Schon getestet: Apple Iphone

von Donald Bell und Kent German am , 00:00 Uhr

Pro
  • beeindruckendes Display
  • elegantes Design
  • innovative Multitouch-Bedienoberfläche
  • starker Safari-Browser
  • benutzerfreundliche Applikationen
  • auch als MP3-Player hervorragend
Con
  • Anrufqualität variiert
  • Stereo-Bluetooth-Unterstützung fehlt
  • kein UMTS
  • integrierter Arbeitsspeicher für einen Ipod schwach
  • Musikinhalte können nur per Synchronisierung verwaltet werden
Hersteller: Apple Listenpreis: 460 Euro
ZDNet TESTURTEIL: SEHR GUT 8,0 von 10 Punkte
Fazit:

Trotz einiger fehlender wichtiger Funktionen, langsamer Datenübertragung und einer nicht immer überzeugenden Anrufqualität setzt das Apple Iphone neue Maßstäbe für ein integriertes Handy mit MP3-Player.

Seit dem Verkaufsstart am Freitag sollen in Amerika schon eine halbe Million Apple-Handys verkauft worden sein. Ist die Begeisterung berechtigt? Wir haben die US-Version des ersten Mobiltelefons mit Mac OS bereits getestet.

Seit dem Zeitpunkt der Ankündigung des Apple [1] Iphone auf der Macworld 2007 hat die Technikgemeinde nicht aufgehört, es zu diskutieren. Da Apple bis zuletzt viele Details des Iphone unter Verschluss hielt, kamen reichlich Spekulationen auf. Bis jetzt. Ist das Iphone schön? Absolut. Ist es einfach zu verwenden? Sicherlich. Erfüllt es die hochgeschraubten Ansprüche? Eher nicht.

Das Iphone ist zwar ein schönes Gerät mit praktischer Bedienoberfläche, qualitativ hochwertigen Musik- und Video-Funktionen und innovativen Design-Ansätzen, der Touchscreen ist einfacher zu verwenden als erwartet, und die Multimedia-Funktionen funktionieren bestens. Doch eine ganze Reihe von fehlenden Funktionen, die Abhängigkeit von einem langsamen EDGE-Netzwerk und die variierende Anrufqualität – es handelt sich ja immerhin um ein Telefon – lassen Wünsche offen. Insgesamt ist das Iphone zwar bemerkenswert – aber nicht wegen der Art seiner Funktionen, sondern wie sie arbeiten.

Wer in den USA wohnt und von Anfang an unbedingt ein Iphone haben wollte, besitzt jetzt wahrscheinlich schon eines – obwohl man beim Kauf einen Zweijahresvertrag mit AT&T abschließen und 499 Dollar (4 GByte) beziehungsweise 599 Dollar (8 GByte) auf den Tisch legen muss. In Europa muss man über einen Kauf noch nicht konkret nachdenken. Doch angesichts der US-Version bleibt zu hoffen, dass einige Mankos für die Europaversion beseitigt werden.

Design

Das Iphone kann mit einem brillanten Display, einem schlanken Profil und klaren Linien (natürlich ohne Außenantenne) aufwarten, und die fehlenden Tasten bringen es in eine Design-Klasse, die sogar das LG [2] Prada und das HTC [3] Touch nicht erreichen. Das Handy wird auf der Straße neidische Blick auf sich ziehen, und zweifellos wäre dies auch der Fall, wenn das Handy nicht so viel Aufmerksamkeit durch die Medien erfahren hätte.

Die Maße von 11,4 mal 6,1 mal 1,2 Zentimeter waren zwar bekannt, doch in der Hand fühlt es sich doch noch kleiner an als erwartet. Im Vergleich ist es etwa ebenso lang und breit wie ein Palm Treo 755p, aber tatsächlich noch flacher als der Trendsetter Motorola Razr. Es liegt angenehm in der Hand, und am Ohr wirkt es mit seinen 136 Gramm solide, wenn auch vielleicht etwas schwer. Positiv kann man anmerken, dass das Display aus Glas und nicht aus Kunststoff besteht.

Display

Das Display des Iphone ist sein herausragendes Design-Merkmal und bemerkenswert nicht nur für das, was es zeigt, sondern auch dafür, wie es verwendt wird.

Zuerst zum Design: Mit großzügigen 3,5 Zoll nutzt das Display die Größe des Handys voll aus, während die Auflösung von 480 mal 320 Pixeln (160 dpi) in brillante Farben, scharfe Grafik und flüssige Bewegungen umgesetzt wird.

Menüs

In echtem Apple-Stil zeigt sich die Menüoberfläche des Iphone attraktiv, intuitiv und benutzerfreundlich. Im Hauptmenü stehen eine Reihe von farbigen Symbolen für die Hauptfunktionen. Symbole für das Telefonmenü, den Mailordner, den Safari-Browser und den Ipod-Player befinden sich unten auf dem Bildschirm, während andere Funktionen, zum Beispiel Kamera, Kalender und Einstellungen, oben angezeigt werden. Die Funktionen sind leicht zu finden, und vor allem sind die wichtigsten Funktionen nicht in Zufallsmenüs versteckt. Eine flüssige Animation führt den Benutzer zu unterschiedlichen Funktionen. Zwischen den Funktionen kann rasch umgeschaltet werden.

Vorab wurde viel über den Touchscreen des Iphone diskutiert – nicht ohne Grund. Das Apple-Handy ist nicht das erste Mobiltelefon, das nur mit Touchscreen arbeitet, aber es muss so viele Erwartungen erfüllen wie keines zuvor. Abhängig von der Funktion dient der Touchscreen als Wählpad, Tastatur, Safari-Browser oder Musik- und Video-Player. Vor dem Test dufte man skeptisch sein, wie effektiv der Touchscreen alle diese Funktionen erfüllen würde.

Nach dem Test aber lässt sich sagen, dass der Touchscreen und die Softwareoberfläche im Ganzen einfacher zu verwenden sind als erwartet. Darüber hinaus vermisst man einen Stift nicht im Mindesten. Obwohl die Touchscreen-Tastatur nicht anschlägt wie eine echte, hat man keine Probleme, Funktionen mit den Fingern zu aktivieren und mit dem Hauptmenü zu interagieren.

Durch den Touchscreen hinterlassen die Finger natürlich ihre Spuren auf dem Display, die Anzeige bleibt jedoch klar. Das Wählpad auf dem Screen benötigt eine Eingewöhnungszeit, aber die Onscreen-Tastatur funktioniert überraschend gut. Nachrichten lassen sich relativ schnell eingeben, und auch große Finger treffen die richtigen Buchstaben. Die integrierte Korrektursoftware hilft durch das Vorschlagen von Wörtern Fehler möglichst gering zu halten. Meist sind die Vorschläge richtig.

Screenshot
Das Apple Iphone verfügt über eine virtuelle QWERTY-Tastatur.

Trotz allem muss Apple an Bedienoberfläche und Tastatur noch einiges verbessern. Zum einen wird die Tastatur nur angezeigt, wenn man das Iphone senkrecht hält. Aus diesem Grund lässt es sich nur mit einem Finger bequem tippen, was die Eingabegeschwindigkeit natürlich verringert. Man kann zwar beide Hände verwenden, doch gestaltet es sich relativ schwierig, beide Daumen zu verwenden, während man das Iphone gleichzeitig festhält. Darüber hinaus befinden sich die Satzzeichen wie Punkte und Kommas auf einer zweiten Tastatur – was ziemlich nervt. Wer häufig E-Mails schreiben will, sollte das Gerät vor dem Kauf einmal ausprobieren.

Es ist auch eher mühsam, durch lange Listen wie das Telefonbuch oder Musiklisten zu blättern. Durch die Bewegung des Fingers nach oben oder unten wird durch eine Liste geblättert, doch direkt an den Anfang oder das Ende springen kann man nicht. Außerdem ist durch das Fehlen der Tasten viel Fingerarbeit nötig, um sich auf der Benutzeroberfläche zu bewegen. Die Gespräch- und Beenden-Tasten werden beispielsweise nur angezeigt, wenn sich das Handy im Anrufmodus befindet. Und da es keine dedizierten Gespräch- und Beenden-Tasten gibt, sind einige Fingerbewegungen nötig, um diese Funktionen zu finden. Dies bedeutet auch, dass man nicht einfach eine Nummer eingeben kann. Zuerst muss das Wählpad geöffnet werden, wozu auch wieder Fingerarbeit nötig ist. Dasselbe gilt für den Musik-Player: Da es keine externen Tasten gibt, muss zuerst die Player-Oberfläche aufgerufen werden.

Unabhängig von den kritischen Punkten ist das Display des Iphone bemerkenswert für seine Multitouch-Technologie, die eine Vielzahl von Fingerbewegungen erlaubt, um die Anzeige auf dem Display zu manipulieren. In einer Nachricht kann der Text vergrößert werden, indem man mit dem Finger auf den gewünschten Bereich drückt und hält. Und solange man den Finger nicht hebt, lässt sich das Vergrößerungsglas durch den Text bewegen. Durch Auseinanderziehen der Finger vergrößert sich die Anzeige, durch Zusammenschieben wird sie verkleinert. Im Webbrowser kann man sich mit dem Finger auf der Webseite bewegen und durch Doppeltippen den Inhalt vergrößern. Auf der E-Mail-Liste lassen sich Einträge löschen, indem man mit dem Finger von links nach rechts über die Nachricht wischt. An dieser Stelle wird dann eine Löschtaste angezeigt.

Dank des „Akzelerometers“ des Handys (so nennt Apple den Bewegungssensor) passt sich die Display-Ausrichtung des Iphone automatisch an – wenn das Iphone zum Beispiel auf die Seite gedreht wird, während der Musik- und Videoplayer oder der Internetbrowser in Verwendung ist. Außerdem schaltet ein Näherungssensor das Display automatisch aus, wenn man das Iphone für ein Gespräch ans Ohr hält. Dies sind alles sehr schöne Einrichtungen. Wünschenswert wäre jedoch, dass sich die Verdunkelungszeit des Displays einstellen ließe. Das Display wird bereits nach kurzen 30 Sekunden dunkel und muss danach durch eine Blätterleiste auf dem Screen wieder entsperrt werden.

Die einzige echte Hardware-Menütaste des Iphone befindet sich direkt unter dem Display. Sie führt umgehend zum Startbildschirm zurück, unabhängig davon, welche Applikation gerade verwendet wird. Diese Taste ist sehr nützlich, denn sie spart eine Reihe von Menüsprüngen, wenn man sich gerade in einem Untermenü befindet. Oben auf dem Iphone ist eine Multifunktionstaste zur Kontrolle von Anrufen und der Energieversorgung des Handys. Wenn ein Anruf zu einer unpassenden Zeit eingeht, wird durch einmaliges Drücken der Taste das Klingeln ausgeschaltet und durch zweimaliges Drücken der Anruf an die Mailbox weitergeleitet. Ansonsten kann das Handy über diese Kontrolltaste gesperrt und wieder entsperrt werden. Ein langer Druck auf den Knopf schaltet das Iphone ab.

Screenshot
Die Lautsprecher des Apple Iphone befinden sich unten am Gehäuse.

Am linken Rand befinden sich ein Lautstärkeregler und eine Stummtaste – etwas, das alle Handys haben sollten. (Auch an Palm Treos gilt sie als sehr beliebt.) Am unteren Ende befinden sich zwei Lautsprecher, der Anschluss für die Synchronisierungsstation und das Ladekabel. Leider ist der Anschluss für das Headset am oberen Ende tief eingelassen, so dass man einen Adapter für Ohrhörer mit großem Stecker benötigt. Ist das kundenfreundlich? Nein.

Den Akku des Iphones kann der Benutzer nicht selbst austauschen. Das bedeutet, dass das Iphone an Apple eingeschickt werden muss, um den Akku ersetzen zu lassen. Apple schätzt die Lebensdauer auf 300 bis 400 Ladevorgänge, was wahrscheinlich einer Nutzung von weniger als zwei Jahren entspricht. Nein, man braucht nicht unbedingt einen austauschbaren Akku in einem Handy, doch wie viele Dinge, die im Iphone fehlen, wäre es nett, einen zu haben, insbesondere bei einem so teuren Telefon.

Entgegen früheren Berichten lässt sich die SIM-Karte über eine kleine Schublade oben am Iphone entnehmen. Es ist jedoch unklar, ob unterschiedliche SIM-Karten im Iphone verwendet werden können. Ist dies nicht der Fall, wäre das ein negativer Aspekt, da es den größten Vorteil der Nutzung eines GSM-Handys mit einer SIM-Karte zunichte machen würde. Manche Leute besitzen mehrere Handys und tauschen gerne die SIM-Karten zwischen ihnen aus. Außerdem scheint es, als ob mit der SIM-Karte keine Kontaktdaten von einem anderen Handy importiert werden könnten.

Funktionsumfang

Das Telefonbuch des Iphone ist nur durch die Größe des verfügbaren Speichers beschränkt. Jedem Kontakt kann man acht Telefonnummern, E-Mail-, Internet- und Postadressen, die Berufsbezeichnung und die Abteilung, einen Kurznamen, den Geburtstag sowie Notizen hinzufügen. Man kann Gesprächspartner nicht zu Gruppen zusammenfassen, aber die wichtigsten in einem speziellen Menü speichern, so dass schnell auf sie zugegriffen werden kann. Zwecks Anruferidentifizierung ist es möglich, Kontakten ein Foto sowie einen von 25 mehrstimmigen Klingeltönen zuzuordnen. Nicht unerwähnt sollte auch bleiben, dass man MP3-Dateien nicht als Klingeltöne verwenden kann. Anrufergruppen gibt es ebensowenig.

Zu den weiteren grundlegenden Funktionen gehören Wecker, Taschenrechner und ein Notizbuch. Das ist ein etwas mageres Angebot, wenn man bedenkt, dass selbst die einfachsten Handys inzwischen über wesentlich mehr Funktionen zum Organisieren verfügen, etwa eine Weltzeituhr, eine Stoppuhr und einen Timer. Es gibt auch einen Vibrationsmodus, doch ist dieser etwas schwach geraten.

Der Kalender bietet Tages- sowie Monatsansichten, und ist auch zur Erinnerung an Veranstaltungen oder als Aufgabenliste zu gebrauchen. Die Benutzeroberfläche ist schlicht und übersichtlich, obwohl die Eingabe eines neuen Termins schon einiges an Fingerakrobatik erfordert. Leider gibt es keine Wochenansicht.

Bluetooth und Wireless

Das Iphone bringt vielfältige Wireless-Funktionen mit. Es unterstützt sowohl Wi-Fi als auch Bluetooth. Besonders die Wi-Fi-Kompatibilität ist willkommen, denn diese Funktion fehlt allzu vielen Smartphones. Wenn man im Internet surft, sucht das Iphone automatisch nach dem nächstgelegenen Hotspot. Bluetooth 2.0 ist ebenfalls vorhanden, was für eine schnellere Übermittlung und größere Reichweite als bei Bluetooth 1.2 sorgt. Es gibt auch eine ganze Reihe von Profilen, etwa für die Dateiübertragung, aber ein A2DP-Stereo-Bluetooth-Profil ist nicht darunter. Das braucht man zwar auch nicht unbedingt, aber es wäre ein nettes Extra gewesen.

Apple-CEO Steve Jobs hat das Fehlen von 3G-Unterstützung damit gerechtfertigt, dass der erforderliche Chipsatz zu viel Platz und Strom benötigen würde, aber es wäre doch eine prima Funktion. Das Wi-Fi-Netzwerk ist zwar gut, sofern man eines zur Verfügung hat, aber das AT&T-EDGE-Netzwerk reicht in den anderen Fällen zum Surfen einfach nicht aus. Surfen im Internet per EDGE ist so langsam, dass es schon fast keinen Spaß mehr macht.

SMS und E-Mail

Für die schriftliche Kommunikation bietet das Iphone SMS und E-Mail. Wie bei vielen Smartphones wird ein SMS-Thread als eine lange Konversation dargestellt – eine nützliche Methode, bei der man sich aussuchen kann, auf welche Nachrichten man antworten möchte. Wenn man während des Messagings eine andere Funktion benutzt, kann man hinterher an der Stelle weitermachen, wo man aufgehört hat. Verwunderlich ist allerdings, warum Apple keine MMS ermöglicht. Man kann seine Fotos natürlich per E-Mail versenden, aber ohne Multimedia-Messaging kann man keine Fotos an andere Handys verschicken, was ja eigentlich der Hauptzweck eines Kamerahandys ist.

Das E-Mail-Menü des Iphone bietet integrierte Unterstützung für Yahoo-, Googlemail-, AOL- und Mac-Konten. Man kann das Telefon so einrichten, dass es auch Nachrichten von anderen IMAP4- und POP3-Systemen empfängt, aber zum Testzeitpunkt ist noch unklar, ob diese Funktion wirklich kompatibel zu Exchange-Servern von Unternehmen ist.

Man kann PDF-, JPEG-, Word- und Excel-Dateien anzeigen lassen, aber nicht bearbeiten. Leider kann man noch nicht einmal Text per Ausschneiden und Einfügen übernehmen, wenn man Nachrichten verfasst.

Neben all den Features des Iphone erhält man mit diesem Gerät den bislang beeindruckendsten Ipod von Apple. Display, Benutzeroberfläche, Videoqualität, Audioqualität – alles ist makellos und vom Feinsten. Leider finden sich diese Features in einem Gerät, für das man schon mehr als 1000 Dollar pro Jahr hinblättern muss, nur um es zu besitzen.

CNET.com hat kürzlich einen Rolls Royce getestet, in dessen Beifahrertür ein hervorragender Regenschirm verborgen war. Das Iphone zu kaufen, weil man seine Ipod-Funktion nutzen will, ist fast dasselbe, als wenn man sich einen solchen Rolls Royce anschafft, um den Regenschirm aufzuspannen. Nichtsdestotrotz ermöglicht das Iphone einen spannenden Einblick, was Apple hoffentlich für seinen Ipod der sechsten Generation geplant hat.

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Der Musik-Player des Apple Iphone zeigt auch Album Art an.

Auf dem Papier bietet der Ipod des Iphone nichts, was über einen Ipod der fünften Generation hinausginge: Podcasts, Videos, Musik und Playlists, alles ist vorhanden, und auch die Verwaltung der Inhalte mit Itunes ist identisch. Der Unterschied liegt einzig in der Benutzeroberfläche des Iphone. Es gibt zwar schon andere MP3-Player mit Touchscreens, wie den Archos 704, den Iriver Clix oder den Cowon D2, aber die einzigartige Integration von Multitouch-Technologie und grafischer Benutzeroberfläche des Iphone sind durchaus eine Kategorie für sich.

Aus Ipod-Perspektive besteht das größtes Verdienst des Iphone darin, dass Album Art endlich wieder mehr ist als nur eine vorgegebene kleine Grafik. Wenn man seine Musiksammlung im Cover-Flow-Modus des Iphone durchsucht, hat man fast das Gefühl, man würde tatsächlich seine CD- oder Plattensammlung durchblättern. Das Gefühl lässt sich nur schwer beschreiben, aber echte Musikliebhaber werden es zu schätzen wissen, wie das Iphone es schafft, ihrer digitalen Musik visuell und physisch mehr Leben einzuhauchen. Selbst Benutzer von Itunes, die womöglich bereits den Cover-Flow-Modus auf ihrem PC bis zum Abwinken genutzt haben, dürften überrascht sein, wie der mit Gesten intuitiv gesteuerte Touchscreen des Iphone diese Benutzererfahrung verändert.

Eine Sache ist zugegebenermaßen neu beim Ipod des Iphone: der integrierte Lautsprecher. Zwar klingt der Lautsprecher des Iphone dünn und ist anfällig für Verzerrungen, aber um schnell einem Freund seinen Lieblingssong vorzuspielen, reicht er allemal. Apple war außerdem schlau genug, die Lautstärke des Lautsprechers unabhängig von der der Kopfhörer zu regeln. Wenn man also gerade Musik in voller Lautstärke über den Lautsprecher hört und sich dann entscheidet, die Kopfhörer anzuschließen, wird man nicht sofort taub.

Die schlechte Nachricht ist, dass der Ipod des Iphone keine Möglichkeit bietet, die Übertragung von Musik und Videos manuell zu steuern. Im Unterschied zu allen bisherigen Ipods erlaubt es das Iphone nicht, Inhalte per Drag-and-Drop von einer Itunes-Bibliothek direkt auf das Icon des Iphone zu verschieben. Stattdessen verwendet das Iphone ausschließlich vordefinierte Optionen zur Synchronisierung von Itunes-Bibliothek und Gerät. Dies dürfte für die meisten Anwender durchaus ausreichen, aber für ein Gerät mit nur begrenztem Speicherplatz ist die fehlende Möglichkeit zur manuellen Verwaltung von Inhalten ein echtes Manko. Das Testgerät mit 8 GByte war nach nur wenigen Stunden im Einsatz bereits zu einem Viertel gefüllt. Als Benutzer muss man also aufpassen, dass die Iphone-Bibliothek nicht zu stark anwächst.

Die Klangqualität des Iphone scheint identisch mit der des Ipod der fünften Generation. Auch finden sich dieselben Equalizer-Voreinstellungen, nur dass sie hier im Hauptmenü unter Einstellungen zu finden sind. Die mitgelieferten Ohrhörer des Iphone reichen für den gelegentlichen Musikgenuss in einer leisen Umgebung durchaus aus. Leider verhinderte die versenkt eingebaute Kopfhörerbuchse des Iphone, dass die meisten der sonst verwendeten Testkopfhörer zum Einsatz kommen konnten. Nur der Stecker des Etymotic ER6i konnte mit Mühe in die Buchse gesteckt werden, um einen Vergleich zu ermöglichen.

Das Anschauen von Videos auf dem Iphone ist nicht ganz so luxuriös wie beim Creative Zen Vision W oder Archos 504, aber das Breitformatdisplay und der gute Kontrast sorgen dafür, dass die Qualität besser ist als beim Ipod der fünften Generation. Wie bei den bisherigen Ipods auch wird bei der Videowiedergabe automatisch ein Lesezeichen angelegt, so dass man nach einer Unterbrechung an dieser Stelle weiterschauen kann.

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Der Video-Player des Apple Iphone nutzt das Breitformat des Displays optimal aus.

Dank des Safari-Browsers hebt sich das Iphone von der Masse der Mobiltelefone ab. Statt mühsam aufrufbarer, grafisch reduzierter WAP-Seiten zeigt der Browser Webseiten in ihrem ursprünglichen Format an. Die Darstellung echter Webseiten auf einem Bildschirm dieser Größe wirkt überraschend angenehm. Zum Scrollen auf einer Seite muss man lediglich den Finger über den Bildschirm gleiten lassen. Berührt man mit dem Finger einen Link, wird er geöffnet, und durch doppeltes Antippen wird die Anzeige vergrößert beziehungsweise verkleinert. Man kann außerdem mit den Pfeilen am unteren Bildschirmrand vor- und zurückblättern, während eine Multifunktionsschaltfläche am unteren Bildschirmrand zum Öffnen neuer Seiten sowie zum Wechseln zwischen den Seiten dient.

Browser
Das Apple Iphone ist mit dem Webbrowser Safari ausgestattet.

Als standardmäßige Suchmaschine ist im Iphone Google [4] definiert, man kann aber auch mit Yahoo suchen. Zur Suche nach Informationen oder zur Eingabe von URLs wird die Onscreen-Tastatur benutzt. Das funktioniert wie das Schreiben einer E-Mail, mit dem einzigen Unterschied, dass die Leertaste durch die im Web häufig gebrauchten Ausdrücke „.com“ und „/“ ersetzt wurde. Sehr praktisch!

Dank des Bewegungssensors kann man das Telefon auch auf die Seite drehen, um eine verbesserte Ansicht im Querformat zu erreichen. Egal, in welche Richtung man das Telefon dreht, es funktioniert immer. Die meisten Webseiten sehen auf dem Bildschirm sehr gut aus, allerdings wirken besonders volle Seiten wie CNN.com mitunter überfüllt. Und da man die Seiten auch nur in begrenztem Maße vergrößern kann, geraten manche Texte zu klein, um gut lesbar zu sein. Man kann Lesezeichen speichern und seine bevorzugten Seiten vom PC übernehmen. Allerdings funktioniert dies nur für den Internet Explorer und nicht für Firefox.

Youtube

Über ein buntes Symbol im Hauptmenü kann man den integrierten Youtube-Player des Iphone direkt aktivieren. Die Videos sind ähnlich wie auf der Youtube-Website organisiert und umfassen die Rubriken Featured Clips, Most Viewed, Top Rated und Most Recent. Man kann sich zwar die Zusatzangaben zu den Videos wie den Zeitpunkt, zu dem das Video eingestellt wurde oder vom wem es eingestellt wurde, anzeigen lassen, aber man kann keine Kommentare lesen. Außerdem scheint die Youtube-Verbindung nicht in Echtzeit aktualisiert zu werden. So erschien ein probeweise eingestelltes Video erst nach einigen Stunden.

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Das Apple Iphone verfügt über eine integrierte Google-Maps-Anwendung.

Widgets

Das Iphone besitzt zwar kein integriertes GPS, umfasst aber ein Widget für den Zugriff auf Google Maps. Man kann somit dem Iphone seinen Standort und den gewünschten Zielort mitteilen, aber man erhält keine Echtzeitangaben zur Navigation oder aktuelle Verkehrsnachrichten. Die Kartenanwendung ist gut mit den Anruffunktionen verknüpft, so dass man interessante Adressen mit nur wenigen Bildschirmberührungen anrufen kann. Angenehm ist auch, dass man die Google-Satellitenansicht nutzen kann.

Weitere Widgets liefern Börsennachrichten und Wetterberichte. Man kann eigene Ticker definieren und so Informationen wie den Kurs einer bestimmten Aktie abrufen oder die Entwicklung eines Aktienkurses über einen bestimmten Zeitraum grafisch darstellen lassen. Die Wetterberichtfunktion liefert für den jeweiligen Standort Vorhersagen für sechs Tage.

Visual Voice Mail

Eine der interessantesten Neuerungen des Iphone ist die viel beworbene Visual Voice Mail-Funktion. Die Voicemail des Iphone funktioniert ähnlich wie ein Ordner für Textnachrichten und zeigt jeweils den Namen des Anrufers beziehungsweise seine Telefonnummer sowie den Zeitpunkt des Anrufs an. Noch besser ist aber, dass man die Nachricht sofort abhören kann, indem man sie berührt – ganz ohne vorher erst die Voicemail-Funktion aufrufen zu müssen.

Kamera

Die 2-Megapixel-Kamera des Iphone wartet mit einer ansprechenden Oberfläche auf, deren Grafik an einen Kameraverschluss erinnert. Überraschenderweise bietet die Kamera keine Bearbeitungsfunktionen, das heißt, man kann weder die Auflösung ändern noch eine Farb- oder Qualitätseinstellung wählen oder einen Modus für Nachtaufnahmen aufrufen. Darüber hinaus ist kein Blitz vorhanden, und ohne einen Spiegel für Selbstportraits wird man auch dabei seine Schwierigkeiten haben.

Die Kamera liefert aber immerhin gute Leistungen im Test. So ist die Bildqualität mit kräftigen hellen Farben und klaren Konturen hervorragend. Die weißen Bereiche wirken zwar ein wenig verschwommen, aber insgesamt sind die Aufnahmen gut. Leider kann man keine Videos aufnehmen, was bei einem Telefon dieser Preisklasse enttäuschend ist.

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Auf seiner Rückseite bietet das Apple Iphone eine 2,0-Megapixel-Kamera.

Wie bereits gesagt ist das Menü für die Fotofunktionen ansprechend gestaltet und vor allem dank der wenigen Bedienschritte einfach zu benutzen. Man kann auch zwischen den Aufnahmen wechseln, indem man den Finger über das Display gleiten lässt. Bei der Auswahl eines Fotos kann man es optional auch einem Kontakt zuweisen, als Wallpaper verwenden oder per E-Mail verschicken.

Das Quad-Band-Iphone (GSM 850/900/1800/1900) wurde in San Francisco unter Nutzung des AT&T-Netzes getestet. Die Anrufqualität ist überwiegend gut, allerdings nicht sehr stabil. Die Stimmen klingen zwar natürlich, werden aber oft zu leise wiedergegeben, und das Mikrofon funktioniert nur gut, wenn man es direkt am Ohr hat. Sobald man das Telefon auch nur ganz wenig vom Ohr wegbewegt, nimmt die Lautstärke deutlich ab. Man muss daher das Telefon immer gut ans Ohr drücken, wenn man klar und deutlich hören will. Die Lautstärke reichte zwar noch aus, um einen Freund hören zu können, der sich in einer überfüllten Bar befindet, doch könnte sie noch besser sein. Auch die Freisprechfunktion ist zu leise, obwohl das Gespräch einigermaßen deutlich klang.

Auch einige CNET-Leser haben schon von Problemen mit der Lautstärke berichtet. Einige angerufene Personen geben an, ein leichtes Hintergrundrauschen zu hören. Der Anrufer kann dieses Rauschen zwar nicht hören, dafür fällt es vielen der angerufenen Personen auf.

Systeme zur automatischen Anrufbearbeitung sind in der Lage, die Anrufe zu verstehen, allerdings nur, wenn sie von einem stillen Raum aus getätigt werden.

Browsergeschwindigkeit

Der Safari-Browser wurde unter Nutzung der Wi-Fi-Funktion des Iphone im internen Netz von CNET getestet. Webseiten werden innerhalb von etwa fünf Sekunden geladen. Bei grafikintensiven Websites dauert es allerdings ein wenig länger. Insgesamt funktioniert alles reibungslos, wenn auch nicht ganz so schnell wie erwartet. Dies könnte aber auch am internen Netz von CNET liegen. Wenn man kein WLAN nutzen kann, ist man auf das EDGE-Netz von AT&T angewisen, das zu langsam ist, um ein angenehmes Surfen mit der ansprechenden Safari-Oberfläche zu ermöglichen. Geschwindigkeiten zwischen 50 und 90 KBit/s erinnern an vergangene Modem-Erlebnisse.

Die Anmeldung mit Itunes 7.3 verläuft problemlos. Der verwendete Computer erkennt das Iphone sofort – der Anmeldevorgang wurde automatisch gestartet. Nach einigen Eingabeaufforderungen fragt das Programm, ob man einen automatischen Abgleich von Kontakte aus Yahoo- und Windows-Mail oder aus Outlook wünscht. Außerdem kann man Internet-Lesezeichen synchronisieren lassen, was allerdings nicht für Firefox-Lesezeichen gilt.

Die Integration mit dem Kontenservice von AT&T verläuft ebenfalls reibungslos. So kann man das entsprechende Angebot auswählen und angeben, ob man Kunde von AT&T ist. Man kann sogar seine aktuelle Mobilnummer portieren lassen. Alles in allem verläuft die Anmeldung so problemloser als direkt über AT&T.

Akku-Laufzeit

Für das Apple Iphone wird eine Akku-Laufzeit von 8 Stunden für Gespräche, 24 Stunden für Musikwiedergabe, 7 Stunden für Videowiedergabe und 6 Stunden für Internetnutzung angegeben. Die Standby-Dauer beträgt laut Hersteller 10,4 Tage. Der FCC zufolge weist das Iphone einen digitalen SAR-Wert von 0,974 Watt pro Kilogramm auf.

Mehr zum Iphone
>Special: Alle Fakten zum Iphone-Launch [5]
>Bildergalerien: Alle Fotos im Überblick [6]

Artikel von CNET.de: https://www.cnet.de

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[2] LG: http://www.cnet.de/unternehmen/lg/

[3] HTC: http://www.cnet.de/unternehmen/htc/

[4] Google: http://www.cnet.de/unternehmen/google-inc/

[5] Special: Alle Fakten zum Iphone-Launch: https://www.cnet.de/digital-lifestyle/specials/0,39037044,39155813,00/iphone+informationen+und+fakten.htm

[6] Bildergalerien: Alle Fotos im Überblick: https://www.cnet.de/digital-lifestyle/specials/0,39037044,39155905,00/alle+bilder+von+apples+iphone+von+der+box+ueber+das+zubehoer+bis+zum+browser.htm