Nie wieder Spam

von Marco T. Christof am , 00:00 Uhr

90 Prozent aller E-Mails fallen mittlerweile in die Rubrik Werbemüll – und verstopfen gnadenlos jeden Posteingang. Selbst die besten Filter bekämpfen die Plage nur oberflächlich. Doch ein radikaler Neuanfang hilft: Mit der Mail-Rosskur von CNET.de schrumpft der Spam-Anteil in Ihrem Postfach auf Null.

90 Prozent aller E-Mails fallen mittlerweile in die Rubrik Werbemüll – und verstopfen gnadenlos jeden Posteingang. Selbst die besten Filter bekämpfen die Plage nur oberflächlich. Doch ein radikaler Neuanfang hilft: Mit der Mail-Rosskur von CNET.de schrumpft der Spam-Anteil in Ihrem Postfach auf Null.

Sonderlich witzig wirkt der alte Fernsehsketch nicht, in dem die Komikertruppe Monty Python beharrlich das Dosenfleisch „Spam“ preist und besingt. Und doch verhalf das Geblödel dem Wort zu dauerhaftem Ruhm: Dinge, die allzu penetrant wiederkehren, schimpfen sich seither Spam. Auf Werbe-E-Mails passt der Begriff perfekt, denn was gibt es Penetranteres, als jeden Morgen aufs Neue von Viagra, Rolex-Imitaten und Steroiden im Postfach beglückt zu werden?

Automatische Spam-Filter mühen sich durchaus redlich, die Nervensägen aufzuspüren. Viele E-Mail-Anbieter sieben die Werbe-Mails schon auf ihren Servern aus und schicken dem Anwender dann eine Liste mit den Betreffzeilen. Wahlweise springt auch das E-Mail-Programm ein: Thunderbird zum Beispiel hievt Spam-Mails brav in den so genannten Junk-Ordner.

Spam

Chronik des Grauens: ein ganz normaler Posteingang an einem ganz normalen Tag.

Doch selbst der beste Filter lässt vereinzelt Werbung durchschlüpfen – und brandmarkt im Gegenzug manch seriöse E-Mail zu Unrecht als Spam. Gerade dieser Fall hat es in sich, denn in den Filtertiefen versinkt womöglich die Liebesbekundung der Lebensgefährtin in spe oder die Einladung zur Grillfeier des Chefs. Um auf der sicheren Seite zu sein, müssten Sie also doch jede Betreffzeile einzeln prüfen, und zwar am besten stets sofort. Die weiteren Aussichten erscheinen trübe: Spammer nutzen immer raffiniertere Techniken, die Zahl der Spam-Mails steigt jährlich um mehrere Hundert Prozent. Zugleich gewinnen E-Mails im Privat- und Berufsleben immer weiter an Bedeutung, allen Unkenrufen zum Trotz.

Die einzige saubere Lösung lautet: Eine neue E-Mail-Adresse muss her, zusammen mit einer Armada an Wegwerf-Adressen, die Sie an zwielichtigen Stellen anstelle der echten Adresse hinterlassen. Die Umstellung kostet anfangs einige Stunden, spart Ihnen aber langfristig ein Vielfaches an Zeit und Nerven.

Schritt 1: Eine neue E-Mail-Adresse auswählen

Kostenlose E-Mail-Adressen gibt es zuhauf, zum Beispiel bei GMX [1], Google [2] und Yahoo [3]. Der Markt bleibt ständig in Bewegung, seit Googles Markteinstieg zählen mehrere Gigabyte Speicherplatz und eine unbegrenzte Aufbewahrungszeit zur Mindestausstattung. Achten Sie auf mögliche Beschränkungen bei der Anzahl und Größe der Anhänge, und zwar sowohl beim Versenden wie auch beim Empfangen. Der Posteingangsserver sollte nicht nur den POP3-Standard unterstützen, sondern auch das neuere IMAP-Protokoll: Damit greifen Sie von überall aus auf alle empfangenen und versendeten E-Mails zu. Aus Sicherheitsgründen sollte der Anbieter grundsätzlich den E-Mail-Verkehr verschlüsseln.

Yahoo Mail

Seit Googles Einstieg ins E-Mail-Geschäft legen die kostenlosen Postfächer aller großen Anbieter beharrlich an Speicherplatz zu.

Wenn Sie Wert auf hohe Zuverlässigkeit legen, mieten Sie sich am besten für ein paar Euro im Jahr ein E-Mail-Postfach mit Support. Neben den erwähnten Mail-Spezialisten haben auch die so genannten Webhoster Pakete mit Web-Speicherplatz und E-Mail-Postfächern im Programm: Host Europe [4], Neue Medien Münnich [5] und Artfiles [6] zum Beispiel. Bei solchen Anbietern können Sie nicht nur den Adressteil vor dem @-Zeichen frei bestimmen, sondern auch den Domainnamen dahinter, sofern er noch verfügbar ist.

Wählen Sie den vorderen Adressteil mit Bedacht. Wer sich für eine Adresse wie info@mustermann.de entscheidet, hat den Kampf bereits verloren – die Spammer bombardieren mit Vorliebe die Info-Adressen. Auch Wörter wie Post, Postmaster, Webmaster, Admin, Contact und Root gehören zu den beliebtesten Opfern. Generell sollten Sie alle Begriffe meiden, die nach Kontaktaufnahme klingen, und hierbei insbesondere die englischen Varianten.

Sobald Ihre neue Adresse steht, gilt Geheimhaltungsstufe 1: Geben Sie das gute Stück nur noch an ausgewählte, vertrauenswürdige Personen heraus. Hinterlassen Sie es vor allem niemals in elektronischer Form, also zum Beispiel in Online-Shops, Foren oder Gästebüchern. Wer eine eigene Homepage oder ein Weblog mit Impressum betreibt, sollte auch dort die E-Mail-Adresse nicht veröffentlichen, zumindest nicht in der üblichen Weise. Ein simpler Trick wäre, die Adresse als reinen Text in der Form „max (at) mustermann.de“ oder „max at mustermann punkt de“ zu schreiben, also ohne Verlinkung und ohne das verräterische @-Zeichen. Doch in Kürze werden die Spam-Roboter, die das Internet nach Adressen abgrasen, wohl auch diese Tricks durchschauen – wenn sie es nicht jetzt schon tun. Selbst als Grafik ist die Adresse nicht sicher, manche Spam-Roboter beherrschen eine einfache Texterkennung. Am besten tauschen Sie die E-Mail-Adresse durch ein gut geschütztes Kontaktformular aus.

Schritt 2: Wegwerf-Adressen besorgen

Im rauen Alltag, also beispielsweise bei einem Einkauf im Online-Shop, nutzen Sie künftig nur noch die praktischen Wegwerf-Adressen. Diese leiten alle E-Mails an Ihre Hauptadresse weiter. Sie verwenden eine einzelne Wegwerf-Adresse solange, wie sie sauber ist – sobald die ersten Spam-Mails eintrudeln, wird sie gelöscht. Manche Anbieter liefern zusätzlich nur Haupt-E-Mail gleich ein Paket an Wegwerf-Adressen mit, Yahoo [7] beispielsweise 500 Stück. Bei anderen Anbietern heißen sie Forwards oder Weiterleitungen. Zusätzliche kostenlose Wegwerf-Adressen erhalten Sie unter anderem bei Spambog.com [8] und Sofort-Mail.de [9]. Vorsicht, bei Sofort-Mail.de rufen Sie den Posteingang direkt über die Internetseite ab, und er lässt sich leider nicht mit einem Passwort schützen. Deshalb eignet sich diese spezielle Lösung wirklich nur für einmaligen Gebrauch in Fällen, wo es kein bisschen auf die Privatsphäre ankommt.

Spam

Für die Wegwerf-Adressen von Sofort-Mail.de gibt es keinen Passwortschutz, trotzdem erweisen sie sich mitunter als nützlich.

Den vorderen Teil der Wegwerf-Adresse können Sie meist ebenso frei wählen wie bei der Hauptadresse. Eine gewisse Systematik erweist sich aber als sinnvoll, um Adresshändler aufzustöbern. Dazu benennen Sie den vorderen Adressteil so eindeutig, dass er sich auch Wochen später noch einem bestimmten Vorgang zuordnen lässt. Bei jedem Einkauf im Online-Shop „Elektro Billigheimer“ könnten Sie zum Beispiel die Wegwerf-Adresse EB-Bestellung@mustermann.de verwenden. Sofern eines Tages Spam an diese Adresse eintrudelt, ist zu vermuten, dass der Händler Ihre Daten weitergegeben oder zumindest nicht sorgfältig aufbewahrt hat. Als Strafe bietet sich an, ihn bei künftigen Bestellungen zu boykottieren.

Schritt 3: Eine Info-Mail versenden

Ehe Sie die alte E-Mail-Adresse endgültig deaktivieren oder löschen, werden Sie wichtigen Personen und Firmen Ihre neue Adresse bekanntgeben wollen. Das artet, je nach Umfang des Adressbuchs, möglicherweise zum lästigsten Teil der Übung aus. Neben dem Adressbuch sollten Sie auch die empfangenen und gesendeten Mails der letzten Monate durchforsten, am besten bereits nach Adressen sortiert. Auch im Handy, in Aktenordnern oder auf losen Notizzetteln im Geldbeutel verstecken sich gerne wichtige E-Mail-Adressen.

Jede dieser Personen einzeln zu kontaktieren ist die sauberste, aber auch die aufwändigste Lösung. Wenn Sie einige Dutzend Empfänger anschreiben möchten, liegt es nahe, sie ins E-Mail-Feld „Blindkopie“ (BCC) einzutragen. Allerdings besteht dann eine erhöhte Gefahr, dass die Mail im Spam-Filter des Empfängers landet – eine leichte Ironie des Schicksals. Die bessere Alternative wäre, einen Verteiler anzulegen, auch Gruppe oder Mailingliste genannt. Wenn Sie Ihre Mail an diesen Verteiler schicken, leitet er sie an jeden einzelnen Empfänger weiter. Kostenlose Verteiler gibt es bei Google [10] und Yahoo [11]. Löschen oder schließen Sie den Verteiler jedoch, sobald Sie die Mail verschickt haben, damit niemand ihn zweckentfremden kann. Eine weitere, professionelle Alternative wäre der Einsatz eines Serien-Mail-Programms wie Supermailer [12]. Für private Zwecke ist ein solches Programm aber schon zu viel des Guten.

Spam

Die einfachste Möglichkeit zum Versenden der Info-Mail: Sie tragen die Empfänger ins Feld Blindkopie (BCC) ein. Manche Filter schöpfen dadurch aber zu Unrecht Spam-Verdacht.

Insbesondere in Unternehmen werden gerne „Autoresponder“ eingesetzt, die bei Abwesenheit automatisch eine Nachricht verschicken, zum Beispiel „Hallo, bis einschließlich 30.09. bin ich nicht im Büro“. Viele E-Mail-Anbieter stellen diese Funktion auch Privatleuten zur Verfügung. Theoretisch ließe sie sich gut für den Umzug nutzen: Wer an Ihre alte Adresse schreibt, erhält dann eine Mail mit dem Hinweis auf die neue Adresse zurück. Leider bekommen auch einige Spam-Versender diese Mail. Persönlich lesen werden sie diese nicht, aber womöglich automatisch auswerten – beweist sie doch, dass die angeschriebene Adresse tatsächlich existiert. Die letzten Tage Ihrer alten Adresse würden also durch ein noch höheres Spam-Aufkommen getrübt. Im schlimmsten Fall lesen die Spam-Robots sogar die neue E-Mail-Adresse aus.

Wahrscheinlicher ist aber, dass die meisten Autoresponder-Mails ins Leere oder an gefälschte Rücksende-Adressen gehen – und deshalb in Ihrem alten Postfach unzählige Fehlermeldungen auflaufen werden. Viel Freude bereitet die Autoresponder-Funktion also nicht, obwohl sie Ihnen prinzipiell die Arbeit abnähme, von Hand eine Info-Mail zu verschicken.

Schritt 4: Die verseuchte Adresse abschalten

Die nächsten Tage oder Wochen gilt es den alten Posteingang gut zu beobachten. Trudeln noch Nachrichten von Personen ein, die eigentlich schon Ihre neue Adresse kennen? Dann sollten Sie diese Begriffsstutzigen erneut auf den bevorstehenden Umzug hinweisen. Wenn nach einer Weile keinerlei sinnvolle Mails mehr hereinkommen, können Sie die alte Adresse endlich entsorgen und fortan den spamfreien Posteingang genießen.

Schritt 5: Vorsorge betreiben

Auch die gewiefteste Taktik weist möglicherweise Schwachstellen auf. Zum Beispiel könnte der Anbieter Ihrer Haupt- oder Wegwerf-Adressen in Versuchung geraten, Ihre wertvollen Daten zu versilbern. Dagegen hilft nur die Wahl eines möglichst vertrauenswürdigen Anbieters – leichter gesagt als getan. Kontraproduktiv wäre auch, wenn Ihr eigener PC oder der eines Bekannten Opfer einer Virusattacke würde: Viele der heutigen Viren verwandeln PCs in ferngesteuerte Spam-Schleudern, und das Adressbuch des Opfers wird natürlich auch gleich geplündert. Wie Sie Ihren Computer vor einem solchen Schicksal bewahren, lesen Sie im Artikel Der beste Virenschutz ist kostenlos [13].

Artikel von CNET.de: https://www.cnet.de

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URLs in this post:

[1] GMX: http://www.gmx.de

[2] Google: http://mail.google.com

[3] Yahoo: http://de.mail.yahoo.com

[4] Host Europe: http://www.hosteurope.de

[5] Neue Medien Münnich: http://www.all-inkl.com

[6] Artfiles: http://www.artfiles.de

[7] Yahoo: http://de.docs.yahoo.com/benefits/deatour/

[8] Spambog.com: http://www.spambog.com

[9] Sofort-Mail.de: http://www.sofort-mail.de

[10] Google: http://groups.google.de

[11] Yahoo: http://de.groups.yahoo.com

[12] Supermailer: https://www.cnet.de/downloads/0,10000011,22r-545s,00.htm

[13] Der beste Virenschutz ist kostenlos: https://www.cnet.de/digital-lifestyle/insider/0,39031882,39156458,00/der+beste+virenschutz+ist+kostenlos.htm