HD-Aufnahmen mit Formatproblemen: Sony Handycam HDR-UX1

von Lori Grunin am , 00:00 Uhr

Pro
  • scharfe, gut gesättigte und rauscharme Videos
  • ausgezeichnete Bildqualität
  • schnelle, weiche Fokussierung mit effektiver Bildstabilisierung
Con
  • mittelmäßige Fotos
  • optische und zeitweilig auch Bewegungsartefakte bei Videos
  • die Discs sind zu den meisten Geräten nicht kompatibel
  • die mitgelieferte Software ist wenig leistungsfähig
  • kein Windschutzfilter für das Mikrofon
Hersteller: Sony Listenpreis:
ZDNet TESTURTEIL: SEHR GUT 7,7 von 10 Punkte
Fazit:

Die Handycam HDR-UX1 ist zwar ein netter Camcorder, hat aber einige lästige Schwachstellen.

Die Sony Handycam HDR-UX1 ist ein ganz netter Camcorder. Leider ist es aufgrund der zahlreichen Kompatibilitätsprobleme eher nicht möglich, diesen Camcorder im Vergleich zu anderen Modellen zu empfehlen.

Eigentlich beginnen Testberichte mit einer allgemeinen Produktbeschreibung. In diesem Fall jedoch, interessiert der Umstand, dass die Sony [1] Handycam HDR-UX1 ein ganz netter Camcorder ist, erst in zweiter Linie.

Um was geht es dann? Zuerst sollten vielleicht die beiden Warnhinweise der englischsprachigen Support-Website von Sony zitiert werden:

1. „DVDs mit Videoinhalten im AVCHD-Format sind nicht mit handelsüblichen oder hochauflösenden DVD-Playern/Recordern kompatibel und sollten aus diesem Grund nicht mit diesen verwendet werden. Unter Umständen wird die Disc nicht aus dem Gerät ausgeworfen oder ihr gesamter Inhalt wird ohne vorherige Warnung gelöscht.“

2. „DVDs mit Videos im AVCHD-Format sollen nicht in Computer eingelegt werden, auf denen eine Packet-Writing-Software installiert ist. Unter Umständen wird die Disc nicht aus dem Gerät ausgeworfen oder ihr gesamter Inhalt wird ohne vorherige Warnung gelöscht.“

Entsprechend kann die Disc problemlos nur in einem der beiden aktuell auf dem Markt verfügbaren Blu-ray-Player oder in der Playstation 3 abgespielt werden. Mit dem Samsung [2] DB P1000 ist es in dem zum Prüflabor umfunktionierten Heimkino nicht möglich, ein Menü auf der Test-Disc zu finden. Und wie nicht anders zu erwarten war, wird die Disc bei einem anderen HD-Player nicht ausgeworfen.

Damit der Computer die Discs erkennen kann, muss zuerst die Software Picture and Motion Browser von Sony mit zwei zugehörigen Programmen installiert werden. Das erste ist ein Dienstprogramm zur Medienüberprüfung. Es fängt Aufrufe an andere Camcorder oder Medien ab, die möglicherweise über M2TS-Dateien verfügen. Das zweite Programm ist ein UDF-Treiber von Sonic, der es dem System gestattet, die AVCHD-Disc-Dateistruktur richtig zu lesen. Darüber hinaus ist ein AVCHD-Player zum Betrachten der Videos erforderlich. Eine einfache Aktualisierung des Gerätetreibers und ein systemübergreifender Codec wären diesem anwendungslastigen Prozedere deutlich vorzuziehen.

Mit der Software können zwar Clips geschnitten werden, aber das war es dann schon. Wenn eine weitere AVCHD-Disc, zum Beispiel als Geschenk, erstellt werden soll, kann die Software dafür zwar eingesetzt werden. Aber der Beschenkte plant ja möglicherweise nicht, sich schnell mal eine PS3 zu kaufen. Auch Standard-DVDs können erstellt werden. Oder man konvertiert die Clips einfach in MPEG-2-Dateien mit einer handelsüblichen DV-Auflösung (720 mal 480). Doch auch dazu muss man die knifflige Software verwenden.

Man mag diese Probleme vielleicht nicht allzu ernst nehmen, das Leben bietet schließlich noch ganz andere Herausforderungen. Allerdings besteht durchaus ein großer Unterschied zwischen einem DVD-Player, mit dem die Lieblingsspielfilme nicht abgespielt werden können, und einem Camcorder, der sämtliche Urlaubsaufnahmen einfach löscht. Darüber hinaus sollte, wie bereits mehrmals erwähnt, der Schwerpunkt eines DVD-Camcorders auf seiner Bedienerfreundlichkeit liegen. Diesbezüglich erwies sich das AVCHD-Format jedoch als alles andere als praktisch.

Design

Nun aber zum Camcorder selbst. In mancher Hinsicht wurde die HDR-UX1 wie ein kleiner Panzer gebaut und wiegt auch fast so viel. Dafür liegt das beinahe 500 Gramm schwere Gerät ganz gut in der Hand. Das Mini-DVD-Laufwerk ragt über die Oberseite des Gerätes hinaus und bietet so eine gute Griffsicherheit.

Da die UX1 sehr großzügig konzipiert wurde, wirkt nichts gedrängt. Mit wenigen kleinen Ausnahmen lassen sich sämtliche Bedienelemente auch mit den richtigen Fingern bedienen. Aufnahmen mit einer Hand sind problemlos möglich. Die Fotoauslösetaste ist aber sehr nahe am Zoomschalter angebracht. Ebenso erweist sich die Bedienung des Ein-/Ausschalters (zum Umschalten zwischen Foto- und Camcordermodus) mit dem Zeigefinger als gewöhnungsbedürftig. Wie alle anderen Camcorder von Sony auch verfügt der UX1 über ein Menüsystem, das sich über einen Touchscreen navigieren lässt. Dieses Menüsystem muss man nicht unbedingt mögen. Es funktioniert jedoch aufgrund des großen LCDs der UX1 besser als bei den kleinen Displays günstigerer Modelle. Insgesamt ist das Gerät sehr bedienerfreundlich.

Die HDR-UX1 bietet sämtliche Features, die man von einem Camcorder erwartet, einschließlich A/V, Komponenten- und HDMI-Ausgangsbuchsen. Ein HDMI-Kabel ist aber nur als gesondertes Zubehör erhältlich. Weiter finden sich eine Kopfhörerbuchse und ein Mikrofoneingang, ein intelligenter Zubehörschuh, Zebrastreifen sowie ein manueller Einstellring um das Objektiv für Belichtung, Fokussierung oder Weißabgleich. Ein gleichmäßiger langsamer Aufzeichnungsmodus zur Analyse von Actionaufnahmen, wenn auch nur für drei Sekunden, wird auch geboten. Und schließlich ist da noch das absolute Highlight von Sony: Aufzeichnung mit 5.1-Dolby-Surround.

Performance

Im Gegensatz zur Wiedergabe hat die UX1 nur wenige Probleme mit der Kompatibilität bei der Aufzeichnung. Sie akzeptiert drei Zoll große DVD-R/RW, DVD+RW und die neu eingeführten DVD+R Dual-Layer-Discs. Mit diesen Discs können annähernd 40 Minuten lange Videos aufgenommen werden, jeweils 20 Minuten auf jeder Seite.

Beim Ein- und Ausschalten kann die UX1 in Sachen Geschwindigkeit nicht mit Camcordern mit integrierter Festplatte mithalten. Doch sie ist etwas schneller, als das bei DVD-Modellen im Durchschnitt der Fall ist. Es dauert zum Beispiel nur etwa vier Sekunden bis zum Starten einer DVD-R-Disc. Bei jedem Booten wird aber Zeit verschwendet, da man jedes Mal daran erinnert wird, dass das Gerät Medien von Sony bevorzugt. Der Zoom funktioniert absolut problemlos im gesamten 10-fach-Bereich. Er ist beim Ausfahren einen Tick schneller als beim Einfahren.

Wie bei Sony-Geräten üblich weisen die Standaufnahmen eine ziemlich gute Stabilität auf. Der Autofokus ist schnell und präzise. Das LC-Display lässt sich selbst bei hellem Sonnenlicht gut ablesen. Unter denselben Lichtverhältnissen ist es jedoch häufig schwierig, die LEDs zu erkennen, die den Video- oder Fotomodus anzeigen. Solange man den Sucher verwendet und Videos nicht so häufig zurückspult, reicht der Akku gut 45 Minuten lang. Man sollte also im Urlaub lieber einen Reserveakku dabeihaben.

Die Video-Performance ist außergewöhnlich gut. Was aber Fotos anbelangt, lässt sich das Problem einfach auf den Punkt bringen: Die Verschlussverzögerung ist einfach zu lang. Obwohl Sony betont, dass der 2-Megapixel-Clearvid-CMOS-Sensor der UX1 Aufnahmen mit nicht interpolierten 4 Megapixeln ermöglicht, sind die Fotos nicht besonders gut. Sie reichen bei weitem nicht an die Qualität der HV10 von Canon heran.

Videobilder wirken hingegen scharf und gesättigt. Wenn man jedoch die Belichtungsautomatik einsetzt, neigt die UX1 stärker als üblich zu Überbelichtungen. Es gibt auch deutliche lilafarbene Farbsäume entlang vieler der überbelichteten kontrastreichen Kanten. Wenn die Belichtung in hellem Sonnenlicht etwas gedämpft wird, sollte das Resultat jedoch ganz passabel sein. Unter schlechten Lichtbedingungen ist die Videoqualität dagegen ziemlich eindrucksvoll. Die Bilder sind rauscharm mit wenigen Sättigungsverlusten.

Da die HDR-UX1 auch normale Videos mit handelsüblicher Auflösung aufzeichnen kann, ist man nicht völlig den Formatproblemen ausgeliefert. Aber in diesem Fall wird die UX1 nur zu einer glorifizierten und überteuerten Version der DCR-DVD505. Auf absehbare Zeit sollte man besser bei den HDV-Modellen bleiben, wie etwa der Handycam HDR-HC3 oder der Canon HV10, wenn man hochauflösende Videos aufnehmen will.

Artikel von CNET.de: https://www.cnet.de

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[1] Sony: http://www.cnet.de/unternehmen/sony/

[2] Samsung: http://www.cnet.de/unternehmen/samsung/