HD-DVD und Blu-ray: Fernsehspaß im Hochsicherheitstrakt

von Manuel Masiero am , 00:00 Uhr

DVD ins Abspielgerät einlegen, Play-Taste drücken, und los geht der Videoabend. Wer das mit den Nachfolgern Blu-Ray-Disk und HD-DVD versucht, hat die AACS-Spezifikation noch nicht gelesen. Das Rechtemanagement der HD-Datenträger schreibt Anwendern nämlich bis ins Detail vor, mit welcher Hardware man sich die Filme überhaupt ansehen darf.

DVD ins Abspielgerät einlegen, Play-Taste drücken, und los geht der Videoabend. Wer das mit den Nachfolgern Blu-Ray-Disk und HD-DVD versucht, hat die AACS-Spezifikation noch nicht gelesen. Das Rechtemanagement der HD-Datenträger schreibt Anwendern nämlich bis ins Detail vor, mit welcher Hardware man sich die Filme überhaupt ansehen darf.

Um HD-Videos abspielen zu können, müssen alle an der Wiedergabe beteiligten Geräte genau aufeinander abgestimmt ein. Anwender haben immerhin folgende Wahl: Sie können die HD-Filme nämlich über eine geeignete Kombination aus Standalone-Player und Fernseher anschauen. Alternativ vertragen sich Blu-Ray- und HD-DVD-Medien aber auch mit PC-Hardware. In beiden Fällen muss man aber ordentlich Geld für Geräte investieren, welche die rigiden Anforderungen der AACS-Spezifikation erfüllen. Die hochauflösenden Filmdaten dürfen laut Spezifikation nämlich nur kopiergeschützt vom Player zum Fernseher beziehungsweise Monitor verschickt werden. Das soll verhindern, dass Dritte Audio- und Videodaten kopieren, setzt aber kompatible Geräte voraus.

Blu-ray

Formatfrage: Aktuelle Filme wie 300 gibt es als Blu-Ray- und HD-DVD-Variante. Beide kosten jeweils rund 25 Euro.

Zwei Formate: Zukunftssicher erst mit Kombiplayer

Blu-Ray-Disks und HD-DVDs setzen zwar den gleichen Kopierschutz ein, die leidige Formatfrage ist bis dato allerdings ungeklärt. Daher rangeln beide Lager mit ihren Produkten nach wie vor um die Gunst der Anwender. Viele zögern aber mit dem Kauf – die Aussicht, auf das vermeintlich falsche Format zu setzen, ist schließlich wenig verlockend. Immerhin sind die Gerätepreise mittlerweile deutlich gefallen. Geräte wie den HD-DVD-Player Toshiba HD-E1 gibt es mittlerweile schon für rund 300 Euro. Blu-Ray-Geräte, beispielsweise der Sony [1] BDP-S300B, sind mit Preisen um die 500 Euro noch etwas teurer.

HD-DVD
Schnäppchen: Den HD-DVD-Player Toshiba HD-E1 gibt es schon für rund 300 Euro.

Für die meisten Käufer sind Kombiplayer am interessantesten. Diese spielen sowohl Blu-Ray-Disks als auch HD-DVDs ab. Mit dem LG [2] BH-100 gibt es ein passendes Produkt, das aber mit rund 1000 Euro ein großes Loch in den Geldbeutel reißt. Auf der diesjährigen IFA [3] hat mit Samsung [4] ein zweiter Hersteller seinen Kombiplayer [5] vorgestellt, der aber erst zu Weihnachten 2007 in den Läden stehen soll.

Bevor ein HD-Film seinen Weg bis zum Display nimmt, muss ihn zuerst ein Standalone-Player entschlüsseln. Jedes Abspielgerät bekommt dazu durch die AACS-LA (Advanced Access Content System-Licensing Administrator) eine Kennung zugewiesen, den so genannten Device Key. Er ist im internen Speicher des Abspiel- oder Wiedergabegeräts abgelegt und dient zur Dechiffrierung der Medien. Auch Software-Player erhalten einen solchen Schlüssel.

Kopiergeschützter Transport zum Fernseher

Um HD-Videos darzustellen, benötigt man neben einem Player auch ein passendes Display. Als Ausgabegeräte kommen nur Produkte mit DVI- oder HDMI-Schnittstelle in Frage. Auch ein Player muss über eine HDMI-Schnittstelle verfügen. Darüber läuft der Kopierschutz HDCP (High-Bandwidth Digital Content Protection), der als Standard-Verschlüsselungsverfahren für HDTV eingesetzt wird. Geräte, die HD-Videos wiedergeben und über einen HDCP-fähigen Videoeingang verfügen, sind mit dem „HD Ready“-Logo gekennzeichnet. Vor Abspielen eines Films verständigen sich Player und Display auf einen Schlüssel, über den eine HDCP-chiffrierte Verbindung aufgebaut wird.

Displays: HDMI-Schnittstelle ist Pflicht

Von einem Fernsehgerät, das weder HDMI noch DVI unterstützt, sollte man auf jeden Fall die Finger lassen. Zwar kann man auf letztere PC-Schnittstelle zwar verzichten, weil sie in der Unterhaltungselektronik wenig verbreitet ist, man sollte sich beim Kauf aber nicht mit dem Argument vertrösten lassen, dass sich hoch auflösendes Fernsehen auch über den analogen Komponenteneingang empfangen lässt. Das stimmt zwar prinzipiell, allerdings ist bei analoger Verbindung die Videoqualität schlechter als bei digitaler Übertragung. Zudem wird normalerweise die Bildschirmausgabe gesperrt, wenn auch nur eine Komponente der Verwertungskette kein HDCP unterstützt. Einzige Ausnahme: Der Disk-Hersteller erlaubt die Wiedergabe in reduzierter Auflösung (ICT, Image Constraint Token). In diesem unwahrscheinlichen Fall erscheint das Bild nicht in den maximalen HDTV-Maßen von 1920 mal 1280 Bildpunkten, sondern nur mit 960 mal 540 Pixeln – und ist damit kaum besser als bei einer Video-DVD. Mit einem „HD Ready“-Fernseher ist man halbwegs auf der sicheren Seite, sollte aber dennoch nicht blind zugreifen.

HD ready
Gütesiegel: Fernseher mit „HD Ready“-Logo oder dessen Nachfolger „HD Ready 1080p“ verarbeiten HDTV-Signale.

Display-Mogelpackungen trotz „HD Ready“-Logo

Prangt auf einem Fernseher das „HD Ready“-Logo, bedeutet das lediglich, dass dieses Gerät HDTV-Signale der Formate 720p (1280 mal 960 Pixel) und 1080i (1920 mal 1280 Bildpunkte) empfangen und darstellen kann. Allerdings gehen damit auch Displays als HD-konform durch, die 720p-Bildsignale lediglich verarbeiten, aber nicht nativ wiedergeben. In diese Definition fallen aber selbst diejenigen Fernseher, die nur 1024 mal 768 Bildpunkte auflösen und das Bild auf 16:9-Format strecken. Muss das TV-Gerät die HD-Auflösungen erst einmal umrechnen, kann das bei minderwertigen Scalern zu Lasten der Bildqualität gehen. Insbesondere viele Billigangebote liefern deshalb nur mäßige Bildqualität ab.

Seit der IFA tummeln sich auch immer mehr Displays mit „HD Ready 1080p“ im Portfolio vieler Anbieter. Damit die Plakette am Fernseher kleben darf, muss ein Display nun nativen 1080p-Support bieten, wie viele IFA-Neuheiten also „echte“ 1920 mal 1.280 Bildpunkte darstellen.

Wer angesichts teurer Abspielgeräte und Fernseher mit dem Gedanken spielt, HD-Videos lieber am PC anzusehen, kommt ebenfalls nicht umhin, sich neue Hardware zuzulegen. Auf den ersten Blick ist diese Variante aber viel sympathischer, weil preiswerter: Das günstigste PC-Laufwerk kommt von Microsoft [6] und ist als externes Laufwerk für die Xbox-360-Spielkonsole gedacht. Über seine USB-Schnittstelle lässt sich das 150-Euro-Schnäppchen aber auch an jeden PC anschließen. Damit alleine ist es jedoch nicht getan: Nicht nur das Laufwerk, sondern auch die Grafikkarte, der Monitor und sämtliche Treiber müssen miteinander harmonieren.

HD-DVD
Einstiegspreis: Ein günstigeres HD-DVD-Laufwerk als das USB-Laufwerk für die Xbox 360 gibt es derzeit nicht. Der externe Player kostet 150 Euro, Standalone-Geräte mindestens das Doppelte.

Die Probleme fangen schon bei der Playersoftware an, da nicht jedes Abspiel-Tool mit den hochauflösenden Videos zurechtkommt. Mit Programmen wie Intervideo Win DVD 8 [7] oder Cyberlink Power DVD Ultra [8] ist man hier aber auf der sicheren Seite.

Eine High-End-Grafikkarte ist Pflicht

Derzeit sind nur eine Handvoll Grafikkarten in der Lage, Bildsignale HDCP-verschlüsselt über die HDMI- oder DVI-Schnittstelle an den Monitor zu senden. Unterstützt der Grafikkarten-Treiber AACS, gelangt das Bildsignal alternativ auch über den VGA-Ausgang an den Monitor. Das ist eigentlich praktisch für Besitzer älterer Karten, reicht aber noch nicht. Weil HD-Filme nicht nur Videocodecs wie MPEG-2, sondern auch H.264 und VC-1 nutzen, sind rechenstarke Grafikprozessoren zur Decodierung und mindestens 256 MByte Videospeicher Pflicht. Diese Voraussetzungen erfüllen aber nur wenige Karten (siehe Tabelle). Besitzer von AGP-Systemen haben klar das Nachsehen, weil die High-End-Grafikkarten fast ausschließlich auf der PCI-Express-Schnittstelle basieren. Nur die kleineren, weniger leistungsstarken Modelle wie Nvidia GeForce 7950 GT oder ATI Radeon HD2600 gibt es auch als AGP-Version.

Grafikkarten-Reihen mit HDCP-Support

ATI Nvidia
Radeon X1600 Geforce 7600 GT
Radeon X1800 Geforce 7800 GTX 512
Radeon X1900 Geforce 7900 GX2
Radeon X1950 Geforce 7900 GTX
Radeon HD2400 Geforce 7950 GX2
Radeon HD2600 Geforce 7950 GT
Radeon HD2900 oder höher Geforce 8300 GS
Mobility Radeon HD2300 Geforce 8400 GS
Mobility Radeon HD2400 Geforce 8500 GT
Mobility Radeon HD2600 oder höher Geforce 8600 GT
Geforce 8600 GTS
Geforce 8800 GTS
Geforce 8800 GTX oder höher

Die digitale Ausgabe geschützter Blu-Ray- oder HD-DVD-Filme funktioniert nur, wenn der Bildschirm den Kopierschutz HDCP unterstützt. Darum Vorsicht bei günstigen Angeboten: So bleibt bei einem DVI-Monitor ohne HDCP-Support der Bildschirm in der Regel schwarz. Nur mit viel Glück erwischt man eine HD-Disk, deren Produzent die Richtlinien zur Wiedergabe nicht so eng sieht. Hat man weder eine HDCP-fähige Grafikkarte noch ein entsprechendes Display, bleibt nur die analoge Ausgabe über die VGA-Schnittstelle. In diesem Fall müssen lediglich Grafikkarte und Treiber AACS unterstützen. Doch Vorsicht: Ob man einen Film analog ausgeben darf, bestimmt der Film-Hersteller – beziehungsweise das Rechtemanagement auf der Disk.

Hohe Hardware-Anforderungen wegen Kopierschutz

Für flüssiges HD-Playback braucht es nominell auch einen flotten PC: Empfohlen wird ein Rechner, dessen Performance etwa dem eines Intel Core Duo, Pentium D oder Athlon 64 X2 entspricht. Dazu kommen mindestens 512 MByte, besser jedoch 1 GByte RAM sowie eines der folgenden Betriebssysteme: Windows XP Home, Professional oder Media Center Edition mit jeweils aufgespieltem Service Pack 2 – oder Windows Vista.

Das ist jedoch nur die halbe Wahrheit: Ein HD-Videostream ließe sich nämlich auch mit deutlich schwächeren Rechnern dekodieren und bräuchte weder AACS- und HDCP-Verschlüsselung noch HDMI-Schnittstellen, um aufs Display zu gelangen. Die Filmindustrie will mit diesem Katalog an Sicherheitsmaßnahmen aber sicherstellen, dass man ihre kostbaren, hochauflösenden Filme nicht kopieren kann. Dennoch zahlt man letztlich für Hardware, die für die HD-Wiedergabe gar nicht nötig wäre.

Im Vergleich zum schwachen DVD-Kopierschutz CSS, der bereits kurz nach Einführung geknackt wurde, soll sich AACS nicht aushebeln lassen. Dafür sorgt die als sicher geltende AES-Verschlüsselung, die mit 128 Bit langen Schlüsseln arbeitet und Brute-Force-Attacken wegen des hohen Zeitaufwands unattraktiv machen soll.

Die Beteuerungen der AACS-Entwickler, ihr Kopierschutzverfahren sei ganz und gar unknackbar, sind nach wie vor richtig. Dennoch wurde das mit Millionenaufwand entwickelte System schon Anfang 2007 mit seinen eigenen Waffen geschlagen. Ein findiger Programmierer benötigte mit einem selbstgebastelten Java-Tool lediglich acht Tage, um den Inhalt einer HD-DVD vom Xbox-360-HD-Laufwerk auf die Festplatte seines PCs zu überspielen. Er nutzte dabei eine Sicherheitslücke in früheren Versionen der Software-Player Win DVD und Power DVD aus. Jede HD-Scheibe enthält einen 16 Bit langen Key zur Entschlüsselung. Dieser wird beim Abspielen im Arbeitsspeicher des PCs normalerweise versteckt und chiffriert abgelegt. Beide Software-Player legten die Keys jedoch unverschlüsselt ab. Der Clou: Um den Film zu entschlüsseln, schlug der Programmierer in den öffentlich zugänglichen AACS-Spezifikationen nach und verwendete die dort beschriebenen Routinen. Als kurz darauf auch noch eine Art Generalschlüssel für sämtliche verfügbaren HD-Videos auftauchte, schien AACS am Ende.

Die Filmindustrie schützt sich mit schwarzen Listen

Doch das Katz-und-Maus-Spiel geht munter weiter. HD-DVDs und Blu-Ray-Disks enthalten schwarze Listen mit gesperrten Abspielgeräten und -Programmen, die mit jeder Pressung aktualisiert werden. Vor Filmstart prüft der Kopierschutz nun, ob das Laufwerk oder die Abspielsoftware auf der Blacklist steht. Trifft das bei einer Komponente zu, startet auch der Film nicht mehr. Auch Kopien lassen sich nicht mehr anfertigen. Damit Käufer von Power DVD und Win DVD ihre Software aber weiter nutzen können, erhalten sie per Online-Update regelmäßig neue AACS-Schlüsselsätze. Zahlreiche neu auf den Markt gebrachte Blu-Ray-Disks sind zudem mit einer neuen Version des AACS-Kopierschutzes ausgestattet, die den Datenaustausch zwischen Laufwerk und PC zusätzlich über eine virtuelle Maschine verschlüsselt. Es bleibt spannend.

Power DVD
Wer HD-Videos am PC abspielen will, greift zu Player-Software wie Win DVD 8 oder Power DVD.

Fazit: Kostspieliges Vergnügen

Wegen der restriktiven Vorgaben des Blu-Ray- und HD-DVD-Kopierschutzes kommt man nicht umhin, sein Heimkino-Equipment handverlesen auszuwählen. Die Variante Standalone-Player plus passender Fernseher ist dabei noch die einfachere, weil nur zwei Geräte im Spiel sind. Wer HD-Videos dagegen am PC ansehen will, muss leidensfähiger sein. Dort ist nicht nur das Zusammenspiel der einzelnen Komponenten und Schnittstellen vertrackter, es geht auch meistens nicht ohne zusätzliche Investitionen: Neue Grafikkarte, schnellerer Prozessor, RAM-Erweiterung – am besten kauft man sich gleich einen neuen PC. Der Großteil der teuren Hardware ist dann zwar kompatibel zum Kopierschutz, allerdings ohne unmittelbaren Zusatznutzen.

Artikel von CNET.de: https://www.cnet.de

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[1] Sony: http://www.cnet.de/unternehmen/sony/

[2] LG: http://www.cnet.de/unternehmen/lg/

[3] IFA: https://www.cnet.de/specials/ifa/

[4] Samsung: http://www.cnet.de/unternehmen/samsung/

[5] Kombiplayer: http://cgi.cnet.de/alpha/artikel/dvd-video-film/200710/kombiplayer-kommt-spater.htm

[6] Microsoft: http://www.cnet.de/unternehmen/microsoft/

[7] Intervideo Win DVD 8: https://www.cnet.dewww.corel.com/servlet/Satellite/de/de/Product/1181657926954

[8] Cyberlink Power DVD Ultra: http://de.cyberlink.com/multi/products/main_112_DEU.html