auch eine erstaunliche Flexibilität. Die Funktionen Belichtung mit Blenden- und Verschlussvorwahl, zwei unterschiedliche Streifenmuster zur Begutachtung von überbelichteten Aufnahmen, variable und feste Zoomeinstellung sowie Spitzenwerteinstellung mit einer Betonung der Konturen (wodurch die manuelle Fokussierung einfacher wird) erfüllen die meisten Anforderungen spielend. Die Speicherung der Einzelaufnahmen erfolgt auf Mini-SD-Karten. Im Fotomodus besteht außerdem die Möglichkeit, unter drei verschiedenen Messeinstellungen sowie Serienaufnahmen zu wählen.

Einige Funktionen vermisst man allerdings schmerzlich: Der HV10 verfügt zum Beispiel über keinen HDMI-Ausgang, obwohl ein Komponenten-Signalausgang für die Wiedergabe über einen Fernseher vorhanden ist. HDMI würde aber digitale Bilder in viel besserer Qualität liefern. Außerdem fehlt im Lieferumfang eine Software für die Bearbeitung der Aufnahmen.

Die Instant-AF-Funktion hält, was sie verspricht: Sofern man dem Objekt nicht zu nahe kommt oder sich zu schnell bewegt, ist die Fokussierung fast immer perfekt. Nur ganz selten wird auf das falsche Objekt scharf gestellt, in einem solchen Fall kann man jedoch die Fokussierung absolut problemlos über das Jog-Dial manuell vornehmen.

Canon HV10
Das Mikrofon befindet sich über dem Sucher. Dies bedeutet, dass die Stimme der Person, die das Video dreht, viel besser zu hören ist als die der eigentlich aufgenommenen Personen.

Es mag am vielen Kaffee liegen, aber die Bildstabilisierungsfunktion bei maximalen Teleaufnahmen erweist sich im Test nicht unbedingt als sehr effektiv. Dies ist sicherlich zum Teil auf das Design des Camcorders zurückzuführen. Bei vertikalen Modellen neigen die Hände dazu, nach vorne zu kippen, so dass das Handgelenk etwas mehr versteift werden muss, um die Kamera ruhig zu halten.

Der kleine Akku, der sich so gut auf der Seite des Camcorders einlegen lässt, hält leider selbst im vollständig geladenen Zustand nicht länger als eine halbe Stunde.

Die Bildqualität des HV10 ist eindrucksvoll: Er produziert scharfe, gut gesättigte und gleichmäßige Bilder. Bei Tageslicht gedrehte Videos sind allerdings ganz leicht überbelichtet. Wie die meisten anderen Camcorder auch neigt der HV10 dazu, die hellen Bereiche zu verstärken. Dem lässt sich jedoch bei Bedarf mit einer Belichtungskorrektur entgegenwirken – die Ergebnisse sind dann ganz passabel.

Aufgrund der Tatsache, dass der HV10 einen CMOS-Chip verwendet, kann man eigentlich von Aufnahmen bei schlechten Lichtverhältnissen nicht sehr viel erwarten, doch hier wartet der Camcorder mit einer echten Überraschung auf. Obwohl die Videobilder leicht körnig sind, bleiben sie sehr gut gesättigt, scharf und sehr detailliert, selbst bei starkem Kontrast. Man muss auch keine niedrigere Verschlussgeschwindigkeit oder ein spezielles Nachtprogramm wählen, um ein akzeptables Ergebnis zu erhalten.

Der automatische Weißabgleich ist jedoch enttäuschend. Der HV10 scheint Probleme bei wechselnden Lichtverhältnissen zu haben. Das ist an sich kein größeres Problem, dieser Camcorder bietet jedoch keine Möglichkeit, den Weißabgleich während der Aufnahme anzupassen. Erst muss die Aufnahme unterbrochen, die Einstellung geändert und dann erneut begonnen werden.

Canon HV10
Für einen CMOS-Chip sind die Fotos ziemlich gut. Der Ausdruck sollte jedoch auf ein Format von 10 mal 15 Zentimeter beschränkt werden.

Der Canon HV10 hat so viele gute Seiten, dass man in Sachen Ergonomie durchaus das eine oder andere Auge zudrücken kann. Wenn man einen kompakten und hochauflösenden Camcorder für den nächsten Urlaub sucht, gibt es sicherlich zum Canon HV10 kaum eine Alternative.

Artikel von CNET.de: https://www.cnet.de

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