Zu hohe Auflösung: Sony Cybershot DSC-W200

von Lori Grunin am , 00:00 Uhr

Pro
  • kompaktes, attraktives Design
  • optischer Bildstabilisator
  • manueller Aufnahmemodus
Con
  • benötigt viel Licht bei niedrigen ISO-Werten
  • außergewöhnlich lange Blitzaufladezeiten
  • lange Wartezeit zwischen zwei Aufnahmen
  • Bildverarbeitungsartefakte
  • LCD mit schlechten Blickwinkeln
  • proprietäres USB-Kabel
Hersteller: Sony Listenpreis:
ZDNet TESTURTEIL: BEFRIEDIGEND 6,4 von 10 Punkte
Fazit:

Der 12-Megapixel-Sensor der Cybershot DSC-W200 treibt den Preis in die Höhe, bringt aber keinerlei Vorteile.

Der 12-Megapixel-Sensor der Sony Cybershot DSC-W200 treibt den Preis für eine ansonsten annehmbare Schnappschusskamera in die Höhe, ohne Nutzen zu bringen. Die W90 und W80 sind eindeutig die besseren Alternativen.

Sonys 12-Megapixel-Kamera Cybershot DSC-W200 veranschaulicht deutlich, was passiert, wenn ein hersteller in möglichst hohe Sensorauflösungen vernarrt ist. Sie ist positioniert als Ergänzung am oberen Ende der ansonsten ganz vernünftigen W-Serie. Diese Produktreihe bietet keine reinen Schnäppchenkameras. Die Modelle lassen sich eher als vernünftig kalkulierte Kompaktkameras für Amateurfotografen bezeichnen. Die DSC-W200 hat mit den mittleren Modellen wie der W80 und der W90 das attraktive, kompakte Design gemeinsam. Sony [1] bietet hier aber keine schwarze Variante an.

Design

Man kann nicht viel gegen das Design dieser 140 Gramm schweren Kamera sagen. Es gibt keine spezielle Daumenablage. Das stellt aber kein Problem dar. Das leicht gezahnte Wählrad erfüllt diese Funktion zusätzlich. Die Knöpfe sind recht klein, aber handhabbar.

Das 64 Millimeter (2,5 Zoll) große LCD enttäuscht ein wenig. Es ist das gleiche, einfache 115.000-Pixel-Modell, das man auch bei halb so teuren Kameras vorfindet. Leider bietet es nur schlechte Blickwinkel. Bei hellem Licht ist es fast unmöglich, etwas zu erkennen. Die hohe Helligkeitseinstellung unterscheidet sich kaum von der Standardeinstellung. Die Kamera hat jedoch einen überraschend großen, wenn auch etwas verzerrten optischen Sucher als Ergänzung zum LCD. Auch das mäßige 3-fach-Zoomobjektiv (f/2,8-5,5, 35-105 Millimeter Kleinbildäquivalent) verbessert den Gesamteindruck nicht gerade.

Funktionsumfang

Der Funktionsumfang der W200 entspricht dem, was man von einer hochpreisigen Schnappschusskamera erwarten kann. Sie ist mit Sonys optischer Bildstabilisierung Super-Steadyshot, einem 9-Punkt-Autofokus und einer Gesichtserkennung ausgestattet. Hier hat Sony einige merkwürdige Entscheidungen getroffen. Man kann zum Beispiel die Gesichtserkennung nur im Vollautomatik-Modus aktivieren. Nicht einmal im Programm-Modus steht sie zur Verfügung.

Weiter bietet die W200 einen manuellen Aufnahmemodus. Der ist allerdings ziemlich eingeschränkt. Man kann je nach Zoom nur zwischen zwei oder drei Blendeneinstellungen wählen. Immerhin lässt sich das überhaupt manuell regeln. Eine Blendenautomatik ist jedoch nicht verfügbar.

Wie bei anderen Sony-Modellen auch arbeitet die Gesichtserkennung der W200 ziemlich gut. Sie identifiziert mehrere Gesichter in einer Szene, solange beide Augen sichtbar sind. Tendenziell arbeitet sie jedoch uneinheitlich. Bei einer Szene mit drei Köpfen wählt sie in der Regel ein Gesicht aus. Manchmal sind es aber auch alle drei Gesichter, gelegentlich zwei, und einige Male gar keins. All das unter identischen Aufnahmebedingungen.

Performance

Die W200 nimmt recht fix Bilder auf. Vom Einschalten bis zur ersten Aufnahme verstreichen flotte 1,6 Sekunden. Bei starkem Kontrast schießt die Kamera ihre Fotos innerhalb einer vernünftigen halben Sekunde. Bei Dämmerlicht dauert es leidliche 1,3 Sekunden.

Leider beträgt die Zeit zwischen zwei Aufnahmen träge 2,2 Sekunden. Wenn man den Blitz aktiviert, verdoppelt sich die Zeitspanne sogar auf ziemlich schlechte 4,4 Sekunden. Mit ihren zwei Bildern pro Sekunde bei Serienbildaufnahmen kann sie wiederum mit der Konkurrenz durchaus mithalten.

Wenn es um die Qualität der Bilder geht, dann bricht die W200 endgültig ein. Das liegt hautsächlich an dem überflüssigen 12-Megapixel-Sensor. Er ist zwar physisch größer als der 8-Megapixel-Sensor der W90, doch die Pixel müssen unsinnig winzig sein. Das ist wohl der einzige Grund dafür, dass die W200 so unersättlich nach Licht giert. Sie kann schlicht keine Aufnahmen bei ISO 100 machen. Die meisten Schnappschusskameras schaffen das problemlos.

Häufig muss der ISO-Wert auf mindestens ISO 400 aufgedreht werden, um eine vernünftige Belichtungszeit zu erreichen. Selbst bei aktiviertem Steadyshot und sogar bei sehr hellem Sonnenschein ändert sich daran nichts.

Theoretisch sollte Sonys standardmäßig aktivierte Dynamic-Range-Optimisation (DRO) automatisch die mittleren Töne anheben. Dadurch würden die Aufnahmen verbessert. Im Test findet sich keine Situation, in der diese Funktion wirklich hilft. Weder bei unterbelichteten Fotos noch bei solchen mit hohem Kontrast zeigt sich eine Wirkung. Mehrere Fotos werden mit und ohne DRO aufgenommen. Es ist aber keinerlei Effekt zu bemerken.

Das wäre letztlich kein großes Problem, wenn die W200 bei hohen ISO-Werten wenigstens ordentliche Rauschwerte liefern könnte. Doch dem ist leider nicht so. Die Messergebnisse bei den Rauschtests ergeben zwar extrem niedrige Werte bei allen ISO-Einstellungen. Das deckt sich jedoch nicht mit dem visuellen Eindruck. Die Bilder wirken schon bei ISO 200 schmierig. Sie weisen neben dem typischen, fleckigen Farbrauschen verschmierte Details und pinselstrichförmige Artefakte auf.

Zum rechten Objektivrand hin nehmen auch die Schärfeprobleme zu. Um die 34-MByte-Dateien unter Kontrolle zu halten, arbeitet die aggressive Komprimierung überdies mindestens mit dem Faktor 8. Beides macht es ziemlich schwierig, ein scharfes und artefaktfreies Foto zu erzielen.

Um wenigstens ein paar anständige Aufnahmen zu erhalten, läuft der Test schließlich mit ISO 200 weiter. Die Dateien werden anschließend in Photoshop bearbeitet. Das ergibt einige hübsche, 32 mal 42 Zentimeter große Abzüge. Das ist aber nicht gerade das erwünschte Schnappschusserlebnis. Sicher würde man sich normalerweise nicht so hineinknien und die Fotos aufblasen. Die Bearbeitungsmöglichkeiten sind wohl der einzige Grund, warum man überhaupt eine Kamera mit so hoher Auflösung kaufen würde.

Bleibt zu erwähnen, dass man mit der W200 sehr schöne VGA-Filme mit 30 Bildern pro Sekunde aufnehmen kann. Der Zoom lässt sich beim Filmen allerdings nicht betätigen.

Fazit

Bei einer Kamera mit einem wirklich wenig streuenden Objektiv, begrenzter Bildkomprimierung und guten Rauschunterdrückungsalgorithmen könnte der 12-Megapixel-Sensor womöglich exzellente Fotos liefern. Eine solche Kamera ist die W200 aber nicht.

Wenn man seinen emotionalen Halt aus dem Wissen bezieht, die höchstauflösende Kamera ihrer Preisklasse zu besitzen, kann die Sony Cybershot DSC-W200 vielleicht die seelische Notlage ausbessern. Sucht man hingegen eine kompakte Schnappschusskamera, die zu einem vernünftigen Preis schöne Fotos macht, dann wird nahezu jede andere Ultrakompaktkamera bessere Fotos liefern.

Artikel von CNET.de: https://www.cnet.de

URL zum Artikel: https://www.cnet.de/39156538/zu-hohe-aufloesung-sony-cybershot-dsc-w200/

URLs in this post:

[1] Sony: http://www.cnet.de/unternehmen/sony/