HD-DVD und Blu-ray: Fernsehspaß im Hochsicherheitstrakt

Im Vergleich zum schwachen DVD-Kopierschutz CSS, der bereits kurz nach Einführung geknackt wurde, soll sich AACS nicht aushebeln lassen. Dafür sorgt die als sicher geltende AES-Verschlüsselung, die mit 128 Bit langen Schlüsseln arbeitet und Brute-Force-Attacken wegen des hohen Zeitaufwands unattraktiv machen soll.

Die Beteuerungen der AACS-Entwickler, ihr Kopierschutzverfahren sei ganz und gar unknackbar, sind nach wie vor richtig. Dennoch wurde das mit Millionenaufwand entwickelte System schon Anfang 2007 mit seinen eigenen Waffen geschlagen. Ein findiger Programmierer benötigte mit einem selbstgebastelten Java-Tool lediglich acht Tage, um den Inhalt einer HD-DVD vom Xbox-360-HD-Laufwerk auf die Festplatte seines PCs zu überspielen. Er nutzte dabei eine Sicherheitslücke in früheren Versionen der Software-Player Win DVD und Power DVD aus. Jede HD-Scheibe enthält einen 16 Bit langen Key zur Entschlüsselung. Dieser wird beim Abspielen im Arbeitsspeicher des PCs normalerweise versteckt und chiffriert abgelegt. Beide Software-Player legten die Keys jedoch unverschlüsselt ab. Der Clou: Um den Film zu entschlüsseln, schlug der Programmierer in den öffentlich zugänglichen AACS-Spezifikationen nach und verwendete die dort beschriebenen Routinen. Als kurz darauf auch noch eine Art Generalschlüssel für sämtliche verfügbaren HD-Videos auftauchte, schien AACS am Ende.

Die Filmindustrie schützt sich mit schwarzen Listen

Doch das Katz-und-Maus-Spiel geht munter weiter. HD-DVDs und Blu-Ray-Disks enthalten schwarze Listen mit gesperrten Abspielgeräten und -Programmen, die mit jeder Pressung aktualisiert werden. Vor Filmstart prüft der Kopierschutz nun, ob das Laufwerk oder die Abspielsoftware auf der Blacklist steht. Trifft das bei einer Komponente zu, startet auch der Film nicht mehr. Auch Kopien lassen sich nicht mehr anfertigen. Damit Käufer von Power DVD und Win DVD ihre Software aber weiter nutzen können, erhalten sie per Online-Update regelmäßig neue AACS-Schlüsselsätze. Zahlreiche neu auf den Markt gebrachte Blu-Ray-Disks sind zudem mit einer neuen Version des AACS-Kopierschutzes ausgestattet, die den Datenaustausch zwischen Laufwerk und PC zusätzlich über eine virtuelle Maschine verschlüsselt. Es bleibt spannend.

Power DVD
Wer HD-Videos am PC abspielen will, greift zu Player-Software wie Win DVD 8 oder Power DVD.

Fazit: Kostspieliges Vergnügen

Wegen der restriktiven Vorgaben des Blu-Ray- und HD-DVD-Kopierschutzes kommt man nicht umhin, sein Heimkino-Equipment handverlesen auszuwählen. Die Variante Standalone-Player plus passender Fernseher ist dabei noch die einfachere, weil nur zwei Geräte im Spiel sind. Wer HD-Videos dagegen am PC ansehen will, muss leidensfähiger sein. Dort ist nicht nur das Zusammenspiel der einzelnen Komponenten und Schnittstellen vertrackter, es geht auch meistens nicht ohne zusätzliche Investitionen: Neue Grafikkarte, schnellerer Prozessor, RAM-Erweiterung – am besten kauft man sich gleich einen neuen PC. Der Großteil der teuren Hardware ist dann zwar kompatibel zum Kopierschutz, allerdings ohne unmittelbaren Zusatznutzen.

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