HD-Camcorder nur für Frauenhände: Panasonic HDC-SD1

von Lori Grunin am , 00:00 Uhr

Pro
  • hochwertige Video- und annehmbare Standbilder
  • gute Auswahl an manuellen Optionen
Con
  • träger Autofokus
  • schlechter automatischer Weißabgleich
  • unkomfortables Design
Hersteller: Panasonic Listenpreis:
ZDNet TESTURTEIL: GUT 6,9 von 10 Punkte
Fazit:

Der HDC-SD1 bietet jede Menge Aufnahmeoptionen und scharfe Videoaufnahmen. Das Ganze ist aber etwas unhandlich eingepackt.

Der Panasonic HDC-SD1 ist ein solider Camcorder auf SD-Basis. Bedauerlicherweise leidet er aber unter einigen Performanceproblemen und einem arg umständlichen Design.

Die Verwendung von Flash-Speicherkarten als Aufnahmemedium in Camcordern bietet einen entscheidenden Vorteil: Sie ermöglicht eine sehr kompakte Bauweise.

Der HDC-SD1 nimmt hochauflösende AVCHD-Videos mit 1440 mal 1080 Pixeln auf SD-Karten auf. Sein 500 Gramm schweres Gehäuse ist deutlich kleiner als bei Camcordern, die andere Speicherformate nutzen. Aber die röhrenartige Form ist immer noch etwas zu wuchtig, um wirklich kompakt zu sein.

Design

Es wird dennoch kein Platz verschwendet. Der SD1 bietet ein 12-fach-Zoomobjektiv, ein 76 Millimeter großes 16:9-LCD, ein 5.1-Kanal-Surround-Mikrofon und drei 6 Millimeter große 560.000-Pixel-CCDs.

Ironischerweise rührt eine der größten Designschwächen des SD1 daher, dass eben kein großes DVD-Laufwerk, keine Festplatte und kein Kassettenschacht vorhanden sind. Diese findet man häufig bei anderen Modellen. Und gerade deren zusätzliches Volumen sorgt für guten Halt. Der SD1 ist ein wenig zu gedrungen, als dass man ihn bequem mit dem Zeigefinger auf der Zoomtaste festhalten könnte.

Außerdem liegt der Joystick für die Menü-Navigation und den Zugang zu den Aufnahmeeinstellungen (unter anderem Weißabgleich, Belichtungszeit, Blende) zu weit rechts. Dadurch lässt er sich nicht besonders komfortabel mit dem Daumen steuern, während man das schmale Gehäuse hält. Man muss den Camcorder also mit zwei Händen bedienen: eine zum Aufnehmen und eine zum Stabilisieren. Doch selbst dann kommt es mehr als üblich zu Verwacklungen, wenn man die manuellen Einstellungen ändert. Denn meistens erfordert der Joystick mehrere Anläufe, um eine Änderung durchzuführen.

Die Navigation per Joystick ist letztlich ganz gut. Aber andere Aspekte der Bedienung können schlicht frustrierend sein. Die manuelle Scharfstellung zum Beispiel ist unbrauchbar. Sie liefert keine Entfernungsangaben. Sie zeigt lediglich eine gezoomte Ansicht (Focus Assist). Man muss aber einfach zu viel herumprobieren, bis man das Bild scharf gestellt hat. Manchmal lässt sich der Camcorder überhaupt nicht scharf stellen, vermutlich, wenn das Motiv zu nah ist. Es ist aber nicht zu erkennen, ab wann die Joysticksteuerung keine Wirkung mehr zeigt.

Funktionsumfang

Auch die Funktionen des Gerätes sind nicht sonderlich praktisch konzipiert. Der SD1 bietet zwar ein wirklich breites Spektrum an Optionen. Doch gelegentlich mangelt es an deren praktischer Umsetzung.

So kann man zum Beispiel die Belichtungszeit nicht manuell unter 1/60 Sekunde einstellen. Die Blendeneinstellungen dürften manche Anwender verwirren. Panasonic kombiniert sie mit denen für die Bildverstärkung. Ab f/2,8 und niedriger gibt der SD1 die Werte in Dezibel an. Von 0 dB bis 18 dB sind sie in 3-dB-Schritten regelbar. Bei 0 dB zeigt er „offen“ an. Dann wird die Blendenzahl in verschiedenen Schritten bis zu f/16 verkleinert. Über f/16 hinaus erscheint die Anzeige „geschlossen“.

Es gibt tatsächlich einen Grund, die beiden Einstellungen zu kombinieren: Beide ermöglichen es, die Belichtung zu verlängern oder zu verkürzen. Doch jede Option erzeugt andere Nebeneffekte, wenn sie verändert wird. Die Einstellungen für Belichtungszeit und Blende funktionieren zudem eher wie Automatik-Modi – und nicht wie manuelle. Man kann sie nicht unabhängig voneinander verändern.

Weitere Aufnahmeoptionen sind Gegenlichtkompensation, fünf Szenenmodi sowie der Magicpix-Nachtmodus, bei dem die Verschlussgeschwindigkeit unter 1/60 geht. Ein sehr guter Tele-Makro-Modus, ein Soft-Skin-Modus, Zebrastreifen, ein Windfilter für den Ton und ein Zoom-Mikrofon ergänzen die Auswahl.

Der SD1 bietet darüber hinaus die Funktion Auto-Ground-Directional-Standby (AGS). Das ist weiter nichts als eine fantasievolle Art zu sagen, dass die Kamera in den Standby-Modus geht, wenn sie mit der Oberseite nach unten gehalten wird.

Performance

In der höchsten Qualität, dem HF-Modus, belegt der SD1 ein GByte für zehn Minuten Video. Dabei arbeitet er mit einer konstanten 13-Mbit/s-Kodierung. In den niedrigeren Qualitätsstufen HN und HE schaltet der SD1 auf eine Kodierung mit variablen Bitraten um. Damit verlängert sich die verfügbare Aufnahmedauer auf etwa 15 Minuten pro GByte bei 9 Mbit/s beziehungsweise 22 Minuten pro GByte bei 6 Mbit/s.

Alles in allem ist die Videoqualität des SD1 ganz ordentlich. Bei gutem Licht sehen die Videos für gewöhnlich sauber und scharf aus. Die Farben sind leuchtend und gefällig. In der Regel stimmt auch die Belichtung. In Aufnahmen bei schlechten Lichtverhältnissen ist wenig Rauschen zu erkennen. Standbilder mit 1920 mal 1080 Pixeln sehen beim Ausdruck bis zu einer Größe von 200 mal 115 Millimetern anständig aus. Man sollte aber keine hochauflösenden Aufnahmen größer als DIN A4 ausdrucken.

Auf einem HD-Bildschirm kommen Videos und Standbilder gut raus. In einem Videobearbeitungsprogramm verlieren die Aufnahmen jedoch ein wenig von ihrem Glanz. Panasonic verwendet einen unterdimensionierten 520.000-Pixel-Sensor (effektive Auflösung). Deshalb tauchen Zeilensprung- und Interpolationsartefakte auf.

Die Bildqualität ist ebenfalls untrennbar mit der Leistung verbunden. Und die ist nicht gerade berauschend. Der Autofokus wirkt einen Tick zu langsam, um bei unberechenbaren Motiven, wie etwa springenden Eichhörnchen, mitzukommen. Der automatische Weißabgleich scheint meist falsch zu reagieren und erzeugt zu kühle Töne. Gelegentlich wird die Videoaufnahme besonders weich und der Autofokus rastet nicht ein. Immerhin arbeitet der optische Bildstabilisator zufriedenstellend.

Fazit

Der Panasonic HDC-SD1 ist ein guter, wenn auch nicht überwältigender Camcorder. Er sammelt eine Menge Pluspunkte wegen seiner erstaunlichen AVCHD-Videos. Die Aufnahmen sind recht hübsch anzusehen, das Aufnehmen und erst recht das Bearbeiten macht aber keinen besonderen Spaß.

Artikel von CNET.de: https://www.cnet.de

URL zum Artikel: https://www.cnet.de/39157535/hd-camcorder-nur-fuer-frauenhaende-panasonic-hdc-sd1/