Entbehrliches Nachfolgemodell: Canon EOS 400D

von Lori Grunin am , 00:00 Uhr

Pro
  • kompakt und leicht
  • schnell und reaktionsfreudig
  • intelligentes Design mit benutzerfreundlicher Anordnung der Bedienelemente
Con
  • kein zweites Status-LCD mehr
  • langsames Objektiv
  • keine Spotmessung
  • schlechte Gegenlichtaufnahmen
Hersteller: Canon Listenpreis: 999 Euro
ZDNet TESTURTEIL: SEHR GUT 7,8 von 10 Punkte
Fazit:

Im Vergleich zum Vergänger 350D punktet die EOS 400D mit größerem Display, schnellerer Serienbildfunktion sowie höherer Auflösung. Wer auf diese Eigenschaften verzichten kann, muss den Aufpreis nicht bezahlen.

Die Canon EOS 400D ist eine sehr gute digitale Spiegelreflexkamera für Einsteiger, aber letztlich als Nachfolgerin der 350D eine Enttäuschung. Somit übernimmt die Nikon D80 jetzt die Führungsposition in dieser Preisklasse.

Was für Ärzte gilt, sollte eigentlich auch für die Hersteller von elektronischen Geräten gelten: vor allem dürfen sie keinen Schaden anrichten. Canon hält sich normalerweise recht gut an diese Maxime. An erfolgreichen Produkten werden in der Regel nur kleinere Änderungen vorgenommen. Umfangreichere Neuerungen bleiben denjenigen Modellen vorbehalten, die das auch wirklich benötigen.

Der Wechsel des Sensors zählt bei Digitalkameras gewöhnlich nicht zu den revolutionären Ereignissen. Die Vorgängerin der EOS 400D, die EOS 350D, ist dafür bekannt, exzellente Bilder mit geringem Rauschen bei einer mehr als ausreichenden Auflösung von 8 Megapixeln zu liefern. Deshalb ist Canons Ersatz des bisherigen Sensors durch ein Modell mit höherer Auflösung, womöglich aber geringerer Empfindlichkeit, auch etwas riskant.

Vielleicht hat das Konkurrenzmodell Nikon D80 neue Maßstäbe gesetzt? Vielleicht hält Canon einfach die Zeit reif für diese Neuerung? Auf jeden Fall ist das Ergebnis eher durchwachsen.

Design

Das Beibehalten ähnlicher Abmessungen des Sensors erlaubt Canon, auch für die EOS 400D dasselbe relativ kompakte Design zu verwenden. Die Kamera wiegt lediglich 25 Gramm mehr als die 485 Gramm ihrer Vorgängerin. Zusammen mit dem kleinen und außergewöhnlich leichten, mitgelieferten Objektiv liegt die Kamera gut in der Hand. Durch das deutlich längere und schwerere 16-bis-35-Millimeter-Objektiv (25,6 bis 56 Millimeter Kleinbildäquivalent) ergänzt oder mit dem Blitzgerät Speedlite 580EX ausgestattet, wirkt die 400D allerdings ungünstig balanciert.

Der Großteil des Designs ist gegenüber der 350D unverändert geblieben, etwa das schwarze beziehungsweise silbermetallicfarbene Kunststoffgehäuse. Es gibt jedoch einige wichtigere Änderungen. Um die Ergonomie beim Fotografieren zu verbessern, verfügt die 400D jetzt über eine Daumenstütze, deren Fehlen bei der 350D noch bemängelt worden war.

Der LCD-Bildschirm ist von 46 Millimeter (1,8 Zoll) auf 64 Millimeter (2,5 Zoll) gewachsen. Dadurch bleibt leider für das Status-Info-LCD kein Platz mehr übrig. Andererseits ermöglicht die Verwendung des Haupt-LCD eine außergewöhnlich deutliche und verständliche Überwachung der Einstellungen. Allerdings lenkt der papierweiße Hintergrund eher ab. Der automatische Sensor, der das Display deaktiviert, sobald man den Sucher ans Auge führt, irritiert sogar noch mehr. Man kann das Display ganz deaktivieren. Doch einige Informationen, die normalerweise auf einem Status-LCD angezeigt werden, finden sich im Sucher nicht. Dazu gehören zum Beispiel die ISO-Empfindlichkeit, der Weißabgleich, der Akkuladezustand und weitere nützliche Einstellungen.

Einziger Kritikpunkt bei den Bedienelementen ist der überdimensionierte Einschalter. Er kann leicht versehentlich betätigt werden, wenn man die 400D in einer Kameratasche verstaut. Ansonsten entspricht die Anordnung der Tasten und Knöpfe im Wesentlichen derjenigen der 350D. Im Prinzip hat sich da bei Canons digitalen Spiegelreflexkameras seit den Anfängen kaum etwas geändert. Eine solche Konsistenz ist durchaus zu begrüßen. Die 400D kann außerdem mit demselben Zubehör verwendet werden wie die 350D.

Dass der Funktionsumfang der 350D von der EOS 400D im Wesentlichen unverändert übernommen wird, ist überwiegend von Vorteil. In der kompletten Version wird die Kamera mit dem 18-bis-55-Millimeter-EF-S-Objektiv (f/3.5 bis f/5.6) geliefert. Dank des Konversionsfaktors von 1,6 ergibt sich damit ein 29-bis-88-Millimeter-Kleinbildäquivalent. Für den häufigen Gebrauch in geschlossenen Räumen wirkt das Objektiv allerdings etwas zu langsam.

Die meisten Hobbyfotografen werden alle grundlegenden Einstellmöglichkeiten vorfinden. Eine Handvoll manueller, halbmanueller und automatischer Belichtungsmodi sind vorhanden. Ein vom Benutzer wählbarer 9-Punkt-Autofokus und ein AI-Servo-Autofokus für bewegte Motive ergänzt die Palette. Auch gleichzeitige Aufnahmen im RAW- und JPEG-Format sind möglich.

Um mit anderen Kameras mithalten zu können, ist der CMOS-Chip der 400D jetzt selbstreinigend. Wie bei vielen anderen digitalen Spiegelreflexkameras auch vibriert die Tiefpassfilterschicht beim Ein- und Ausschalten der Kamera. So wird Staub vom Sensor abgeschüttelt. Außerdem ist der Filter mit einer antistatischen, staubabweisenden Beschichtung versehen. Darüber hinaus soll eine klebrige Einfassung des Sensors Staub fixieren und ihn am Herumfliegen im Kameragehäuse hindern. Zusätzlich zur Staubkontrolle ist der Tiefpassfilter in zwei Teile aufgeteilt. Jeglicher Staub, der sich vielleicht doch absetzt, befindet sich somit außerhalb des Schärfebereichs.

Leider bietet die 400D ebenso wenig wie die 350D eine Spotmessung. Nur eine mittenbetonte Integral- oder Selektivmessung ist möglich. Unter kniffligen Lichtverhältnissen wäre eine Spotmessung jedoch weitaus vorteilhafter. So kann es mit den vorhandenen Messmöglichkeiten zu deutlichen Unterbelichtungen bei Gegenlichtaufnahmen kommen. Bei einer Kamera dieser Klasse ist das unverzeihlich.

Performance

Obwohl der von der 400D verwendete CMOS-Bildsensor dieselben physischen Abmessungen hat wie die Version der 350D, hat Canon mehr Pixel auf derselben Fläche untergebracht. Damit erhöht sich die Auflösung. Auch das Design der Mikrolinsen, die auf jeder Photosite sitzen, wurde verbessert. Sie sammeln das indirekte Licht und fokussieren es auf den Sensor. Die Größe der Photosites selber hat man ebenfalls erhöht. Für eine Kamera ihrer Klasse ist das gemessene und sichtbare Rauschen der 400D immer noch ziemlich gering. Dennoch wirkt es deutlich stärker als bei der CCD-basierten Nikon D80, bei allen ISO-Einstellungen.

Insgesamt hinkt die 400D auch in puncto Geschwindigkeit der D80 hinterher. In der Praxis zeigt sich, dass die Kamera schnell und reaktionsfreudig reagiert. Die Aufnahme erfolgt aber häufig einen Sekundenbruchteil zu spät. Man sollte bedenken, dass es eine Weile dauert, sich an die Geschwindigkeit einer Kamera zu gewöhnen. Auch ein Gefühl für den Aufnahmerhythmus zu entwickeln, braucht seine Zeit. Vor allem, wenn man schon einmal mit schnelleren Profimodellen wie der Canon EOS 30D oder Olympus E-1 fotografiert hat. Aber die 400D ist schnell genug, dass man allmählich immer präzisere Aufnahmen machen dürfte.

Bei Serienbildaufnahmen wird in Sachen Performance noch etwas herausgekitzelt. Die Geschwindigkeit ist dieselbe wie bei der 350D geblieben. Dennoch gibt Canon an, dass die 400D bis zu 27 Bilder im JPEG-Format oder 10 Bilder im RAW-Format schießen kann. Erst dann gelangt die Kamera an ihre Grenzen und wird langsamer. Bei den Tests ist das Ergebnis sogar noch etwas besser. Allerdings können die 7 Sekunden Pause, ehe man weiter fotografieren kann, schon frustrierend sein. Die 400D verwendet Canons Digic-II-Chipsatz statt des aktuellen Digic-III. Das lässt die Frage aufkommen, ob mit Letzterem nicht eine bessere Performance und Rauschunterdrückung zu erzielen wäre.

Die meisten Tests wurden mit dem im Lieferumfang enthaltenen Objektiv durchgeführt. Es kann zwar durch seine kompakten Abmessungen und sein geringes Gewicht überzeugen, ist aber doch zu langsam. Die maximale Blendenöffnung von f/3.5 lässt einfach nicht genug Licht durch. Sie ermöglicht auch keinen so kurzen Tiefenschärfebereich, wie man ihn sich wünscht. Außerdem gibt es chromatische Aberrationen, in diesem Fall violette Farbsäume. Das ist leider viel mehr, als man es von einer digitalen Spiegelreflexkamera erwartet. Selbst Augenreflexionen des separaten Blitzgeräts weisen solche Farbsäume auf.

Wer es sich leisten kann, sollte als Objektiv lieber das EF-S f/2.8 IS USM mit 17 bis 55 Millimetern verwenden. Dieses kann leider nicht im Test mit der 400D kombiniert werden. Es sollte aber leicht genug sein, um nicht zu einem Ungleichgewicht mit dem Kameragehäuse zu führen. Sicherlich ist es schnell genug, um einen breiteren Belichtungsspielraum zu bieten. Außerdem hat es den Vorteil einer optischen Bildstabilisierung und eines leiseren Motors.

Bildqualität

Trotzt der erwähnten Beanstandungen macht die Canon EOS 400D gute Fotos. Die Farben werden naturgetreu wiedergegeben. Sie hat bei ausreichender Beleuchtung einen großen Dynamikbereich. Auch der automatische Weißabgleich wirkt einwandfrei. Aufnahmen bei ISO 100 und ISO 200 sind sehr deutlich. Darüber hinaus sollte man mit nachträglichen Retuschen vorsichtig sein, wenn man nicht auf das Rauschen aufmerksam machen will.

Viele der Testaufnahmen sind nicht so gut fokussiert, wie man es vom Autofokussystem der 400D erwartet. Dennoch eignen sich einige durchaus für großformatige Ausdrucke, etwa 28 mal 40 Zentimeter auf einem Epson Stylus Photo R2400.

Canon plant nicht, die 350D aus dem Programm zu nehmen. Die Einführung des neuen Modells macht diese Kamera auch keineswegs überflüssig. Wer seine Objektive nicht so häufig wechselt, sich mit dem kleineren LCD-Bildschirm zufriedengibt, die etwas langsamere Geschwindigkeit der Serienbildfunktion verschmerzen kann und auch die bessere Auflösung nicht benötigt, braucht den höheren Preis für die EOS 400D nicht zu zahlen. Und wer noch keine Objektive von einem bestimmten Hersteller besitzt, der sollte lieber zur bislang besten Kamera des Jahres für unter 1200 Euro greifen – der Nikon D80.

Artikel von CNET.de: https://www.cnet.de

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