Wenn es um die Qualität der Bilder geht, dann bricht die W200 endgültig ein. Das liegt hautsächlich an dem überflüssigen 12-Megapixel-Sensor. Er ist zwar physisch größer als der 8-Megapixel-Sensor der W90, doch die Pixel müssen unsinnig winzig sein. Das ist wohl der einzige Grund dafür, dass die W200 so unersättlich nach Licht giert. Sie kann schlicht keine Aufnahmen bei ISO 100 machen. Die meisten Schnappschusskameras schaffen das problemlos.

Häufig muss der ISO-Wert auf mindestens ISO 400 aufgedreht werden, um eine vernünftige Belichtungszeit zu erreichen. Selbst bei aktiviertem Steadyshot und sogar bei sehr hellem Sonnenschein ändert sich daran nichts.

Theoretisch sollte Sonys standardmäßig aktivierte Dynamic-Range-Optimisation (DRO) automatisch die mittleren Töne anheben. Dadurch würden die Aufnahmen verbessert. Im Test findet sich keine Situation, in der diese Funktion wirklich hilft. Weder bei unterbelichteten Fotos noch bei solchen mit hohem Kontrast zeigt sich eine Wirkung. Mehrere Fotos werden mit und ohne DRO aufgenommen. Es ist aber keinerlei Effekt zu bemerken.

Das wäre letztlich kein großes Problem, wenn die W200 bei hohen ISO-Werten wenigstens ordentliche Rauschwerte liefern könnte. Doch dem ist leider nicht so. Die Messergebnisse bei den Rauschtests ergeben zwar extrem niedrige Werte bei allen ISO-Einstellungen. Das deckt sich jedoch nicht mit dem visuellen Eindruck. Die Bilder wirken schon bei ISO 200 schmierig. Sie weisen neben dem typischen, fleckigen Farbrauschen verschmierte Details und pinselstrichförmige Artefakte auf.

Zum rechten Objektivrand hin nehmen auch die Schärfeprobleme zu. Um die 34-MByte-Dateien unter Kontrolle zu halten, arbeitet die aggressive Komprimierung überdies mindestens mit dem Faktor 8. Beides macht es ziemlich schwierig, ein scharfes und artefaktfreies Foto zu erzielen.

Um wenigstens ein paar anständige Aufnahmen zu erhalten, läuft der Test schließlich mit ISO 200 weiter. Die Dateien werden anschließend in Photoshop bearbeitet. Das ergibt einige hübsche, 32 mal 42 Zentimeter große Abzüge. Das ist aber nicht gerade das erwünschte Schnappschusserlebnis. Sicher würde man sich normalerweise nicht so hineinknien und die Fotos aufblasen. Die Bearbeitungsmöglichkeiten sind wohl der einzige Grund, warum man überhaupt eine Kamera mit so hoher Auflösung kaufen würde.

Bleibt zu erwähnen, dass man mit der W200 sehr schöne VGA-Filme mit 30 Bildern pro Sekunde aufnehmen kann. Der Zoom lässt sich beim Filmen allerdings nicht betätigen.

Fazit

Bei einer Kamera mit einem wirklich wenig streuenden Objektiv, begrenzter Bildkomprimierung und guten Rauschunterdrückungsalgorithmen könnte der 12-Megapixel-Sensor womöglich exzellente Fotos liefern. Eine solche Kamera ist die W200 aber nicht.

Wenn man seinen emotionalen Halt aus dem Wissen bezieht, die höchstauflösende Kamera ihrer Preisklasse zu besitzen, kann die Sony Cybershot DSC-W200 vielleicht die seelische Notlage ausbessern. Sucht man hingegen eine kompakte Schnappschusskamera, die zu einem vernünftigen Preis schöne Fotos macht, dann wird nahezu jede andere Ultrakompaktkamera bessere Fotos liefern.

Neueste Kommentare 

Noch keine Kommentare zu Zu hohe Auflösung: Sony Cybershot DSC-W200

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *