Profikamera für höchste Ansprüche: Canon EOS-1D Mark II N

von David Bergman und Lori Grunin am , 09:55 Uhr

Pro
  • hervorragende Kombination von rasanter Geschwindigkeit und hoher Auflösung
  • großer Pufferspeicher
  • hochgradig anpassbar
  • sichert individuelle Kameraeinstellungen auf Speichermedien
  • unterstützt Kartengrößen von über 2 GByte
Con
  • Rauschen in unterbelichteten Bildbereichen
  • bei Verwendung von Objektiven niedrigerer Qualität machen sich Mängel bemerkbar
Hersteller: Canon Listenpreis:
ZDNet TESTURTEIL: EXZELLENT 9,0 von 10 Punkte
Fazit:

Die Mark II N ist eine Klasse für sich. Sie bietet professionellen Fotografen ausführliche Anpassungsoptionen, hervorragende Bildqualität und die höchste Geschwindigkeit am Markt.

Die EOS-1D Mark II N von Canon ist eine Klasse für sich. Professionellen Fotografen und fortgeschrittenen Amateuren stehen umfangreiche Anpassungsoptionen zur Verfügung. Ihre Topfunktionalität, eine hervorragende Bildqualität und die höchste Geschwindigkeit am Markt machen sie zu einem heißen Tipp.

Canon verteidigt seine Spitzenposition auf der Liste der schnellsten digitalen Spiegelreflexkamera auf dem Markt mit der EOS-1D Mark II N mit 8-Megapixel-Sensor. Die Kamera ist eigentlich für Pressefotografen aus den Bereichen Nachrichten und Sport konzipiert. Sie eignet sich aber ebenso gut für Portraitfotografen, die eine vielseitige, kleine Digitalkamera suchen. Die Mark II N ersetzt die EOS-1D Mark II, die ebenfalls das führende Modell ihrer Klasse war. Canon hat mehrere nützliche Verbesserungen integriert.

Die Mark II befindet sich seit mehreren Monaten im Testeinsatz und beeindruckt durch ihre Ausstattung, ihr Design, die Anpassungsmöglichkeiten und ihre Bildqualität.

Der in dieser Rezension angegebene Preis gilt für die Canon EOS-1D Mark II N (Gehäuse ohne Objektiv).

Design

Das Gehäusedesign der Canon EOS-1D Mark II N ist dem ihrer Vorgängerin, der EOS-1D Mark II, sehr ähnlich. Mit ihren 1,5 Kilogramm ohne Objektiv hat die Mark II N ein ideales Gewicht für den professionellen Einsatz. Sie liegt gut in der Hand, wenngleich sie für den einen oder anderen vielleicht etwas viel wiegt. Die solide Kamera ist wetterfest und gegen Wasser, Staub und Schmutz geschützt.

Sehr praktisch ist, dass die Gummideckel über den Anschlüssen aufgeklappt, aber nicht abgenommen werden müssen. So kann man sie nicht verlieren. Canon hat außerdem eine kleine, aber wichtige Verbesserung am Verschluss für das Speicherkartenfach vorgenommen. Es war immer etwas knifflig, an der ersten EOS-1D die Speicherkarte auszutauschen. An der Mark II N steht der Verschluss etwas vor und ist somit viel leichter zu öffnen.

Wie die Mark II hat auch die Mark II N einen integrierten zweiten Griff mit Auslöser. So kann man die Kamera mühelos um 90 Grad drehen und Fotos im Hochformat aufnehmen. Wie der horizontale Griff bietet auch der vertikale alle nötigen Bedienelemente. Bei komfortablem Handling erreicht man ein Auswahlrad, eine Taste für die Mehrfeldmessung, eine weitere zur Blitzbelichtungs- und Belichtungswertspeicherung, eine Taste für die AF-Hilfsleuchte und eine Taste zur Auswahl des AF-Messfeldes.

Zu den Aufnahmeeinstellungen, die man mit dem Auswahlrad anwählen kann, zählen manueller Modus, Blendenautomatik, Zeitautomatik und Langzeitbelichtung. Von der ersten EOS-1D ist man gewöhnt, für die nächste Einstellung das Auswahlrad zwei Klicks weiterdrehen zu müssen. Jetzt genügt dafür ein einfacher Klick.

Funktionsausstattung

Unter allen aktuellen Kameras bietet die EOS-1D Mark II N von Canon mit am meisten individuelle Einstellungsmöglichkeiten. Sie verfügt über 21 Anpassungsfunktionen und 31 personalisierte Justierungen. Die Einstellungen erfolgen über die mitgelieferte Computersoftware. Das kann etwas Zeit in Anspruch nehmen. Mit ihrem neuen elektronischen Verschluss erreicht die Kamera nicht mehr die Verschlussgeschwindigkeit von bis zu 1/16000 Sekunde wie die 1D, sondern nur noch 1/8000 Sekunde. Das ist aber immer noch ziemlich schnell.

Man kann unter 40 Komprimierungsstufen für JPEG-Dateien auswählen, ohne die Kamera an einen Computer anschließen zu müssen. Die niedrigste ISO-Einstellung der Mark II N liegt genau bei ISO 50, die höchste bei ISO 3200.

Viele der Verbesserungen, die die Mark II N gegenüber der Mark II erfahren hat, haben mit der Bildwiedergabe und dem größeren und helleren 64-Millimeter-LCD-Bildschirm zu tun. Zum einen lässt sich die Kamera so einstellen, dass beim Betrachten der Bilder der Bereich um den AF-Punkt vergrößert wird. Das spart viel Zeit beim Prüfen der Schärfe. Außerdem muss man nicht in den Wiedergabemodus wechseln, um ins Bild zu zoomen. Das geht nun auch mit der Quick-Review-Funktion. Darüber hinaus kann die Kamera beim Umschalten zwischen zuletzt aufgenommenen und zuletzt betrachteten Bildern wechseln.

Eine interessante Neuerung an der Mark II N sind die Picture Styles. Neben einigen Voreinstellungen kann man drei individuelle Kombinationen aus Bildschärfe, Kontrast, Sättigung und Farbton einstellen.

Wie an alle EOS-Modelle passen auch an die Mark II N sämtliche Objektive mit Canon EF-Anschluss, mit Ausnahme der EF-S-Reihe. Da der CMOS-Sensor kleiner ist als das 35-Millimeter-Kleinbildformat, hat sie einen Formatfaktor von 1,3. Der Faktor 1,3 stellt einen angenehmen Kompromiss zwischen dem Faktor 1,5, den die D2H von Nikon verwendet, und dem 1:1-Verhältnis der EOS-1Ds von Canon dar. Der Unterschied ist jedoch schon so groß, dass man ein Objektiv mit einer kürzeren Brennweite verwenden muss, um einen Weitwinkeleffekt zu erzielen. Bedeutende Abweichungen bei der Verwendung von Teleobjektiven stellen sich jedoch nicht ein.

Eine weitere praktische Neuheit ist die Funktion zum Speichern und Auslesen der Kameraeinstellungen. Sobald man die Kamera so eingerichtet hat, wie man es möchte, kann man im ersten Einstellungsmenü die Speicherung aller Werte anwählen. Die Mark II N legt diese dann in einer kleinen CSD-Datei im Hauptverzeichnis der Speicherkarte ab. So lassen sich die Daten gut aufbewahren oder mit einer anderen Kamera zeitsparend einsetzen.

Leistung

Canon hat bei der EOS-1D Mark II N die Leistung bei Serienaufnahmen in jeder Hinsicht verbessert. Sie hat mit 8,5 Bildern pro Sekunde bei optimalen Bedingungen nach wie vor die schnellste gemessene Wiederholungsrate. Canon behauptet, dass der Pufferspeicher überdies 48 JPEG-Aufnahmen (vormals 40), 22 RAW-Dateien (vormals 20) oder 19 RAW+JPEG-Dateien aufnehmen kann, bevor er seine Kapazitätsgrenze erreicht. Im Test können 257 kleine JPEGs bei 8 Bildern pro Sekunde oder 100 RAW-Dateien aufgenommen werden, bevor der Puffer überlastet ist.

Wie bei der Mark II werden Aufnahmen aus dem Pufferspeicher auch dann noch auf die Karte geschrieben, wenn man das Speicherkartenfach versehentlich öffnet. Das Status-LCD oben auf der Kamera blinkt dann. Es zeigt an, wie viele Aufnahmen noch aus dem Pufferspeicher übertragen werden müssen. Der Schreibvorgang läuft aber nahtlos weiter.

Bei der Mark II nahm das vollständige Löschen des Speichers nach einer Serie von 20 RAW+JPEG-Dateien fast eine Minute in Anspruch. Canon hat diese Zeitspanne weiter gesenkt. Mit der Mark II N und einer CF-Karte vom Typ Sandisk Extreme IV dauert das Schreiben von 21 RAW+JPEG-Aufnahmen nur noch 22 Sekunden. Zudem geht das Betrachten von Bildern auf dem LCD bei der Mark II N fast ohne Verzögerung vonstatten. Auch das ist eine große Verbesserung gegenüber der Mark II.

Wie die Mark II hat die Mark II N einen hervorragenden Belichtungsmesser mit 21 Messfeldern und dasselbe Autofokus-System mit 45 Messfeldern. Dadurch gelingen die Aufnahmen mit den Automatikfunktionen genau auf den Punkt.

Die Mark II N verwendet denselben Nickel-Metallhydrid-Akku wie ihre Vorgänger. Mann muss also keine neuen Akkus kaufen. Allerdings hat Canon keine neueren Lithium-Ionen- oder Lithium-Polymer-Akkus mit längerer Lebensdauer eingesetzt, wie sie zum Beispiel der schier unerschöpfliche Akku der Nikon D2H aufweist.

Bildqualität

Die im Test mit der Canon EOS-1D Mark II N aufgenommenen Dateien sind ebenmäßig und zeigen bei ISO 100 und ISO 200 fast kein Rauschen. Auch ISO 400 und ISO 800 sehen sehr gut aus. Es gibt kein Anzeichen von Streifenbildung, unter der noch die Aufnahmen der EOS-1D litten. Wie bei den meisten digitalen Spiegelreflexkameras muss man darauf achten, dass die Aufnahmen nicht unterbelichtet werden. Auf stark unterbelichteten Bildern ist ein deutliches Rauschen wahrzunehmen. Zur Sicherheit sollte man die Aufnahmen um etwa eine halbe Stufe überbelichten. Den Belichtungswert kann man dann beim Konvertieren der RAW-Dateien mit der Bildbearbeitungssoftware wieder senken.

Unter Verwendung der Voreinstellung durchlaufen die mit der Mark II aufgenommenen Bilder keinen starken Scharfzeichnungsfilter. Einigen mögen die resultierenden weichen Bilder nicht gefallen. Man hat jedoch auf diese Weise in der Nachbearbeitung mehr Kontrolle darüber, welchen Grad von Scharfzeichnung man verwenden möchte. Wer die Bildschärfe bereits in der Kamera erhöhen will, sollte eine Schärfeeinstellung von drei oder vier wählen.

Aufgrund der hohen Auflösung und der hervorragenden Bildqualität stellt die Mark II N hohe Ansprüche an die verwendeten Objektive. So ergeben sich im Test mit einem 1,4-Telekonverter, der an der EOS-1D anstandslos funktioniert, keine scharfen Bilder. Durch die hohe Auflösung der Kamera werden selbst die geringsten Mängel sichtbar. Um die besten Ergebnisse zu erzielen, sind also erstklassige Objektive unentbehrlich.

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