Schon getestet: Ipod Touch – Musik- und Videoplayer im Iphone-Look

von Daniel Schraeder und Donald Bell am , 00:00 Uhr

Pro
  • großes, videofähiges Display
  • geniales User-Interface
  • WLAN
  • Webbrowser
Con
  • teuer
  • für umfangreiche Film- und Clipsammlung zu wenig Speicher
Hersteller: Apple Listenpreis:
ZDNet TESTURTEIL: SEHR GUT 8,3 von 10 Punkte
Fazit:

Egal, von welcher Seite man ihn betrachtet: Der Ipod Touch ist einfach sexy. Auch die technischen Daten stimmen. Leider reicht der Flash-Speicher aber nicht aus, um ihn auf den Thron der Apple-Player zu heben.

Die größte Revolution seit der Einführung des Ipods: Der Touch ist der erste Apple-Player ohne Clickwheel. Stattdessen erfolgt die Steuerung über das große Touchscreen-Display. Menüführung und Funktionen ähneln dem Iphone. Sogar WLAN für Surfsessions und Musikkauf unterwegs ist integriert.

Man kann sagen was man will: Apples Iphone hat was. Es sieht stark aus, hat eine innovative (und geniale) Benutzerführung, kann extrem viel und ist gleichzeitig noch unkompliziert – so, wie Hardware eigentlich sein sollte. Der wohl größte Haken: Bislang ist das Gerät hierzulande offiziell nicht erhältlich. Das wird sich demnächst ändern, doch wohl nur für T-Mobile-Kunden, mit Vertrag, Grundgebühr und 24-monatiger Laufzeit.

Apple [1] bietet nun mit dem Ipod Touch ein Gerät mit ähnlichem Look und mit ähnlicher Ausstattung an. Ohne integriertes Handy zwar, aber damit auch ohne Grundgebühr und deutlich günstiger. Die Wiedergabe von Musik, Filmen und Fotos klappt beim Ipod Touch genauso wie beim Iphone, die Bedienung mittels Touchscreen ist dieselbe – und sogar der Safari-Browser ist an Bord. Seine Inhalte bezieht er über WLAN statt über das Handynetz.

Design

Auf den ersten Blick geht der Ipod Touch als kleiner Bruder des Iphone durch. Wie bei den meisten anderen Apple-Produkten merkt man ihm auf den ersten Blick an, wie viel Liebe ins Detail Designer, Ingenieure und Usability-Profis investiert haben. Das Gehäuse aus Metall und Glas fühlt sich so hochwertig an, wie es aussieht, und ist hosentaschenkompatibel: Es misst 62 mal 110 Millimeter und ist 8 Millimeter.

Nichts ruiniert einen tragbaren Videoplayer schneller als ein dicker Kratzer auf dem Display. Gut also, dass Apple hier nicht gespart hat – im Gegensatz zu Ipod Classic [2] und dem neuen Ipod Nano [3] in der dritten Generation schützt echtes Glas anstelle einer Plastikscheibe die Anzeige. Dennoch sollte man ein paar Euro in eine Schutzhülle investieren. Das Iphone fühlt sich mit seinen 8 Millimetern Dicke fast schon zerbrechlich an, außerdem wäre jede noch so kleine Spur im Chromlook der Gehäuserückseite eine Schande.

Lediglich zwei Knöpfe zieren den Touch. Auf der Vorderseite sitzt unterhalb des Displays einer für das Hauptmenü, der andere befindet sich oben links am Gehäuse. Er deaktiviert das Display. Alle anderen Funktionen wählt man über die berührungsempfindliche Anzeige – wie beim Iphone. Lediglich die Icons für die Wiedergabe von Musik, Fotos und Videos sind hier stärker betont; die Telefonapplikation fehlt.

Die zwei Unterscheidungsmerkmale zwischen Iphone und Ipod lassen sich erst auf den zweiten Blick erkennen. Zum Einen verfügt der Ipod über eine bündig am Gehäuse abschließende, 3,5 Millimeter große Klinkenbuchse zum Anschluss eines beliebigen Kopfhörers. Zum Anderen gibt es keine dedizierten Knöpfe zum Regeln der Lautstärke. Stattdessen präsentiert das Display nach einem Doppelklick auf den Menü-Knopf einen Slider. Im gleichen Menü zeigt der Touch auch Soft-Buttons für Play, Pause und Überspringen von Musikstücken.

Fakt ist: Es gibt bessere Player. Welche, die Musik in höherer Qualität ausgeben, welche, die günstiger sind und welche, die mehr können. Beispielsweise TV-Signale oder digitales Radio empfangen. Fakt ist aber auch: Kein anderes Gerät – abgesehen vielleicht vom Iphone – hat ein so cooles Interface. Das Blättern der Musiksammlung im Cover-Flow-Modus oder das Zoomen in Fotos mit Fingerbewegungen wirkt fast, als hätte Apple diese Funktionen direkt aus der Zukunft importiert. Lediglich Jetpacks oder fliegende Autos bieten einen ähnlichen Coolness-Faktor.

Ipod Touch
Der Ipod Touch passt problemlos in die Hosentasche. Wie beim Iphone schützt Glas statt Kunststoff das Display – es verkratzt nicht so schnell.

Ausstattung

99 Prozent der Funktionen des Touch kennen wir bereits aus dem Iphone [4]. Wer bereits das Apple-Handy besitzt (oder fest vorhat, es bei Erscheinen in Deutschland zu kaufen), braucht sich den neuen Ipod nicht näher anzusehen. Alle anderen haben nun die Möglichkeit, viele der unglaublich coolen Funktionen und Gadgets zu nutzen, ohne gleich einen Zweijahresvertrag unterschreiben und monatlich Kohle abdrücken zu müssen.

Leider fehlen dem Touch aber auch abgesehen vom eigentlichen Handy einige Features, die das Iphone so liebenswert machen: Es gibt trotz WLAN keinen E-Mail-Client, weder Lautsprecher noch Mikrofon, keine Kamera und kein Bluetooth. Außerdem muss man auf diverse praktische Widgets verzichten – etwa die Anzeige von Wetterdaten oder Börsenkursen. Immerhin: Der Safari-Webbrowser ist ebenso an Bord wie der Videoplayer für Youtube-Clips. Der Itunes-Musikshop mit WLAN-Unterstützung ist ein Highlight, und Musik-, Foto- und Videoplayer machen den Touch zu einem der besten Allrounder, die es im Moment gibt.

Im Gegensatz zum Iphone kann der Touch Videos und Fotos auf einen Fernseher ausgeben. Dafür ist allerdings optionales Zubehör nötig – etwa das AV-Kabel oder das Universal Dock von Apple. Schade: Der neue Ipod ist der einzige, der keinen USB-Storage-Modus unterstützt – man kann ihn also nicht als Wechseldatenträger nutzen. Da sich Musik aber ohnehin nur via Itunes übertragen lässt, ist das kein großes Manko – vermutlich nutzen ohnehin nur wenige Ipod-Fans dieses Feature.

Nicht geändert hat sich die Unterstützung von Audioformaten. Neben geschütztem und ungeschütztem AAC kommt das Gerät mit Dateien im MP3-, WAV-, Aiff-, Audible- und Apple-Lossless-Format klar. Bei der Videowiedergabe lehnt sich der Touch an die Funktionalität des Ipod G5 an – er spielt H.264/MP4-Videos mit einer Auflösung von bis zu 640 mal 480 Pixeln und 30 Frames pro Sekunde.

Safari-Browser

Der Webbrowser des Ipod Touch ist mehr oder weniger identisch mit dem des Iphone – abgesehen von einigen netten Funktionen, wie wir feststellen mussten. Mangels E-Mail- und Telefonapplikation öffnen Klicks auf Adressen oder Nummern auf Webseiten hier nicht die entsprechenden Programme. Webmailer wie Google [5] oder Yahoo funktionieren zwar problemlos, man muss E-Mail-Adressen aber von Hand eintippen. Copy & Paste gibt es nicht. Wie beim Safari-Browser auf dem Iphone stellt der Touch keine Flash-Objekte auf Webseiten dar, inklusive Video- und Musikplayern.

Abgesehen von diesen Einschränkungen ist der Safari auf dem Ipod dennoch cool und nützlich. Die intelligente Touchscreen-Tastatur sowie die Unterstützung von mehreren Fenstern machen den Apple-Browser zu einem Highlight neben Opera Mobile, Minimap und diversen proprietären Konkurrenten.

Itunes Wifi

Im neuen WLAN-Musikshop von Apple kann man durch Alben blättern, Previews anhören, Musik kaufen und herunterladen. Bislang funktioniert das nur mit Musik: Filme, Videos, Podcasts oder Spiele sind nicht im Programm. Zumindest noch nicht. Man benötigt eine funktionierende WLAN-Verbindung, um das mobile Itunes nutzen zu können. Steht die Verbindung, kann man nach Künstlern, Alben oder einzelnen Songs aus dem Itunes-Angebot suchen, oder sich durch Genres, Toplisten oder Neuheiten wühlen.

Ipod Touch
Itunes Mobil: Man kann jetzt auch Musik über WLAN kaufen. Itunes überträgt online gekaufte Songs bei der nächsten Synchronisation auf den Computer.

Wer ein Lied kaufen möchte, muss das mit seinem Itunes-Passwort bestätigen. Sobald der Download abgeschlossen ist, steht es sofort im Musikplayer zur Verfügung und wird bei der nächsten Synchronisierung mit Itunes auf den PC oder Mac übertragen. Das scheint absolut problemlos zu klappen – selbst einen unterbrochener Download setzt der Client fort, sobald wieder eine Verbindung besteht.

Wunschliste

Okay, okay – sich beim Ipod Touch über fehlende Funktionen wie Sprachrekorder oder FM-Radio zu beschweren, ist etwa so, als würde man bei einem Porsche Carrera über den zu kleinen Kofferraum meckern. Dennoch gibt es Dinge, die das Gerät wirklich aufwerten würden. Auf Platz eins unserer Liste steht ein Slot für Speicherkarten. 16 GByte integrierter Speicher sind zwar okay – und für Musik reichen auch 8. Wer aber seine gesamte Futurama-Sammlung dabei haben möchte, kommt damit nicht aus. Es leben austauschbare Medien.

Die Unterstützung von Flash-Inhalten würden den ansonsten genialen Safari-Browser noch besser machen. Ohne kann man weder Videoclips von Myvideo, Dailymotion oder Stage6 anschauen, noch Webradio hören. Flash ist ein entscheidener Bestandteil des heutigen, multimedialen Internet. Außerdem hätten wir gerne das Notizbuch des Iphone, Bluetooth für die kabellose Musikübertragung und die Unterstützung von Itunes-Spielen.

Leistung

Abgesehen vom traumhaften Design, vom futuristischen Userinterface, von WLAN und weiteren innovativen Funktionen ist und bleibt der Ipod Touch ein einfacher, tragbarer Medienplayer. Das kann er, aber es gibt bessere Vertreter: Die Qualität bei der Audio- und Videowiedergabe ist nur guter Durchschnitt. Der Audio-Chipsatz ist identisch mit dem des Iphone, aber ein anderer als der des Classic. Er erlaubt guten Sound – aber keinen bahnbrechenden, wie wir ihn bei einem Killer-Produkt wie diesem erwartet haben. Dazu kommt, dass der Nutzer auch weiterhin keinen Einfluss auf den Equalizer hat. Es gibt 20 Presets. Nett, aber es ginge besser.

Über die Videofunktionalität gibt es schon einiges Negatives zu lesen. Mit Schuld daran trägt das Display – die Oberfläche aus Glas spiegelt stark, außerdem ist der Blickwinkel nicht besonders groß. Es reichen bereits kleinere Bewegungen aus, um Farben zu verfälschen oder den Kontrast zu verändern. Unabhängig davon ist der Touch der bislang beste Video-Ipod. Die hohe Auflösung (480 mal 320 Pixel) trägt ihren Teil dazu bei.

Stimmen Apples Angaben zur Akkulaufzeit, gibt es hier ebenfalls keinen Anlass zur Kritik. Der Hersteller verspricht 22 Stunden Musik- und 5 Stunden Videowiedergabe – genug für einen langen Tag auf Achse. Oder auch mal zwei. Unsere Testergebnisse folgen.

Fazit

Der Ipod Touch ist ein großartiges und durchdachtes Produkt in tollem Design mit vielen Funktionen. Er ist aber auch kein achtes Weltwunder: Der hohe Preis und die limitierte Speicherkapazität trüben das Bild. Man kann nicht davon ausgehen, dass der teuerste Ipod auch der beste ist. Wer viele Videos ansehen möchte, sollte sich den Ipod Classic ansehen – er speichert mit 160 GByte die zehnfache beziehungsweise zwanzigfache Datenmenge. Außerdem steht nicht überall WLAN zur Verfügung. Ohne können weder das neue Itunes Wifi noch der Safari-Browser ihren Zweck erfüllen.

Aber unabhängig davon: Der Ipod Touch ist einfach ein Hammer! Wer bereit ist, so viel Geld für einen tragbaren Mediaplayer auszugeben, sollte nicht zögern: Es gibt keinen triftigen Grund.

Ipod Touch
Drei Brüder: Iphone, Ipod Touch und Ipod Nano.

Artikel von CNET.de: https://www.cnet.de

URL zum Artikel: https://www.cnet.de/39157803/schon-getestet-ipod-touch-musik-und-videoplayer-im-iphone-look/

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[1] Apple: http://www.cnet.de/unternehmen/apple/

[2] Ipod Classic: https://www.cnet.de/tests/mp3/0,39030934,39157620,00/schon+getestet+ipod+classic+apple_player+mit+bis+zu+160+gbyte+speicher.htm

[3] Ipod Nano: https://www.cnet.de/tests/mp3/0,39030934,39157579,00/schon+getestet+neuer+apple+ipod+nano+mit+videoplayback+_3_+generation.htm

[4] Iphone: https://www.cnet.de/tests/handy/0,39030932,39155943,00/schon+getestet+apple+iphone.htm

[5] Google: http://www.cnet.de/unternehmen/google-inc/