Risikofrei einkaufen im Internet

von Marco T. Christof am , 00:00 Uhr

Online-Shops verführen mit niedrigen Preisen zum schnellen Bestellen. Doch hinter manchem Schnäppchen lauert ein teurer Reinfall – insbesondere dann, wenn der Kunde schon vor Erhalt der Ware zahlt. CNET.de wühlt sich durchs Kleingedruckte und gibt Tipps für reibungslose Einkäufe.


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Online-Shops verführen mit niedrigen Preisen zum schnellen Bestellen. Doch hinter manchem Schnäppchen lauert ein teurer Reinfall – insbesondere dann, wenn der Kunde schon vor Erhalt der Ware zahlt. CNET.de wühlt sich durchs Kleingedruckte und gibt Tipps für reibungslose Einkäufe.

Billige Händler finden sich ganz rasant mit Preisvergleichs-Diensten wie Lifestyle.CNET.de [1], Geizhals.net [2], Evendi [3] oder Idealo.de [4]. Als alleiniges Kriterium taugt der Preis jedoch nicht. Eher lohnt ein Blick auf die Note, die bei den meisten Vergleichs-Diensten den Händlernamen schmückt. Die Bewertung sollte natürlich möglichst gut ausfallen, zugleich aber auch aussagekräftig sein, also auf aktuellen Urteilen von mehreren Dutzend oder Hundert Kunden basieren. Lieferzeiten und Kundenservice sollten in die Note einfließen. Im Idealfall veröffentlicht der Dienst neben der Note auch Kommentare der einzelnen Besteller.

Bewertungen
Beim Preisvergleichs-Dienst Geizhals.net lassen sich die Leistungen eines Händlers sehr differenziert bewerten. Unterm Strich ist auf die Bewertungen bei Preisvergleichs-Diensten durchaus Verlass: Anders als bei Ebay können unseriöse Händler schlechte Noten nicht mit Rachebewertungen vergelten.

Kritischer Blick auf die Händler-Website

Nehmen Sie sich vor einer Bestellung die Website des Händlers zur Brust. Enthält das Impressum die vollständige Anschrift, Ansprechpartner, Telefonnummer und E-Mail-Adresse? Listet der Betreiber übersichtlich alle anfallenden Kosten auf, also zum Beispiel Porto, Verpackung, Mindermengen-Zuschlag und Auftragsgebühr? Der Bestellvorgang sollte über eine sichere Internet-Verbindung ablaufen, zu erkennen am „https://“ (mit „s“) in der Adresszeile des Browsers. Das vermindert immerhin die Wahrscheinlichkeit, dass Dritte Ihre Kreditkarten-Nummer oder ähnlich sensible Daten mitschneiden.

Positiv ist, wenn der Händler mit einer Trusted-Shops-Mitgliedschaft [5] aufwartet. Der Kunde erhält dann eine Geld-zurück-Garantie: Liefert der Händler die Ware nicht innerhalb eines Monats, fordert ihn Trusted Shops auf, das Geld zurückzuerstatten. Im schlimmsten Fall bekommen Sie den Betrag einen weiteren Monat später von Trusted Shops ausbezahlt – das nimmt der Vorauskasse ihren Schrecken. Auch wenn Sie von Ihrem Widerrufsrecht Gebrauch machen und der Händler nicht binnen 30 Tagen zahlt, springt Trusted Shops ein. Vergewissern Sie sich jedoch auf der Website von Trusted Shops, dass der Händler dort tatsächlich gelistet ist und nicht einfach nur mit einem gefälschten Logo wirbt. Und vergessen Sie auch nicht, sich nach der Bestellung tatsächlich für die Garantie anzumelden. Meist bieten die Händler einen Link dazu an.

Trusted Shops
Bei Händlern mit Trusted-Shops-Garantie verliert die Vorauskasse ihren Schrecken.

Schlechte Nachrichten verbreiten sich rasch im Internet. Daher lohnt eine Recherche nach dem Namen des Händlers zusammen mit Stichwörtern wie „Betrug“, „unseriös“ oder „unzufrieden“. Wenn die Suchmaschine Entwarnung gibt, wird es Zeit, sich über die Zahlungsart Gedanken zu machen.

Bezahlen: Rechnung hui, Vorauskasse pfui

Am liebsten bieten die Händler diejenige Zahlungsart an, die für den Kunden am ungünstigsten ist: Vorauskasse. Das gesamte finanzielle Risiko trägt hierbei der Kunde. Er überweist dem Händler den Betrag, und erst nach Eingang der Zahlung geht das Produkt auf die Reise. Die Händler versüßen diese Zahlungsart gerne mit niedrigeren Versandkosten. Lassen Sie sich nur darauf ein, wenn Sie den Händler gut kennen oder er die Trusted-Shops-Garantie gewährt. Andernfalls liegen die Nachteile auf der Hand: Sobald das überwiesene Geld auf dem Konto des Empfängers eintrudelt, haben Sie keinen Zugriff mehr darauf. Wenn der Händler erst nach Monaten oder gar nicht liefert und dennoch das Geld einbehält, bleibt nur der Gang vor Gericht – mit ungewissem Ende.

Spesen
Die Händler lieben die Zahlungsweise Vorauskasse und machen sie ihren Kunden mit niedrigen Versandspesen schmackhaft. Deutlich teurer kommen zum Beispiel Nachnahme- und Kreditkarten-Zahlungen.

Einige Händler setzen das Bezahlsystem Paypal ein, das mittlerweile zum Ebay-Konzern gehört. Paypal gerät jedoch immer wieder in die Schlagzeilen wegen scheinbar willkürlicher Kontensperrungen, verschwundener Überweisungen und kundenfeindlicher Service-Leistungen. Erfahrungsberichte finden sich auf den Seiten Beschwerdezentrum.de [6], Nopaypal.com [7] und Nopaypal.eu [8].

Nachnahme gilt als vergleichsweise sicher, aber nur teilweise zu Recht. Anders als bei der Vorauskasse zahlt der Kunde erst dann, wenn ihm der Postbote das Paket in die Hände drückt. Doch versteckt sich im Karton wirklich der nagelneue DVD-Recorder – oder aber alter Schrott? Leider sind die Zusteller Mangelware, die schmunzelnd daneben stehen, während der Empfänger das Paket auspackt und den Inhalt prüft. Statt dessen kassieren sie gehetzt den Nachnahmebetrag ein, bar und abgezählt, versteht sich, denn sie haben weder Kartenleser noch Wechselgeld mit. Gegen Nachnahme spricht auch, dass die Händler und der Zustelldienst meist recht hohe Gebühren verlangen.

Besser sieht die Lage bei der Zahlung mit Kreditkarte aus. In der Regel können Sie online durchgeführte Zahlungen innerhalb von vier Wochen nach Erhalt der Kreditkarten-Abrechnung schriftlich widerrufen („Chargeback“), sofern diese zu Unrecht erfolgten. Die Beweislast liegt auf Seiten des Händlers, er muss einen vom Kunden unterschriebenen Bestellbeleg vorweisen. Der fehlt bei reinen Online-Bestellungen. Die genauen Fristen und Modalitäten unterscheiden sich je nach Karte und Bank. Prüfen Sie sorgfältig die AGB der Bank, die Ihre Kreditkarte ausgegeben hat. Sie ist auch die Ansprechpartnerin für den Chargeback.

Noch sicherer fahren Sie mit der Einzugsermächtigung, einer Form des Lastschriftverfahrens. Sie nennen dem Händler die Kontodaten, und er bucht den Betrag ab. Die Abbuchung lässt sich noch sechs Wochen nach Erhalt des Rechnungsabschlusses oder Kontoauszugs widerrufen, und das ohne Angabe von Gründen. Entsprechend sorgfältig sollten Sie jedoch die Kontoauszüge durchsehen. Leider bieten nur wenige Händler diese Zahlungsweise an. Eine zweite Form des Lastschriftverfahrens, der Abbuchungsauftrag, erweist sich als weniger sicher: Hier teilt der Kunde der eigenen Bank schriftlich mit, dass der Händler den Betrag abbuchen darf. Ein nachträglicher Widerruf ist nicht möglich.

Die gute alte Zahlung nach Erhalt der Ware wälzt das finanzielle Risiko voll auf den Händler ab. Deshalb liefern nur einige wenige Branchen auf Rechnung, darunter Apotheken, und meist auch nur an Stammkunden oder größere Firmen.

Beim Bestellen die Beweise sichern

Für den eigentlichen Bestellvorgang gilt als wichtigste Regel: Lesen und dokumentieren Sie jedes Detail. Wichtig sind insbesondere Produktpreis und -eigenschaften, weitere Gebühren, Garantie-Bedingungen sowie Lieferumfang, -bedingungen und -termine. Bei Laufzeit-Verträgen interessieren zusätzlich die Kündigungsfristen. Erstellen Sie am besten Screenshots von jeder einzelnen Seite des Bestellvorgangs. Auch die AGB, Datenschutz-Bestimmungen und alles sonstige Kleingedruckte sollte auf Festplatte gebannt werden. Manche Händler ändern öfter mal ihre AGB, gültig ist jedoch die Fassung zum Zeitpunkt der Bestellung.

Mac-Anwender erledigen das Ganze im Nu: Mit der Tastenkombination Apfel-Shift-3 legt Mac OS X automatisch ein Foto des aktuellen Bildschirms auf dem Schreibtisch ab. Windows-Anwender drücken die Taste „Druck“, kopieren damit den Bildschirm in die Zwischenablage, fügen deren Inhalt in ein Bildbearbeitungs-Programm ein und speichern dann die Datei. Das klingt nicht nur aufwändiger, es kostet tatsächlich viel mehr Zeit. Als Alternative empfiehlt sich die Installation des kostenlosen Programms Simple Screenshot [9], das den PC auf Mac-Niveau hievt.

Das Widerrufsrecht und seine Haken

Im Laden vor Ort ist der Kunde auf die Kulanz des Händlers angewiesen, wenn er ein Produkt zurückgeben und sein Geld wiederhaben möchte. Anders beim Online-Kauf: Bis zu 14 Tage, nachdem sie die Ware erhalten haben, dürfen private Verbraucher diese an den Händler zurückschicken, und zwar ohne Angabe von Gründen. Das Abschicken innerhalb der Frist genügt; wann die Ware beim Händler eintrifft, ist nicht relevant.

Die 14-Tage-Frist gilt außerdem nur dann, wenn der Händler schon bei der Bestellung korrekt darauf hingewiesen hat. Informiert er der Kunden erst später, fehlerhaft oder gar nicht über das Widerrufsrecht, läuft die Frist länger oder sogar unbegrenzt.

Die Kosten der Rücksendung trägt bis zu einem Warenwert von 40 Euro der Kunde, außer, er bekam das falsche oder ein mangelhaftes Produkt geliefert. Ab 40 Euro Warenwert übernimmt der Händler die Rücksende-kosten, allerdings nur dann, wenn Sie die Ware bereits vollständig oder teilweise bezahlt hatten. In dem Fall dürfen Sie das Paket sogar unfrei zurückschicken. Die meisten Händler bitten darum, das Paket ausreichend zu frankieren, und erstatten die Auslage später zurück. Inwieweit der Händler auch die Portokosten der Hinsendung erstatten muss, ist rechtlich umstritten.

Für einige wenige Produkte wie Zeitschriften oder Maßanfertigungen gilt das Widerrufsrecht nicht. Und noch etwas ist zu beachten: Wenn Sie das Produkt bereits in Gebrauch genommen hatten, darf der Händler einen Teil des Kaufpreises zurückbehalten, sofern er Sie darüber schon bei der Bestellung belehrt hatte.

Widerruf
Beinahe jeder Händler weist mittlerweile auf das 14-tägige Widerrufsrecht hin – andernfalls blüht ihm unter Umständen eine viel längere Frist.

Kaputte Produkte

Wenn Sie erst nach Ablauf der Widerrufsfrist Mängel am Gerät bemerken, greifen die gesetzliche Gewährleistung und die Hersteller- oder Händlergarantie. Ansprechpartner für die Gewährleistung ist der Händler, er informiert Sie über die Rücksende-Modalitäten. Die gesetzliche Gewährleistung gilt zwar theoretisch zwei Jahre ab Kauf, ist aber nur in den ersten sechs Monaten interessant. Danach muss der Kunde beweisen, dass der Sachmangel bereits beim Kauf vorlag – meist eine unmögliche Aufgabe.

Unter welchen Umständen und wie lange der Hersteller eine Garantie gewährt, können Sie den Produktunterlagen oder der Hersteller-Website entnehmen. Die Unterschiede sind gravierend und sollten bei teuereren Produkten mit in die Kaufentscheidung einfließen. Manchmal bietet auch der Händler eine eigene Garantie an, zum Beispiel als Verlängerung der gesetzlichen Gewährleistung. Informieren Sie sich vor dem Kauf über die genauen Bedingungen.

Garantie
Die Garantieleistungen der Hersteller schwanken massiv in Umfang und Dauer. Epson beispielsweise bietet neuerdings bis zu drei Jahre Garantie auf Projektorlampen, andere Hersteller hingegen oft nur ein paar Wochen.

Wenn der Händler zickt

Was tun, wenn der Händler weder liefert noch das Geld erstattet oder sich wahlweise allzu viel Zeit für Reparaturen nimmt? Setzen Sie ihm schriftlich realistische Fristen, am besten mit einem Einschreiben.

Dokumentieren Sie kleinlich jede Kontaktaufnahme. Bei schwarzen Schafen wird das jedoch nicht viel nützen. Eine günstige Rechtsberatung erteilen dann zum Beispiel die Verbraucherzentralen [10] oder die Anwälte auf Frag einen Anwalt [11]. Die Preise liegen zwischen 10 und 20 Euro je Anfrage. Bei hartnäckigen Fällen oder teuren Produkten lohnt sich jedoch der persönliche Gang zum Anwalt.

Verbraucherzentrale

Die Verbraucherzentralen beraten gegen eine geringe Gebühr in diversen Rechtsangelegenheiten. Bei der bayerischen Niederlassung kostet eine E-Mail-Beratung 15 Euro.

Im Ausland einkaufen

Technische Geräte finden sich in ausländischen Online-Shops oft zu deutlich niedrigeren Preisen oder Monate früher als hierzulande, etwa im Falle des Iphone von Apple [12]. Das schicke Handy zeigt aber auch gleich einen ersten Haken an der Auslandsbestellung auf: Es funktioniert in Deutschland mangels Netzbetreiber schlicht (noch) nicht. Ähnliches gilt für DVDs aus vielen anderen Teilen der Welt. Auch mit der Betriebsspannung des Geräts und ungeeigneten Stromsteckern kann es Probleme geben.

Iphone
Manches importierte Gerät versagt hierzulande seinen Dienst, so auch Apples Iphone.

Der scheinbar günstigere Preis relativiert sich womöglich durch die Versandspesen, Bankgebühren und Steuern, die bei Auslandsbestellungen in die Höhe gehen. Bei Bestellungen außerhalb der EU hält unter Umständen auch der Zoll [13] sein Händchen auf, abhängig von der jeweiligen Produktkategorie.

Richtig kompliziert wird die Sachlage bei Reklamationen, insbesondere wiederum außerhalb der EU. Wenn der Händler unseriös arbeitet, haben Sie kaum eine Chance, ihm gegenüber Ihr Recht durchzusetzen. Einer ausführlichen Web-Recherche kommt somit noch mehr Wert zu als bei einheimischen Händlern. Bei defekten Produkten hilft unter Umständen der Hersteller weiter. Informieren Sie sich unbedingt vorab, ob und in welchem Umfang er auch bei importieren Produkten eine Garantie gewährt. Praktisch wäre, wenn Sie sich im Garantiefall direkt an die deutsche Niederlassung wenden könnten – doch spätestens an dem Punkt streiken viele Hersteller.

Artikel von CNET.de: https://www.cnet.de

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[1] Lifestyle.CNET.de: http://lifestyle.cnet.de

[2] Geizhals.net: http://www.geizhals.net/deutschland

[3] Evendi: http://www.evendi.de

[4] Idealo.de: http://www.idealo.de

[5] Trusted-Shops-Mitgliedschaft: http://www.trustedshops.de

[6] Beschwerdezentrum.de: http://www.beschwerdezentrum.de/paypal.html

[7] Nopaypal.com: http://www.nopaypal.com

[8] Nopaypal.eu: http://www.nopaypal.eu

[9] Simple Screenshot: http://www.wt-rate.com/freeware5.htm

[10] Verbraucherzentralen: http://www.verbraucherzentrale.de

[11] Frag einen Anwalt: http://www.frag-einen-anwalt.de

[12] Apple: http://www.cnet.de/unternehmen/apple/

[13] Zoll: http://www.zoll.de