Mit GPS, WLAN und UMTS: Nokia E90 Communicator im Test

von Yvonne Göpfert am , 00:00 Uhr

Viel mehr Ausstattung geht kaum: GPS, WLAN und UMTS, eine 3,2-Megapixel-Kamera, Radio, MP3-Player und eine komplette Tastatur sind übersichtlich sortiert an Bord des neuen Communicators.

Nokias Communicator-Serie blickt auf eine lange Geschichte zurück: Mit dem Modell 9000 fing alles an. Der erste Communicator konnte neben SMS auch E-Mails und Faxe versenden und empfangen. Selbst im Internet durften die stolzen Besitzer eines Communicators damals schon surfen – wenn sich die Datenübertragung auch eher gemächlich gestaltete, weil von WLAN und UMTS noch nicht die Rede war.

Inzwischen liefert Nokia [1] die fünfte Generation des Communicators aus. Die 9000-Serie, die im Hause Nokia die Geschäftsmodelle bezeichnet, ist zur E-Serie mutiert. Der aktuelle Communicator heißt E90, sein Funktionsumfang ist erstaunlich gewachsen, doch die beliebte Faxfunktion fehlt.

Design

Wie ein geschrumpfter Laptop liegt der neue Communicator auf dem Tisch: 13 mal 5,8 mal 2 Zentimeter Platz braucht der 212 Gramm schwere Bolide in zugeklapptem Zustand.

Unter dem Außendisplay befinden sich eine 5-Wege-Steuerung und ein Direktzugriff auf das gesamte Nokia-Menü, eine Löschen-Taste und eine alphanumerische Tastatur. Das ist praktisch, denn damit lässt sich auch im zugeklappten Zustand schnell eine SMS tippen. Außer zwei weiteren Knöpfen am rechten Rand für Sprachaufnahmen und der Aktivierung der Kamera gibt es keine weiteren Bedienknöpfe. Schade, denn damit lässt sich der MP3-Player nicht von außen bedienen. Dennoch fällt der erste Eindruck sehr positiv aus. Schließlich ist das Gerät solide gebaut, es knarzt nicht und lässt sich gut aufklappen.

Geöffnet erinnert das E90 mehr noch als im geschlossenen Zustand an einen kleinen Computer. Die QWERTZ-Tastatur verfügt über große Tasten, die gut reagieren, wenn der Nutzer den Communicator in der Hand hält. Tippt er jedoch, während das Gerät auf dem Tisch liegt, sprechen die Tasten sehr schwer an. Der Anwender muss verhältnismäßig fest drücken, so dass das Schreiben ein bisschen mühsam von der Hand geht. Die Anordnung der Zeichen hat Nokia im Vergleich zum Vorgängermodell 9500 etwas abgewandelt: Komma oder Strg-Taste liegen nun an anderer Position. Insgesamt lehnt sich die Klaviatur des E90 mehr an die auf dem PC gängige Struktur an.

Das Außendisplay zeigt bei einer Auflösung von 240 mal 320 Pixeln bis zu 16 Millionen Farben an, während das Hauptdisplay im Innern bei gleicher Farbzahl eine Auflösung von 800 mal 352 Pixeln erreicht. Beide Displays kommen auch mit strahlender Sonne und Gegenlicht klar, die Anzeige bleibt gut lesbar.

Die Bildschirme sind groß genug, um Inhalte und Funktionen anzeigen zu können. Der Nutzer kann einstellen, ob er, sobald er sein Mobiltelefon zugeklappt hat, seinen Arbeitsplatz-Desktop sehen will oder ob er es bevorzugt, die jeweils gerade aktive Anwendung auch auf dem Außendisplay weiter anzeigen zu lassen. Damit kann er nämlich weiterarbeiten, auch wenn das E90 geschlossen ist. Beim Vorgängermodell 9500 findet sich diese Funktion nicht.

Ebenfalls als praktisch hat sich erwiesen, dass der Nutzer bestimmen kann, ob er auf dem Außendisplay direkt seine E-Mails, Aufgaben und Termine sehen will – diese Funktion nennt sich Active Desktop – oder ob er einen neutralen Bildschirm vorzieht. Allerdings ist die Umstellmöglichkeit gut in den Tiefen des Menüpunktes „Einstellungen“ versteckt: Der Nutzer muss sich über mehrere Ebenen bis zu dem Punkt „Arbeitsplatz zeigen“ durchhangeln, um den Active Desktop zu aktiveren.

Das Menüsystem ist sehr umfangreich und verläuft über mehrere Ebenen: Dies hat sich im Vergleich zu den früheren Series-60-Editionen kaum geändert. Anders sieht der Vergleich mit Series 80 aus, die beispielsweise im Nokia 9500 Communicator steckt. Nutzer, die zum E90 wechseln, müssen sich daher ein wenig umstellen. Im E90 hat Nokia Series 60 Version 3.1 installiert, die sich von früheren 3rd-Editions jedoch nicht gravierend unterscheidet.

Wer übrigens einen alten Communicator 9500 hat, kann seine sämtlichen Daten über eine Anwendung namens „Data Mover“ auf das E90 überspielen. Unter dem Menüpunkt „Laden“ finden sind diese (und auch andere) Nokia-Applikationen zum Herunterladen. Per Bluetooth dauert das Überspielen von knapp 1000 Kontakten etwa 20 Minuten.

Eine weitere neue Funktion ist die aktive Notiz: Der Anwender schreibt wie gewohnt eine Notiz, beispielsweise „nach Projektfortschritt fragen“ – anschließend lässt sich die Notiz mit einem Bild verknüpfen, das sich wiederum mit einem „Anruf“ (gemeint ist ein Kontakt) koppeln lässt. Wenn diese Verknüpfung hergestellt ist, poppt die Notiz auf, sobald der entsprechende Kontakt anruft beziehungsweise angerufen wird. Pro Kontakt kann nur eine Notiz gespeichert werden. Eine Notiz lässt sich jedoch beliebig vielen Kontakten zuweisen. Das ist insbesondere dann eine nützliche Funktion, wenn beispielsweise ein ganzes Team eine bestimmte Information erhalten soll.

Als Browser hat Nokia wieder Net Front von Access implementiert. Die Internetseiten bauen sich schnell auf. Zur besseren Orientierung zeigt der Browser eine Mini-Version der aufgerufenen Webseite an. Außerdem sind alle geöffneten Seiten durch ein Scrollen nach links beziehungsweise rechts aufrufbar. Das hilft enorm, da der Anwender nicht immer wieder jede Webadresse mühsam neu eingeben muss.

Neben WLAN ist auf dem Flagschiff auch HSDPA implementiert. Damit könnte der Browser theoretisch mit bis zu 3,6 MBit/s durchs Netz sausen. In der Wirklichkeit kommt man an diese Zahlen nicht heran, aber schnell ist die Datenübertragung dennoch. HSUPA für den schnellen Upload beherrscht das Gerät noch nicht.

Ein Novum ist der Vibrationsalarm. Jahrelang hat Nokia immer wieder darüber hinweggesehen, seine Communicator damit auszustatten. Jetzt lässt sich dieses Feature über „Profile“ aktivieren.

GPS

Während das GPS-Modul auf dem E90 ab Kauf auf seinen Einsatz wartet, muss sich der Nutzer das benötigte Kartenmaterial erst mühsam selbst aufspielen. Im Lieferumfang ist „Nokia Maps“ enthalten, Kartendaten fehlen jedoch und müssen über den „Map Loader“ nachgeladen werden. Damit verbindet Nokia On- und Offboard-Navigation miteinander. Die geographischen Grobdaten sind bereits in der Software hinterlegt, Feindaten holt sich das E90 aus dem Internet. Einmal heruntergezogene Karten bleiben auf einer Micro-SD-Karte abgespeichert: Für eine spätere Routenberechnung muss der Nutzer sie nicht erneut aus dem Netz beziehen.

Der Download kann über eine Mobilfunkverbindung, via WLAN oder über den PC zuhause erfolgen. Hier kommt der „Map Loader“ (smart2go.de [2]) ins Spiel. Er hilft beispielsweise, Italien oder Spanien aufs Handy zu bringen. Vor Ort muss der Nutzer dann nur noch den Traffic für das Anzeigen der berechneten Route inklusive Roaming-Gebühren bezahlen.

Ärgerlich ist jedoch, dass die Sprachansagen („In 500 Metern links abbiegen!“) zusätzlich kosten – auch wenn die Lizenzgebühren (Europa) erschwinglich sind: Sieben Tage schlagen mit knapp 7 Euro zu Buche, die Rechte für drei Jahre kosten etwa 70 Euro. Die USA, Russland oder Australien sowie der Nahe Osten sind geringfügig teurer.

Doch sobald die Karten samt Sprachanweisungslizenz heruntergeladen sind, macht die Navigation im großen und ganzen Freude. Ansicht und Funktionalität der Karten und Icons sind durchaus gelungen, allerdings verliert das System immer wieder den Weg. Erfreulich lang ist die Liste der Points of Interest, und die Suche spürt zielsicher die gewünschten Orte auf.

Verdruss bereitet allerdings die Satellitensuche. Selbst für den zweiten Verbindungsversuch braucht das GPS über fünf Minuten, bis es die Satelliten für die Bestimmung der Position findet. Nokia will daher für den E90 Communicator ab Herbst 2007 ein Upgrade auf A-GPS anbieten. Dabei werden Mobilfunkdaten und GPS-Koordinaten kombiniert. Anhand der Funkzellen im GSM-Netz, in die das Handy eingebucht ist, erfolgt eine erste, grobe Positionsbestimmung. Sobald die Satellitendaten auf dem Handy eintreffen, wird die Ortung entsprechend verfeinert.

Multimedia

Nokia geht derzeit davon aus, dass die Nutzer kein reines Businessgerät wollen, sondern den Communicator auch in ihrer Freizeit nutzen. Daher haben die Finnen einen MP3-Player, den Real-Player und einen Flash-Player sowie eine 3,2-Megapixel-Kamera mit LED-Blitz und Autofokus integriert.

Der Autofokus der Kamera braucht bei Tageslicht 1 bis 2 Sekunden, bis er scharf stellt. Für einen Schnappschuss ist das zu lange. Schön sind dagegen die mannigfaltigen Möglichkeiten, Motivprogramme, ISO-Wert, Weißabgleich und viele andere Funktionen einzustellen. Das Makro geht auf bis zu 5 Zentimeter an das Motiv heran. Die Qualität der Fotos ist akzeptabel. Die Farben wirken recht natürlich, wenn auch Brauntöne bei Naturaufnahmen leicht ins Rötliche tendieren. Die Detailzeichnung könnte allerdings schärfer sein.

Sprachqualität und Ausstattung

Von Festnetz zu Handy klingt das Quad-Band-Gerät, das auf den GSM-Frequnzen 850, 900, 1800 und 1900 MHz funkt, so klar und natürlich, als würde das Telefonat von Festnetz zu Festnetz geführt. Auch von Handy zu Handy überzeugt der Communicator. Allerdings bleibt das Gespräch auch bei höchster Lautstärke eher leise. Der Freisprecher klingt gut, störende Echos oder zu leise Übertragung des Gesprächs muss der Nutzer nicht befürchten.

Nokia gibt die Akkulaufzeiten im GSM-Frequenzband mit bis zu 5,8 Stunden für Gespräche und bis zu 14 Tagen im Standby-Modus an. Im Test übersteht das E90 gut 4 Stunden Dauertelefonat.

Artikel von CNET.de: https://www.cnet.de

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[1] Nokia: http://www.nokia.de/

[2] smart2go.de: http://smart2go.de