Blitzschnelle DSLR-Kamera: Canon EOS 40D

von Lori Grunin am , 00:00 Uhr

Pro
  • überragende Aufnahmegeschwindigkeit
  • erstklassige Fotoqualität
Con
  • zu großes Messfeld bei Spotmessung
  • langsamer Fokus bei schlechten Lichtverhältnissen
Hersteller: Canon Listenpreis:
ZDNet TESTURTEIL: SEHR GUT 8,1 von 10 Punkte
Fazit:

Erstklassige Fotoqualität und eine beeindruckende Aufnahmeleistung machen die EOS 40D zu einer empfehlenswerten Kamera.

Hervorragende Fotoqualität und exzellente Serienbildperformance sind zwei der vielen Pluspunkte der Canon EOS 40D. Daneben können aber auch ein überarbeitetes Design und die Ausstattung überzeugen.

Die Canon EOS 40D ist nicht nur eines der üblichen Modell-Updates. Sie repräsentiert einen enormen Fortschritt gegenüber den Vorgängermodellen 30D und 20D. Die Kamera bringt ein neu entworfenes Gehäuse und ein neues Menüsystem mit, führt lang erwartete Features ein, integriert einige Technologien der EOS 1D Mark III und überzeugt mit einer deutlichen Verbesserung von Auflösung und Performance.

All das und vor allem eine solide generelle Geschwindigkeitssteigerung machen die Kaufentscheidung nicht schwer: Die EOS 40D ist die deutlich bessere Wahl als ihre uninteressante Schwester, die EOS 400D [1]. Sie stellt eine optimale Ergänzung zur EOS-1D Mark III dar. Die 40D kostet ohne Objektiv etwa 1150 Euro. Im Set mit einem Objektiv [2] ist sie entsprechend teurer. So gibt es die 40D zusammen mit einem IS-USM-Objektiv (17-85 Millimeter, f 4-5,6) für etwa 1570 Euro. Demnächst werden sicher auch andere Kombinationen erhältlich sein.

Design

Trotz des größeren LCDs (statt 64 jetzt 76 Millimeter) sind Abmessungen und Gewicht des Gehäuses der 40D identisch mit denen der 30D: 145 mal 109 mal 74 Millimeter bei einem Gewicht von etwa 820 Gramm. Wie auch das ihrer Vorgängerin fühlt sich das Gehäuse sehr solide und sorgfältig gefertigt an. Das ist einer der wichtigen Vorteile gegenüber der etwas dünnhäutigen 400D.

Canon hat CF-Steckplatz, Tasten und alle Verbindungspunkte staub- und spritzwassergeschützt verbaut. Die 40D verfügt über dasselbe Sensorreinigungssystem, das man von der Mark-III-Serie kennt. Der Sensor vibriert beim Ein- und Ausschalten der Kamera, um ihn von Staub zu befreien. Ein Druck auf den Auslöser unterbricht den Reinigungsvorgang beim Einschalten. Falls das nicht optimal funktioniert, ermöglicht die Option „Dust Delete Data“, Staub auf dem Sensor zu entdecken. Die verunreinigten Bereiche werden gespeichert und zuletzt per Algorithmus aus den Fotos getilgt.

Das größere Display macht es erforderlich, einige Bedienelemente zu versetzen. Die Tasten für Review, Delete, Jump, und Info sowie die neue Picture-Styles-Taste befinden sich jetzt unterhalb des Displays statt an der Seite. Sie fallen deutlich kleiner aus als bisher. Außerdem sind sie flacher und schließen eng mit dem Gehäuse ab. Das macht es schwieriger, sie zu fühlen und zu drücken. Ähnlich ist es bei den Tasten für Metering/WB, AF/Drive, ISO/Blitz-Kompensation sowie für die LCD-Beleuchtung. Sie scheinen zwar etwas mehr erhaben zu sein als vorher. Dennoch fühlen sie sich alle identisch an. Es ist nahezu unmöglich, sie auseinanderzuhalten.

Andererseits bringt die 40D ein größeres und taktil besser gestaltetes Modusauswahlrad mit. Es liefert drei Positionen für individuelle Einstellungen, die bei der 30D nicht vorhanden sind. Das ist überaus praktisch. Doch leider gibt es hier einen Wermutstropfen: Im Übergang zum Ruhezustand setzt die Kamera alle benutzerdefinierten Einstellungen wieder zurück.

Canon hat auch den Griff neu gestaltet. Jetzt findet der Mittelfinger in einer Einbuchtung direkt unterhalb des Auslösers Platz. Das ist eine kleine, aber nützliche ergonomische Verbesserung. Sie vermittelt dem Fotografen das Gefühl, die Kamera besser in der Hand zu halten. Außerdem wurde das Menüsystem überarbeitet. Es ist jetzt übersichtlicher und einfacher zu navigieren.

Die 40D bringt auch einige neue Funktionen mit. Am interessantesten dürfte der Live-View-Modus sein. Er ist besser und flexibler implementiert als in der 1D Mark III – und übrigens auch in den meisten anderen Kameras. Im Unterschied zur großen Schwester funktioniert der Autofokus auch im Live-View-Modus. Wenn man die AF-ON-Taste drückt, klappt die Kamera den Spiegel herunter, fokussiert und klappt den Spiegel wieder nach oben. Auf diese Weise kann man das scharf gestellte Bild auf dem Display sehen. Das Scharfstellen konzentriert sich allerdings nur auf den zentralen AF-Bereich. Und unabhängig vom Fokussiermechanismus arbeitet die Kamera nur mit evaluierender Messung.

Wie bei einer Schnappschusskamera lässt sich ein Bildausschnitt vergrößern, um das manuelle Scharfstellen zu erleichtern. Darüber hinaus ermöglichen drei sogenannte „Silent-Shooting“-Optionen die Kontrolle über das Zurücksetzen des Verschlussvorhangs. Dadurch werden Geräusche gedämpft und die Vibrationen minimiert. Absolut lautlos spielt sich das freilich nicht ab. Aber die 40D verfügt immerhin über einen der leisesten Live-View-Modi. Zusätzlich kann man einstellen, wie lange die Kamera die Messwerte nach dem Loslassen des Auslösers noch speichern und anzeigen soll. Zwischen vier Sekunden und 30 Minuten sind möglich. Diese Funktion sollte generell zur Verfügung stehen, nicht nur im Live-View-Modus.

Ansonsten bleiben Live-View-Aufnahmen doch eher eine Nischenanwendung für digitale Spiegelreflexkameras. Eigentlich ist die Anwendung nur sinnvoll, wenn man ein Stativ verwendet. Optimal erweist sich dabei ein angeschlossener PC für die Fernsteuerung. Es gilt überdies zu beachten, dass der Sensor sich in diesem Modus erwärmen kann. Canon weist darauf hin, dass eine Erwärmung zu verstärktem Bildrauschen führen kann.

Zu den eher unspektakulären Innovationen zählt, dass die 40D jetzt neben der Vollautomatik auch Auto-ISO in allen Modi unterstützt. Das mag sich bisweilen als nützlich erweisen. Das neue Suchersystem unterstützt auswechselbare Fokussier-Bildschirme. Für Brillenträger sind sicherlich die relativ hohe Sucheröffnung (22 Millimeter) und ein leicht angehobener Vergrößerungsfaktor (0,95, zuvor 0,9) interessant. Canon hat außerdem das S-RAW-Format hinzugefügt. Damit kann man kleine 2,5-Megapixel-RAW-Bilder schießen. Der Nutzen dieses Features ist nicht ganz einsichtig. Besser, man ignoriert es einfach. Der vergrößerte Spot-Messbereich lässt sich allerdings nicht so einfach übergehen. Er nimmt jetzt 3,8 Prozent des Sucherfeldes ein (zuvor 3,5 Prozent).

Die übrigen Funktionen – von denen die 40D eine ganze Menge zu bieten hat – sind im Wesentlichen unverändert geblieben. Hierzu zählen unter anderem drei 9-Punkt-Autofokus-Modi: Single-Shot, AI-Servo-Tracking-Autofocus und AI-Focus. Letzterer wechselt zwischen Single- und AI-Servo, falls sich ein Motiv bewegt. Leider kann aber der AI-Focus-Modus nicht zwischen einem bewegten Motiv und einer neuen Motivwahl des Fotografen unterscheiden. Deshalb bleibt man in der Regel besser beim Single- oder Servo-Modus. Vier Modi für die Belichtungsmessung sorgen für ausreichend Flexibilität: evaluierende und partielle (etwa 9 Prozent des Sucherfeldes) Messung, die bereits erwähnte Spotmessung (3,8 Prozent) sowie mittengewichtete Durchschnittsmessung.

Zum Weißabgleich gibt es eine ganze Reihe von Einstellmöglichkeiten. Sie umfassen Bracketing und individuelle Korrekturen entlang der Farbachsen Blau, Orange, Magenta und Grün. Daneben gibt es eine Auswahl nach Farbtemperatur und manuelle Einstellungen. Einige Motivmodi – Porträt, Landschaft, Makro, Sport und Nachtporträt – ergänzen die halbmanuellen Programme, wie Blenden- und Verschlussautomatik, automatische Tiefenschärfe-Einstellung und manuelle Belichtungsmodi. Zu den wichtigen Grenzwerten gehören die minimale Verschlusszeit von 1/8000 Sekunde und die minimale Zeitdauer für die Blitzsynchronisierung von 1/250 Sekunde.

Im Grunde genommen vermisst man bei der 40D keine wichtigen Funktionen – abgesehen vielleicht von einer mechanische Bildstabilisierung. Dennoch erscheint ein spezielles Feature der 1D-Reihe auch bei einer Kamera dieser Klasse durchaus sinnvoll: Das ist die Möglichkeit, akzeptable Bereiche für Blende, Verschlussgeschwindigkeit und ISO-Empfindlichkeit einzustellen, wenn man in einem der Modi mit Belichtungspriorität fotografiert.

Leistung

Die 40D ist im Schnitt etwa 20 Prozent schneller als die 30D. Für eine Kamera ihrer Klasse reicht das allemal aus. Trotzdem kann sie immer noch nicht mit der schnelleren D80 mithalten. Doch die hat wiederum eine niedrigere Auflösung.

Vom Einschalten bis zur ersten Aufnahme dauert es nur 0,3 Sekunden. Unter optimalen Bedingungen kann die Kamera in nur 0,4 Sekunden fokussieren und aufnehmen. Dank eines ausreichend dimensionierten Pufferspeichers und ihrer hohen Schreibgeschwindigkeit auf Speicherkarten erreicht die 40D dieses Tempo auch zwischen einzelnen Aufnahmen. Das funktioniert sowohl im JPEG- als auch im RAW-Format. Der Blitz braucht jeweils etwas weniger als 0,2 Sekunden, um sich zwischen den Aufnahmen zu erholen.

Die 40D bietet einen langsamen und einen schnellen Serienbildmodus, mit 3,1 respektive 6,3 Bildern pro Sekunde. Der langsamere Modus verhindert Puffer-Blockaden, wenn man eine träge CF-Karte verwendet. Eine gute Option ist dieser Modus auch bei Aufnahmen mit dem Speedlite-580EX-Blitz. Das gilt vor allem, wenn dieser mit schleppend regenerierenden Alkalibatterien verwendet wird. Die 40D arbeitet mit einer „trägen“ CF-Karte übrigens nicht einfach langsamer als mit UDMA. Die Kamera unterstützt kein UDMA. Sie scheint aber über einen ausreichenden Pufferspeicher zu verfügen, um selbst mit einer veralteten Sandisk-Extreme-III-Karte (133-fach) den maximalen Durchsatz beizubehalten.

Ein Schwachpunkt der Kameraleistung muss allerdings erwähnt werden: Bei Aufnahmen mit geringem Kontrast lässt sich die Kamera zum Scharfstellen schon mal 1,2 Sekunden Zeit. Und das trotz der von Canon behaupteten 30-prozentigen Steigerung der AF-Rechengeschwindigkeit. Das ist zwar für eine digitale Spiegelreflexkamera nicht ungewöhnlich. Doch von einer Kamera dieser Preisklasse kann man schon mehr erwarten.

Die Akkulaufzeit des BP-511A mit 1390 mAh, derselbe wie bei der 30D, gibt Canon mit 1100 Aufnahmen (ohne Blitz) an. Das ist annehmbar. Allerdings hat Canon noch nicht zu anderen Herstellern aufgeschlossen, was eine intelligente Anzeige des Stromverbrauchs und des Reststroms betrifft. Das große, helle Display ist gut ablesbar. Doch wie selbst die besten Kamera-LCDs ist es bei der Farb- und Belichtungwiedergabe nur bedingt zuverlässig.

Die Fotos weisen einen exzellenten Dynamikbereich auf. Bei korrekter Belichtung gibt es keine sichtbaren Verluste in den besonders hellen oder dunklen Bereichen. Aufnahmen mit automatischem Weißabgleich sind durchaus akzeptabel. Bei Kunstlicht wirken sie allerdings ein wenig zu warm. Auch bei manuellem Weißabgleich haben die Bilder einen etwas zu hohen Grünanteil. Automatisch abgeglichene Aufnahmen bei Sonnenlicht wirken hingegen leicht unterkühlt.

Abgesehen von einzelnen Aufnahmen mit Spotmessung liefern alle Messmethoden exzellente, ausgewogene Bilder. Die ISO-Empfindlichkeit der 40D reicht bis zu ISO 3200. Bis ISO 800 sind optisch keine Bildstörungen festzustellen. Bei höheren Einstellungen ist zwar ein Rauschen feststellbar, es springt einem aber nicht sofort ins Auge.

Fazit

Für Canon-Fans ist die EOS 40D auf jeden Fall eine geeignete Kamera. Sie bleibt auch im Vergleich zu den meisten anderen digitalen Spiegelreflexkameras dieser Preisklasse eine exzellente Wahl. Es gibt allerdings eine Ausnahme.

Trotz ihrer zahlreichen Vorzüge ist die Canon EOS 40D der deutlich günstigeren Nikon D80 [3] nicht klar überlegen. Bei dynamischen Aufnahmen hat die 40D eindeutig die Nase vorn. Ihr Serienbildmodus ist fast doppelt so schnell und die minimale Verschlusszeit um einiges kürzer. Doch die D80 fühlt sich bei Einzelaufnahmen grundsätzlich schneller und reaktionsfreudiger an.

Die 40D liefert letztlich auch die bessere Fotoqualität. Nicht wenige Anwender dürften allerdings bezweifeln, ob dieser Unterschied die Preisdifferenz rechtfertigt. Zu guter Letzt gibt es da auch noch die teurere Nikon D300. Die muss ihre Qualitäten aber erst im Test demonstrieren. Damit bleibt die 40D eine momentan durchaus empfehlenswerte Kamera.

Artikel von CNET.de: https://www.cnet.de

URL zum Artikel: https://www.cnet.de/39158535/blitzschnelle-dslr-kamera-canon-eos-40d/

URLs in this post:

[1] EOS 400D: https://www.cnet.de/tests/digicam/0,39030924,39156061,00/entbehrliches+nachfolgemodell+canon+eos+400d.htm

[2] Set mit einem Objektiv: http://shopping.cnet.de/search.do?searchText=canon+eos+40d&categoryId=&userQuery=1

[3] Nikon D80: https://www.cnet.de/tests/digicam/0,39030924,39154571,00/beeindruckendes+mittelklassemodell+nikon+d80.htm