Zwiespältiges MP3-Handy: Samsung F300

von Frank Lewis am , 00:00 Uhr

Pro
  • schlankes Design
  • großes, scharfes Display auf der Player-Seite
Con
  • unpraktische Bedienelemente
  • kurze Akkulaufzeit
  • winziges Display auf der Handy-Seite
Hersteller: Samsung Listenpreis: 449 Euro
ZDNet TESTURTEIL: AUSREICHEND 5,0 von 10 Punkte
Fazit:

Einerseits ist das Design des F300 interessant, andererseits kann es die Benutzung zum Albtraum machen.

Der innovative Ansatz mit zwei Displays zahlt sich bei diesem Handy nicht aus, denn das exzentrische Design macht die Bedienung zu einer nervenaufreibenden Sache. Träge Performance und schlechte Akkulaufzeit bringen weitere Minuspunkte. Deshalb fällt es in die Kategorie „nicht empfehlenswert“.

Niemand möchte mit jemandem befreundet sein, der zwei Gesichter hat. Aber wie sieht es mit einem Handy mit zwei Seiten aus? Samsung [1] glaubt offensichtlich, dass die Welt auf so ein Handy wartet – und bringt das F300 auf den Markt. Die eine Seite sieht wie ein ganz gewöhnliches Mobiltelefon aus. Die andere wirkt wie ein MP3-Player, der an den Ipod Nano erinnert.

Es gibt unzählige aktuelle Handys, die Musik-Funktionen bieten. Doch keines verteilt Musik- und Telefonfunktionen auf so drastische Art, wie es bei diesem Samsung-Modell der Fall ist. Das Handy ist im Internet ab 310 Euro ohne Vertrag erhältlich.

Design

Trotz der Displays auf beiden Seiten wirkt das Modell beeindruckend schlank. Es ist in etwa so dick wie eine herkömmliche CD-Hülle. Dank der hübsch abgerundeten Kanten sieht es aber etwas schmaler aus.

Die Telefonseite beherbergt ein kleines Tastenfeld und ein noch kleineres Display. Trotz seiner winzigen Abmessungen wirkt das Tastenfeld nicht überfüllt. Man kann es mit passabler Geschwindigkeit bedienen.

Der spärliche Bildschirm ist da schon eher ein Problem. Er kann gerade mal drei Textzeilen auf einmal darstellen. Damit eignet er sich nur für grundlegende Aufgaben, wie die Suche nach Kontakten oder das Schreiben von SMS. Beim Zugriff auf erweiterte Funktionen wie den Webbrowser erscheint die Meldung, dass man das Handy umdrehen soll, um das größere Display auf der MP3-Player-Seite zu nutzen.

Dieser zweite Bildschirm ist ausgezeichnet. Er ist nicht nur hell und scharf, auch die Farben sehen großartig aus. Direkt darunter befindet sich ein Touchpad für die Navigation in den Musikmenüs.

Das Problem bei dem doppelseitigen Design ist die komplizierte Bedienung. Das ständige Wechseln von einer Seite zur anderen wird schnell lästig. Man muss zum Beispiel zwangsläufig auf den großen Bildschirm wechseln, um Bilder und Videos anzusehen. Auf dem kleinen Display wird ja alles viel zu winzig dargestellt.

Manchmal weiß man nicht einmal, welche Seite man gerade vor sich hat. Man nimmt das Handy vom Tisch, auf den man es vor ein paar Minuten gelegt hat. Doch beide Displays sind ausgeschaltet, um den Akku zu schonen. Ganz sicher wird man dann nicht nur einmal die falsche Seite erwischen.

Auch das Menüsystem ist ein ziemliches Durcheinander. Einige Funktionen sind wenig intuitiv bezeichnet. Wer würde schon erwarten, dass man nach Videos in einem Menü mit der Bezeichnung Albums suchen muss?

Bilder, Musik und Videos können zwischen dem Telefon und einem PC via USB ausgetauscht werden. Bei der Übertragung stehen dann zwei Modi zur Verfügung.

Im Media-Transfer-Modus kann man den Windows Media Player nutzen, um Titel, darunter Musik von Abodiensten wie Napster, zu synchronisieren. Der PC-Studio-Modus ermöglicht es, über die benutzerfreundliche PC-Software beispielsweise Einträge im Kalender des Handys zu bearbeiten oder SMS-Ordner zu verwalten. Auch Videos und Schnappschüsse lassen sich so vom und auf das Handy übertragen.

Wer nicht immer das USB-Kabel einstecken will, kann die Daten auch über Bluetooth austauschen. Da das F300 A2DP-Stereo unterstützt, können auch Bluetooth-Headsets oder -Freisprecheinrichtungen angeschlossen werden.

Das Modell ist ein Triband-Handy und nicht UMTS-fähig. Downloads sind daher auf GPRS- oder EDGE-Geschwindigkeit beschränkt. Die Kamerafunktionen wirken da ein wenig interessanter. Der 2-Megapixel-Sensor befindet sich auf der Handy-Seite. Er ist standardmäßig so eingestellt, dass er den kleinen Bildschirm als Sucher nutzt.

Für Selbstporträts mag das praktisch sein. Will man aber Fotos von anderen Motiven machen, muss man den Sucher per Tastendruck auf den größeren Bildschirm umschalten. Die Bilder sind zwar sehr farbenfroh, aber aufgrund des 2-Megapixel-Sensors nicht besonders detailreich.

Performance

Bei der Performance hat das Handy einzelne Pluspunkte zu bieten. Die Sprachwiedergabe bei Anrufen ist sauber und das Player-Display ist scharf. Die Minuspunkte überwiegen jedoch.

Der Akku ist ziemlich schwach auf der Brust. Im Test schafft er gerade mal eine Sprechzeit von zwei Stunden – ohne die geringste Benutzung des MP3-Players. Um Abhilfe zu schaffen, liefert Samsung eine Schutzhülle mit, die einen Ersatzakku enthält. Dadurch wird das Handy aber auch um einiges klobiger. Noch schlimmer ist, dass das Klapp-Design der Hülle das Wechselproblem zwischen Handy- und Player-Seite noch verschärft.

Fazit

Eigentlich ist es lobenswert, wenn ein Hersteller versucht, neue Wege zu gehen. Doch hier liegt der Fall anders. Durch das neuartige Design wird das Gerät so schwerfällig, dass man sich fragt, wie Samsung überhaupt auf diese Idee gekommen ist. Dieses Handy besteht aus beliebig zusammengewürfelten Ideen, ist langsam in der Bedienung und bringt auch noch eine schlechte Akkulaufzeit mit.

Das Prädikat „empfehlenswert“ hat dieses Modell absolut nicht verdient. Wer auf der Suche nach einem ordentlichen Musikhandy ist, sollte sich besser unter den Walkman-Modellen von Sony [2] Ericsson umschauen.

Artikel von CNET.de: https://www.cnet.de

URL zum Artikel: https://www.cnet.de/39155120/zwiespaeltiges-mp3-handy-samsung-f300/

URLs in this post:

[1] Samsung: http://www.cnet.de/unternehmen/samsung/

[2] Sony: http://www.cnet.de/unternehmen/sony/