HD-DVD versus Blu-ray: Die Fakten

von Daniel Schraeder und Rob Gillman am , 00:00 Uhr

Wenn es um High-Definition-Filmvergnügen geht, buhlen immer noch zwei Standards um die Gunst der Kunden. Dahinter stehen konkurrierende Hersteller, aber auch Hollywood-Studios – und ohne den richtigen Inhalt nützt selbst das beste System nichts.

Warum sollte man sich überhaupt mit den Unterschieden zwischen HD-DVD und Blu-ray auseinandersetzen? Die Antwort ist einfach: Wer HD-Filme sehen will, kommt um diesen Formatkrieg nicht herum. Die Inhalte auf diesen Medien sind die schärfsten und qualitativ besten, die es jemals bei Saturn und Co zu kaufen gab.

High-Definition-Video, meist abgekürzt mit high-def oder HD, ist die Crème de la Crème des Heimkinos. Das verrät bereits der Name. Wörtlich übersetzt steht HD für hohe Schärfe, Konturentreue oder Präzision. Alle diese Begriffe treffen haargenau zu. Das weiß jeder, der sich bereits einen Film in hoher Auflösung angesehen hat.

Filme auf DVD haben üblicherweise eine Auflösung von 720 mal 576 Pixeln; in den USA und Japan sind es sogar nur 720 mal 480. HD hingegen kommt auf volle 1920 mal 1080 Bildpunkte, was der fünffachen Auflösung von EU-DVDs entspricht. Fünffache Auflösung – also ein Vielfaches an Details. Darüberhinaus ist HD-Material üblicherweise besser kodiert und weniger komprimiert. Das sorgt für leuchtendere Farben und vermindert Artefakte im Bild.James Bond auf Blu-ray

Wer den richtigen Fernseher oder Beamer mit HD-Videos füttert, erlebt Heimkino jenseits der DVD. Ein Beispiel ist die Szene mit dem Empire State Building aus Peter Jacksons King Kong [1]. In der DVD-Version wirkt das Fell des Gorillas wie eine undefinierbare, dunkelgrau-schwarze Masse. Manhattans Gebäude und Straßen im Hintergrund verschwimmen unscharf, und zwischen den Wolken erkennt man Bildrauschen – hier schlägt die Kompression sichtbar durch.

Wer nun zur HD-Version des Films wechselt, hat den Eindruck, einen schmierigen Film aus Vaseline und Ruß vom Fernseher geputzt zu haben. Einzelne Borsten auf King Kongs Rücken sind sichtbar, während er das Gebäude hochklettert. Die Skyline im Hintergrund hat rasiermesserscharfe Kanten, und der Himmel ist klar wie der Königssee. Der Unterschied ist alles andere als marginal. Vor allem bei Fernsehern mit einer Größe von 42 Zoll oder mehr fällt er ganz extrem ins Gewicht.

Unterschiedliche High-Definition-Geschmacksrichtungen

HD-DVD und Blu-ray kennen drei unterschiedliche Formate: 720p, 1080i und 1080p. 720p verfügt mit einer Auflösung von 1280 mal 720 Pixeln über die geringste Auflösung. Die progressive Wiedergabe sorgt für geschmeidige Kanten bei Bewegungen.Batman auf HD-DVD

1080i hat eine Auflösung von 1920 mal 1080 Bildpunkten. Jeder Frame wird allerdings in zwei Durchgängen ausgegeben. Das kann, vor allem bei schnellen Bewegungen, zu zerklüfteten Kanten führen. Das führt uns zum dritten und besten Format: 1080p verfügt über die volle Auflösung und progressive Wiedergabe.

Allerdings ist nicht jeder HD-ready-Fernseher oder -Projektor in der Lage, dieses Format wiederzugeben. Und um den Unterschied zu 720p deutlich erkennen zu können, sollte das Gerät über eine Diagonale von mindestens 50 Zoll verfügen.

Bild, Sound und Menüs

Die Qualitäten von HD-DVD und Blu-ray mögen vielleicht bei der hohen Auflösung beginnen, doch sie enden dort noch lange nicht: Diese Formate bieten auch den besten Sound. Ist die richtige Hardware am Start, steht dem Genuss von verlustfreiem Dolby True-HD oder DTS-HD nichts im Wege. Das sind neue digitale Audio-Formate – so effizient kodiert, dass bei der Wiedergabe keine Qualitätsnachteile zu den Original-Tonspuren auftreten.

Die neuen Formate bringen auch interaktive Menüs und Extra-Content eine gehörige Stufe weiter. Beide Standards erlauben komplexe, animierte Menüs. Etwa Pop-ups, die beim Ansehen eines Films auftauchen können, oder Bild-in-Bild-Wiedergabe. Allerdings kommt nicht jeder Player mit dieser Technik klar.

Beide Verfahren können außerdem zusätzliche Inhalte aus dem Netz ziehen; vorausgesetzt, der Player verfügt über einen Netzwerkanschluss und ist mit dem Internet verbunden. Diverse Filme erlauben den Zugriff auf exklusiven Online-Content, etwa Videos, Biografien der Stars oder Filmografien. Dank Internet-Update topaktuell, versteht sich.

Blu-ray HD-DVD
Speicherkapazität 50 GByte 30 GByte
Video-Encoding MPEG 2, AVC, VC 1 (H.264) MPEG 2, AVC, VC 1 (H.264)
Standardmäßige Audio-Codecs Dolby Digital, DTS, Linear PCM Dolby Digital, Dolby Digital Plus, Dolby True-HD, DTS, Linear PCM
Optionale Audio-Codecs Dolby Digital Plus, Dolby True-HD, DTS-HD, DTS-HD Master Audio DTS-HD, DTS-HD Master Audio
Online-Kompatibilität ja (optional) ja
Kopierschutz AACS, BD+ AACS
Regionalcode drei Regionen kein Regionalcode
Durchschnittlicher Hardware-Preis 1000 Euro 500 Euro
Wichtige Hardware-Hersteller Sony [2], Panasonic, Philips, Samsung [3], Pioneer Toshiba, Microsoft [4], Sanyo, Intel
Wichtige Filmstudios 20th Century Fox, Columbia, MGM, Disney, Lionsgate Universal, Warner




Viele haben eine gewisse Angst vor dem Format-Krieg zwischen Blu-ray und HD-DVD. Er erinnert auch zu stark an den Kampf zwischen VHS und Betamax in den 80er Jahren. Wie damals könnte einer der Standards erst zur Randerscheinung verkommen und dann völlig vom Markt verschwinden. Es ist also wichtig, die richtige Kaufentscheidung zu fällen – doch wie sieht die aus?

Technische Unterschiede

Wenn es auf die Bildqualität ankommt, gibt es keine großen Unterschiede zwischen den beiden Formaten. Beide unterstützten Kompressionen in MPEG 2, VC 1 und AVC (auch bekannt als H.264). Welche tatsächlich zum Einsatz kommt, hängt vom konkreten Film ab. Die Qualtät kann also abweichen.

Fast alle HD-DVDs nutzen die fortgeschritteneren Codecs VC 1 oder AVC, während die erste Generation der Blu-ray-Scheiben auf MPEG 2 setzt. Daher stammt die frühe Kritik an der Bildqualität bei Blu-ray, doch Neuerscheinungen setzen ebenso auf die neuen Codecs – und sehen so gut aus wie HD-DVDs.

Auf der Audio-Seite sehen die Dinge ähnlich aus. Blu-ray unterstützt konventionelles Dolby Digital mit einer Bitrate von maximal 640 KBit/s, während HD-DVDs auf höchstens 504 KBit/s kommen. Allerdings unterstützen alle Standalone-HD-DVD-Player Dolby Digital Plus – mit einer Bitrate von 3 MBit/s. Nicht alle Blu-ray-Player kommen damit klar – und selbst wenn, dann nur mit einer Bitrate von maximal 1,7 MBit/s.HD-DVD

Bei der Speicherkapazität hat Blu-ray die Nase vorn. Auf eine Dual-Layer-Scheibe lassen sich bis zu 50 GByte Daten packen. Das HD-DVD-Equivalent packt „nur“ 30 GByte. Umgerechnet könnte eine Blu-ray-Scheibe 8,5 Stunden Film fassen, während HD-DVDs auf 5,1 Stunden kommen. Es ist also nicht so, als müsste man einen Film über mehrere Scheiben splitten – aber mehr Kapazität heißt auch mehr Platz für Extras und weitere Audiospuren. Außerdem könnte die zusätzliche Kapazität in Zukunft genutzt werden, in dem die Anbieter Audio- und Videodaten in noch besserer Qualität kodieren.

Die Inhalte legen den Wert fest

Seit der Vorstellung der beiden Formate ist schon etwas Zeit vergangen – perfekt, um mal einen Blick auf die Filmauswahl zu werfen. HD-DVDs kommen ohne Regionalcode, also laufen etwa in den USA gekaufte Filme auch problemlos auf einem hierzulande gekauften Player.

Blu-ray-Filme hingegen kommen mit Regionalcode – man muss also hier einkaufen. Schade eigentlich, denn die Auswahl der Blu-Ray-Filme in den USA ist deutlich größer als hier – wenn die sprachliche Barriere nicht stört. Überhaupt sieht die Auswahl in Amerika sehr ordentlich aus. 20th Century Fox, Disney, Lionsgate, Columbia Pictures und MGM gehören zu den Unterstützern. Hinter HD-DVD stehen nur die Universal Studios sowie die Weinstein Company. Dreamworks, New Line Cinema, Paramount Pictures und Warner Bros unterstützen beide Formate.Blu-ray

Die großen Studios hinter Blu-ray sind natürlich ein starkes Argument. Sonys Geschäftsführer Howard Stringer sagte im Januar in einem Interview gegenüber unserer englischen Schwester Gamespot: „Die Gewinner an den Abendkassen in diesem Jahr waren, in dieser Reihenfolge, Sony, Disney und Fox. Diese drei stehen hinter Blu-ray. Auf Platz vier folgt Warner, und Warner unterstützt beide Formate – das tut also nicht weh.“

Der Playstation-Effekt

Die Playstation 3 hat Blu-ray einen weiteren Schub verpasst. Vor ihrem Launch in diesem Jahr gab es HD-DVD-Player für deutlich weniger Geld als Blu-ray-Geräte. Doch die PS3 hat das Verhältnis verschoben. Außerdem ist die Konsole eine Art trojanisches Pferd – schließlich bringt sie Blu-ray ins Wohnzimmer. Man kauft die Konsole zwar zum Zocken, doch man wird sie auch zum Ansehen von Filmen einsetzen. Zumindest hofft Sony das.

Zwar scheint die PS3 keinen großartigen Einfluss auf die Verkaufszahlen von Blu-ray-Filmen in den USA gehabt zu haben. Schließlich gab es dort entsprechende Player auch schon vorher deutlich billiger als in Europa. Hier sieht das aber anders aus – zwei Monate nach dem Verkaufsstart hat Sony bereits 1,62 Millionen Playstations in Europa an den Mann gebracht. Seit dem ist der Marktanteil von Blu-ray-Filmen auf 64 Prozent geklettert.Superman auf HD-DVD

Würde man hier einen Schlussstrich ziehen, würde die Sonne hell über dem Blu-ray-Lager leuchten. Doch der Krieg ist noch lange nicht vorbei. Die Technologie hinter HD-DVD ist deutlich billiger und einfacher in der Herstellung. Es ist also durchaus möglich, dass gegen Ende des Jahres No-Name-HD-DVD-Player aus chinesischer Produktion containerweise in unseren Geiz-Märkten landen. Das könnte alles ändern.

Zwar wird sie langsam bezahlbar, doch sowohl HD-DVD-, als auch Blu-ray-Player kosten immer noch einen gehörigen Batzen – vor allem im Vergleich zu Standard-DVDs. Wer an der Heimkinofront wirklich Vollgas geben wird, sollte dennoch in so ein Gerät investieren – die Qualität ist es wert.

HD-DVD

HD-DVD-Hardware ist die billigere im Vergleich. So kostet etwa das HD-DVD-Laufwerk für die X-Box 360 [5] deutlich unter 200 Euro – allerdings ist die Konsole nötig. Außerdem unterstützt die Kombination derzeit keinen verlustfreien Sound. Die Kombination aus Xbox 360 und HD-DVD-Laufwerk ist also nicht die beste Kombination.

Besser und noch einigermaßen bezahlbar ist der Toshiba HD-E1. Für unter 400 Euro wechselt er den Besitzer. Xbox 360Er unterstützt zwar keine Videoausgabe in 1080p, aber seine Bildqualität bei 1080i ist immer noch sehr ordentlich und detailreich. Außerdem unterstützt er die Wiedergabe von verlustfrei komprimierten Tonspuren – vorausgesetzt, er wird an einen Verstärker mit HDMI-Eingang angeschlossen. Sein größter Haken sind die langen Wartezeiten, die man in Kauf nehmen muss. Nach dem Einschalten und Einlegen eines Films können durchaus einige Minuten bis zur Wiedergabe vergehen.

Blu-ray

Der günstigste Blu-ray-Player überhaupt ist die Playstation 3 [6] – es gibt sie ab etwa 600 Euro. Heimkinofans mögen zwar eine Gänsehaut bekommen bei dem Gedanken, eine Konsole als Player einzusetzen. Aber das Gerät gibt ein fantastisches Signal bei 1080p aus und ist gleichzeitig der Player, der Filme am schnellsten lädt. Über ein HDMI-Kabel klappt auch die Wiedergabe von verlustfrei kodiertem Sound. Generell bekommt man hier sehr viel fürs Geld – schließlich ist die PS3 eine erstklassige Spielekonsole, surft im Netz und speichert Media-Inhalte.

Panasonics erster Blu-ray-Player dagegen, der DMP-BD10, ist ein klassicher Scheibendreher fürs Wohnzimmer. Sein knapp 1000 Euro lautendes Preisschild verrät, dass er ganz klar auf das obere Ende des Marktes zielt. Die Bedienung wirkt etwas klobig, aber gleichzeitig erhält man ein herrliches 1080p-Bild. Außerdem ist ein analoger 7,1-Kanal-Audio-Ausgang vorhanden. Das Gerät kann Lossless-Audio also selbst dekodieren und an jeden beliebigen Receiver ausgeben.

Der dritte Weg

Wer sich noch nicht für ein Format entscheiden möchte, kann zu einem universellen Player greifen: den LG [7] BH-100. Er ist das derzeit einzige Gerät, das sowohl HD-DVDs als auch Blu-ray unterstützt, und kann mit einer großartigen Audio- und Videoqualität punkten. Allerdings klappt die Darstellung der Menüs von HD-DVDs nicht unbedingt – dann ist es schwer, die Extras auf der Scheibe zu finden. Außerdem verfügt er über keinen Netzwerkanschluss. Zusatzcontent aus dem Netz ist nicht. LG-BH100

Samsung hat angekündigt, dass sein Multiformatplayer BD-UP5000 beide Formate vollständig unterstützen und einen Netzwerkanschluss haben wird. Darauf zu warten, ist also eine weitere Option. Leider nennt der Hersteller bislang weder Lieferdaten noch Preisvorstellungen.

Eine Sache ist sicher: Die Hardware wird billiger werden, und sobald die Auswahl der Filme bei beiden Formaten wächst, werden immer mehr ihre Sammlungen von DVD auf HD umstellen.

Artikel von CNET.de: https://www.cnet.de

URL zum Artikel: https://www.cnet.de/39154972/hd-dvd-versus-blu-ray-die-fakten/

URLs in this post:

[1] Peter Jacksons King Kong: https://www.cnet.de/digital-lifestyle/dvd/0,39032037,168237,00/king+kong+_doppel_dvd.htm

[2] Sony: http://www.cnet.de/unternehmen/sony/

[3] Samsung: http://www.cnet.de/unternehmen/samsung/

[4] Microsoft: http://www.cnet.de/unternehmen/microsoft/

[5] HD-DVD-Laufwerk für die X-Box 360: https://www.cnet.de/tests/dvd/0,39030930,39150254,00/auch+unter+windows+und+mac+os+lauffaehig+xbox+hd_dvd+player.htm

[6] Playstation 3: https://www.cnet.de/tests/preisradar/0,39033863,39149565,00/wii_+ps3+und+xbox+360+die+spielkonsolen+der+neuen+generation.htm

[7] LG: http://www.cnet.de/unternehmen/lg/