HTC Touch: Sexy Windows-Smartphone mit Gestensteuerung

von Andrew Lim und Daniel Schraeder am , 00:00 Uhr

Pro
  • kompakte Abmessungen
  • großer Touchscreen
  • Gestensteuerung
Con
  • kein UMTS
  • Touch-Flo-Gestensteuerung ist nicht viel mehr als ein Windows-Skin
Hersteller: HTC Listenpreis:
ZDNet TESTURTEIL: SEHR GUT 8,1 von 10 Punkte
Fazit:

Das HTC Touch bietet zwar einen innovativen Touchscreen sowie eine elegante Benutzeroberfläche, aber mangels einer ausreichend großen Tastatur ist die Benutzbarkeit dieses Handys doch sehr eingeschränkt. Und auch die attraktive Hardware kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass das mit Windows Mobile ausgerüstete Smartphone bei der Performance zu wünschen übrig lässt. Ehe es hier nicht zu Verbesserungen kommt, wird man sich wohl eher nicht für dieses Modell entscheiden.

HTC ist der Hersteller, der hinter vielen der beliebtesten aktuellen Windows-Mobile-Smartphones steckt. Die deutschen Netzbetreiber haben Geräte von HTC unter den Namen XDA, MDA und VPA im Programm. Mit seinem jüngsten Projekt, dem HTC Touch, hat der Hersteller die Grenzen des Designs neu ausgelotet.

Das HTC [1] Touch kann mit einigen Neuheiten aufwarten – vor allem mit Touch-Flo, einer brandneuen Benutzeroberfläche, dank derer man das Smartphone [2] nur mit ein paar Fingerbewegungen auf dem Touchscreen bedienen kann. Das ist zwar innovativ und cool, hat aber leider auch seine Macken. Hauptkritikpunkt ist das Fehlen einer angemessen großen Tastatur, was ein erheblicher Nachteil für SMS-Junkies ist und sogar simple Aufgaben wie das Eingeben eines neuen Kontaktes erschwert.

HTC hofft, mit dem Touch eine breitere Zielgruppe ansprechen zu können – besonders Anwender, die von einem normalen Handy zu einem Smartphone wechseln. Das ist sicherlich ein Schritt in die richtige Richtung. Die Benutzung des Handys macht Spaß: Man hat nicht den Eindruck, es handle sich um ein eher für den professionellen Einsatz gedachtes Gerät. Auf jeden Fall sind die Innovationen in den Bereichen Technologie und Design zu begrüßen, da damit der Weg für intelligentere und coolere Mobiltelefonen bereitet wird. Doch ungeachtet dessen macht das Touch leider noch nicht den Eindruck, dass es ausgereift genug für den Massenmarkt wäre. Es gibt einige störende Designmängel. Auch die Performance lässt manchmal zu wünschen übrig. Aber vor allem sollte sich der Hersteller eine bessere Lösung für die Texteingabe überlegen.

In Deutschland ist das HTC Touch bislang exklusiv bei O2 unter dem Namen XDA Nova erhältlich. T-Mobile und Vodafone haben angekündigt, das Touch auch in ihre Angebote aufnehmen zu wollen.

Design

Der Touch unterscheidet sich in mehrfacher Hinsicht von den anderen Smartphones desselben Herstellers. Die größte Neuigkeit ist sicherlich die Benutzeroberfläche Touch-Flo. Unabhängig davon das Touch ist gleichzeitig das kleinste Smartphone mit Touchscreen, das es bislang gab. Das Handy ist nur knapp 10 Zentimeter lang, etwa 7 Zentimeter breit, 1,3 Zentimeter flach und wiegt 113 Gramm. Damit passt es bequem in die Handfläche und auch leicht in jede Hosen- oder Handtasche. Darüber hinaus verfügt das Gerät über eine griffige Oberfläche, die sich gummiartig anfühlt. Schade: Bei O2 glänzt das Touch in schwarzem Klavierlack. Sieht gut aus, ist aber nicht so praktisch.

Nun aber zum Touchscreen. Das Display misst 2,8 Zoll (7,1 cm) in der Diagonale und kann 65.536 Farben mit einer Auflösung von 240 mal 320 Pixeln darstellen. Was diesen Bildschirm von anderen Smartphones unterscheidet, ist die Gestensteuerung mit Touch-Flo. Sie ermöglicht, das Gerät mit einer Reihe von Fingerbewegungen oder durch Antippen zu steuern, anstatt sich mit dem Stift zu quälen. Als Ergänzung hat HTC außerdem einige Änderungen an der Benutzeroberfläche und an den Menüs vorgenommen, so dass man leichteren Zugriff auf Nachrichten, Anwendungen oder andere wichtige Informationen hat.

Schon beim Startbildschirm wird einem das neue Look-and-Feel auffallen, sofern man bereits einmal ein Windows-Mobile-Gerät benutzt hat. Neben direkten Verknüpfungen zu den Kontakten und dem Kalender hat man jetzt mit einem einzigen Antippen Zugriff auf Nachrichten, Anruferliste, häufig benutzte Anwendungen und sogar Wettermeldungen.

Die Bedienung klappt auf Anhieb erstaunlich gut. Vom Hauptmenü aus kann man das Smartphone tiefer ergründen, indem man den Daumen von der Unterkante des Displays nach oben bewegt. Dadurch gelangt man auf einen anderen Bildschirm, wo man zwischen drei Menüoptionen in 3-D-Darstellung auswählen kann: Anwendungen, Kontakte und Medien. Dies geschieht, indem man seinen Finger von links nach rechts bewegt oder umgekehrt. Das Starten eines Programms erfordert nur ein Antippen des entsprechenden Symbols. Um zur Startseite zurückzugelangen, bewegt man den Daumen einfach von oben nach unten über das Display.

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Der Bildschirm ist auch intelligent genug, um zwischen einem Antippen und einem Darüberfahren mit dem Finger zu unterscheiden, was sich beim Scrollen durch E-Mail-Listen oder auf Webseiten als nützlich erweist. Wenn man sich eine Website ansieht, reicht eine kurze Auf- oder Abwärtsbewegung, um den Touch zu veranlassen, die Seite automatisch zu scrollen. Durch Antippen des Bildschirms hält man den Scrollvorgang an. Dies funktioniert gleichermaßen mit Office-Dokumenten, E-Mail, Kontakten oder dem Webbrowser – perfekt, ein großes Lob an die Entwickler!

Insgesamt braucht man nur ein paar Minuten, um sich mit den Fingergesten vertraut zu machen. Herauszufinden, wie der Touchscreen innerhalb einer Anwendung funktioniert, dauert allerdings etwas länger. Um zum Beispiel ein Word-Dokument zu schließen, wird man es naheliegenderweise erst einmal mit einer Abwärtsbewegung probieren, ähnlich wie wenn man zur Startseite zurückkehren möchte. Doch weit gefehlt. Vielmehr muss man auf das X oder das OK-Kästchen oben rechts auf dem Bildschirm klicken. Oder man bewegt den Finger nach oben, um zurück zum 3D-Menü zu gelangen. Und noch eine Merkwürdigkeit: Touch-Flo scheint nicht zu funktionieren, wenn man vom Hochformat ins Querformat wechselt. Peinlich, peinlich.

Der größte Kritikpunkt an diesem Gerät ist jedoch die Tatsache, dass es keine einfache Möglichkeit zur Eingabe von Text gibt. Angesichts des kompakten Designs ist eine ausgewachsene Tastatur sicher nicht zu erwarten, aber so ist man gezwungen, eine winzige virtuelle Tastatur zu benutzen, für die sich auf jeden Fall der Einsatz des Stifts anbietet. Der Touch ist zwar nicht vorrangig für Power-User gedacht, die viele Nachrichten schreiben müssen, aber das mühsame Eintippen von Notizen mit dem kleinen Stift auf der Bildschirmtastatur ist weder ein Vergnügen noch effizient. Man kann nur hoffen, dass HTC sich hier noch einmal Gedanken macht und nachbessert. Zum Ausgleich ist dafür die virtuelle Tastatur zum Telefonieren großzügig ausgelegt und gut zu benutzen.

Der HTC Touch bringt aber auch ein paar handfestere Bedienelemente mit: Unterhalb des Displays gibt es zwei kleine Tasten zur Annahme und zum Beenden von Gesprächen sowie eine 5-Wege-Taste für die Navigation. An der rechten Seite finden sich der Auslöser für die Kamera und die Steckplätze für SIM- und Micro-SD-Karten, die mit einer Schutzabdeckung versehen sind. Auf den ersten Blick scheint es eine gute Idee, SIM-Karte und Erweiterungsmedien an der Seite einstecken zu können – bis man es einmal ausprobiert. Die Abdeckung ist unglaublich schwer zu öffnen, selbst mit dem Fingernagel, einem Stift oder anderen scharfkantigen Gegenständen gelingt es kaum. Als einfachste Möglichkeit erweist sich schließlich das Abnehmen der Rückseite, um die Abdeckung von innen aufzudrücken. Damit ist aber der seitlich angebrachte Steckplatz ad absurdum geführt.

An der linken Seite gibt es einen Wippschalter zur Lautstärkeregelung, an der Unterkante einen Mini-USB-Anschluss sowie eine Öse für ein Umhängeband. Der Einschaltknopf befindet sich an der Oberseite. Lautsprecher, Kameraobjektiv sowie Spiegel für Selbstporträts befinden sich an der Rückseite des Handys. Das Gerät kommt in einer eleganten Verpackung daher, die neben dem Handy auch noch ein Netzteil, ein Stereo-Headset, eine 1 GByte fassende Micro-SD-Karte, ein USB-Kabel sowie ein schützendes Etui enthält.

Funktionsumfang

Neben der neuen Benutzeroberfläche hat der Touch keine revolutionären neuen Funktionen zu bieten. Im Prinzip ist er immer noch ein Smartphone mit der aktuellen Windows Mobile 6 Professional Edition. Das Gerät ist ein Tri-Band-GSM-Handy und bietet Freisprecheinrichtung, Sprachbefehle und Sprachwahl sowie SMS und MMS. Das Adressbuch wird nur durch den verfügbaren Speicherplatz begrenzt, wobei man wie üblich auf der SIM-Karte zusätzliche 250 Kontakte unterbringen kann. Für jeden Eintrag kann man bis zu zwölf Nummern speichern, dazu Privat- und Büroadresse, E-Mail-Adresse, IM-Benutzername, Geburtstag, Name des Partners etc. Zur Anruferidentifizierung kann man Kontakten ein Foto zuordnen, eine Anrufergruppe oder einen von 20 polyphonen Klingeltönen.

Zur Wireless-Ausstattung des HTC Touch zählen Wi-Fi und Bluetooth 2.0. Leider gibt es keine UMTS-Unterstützung, so dass man beim Surfen im Internet auf EDGE-Geschwindigkeit beschränkt bleibt oder sich einen Hotspot suchen muss. Das Touch findet Access-Points aber sofort, so dass man innerhalb weniger Minuten im Internet surfen kann. Was Bluetooth betrifft, so unterstützt das Smartphone drahtlose Headsets, Freisprecheinrichtungen, Objekt- und Dateiaustausch sowie A2DP für Stereo-Bluetooth-Headsets.

Schließlich ist der HTC Touch noch mit einer 2-Megapixel-Kamera mit 8fachem Zoom und der Möglichkeit von Videoaufnahmen ausgestattet. Die Optionen entsprechen den bei Kamerahandys üblichen. Man kann zwischen fünf Auflösungen und vier Qualitätseinstellungen wählen. Blitz oder Foto-LED gibt es nicht, aber man kann den Weißabgleich einstellen. Außerdem gibt es einen Selbstauslöser, eine Zeitstempel-Option, einen Bildzähler sowie eine Flimmer-Unterdrückung. Videoclips kann das Touch mit oder ohne Ton in den Formaten MPEG4, Motion JPEG oder H.263 aufzeichnen. Es gibt nur zwei Auflösungsoptionen, aber Weißabgleich und Farbeffekte lassen sich ebenso wie bei der Fotokamera einstellen.

An der Bildqualität ist im Hellen nichts auszusetzen. Insgesamt werden Objekte deutlich wiedergegeben, die Farben sind kräftig. Allerdings ist in der Mitte eine Unschärfe sowie ein leichter Gelbstich festzustellen. Außerdem muss man das Handy schon recht ruhig halten, wenn man gute Aufnahmen erhalten will. Die Videoqualität ist eher unterdurchschnittlich, denn die Clips wirken reichlich pixelig.

Leistung

Die Gesprächsqualität ist gut. Gelegentlich hört man ein leichtes Hintergrundrauschen, was zwar nicht vom Telefonieren abhält, aber doch stört. Andererseits berichten die Gesprächspartner von einer exzellenten Klangqualität mit klarem Ton und fast keinen Interferenzen.

Das Mikrofon könnte empfindlicher sein. Leider lässt die Freisprechereinrichtung zu wünschen übrig: Stimmen klingen weit entfernt; an beiden Enden der Leitung gibt es Echos. Dafür lässt sich das Touch problemlos von der Zusammenarbeit mit einem Bluetooth-Headset Logitech Mobile Traveller überzeugen.

Das Handy ist mit einem OMAP850-Prozessor (201 MHz) von Texas Instruments sowie mit 128 MByte ROM und 64 MByte RAM ausgestattet. Insgesamt reagiert das Gerät aber recht langsam. Mit etwa 12 MByte freiem Speicherplatz für Programme kommt es häufig zu sekundenlangen Verzögerungen beim Öffnen von Anwendungen. Die anfängliche Vermutung, dass das Gerät die Befehle über den Touchscreen nicht registriert, stellt sich als Performanceproblem heraus. Das Starten der Multimediafunktionen zwingt den Touch regelmäßig in die Knie. Der Bildschirm friert gelegentlich mitten zwischen der Anzeige für den Musik-Player und dem Menübildschirm ein.

Das Anhören von Musik über den eingebauten Lautsprecher klappt akzeptabel. Die Lautstärke ist ausreichend, aber die Bässe wirken dünn. Leider wird das Hörerlebnis auch mit den mitgelieferten Kopfhörern nicht viel besser. Videoclips sind in kleinen Dosen ebenfalls zu genießen.

Die Akkulaufzeit des Touch gibt HTC mit 5 Stunden Gesprächszeit und bis zu 8,3 Tagen Stand-by-Zeit an. In der Praxis muss das Gerät bei üblicher Smartphone-Nutzung allerdings spätestens nach zwei Tagen an die Steckdose. Die fünf Stunden Gesprächszeit scheinen realistisch.

Artikel von CNET.de: https://www.cnet.de

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[1] HTC: http://www.cnet.de/unternehmen/htc/

[2] Smartphone: http://www.cnet.de/themen/smartphone/

[3] HTC Touch: Der erste Iphone-Konkurrent?: https://www.cnet.de/39155069/htc-touch-der-erste-iphone-konkurrent/?pid=1#sid=39155559