Nokia N76: schlanker UMTS-Mediaplayer

von Bonnie Cha am , 00:00 Uhr

Pro
  • schlankes Design
  • großes Display
  • 3,5-Millimeter-Kopfhöreranschluss
  • gute Klangqualität
Con
  • ungünstige Position der Kopfhörerbuchse
  • rutschige Navigationstasten
Hersteller: Nokia Listenpreis: 369
ZDNet TESTURTEIL: GUT 7,0 von 10 Punkte
Fazit:

Das Nokia N76 bietet ein attraktives Äußeres und eine gute Multimedia-Performance. Aber einige nervige Designmängel und Einschränkungen bei der Konnektivität trüben den Gesamteindruck.

Das N76 ist ein schlankes UMTS-Smartphone mit Symbian-Betriebssystem, Multimedia-Player, Webbrowser und Kamera. Multimediatasten am Display machen es zum mobilen Unterhalter.

Wenn man an schlanke und attraktive Handys oder Smartphones denkt, kommt einem nicht unbedingt Nokia in den Sinn. Aber das Nokia N76 räumt mit diesem Vorurteil auf. Das Symbian-Handy verfügt über ein sehr ansprechendes und schlankes Design. Auch der Funktionsumfang kann sich sehen lassen. Wie bei seinem Bruder aus der N-Serie, dem Nokia N75, liegt auch beim N76 der Fokus auf den Musikoptionen. Ein robuster Musik-Player, ein UKW-Radio sowie ein 3,5-Millimeter-Kopfhöreranschluss bestätigen diesen Eindruck. Die Klangqualität des Lautsprechers kann im Test absolut überzeugen. Selten hört man eine so gute Wiedergabe.

Doch leider weist das N76 auch Mängel auf. Zunächst trüben einige Designprobleme den ansonsten äußerst attraktiven Eindruck. Auch das A2DP-Bluetooth-Profil wird nicht unterstützt, und die Akkulaufzeit gibt gleichfalls Anlass zur Beschwerde.

Design

In geschlossenem Zustand macht das N76 mit seinem roten Gehäuse – es ist auch in schwarz erhältlich – einen attraktiven Eindruck. Mit Abmessungen von 10,6 mal 5,2 mal 1,3 Zentimetern und einem Gewicht von nur 115 Gramm erinnert das schlanke N76 stark an das Motorola Razr. Vielleicht ist es etwas lang geraten. Das fällt besonders auf, wenn es aufgeklappt ans Ohr gehalten wird. Nichtsdestotrotz findet es bequem in jeder Jackentasche Platz.

Die Vorderseite bietet ein 1,3 Zoll großes, externes Display. Es unterstützt 262.000 Farben bei einer Auflösung von 160 mal 128 Pixeln. Alle standardmäßigen Informationen wie Uhrzeit, Akkuzustand, Signalstärke und Anruferkennung werden angezeigt. Zugleich dient es als Sucher für die Kamera.

Darüber hinaus gibt es wie beim N75 eine Reihe von Musiktasten direkt unter dem Bildschirm. Mit ihrer Hilfe kann man zum Beispiel das Musikmenü öffnen, das Radio einschalten, vor- und zurückspulen oder sich Informationen zu den Titeln anzeigen lassen. Es ist wirklich praktisch, dass man dazu das Telefon nicht aufklappen muss. Bei ausgeschalteter Hintergrundbeleuchtung verwandelt sich das Display in einen Spiegel. Einerseits sieht das gut aus, aber andererseits kommt so jeder Fleck oder Fingerabdruck noch mehr zur Geltung.

Wer hätte gedacht, dass das Öffnen eines Handys derart schwierig sein kann? Das Nokia N76 erfordert etwas mehr Handarbeit als andere Klapp-Handys. Es ist nicht leicht, eine Kerbe zu finden, an der man mit dem Daumen ansetzen kann. Dadurch wird es fast unmöglich, das Gerät mit einer Hand zu öffnen. Selbst mit zwei Händen ist das Aufklappen kein Kinderspiel.

Hat man das Handy endlich aufgeklappt, wird man mit einem Blick auf ein großzügiges 2,4-Zoll-Innendisplay belohnt. Es unterstützt 16 Millionen Farben und eine Auflösung von 320 mal 240 Pixeln. Das scharfe Display bietet lebendige Farben. Die Helligkeit wie auch die Schriftgröße lassen sich verändern. Darauf Nachrichten zu lesen und Webseiten anzusehen macht richtig Spaß. Das Display kann mit verschiedenen Motiven und Hintergrundbildern individuell angepasst werden.

Die Tastatur des N76 mit ihren flachen metallischen Tasten erinnert stark an das Tastenfeld des Motorola Razr. Neben den alphanumerischen Wähltasten findet man hier die herkömmliche Nokia-Navigationsausstattung. Zwei Softkeys, Anrufen- und Beenden-Taste, Schnelltasten zum Zugriff auf das Haupt- und Multimedia-Menü, eine Bearbeiten- und eine Lösch-Taste sowie eine Vier-Wege-Taste mit der Auswahltaste in der Mitte stehen zur Auswahl.

Während die Wähltasten problemlos funktionieren, machen die anderen Bedienelemente Ärger, besonders die Vier-Wege-Taste. Sie ist klein, und es passiert schnell, dass man die OK-Taste aus Versehen drückt. Sämtliche Tasten schließen bündig mit der Oberfläche ab. Die einzige erkennbare Trennung zwischen den Tasten besteht aus einer leicht erhabenen Linie. Genauso wie das externe Display ist auch die metallische Oberfläche schnell mit Flecken übersät. Überzeugen kann dagegen die Hintergrundbeleuchtung der Tastatur. Sie ermöglicht ein problemloses Telefonieren und Tippen auch in dunkleren Umgebungen.

Auf der Rückseite links finden sich ein Micro-SD-Steckplatz und der Netzanschluss sowie ein Wippschalter für die Lautstärkeregelung. Auch die Taste zum Aktivieren der Kamera und eine Taste zum Wechseln zwischen Bild- und Video-Modus sind hier untergebracht. Das Kameraobjektiv und den Blitz findet man oben auf der Rückseite.

Die Oberkante beherbergt die Ein-Aus-Taste, einen Mini-USB-Port und einen 3,5-Millimeter-Kopfhöreranschluss. Der ist eine sinnvolle Erweiterung für solch ein Multimedia-orientiertes Handy. Das große Problem dieser Anordnung besteht darin, dass man das Handy bei eingesteckten Anschlusskabeln nicht vollständig öffnen kann. Damit hat der Benutzer keinen Zugriff auf die meisten Anwendungen. Es wäre viel praktischer gewesen, die Anschlüsse an der Seite oder Unterkante unterzubringen.

Eine weitere Eigenart des N76 zeigt der Steckplatz für die SIM-Karten. Es ist schon schwierig genug, die Akkuabdeckung zu entfernen. Doch die SIM-Karte ist auf einen herausnehmbaren Einsatz gesteckt, was das Wechseln der Karte umständlich macht. Bisher wurde noch kein anderes Handy oder Smartphone [1] mit einer derartigen Konstruktion getestet. Im Lieferumfang des Nokia N76 befinden sich ein Netzteil, ein USB-Kabel, ein Stereo-Headset und eine Micro-SD-Karte mit 256 MByte.

Funktionsumfang

Das Nokia N76 bietet einen ähnlichen Funktionsumfang wie andere Modelle der Nokia-N-Serie. Die Übereinstimmung mit dem Nokia N75, dessen Fokus ebenfalls auf den Musikoptionen liegt, ist dabei am größten.

Der integrierte Musik-Player des N76 unterstützt sowohl die Formate MP3, WMA, M4A, AAC und eAAC+ als auch WMDRM- und OMA-DRM-2.0-geschützte Musikdateien. In der Musikbibliothek können die Titel nach Künstler, Album, Genre und Komponist geordnet werden. Außerdem kann man Playlists direkt auf dem Handy erstellen. Auch Titel im Zufallswiedergabe- und im Wiederholungsmodus abzuspielen und den Klang mit dem integrierten Equalizer anzupassen ist möglich.

Die Musik lässt sich einfach mit dem im Lieferumfang enthaltenen USB-Kabel auf das Gerät übertragen. Im Datenübertragungsmodus können die Musikstücke per Drag-and-Drop auf die SD-Karte gezogen werden. Oder man verwendet die Nokia-PC-Suite-Software zur Synchronisierung der Musikbibliothek. Das N76 bringt nur einen 26 MByte großen internen Speicher mit. Es empfiehlt sich also, auf den Micro-SD-Steckplatz zurückzugreifen. Das N76 kann Karten von bis zu 2 GByte aufnehmen. Über das mitgelieferte Headset, das als Antenne dient, können lokale Radiosender gehört werden. Für 3GPP- und MPEG4-Video-Streaming ist der Realplayer an Bord.

Die 2-Megapixel-Kamera des N76 wartet mit vielen Funktionen auf. Sie ist mit einem Blitz mit Roten-Augen-Korrektur und einem 20-fachen digitalen Zoom ausgestattet. Daneben bietet das N76 dem Benutzer zahlreiche Einstellungs- und Bearbeitungsfunktionen. Der User hat die Wahl zwischen drei Qualitätseinstellungen, sechs Aufnahmemodi sowie diversen Weißabgleichseinstellungen. Zudem stehen unter anderem ein Serienbildmodus und ein Selbstauslöser zur Verfügung. Praktisch ist auch der Bildzähler: Er zeigt an, wie viele Fotos man noch knipsen kann, bevor der Speicher voll ist. Die Kamera bietet außerdem die Möglichkeit, MPEG-4-Videos mit Ton in einer Geschwindigkeit von bis zu 15 Bildern pro Sekunde aufzunehmen. Hier stehen dem Benutzer jedoch nicht so viele Einstellungsoptionen zur Verfügung wie im Kamera-Modus.

Alles in allem ist die Bildqualität akzeptabel. Die Testbilder zeigen schöne, definierte Linien. Doch die Farben sind etwas matt mit einem leichten Graustich. Für ein Kamera-Handy ist die Bildqualität aber immer noch ordentlich. Selbst die Videoqualität beeindruckt mit ziemlich sauberen Bildern. Dennoch treten im Test bei der Nutzung der Kamera dieselben Probleme wie schon beim N75 auf. Es ist schwierig, das Innendisplay als Sucher zu verwenden. Die Optionen-Symbolleiste ist nur hilfreich, wenn man das Telefon horizontal hält. Es gibt keine Möglichkeit, die Symbolleiste ins Hochformat zu drehen. Man kann sie lediglich ausblenden.

Das Adressbuch wird durch den verfügbaren Speicher begrenzt. Die SIM-Karte bietet Platz für zusätzliche 250 Kontakte. Zu jedem Eintrag können mehrere Telefonnummern, Privatanschrift, Firmen- und E-Mail-Adressen, Geburtstag und andere persönliche Daten hinzugefügt werden. Man kann jedem Kontakt ein Foto, eine Gruppen-ID und einen der 39 polyphonen Klingeltöne als Anruferkennung zuweisen. Ebenso sind eine Freisprecheinrichtung, Schnell- und Sprachwahl, ein Vibrationsmodus und eine Option für Konferenzschaltungen integriert. Als Quad-Band-Handy bietet das N76 Roaming auf der ganzen Welt.

Zu den Wireless-Optionen des N76 zählen UMTS, Bluetooth 2.0 mit Unterstützung für Freisprecheinrichtungen, kabellose Headsets und Datenfernübertragung – aber kein WLAN. Auch A2DP befindet sich nicht unter den unterstützten Profilen. Deshalb kann kein Stereo-Bluetooth-Headset angeschlossen werden. Das ist eine echte Enttäuschung bei diesem Multimedia-Gerät.

Als Betriebssystem kommt Symbians S60-Plattform in der 3rd Edition mit Feature Pack 1 zum Einsatz. Sie bietet eine recht intuitive und ansprechende Oberfläche. Die meisten Anwendungen und Utilities sind übersichtlich nach Kategorien geordnet. Beispielsweise findet man PIM-Tools, etwa Kalender, Notizen und Taschenrechner, im Ordner Büro. Die Organisation der Programme weicht jedoch von der früherer Nokia-Modelle ab. Im Test führt das zu einiger Verwirrung. Enttäuschend: Quickoffice für die Arbeit mit Office-Dokumenten ist nicht vorinstalliert. Die Suite kann jedoch aus dem Internet heruntergeladen werden.

Das N76 bringt E-Mail-Funktionalität mit, jedoch keine vollständige QWERTZ-Tastatur. Das Gerät ist also mehr für das Lesen als für das Versenden von E-Mails geeignet. Die Synchronisation mit Microsoft [2] Outlook und Lotus Notes ist möglich. POP3-, IMAP4- sowie SMTP-Protokolle werden unterstützt. Als Push-E-Mail-Lösungen stehen dem Anwender Nokias Intellisync Wireless E-Mail und zahlreiche bekannte Clients von Drittanbietern zur Verfügung. Außerdem gibt es einen integrierten Attachment-Viewer. Text, Multimedia und Instant Messaging stellen für das N76 kein Problem dar.

Leistung

Die Sprachqualität des Quad-Band-Handys geht in Ordnung. An einem Ende der Leitung ist zwar ein leichtes Hintergrundrauschen hörbar, es überlagert aber die Gespräche nicht. Auch die Interaktion mit dem Spracherkennungssystem einer Bank funktioniert problemlos. Auf der Seite der Gesprächspartner gibt es ebenfalls keine Verbindungsprobleme. Diese bemerken auch nicht, dass sie mit einem Mobiltelefon verbunden sind. Die Sprachqualität über die Freisprecheinrichtung wirkt gut. Das Handy kann problemlos an ein Mobile Traveller Bluetooth-Headset von Logitech angeschlossen werden.

Beim Öffnen verschiedener Anwendungen und bei der Nutzung der Multimedia-Funktionen zeigt das N76 eine schnelle Reaktionszeit. Besonders die Klangqualität des Lautsprechers ist beeindruckend. Beim Abspielen verschiedener Titel, von Hip-Hop bis hin zu klassischer Musik, bestätigt sich der kraftvolle Klang mehrfach. Er ist nicht zu vergleichen mit der mäßigen Lautsprecherqualität vieler anderer Mobiltelefone. Noch intensiver wird das Hörerlebnis, wenn man ein gutes Paar Kopfhörer anschließt. Allerdings stört die missglückte Platzierung des Kopfhöreranschlusses. Kurze Video-Clips werden gut wiedergegeben. Bei schnellen Szenen kommt es allerdings zu den typischen Pixeleffekten.

Laut Herstellerangaben beträgt die Sprechzeit des N76 2,75 Stunden. Im Standby-Modus soll der Akku bis zu 8,5 Tage reichen. Bei den Akku-Tests schafft das N76 mit einer Ladung eine Sprechzeit von 2,5 Stunden – das ist in Ordnung. Den Strahlungstests der FCC zufolge weist das Gerät einen SAR-Wert von 1,04 Watt pro Kilogramm auf.

Artikel von CNET.de: https://www.cnet.de

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[1] Smartphone: http://www.cnet.de/themen/smartphone/

[2] Microsoft: http://www.cnet.de/unternehmen/microsoft/