Nur für einfache Web-Videos: Sony NSC-GC1

von Will Greenwald am , 00:00 Uhr

Pro
  • schickes schwarzes Design
  • drehbares LC-Display
Con
  • unhandliche Bedienelemente
  • ungünstige Blitzposition
  • enttäuschende Videoqualität
  • fehlender Speicher
Hersteller: Sony Listenpreis:
ZDNet TESTURTEIL: BEFRIEDIGEND 6,0 von 10 Punkte
Fazit:

Der NSC-GC1 sieht schick aus, aber das gelungene Styling kann den fehlenden Speicher und lästige Konstruktionsmängel nicht ausgleichen.

Mit spärlichen Funktionen und mittelmäßiger Videoqualität kann Sonys äußerlich schicker Pocket-Camcorder NSC-GC1 seinen stattlichen Preis wahrlich nicht rechtfertigen. Hier legt der Hersteller eindeutig mehr Wert auf Design als auf Funktionalität.

Jedes Unternehmen möchte ein wenig von Youtubes Popularität profitieren. Sony [1] macht da keine Ausnahme. Mit einer auffälligen Abkehr von seinen Cybershot- und Handycam-Produktreihen hat Sony den Netsharing-Camcorder NSC-GC1 herausgebracht. Er stellt eine Kombination aus Pocket-Kamera und Camcorder dar. Das Konzept wurde speziell für Youtube und all die zahllosen ähnlichen Web-Portale entwickelt.

Bei einem Preis von gerade einmal 249 Euro zielt der GC1 voll und ganz auf Gelegenheitsnutzer, die sich mehr für Schick und Einfachheit als für komplexe Fotografie oder Videoproduktion interessieren.

Design

Die rechteckige Form des GC1 weist auf der einen Seite eine glänzende, auf der anderen eine matte Oberfläche auf. Das gänzlich in Schwarz gehaltene Gehäuse erhält dadurch nahezu ein zweifarbiges Erscheinungsbild. Besonders im Vergleich zu seinen langweiligen weißen Konkurrenten, etwa dem RCA EZ105, sieht der GC1 durchaus elegant aus.

Sein 61 Millimeter großes Display lässt sich ausgeklappt um 270 Grad drehen. Das bietet ein hohes Maß an Flexibilität bei Aufnahmen aus ungewöhnlichen Winkeln, beispielsweise aus einer Zuschauermenge heraus.

Abgesehen vom Klappdisplay ist der ziegelsteinförmige GC1 nicht besonders ergonomisch gebaut. Er fühlt sich in der Hand eher unbequem an. Ein kleiner Plastiksteg auf der Vorderseite der Kamera bietet Platz für den Zeigefinger. Doch das verpfuscht dann unversehens Blitzlichtaufnahmen.

Wenn man nämlich den Plastiksteg zwischen Zeige- und Mittelfinger hält, kann der Zeigefinger leicht den winzigen Blitz der Kamera abdunkeln oder sogar völlig verdecken. Ausgenommen bei Aufnahmen in direktem Sonnenlicht, muss man die Hand so halten, dass der Finger den Blitz nicht verdeckt.

Die Anordnung der Bedienelemente des GC1 ist ähnlich unglücklich realisiert. Das Layout ist wenig intuitiv und ziemlich verwirrend. Ein winziger Joystick navigiert durch das spärliche Menüsystem der Kamera. Er sitzt in der Mitte einer kreisförmigen Anordnung von vier Tasten. Der kleine Steuerknopf fühlt sich für große Daumen schon unhandlich genug an. Doch die Tastengruppe steigert das unerfreuliche Handling des GC1 noch.

Die beiden Bedienkomponenten zusammen wirken wie ein standardmäßiges Vier-Wege-Joypad mit OK-Taste. Mit ein bisschen Übung lässt sich der Joystick zum
Navigieren in den Kameramenüs und zur Auswahlbestätigung verwenden. Damit liegt man zumindest besser, als mühselig mit den einzelnen Tasten Menüoptionen anzusteuern. Joystick und Tasten sitzen außerdem zu hoch am Gehäuse. Deshalb muss man die Hand nach oben bewegen, wobei dann wiederum die Finger unbeabsichtigt den Blitz verdecken können.

Umgekehrt sind die Tasten für die Foto- und Videoaufnahme zu tief angebracht. Sie befinden sich unterhalb des Joysticks und der Zoomtaste. Auch diese Bedienelemente fühlen sich viel zu klein und flach an und sind für große Daumen schwierig zu drücken. Wegen der kleinen Bauart und der tiefen Platzierung erreicht man diese beiden am häufigsten benutzten Tasten nur sehr umständlich.

Sony hätte die Foto- und Videoaufnahmetasten besser größer gestaltet und höher angebracht. Dann würden sie ungleich besser unter dem Daumen liegen. Und ebenso sollten die Designer den Joystick in ein ausgewachsenes Joypad verwandeln und dieses dann tiefer auf der Kamerarückseite platzieren.

Funktionsumfang

Der GC1 ist vorwiegend für Gelegenheitsfilmer und Benutzer mit schmalem Geldbeutel gedacht. Dennoch bietet er ein paar manuelle Einstellungen und Szenenprogramme für Standfotos. Belichtung und Fokus können zwar nicht eingestellt werden. Über einen Programm-Modus stehen aber Weißabgleich und ISO-Empfindlichkeit zur Verfügung. Das sind zwei Einstellmöglichkeiten, die man immer seltener bei Pocket-Kameras der Einstiegsklasse findet. Einen speziellen Makro-Modus gibt es bei der GC1 nicht. Dafür kann man mit einem Kippschalter physisch zwischen den Fokusmodi nah (0,6 bis 1 Meter) und normal (1 Meter und darüber) umschalten.

Die Kamera hat ein f/3,5-Festobjektiv. Es entspricht 42 Millimeter für Standbilder und 48 Millimeter für Video. Der digitale Zoom lässt sich auch während der Aufnahme benutzen. Allerdings beschneidet diese Funktion das Foto beim Vergrößern. Bei vollem 4-fach-Zoom sieht man somit nur ein Viertel vom eigentlichen Bild. Ein billiges optisches 3-fach-Zoom-Objektiv ist diesem nahezu nutzlosen System beiweitem vorzuziehen.

Noch gravierender scheint, dass dieser Pocket-Camcorder ohne eingebauten Speicher oder eine Speicherkarte ausgeliefert wird. Zu dem Preis von 250 Euro für die Kamera selbst kommen also noch einmal um die 30 Euro für einen Memory-Stick-Duo (mindestens 1 Gbyte). Erst dann kann man überhaupt Fotos oder Videos aufnehmen.

Die Konkurrenten des GC1 sind zwar nicht in der Lage, Standfotos direkt aufzunehmen. Dennoch kann man mit ihnen Standbilder aus Videos extrahieren. Und schließlich lässt sie ihr eher moderater Preis für einfache Youtube-Videoaufnahmen viel reizvoller erscheinen.

Leistung

Eigentlich ist diese Videokamera einzig für Hobbyfilmer gedacht, die ihre Videos bei Youtube einstellen wollen. Die QVGA- und VGA-Clips sehen für diesen Zweck akzeptabel aus. Für etwas anderes sind sie aber nicht unbedingt zu gebrauchen. Wegen des Festobjektivs muss man stets aus einer gleich bleibenden Entfernung filmen. Wenn man digital ein- und auszoomt, wird das Video deutlich pixelig und verschwommen.

Da der GC1 keinen Mikrofonanschluss mitbringt, kann man O-Ton nur mit dem eingebauten Mikro aufnehmen. Doch selbst wenn man dieses direkt auf die Schallquelle richtet, wirkt der Klang blechern und gedämpft.

Überdies vermindert jede Art von Bewegung die Videoqualität noch mehr. Der Clip wirkt dann verschwommen, verwackelt und unscharf. Die Filme des GC1 mögen in einem winzigen Youtube-Fenster ganz annehmbar aussehen – auf dem Fernseher oder im Vollbild aber nicht.

Bildqualität

Die 5-Megapixel-Schnappschüsse des GC1 sind nicht besonders hochwertig, für einen Pocket-Camcorder sehen sie aber überraschend gut aus. Die Kamera fotografiert auch ziemlich schnell. In den meisten Situationen liegt die Auslöseverzögerung unter einer Sekunde. Selbst mit eingeschaltetem Blitz lassen sich im Test mehrere Aufnahmen hintereinander in annehmbarer Zeit schießen.

Im Allgemeinen gelingen Porträt- und Landschaftsaufnahmen mit dem GC1 ganz gut. An Motiven mit feinen Details, wie etwa Text- und Grafikabbildungen oder Fellzeichnungen von Haustieren, scheitert er jedoch. Sein enttäuschendes Objektiv und der niedrig auflösende Sensor können feine Strukturen oder kleine Buchstaben einfach nicht annähernd so gut einfangen wie eine genuine Digitalkamera.

Die Standfotos leiden beim GC1 unter den gleichen Bewegungsproblemen wie die Videos. Das geringste Wackeln der Kamera oder eine kleine Bewegung des Motivs kann die Aufnahmen beeinträchtigen oder völlig ruinieren. Der High-Speed-Auslösemodus beugt zwar einem Verwackeln vor. Das funktioniert aber nur, wenn man bei direktem Sonnenlicht oder mit Blitz fotografiert. Der High-Speed-Auslöser ist zu schnell und die ISO-Empfindlichkeit erreicht nur ISO 400. Damit geraten Innenaufnahmen ohne Blitz extrem dunkel.

Die Bilder des GC1 sind gut genug, um per E-Mail verschickt, ins Internet gestellt oder auch im Format 152 mal 102 Millimeter ausgedruckt zu werden. Für größere Abzüge oder irgendeine Art von Fotobearbeitung eignet sich der GC1 jedoch nicht.

Fazit

Der Preis des Sony NSC-GC1 ist deutlich höher als der konkurrierender Pocket-Camcorder. Und er ist immer noch etwas höher als jener von wesentlich umfangreicher ausgestatteten Einsteiger-Digitalkameras, wie beispielsweise der Sony Cybershot DSC-W55 [2]. Nicht zuletzt deshalb kann man diesen ungeschickt designten, zweitklassigen Pocket-Camcorder einfach nicht empfehlen.

Wenn man lediglich schnell Youtube-Videos aufnehmen möchte, ist der RCA EZ105 nach wie vor die beste Wahl. Sucht man jedoch eine solide Kamera, die zugleich auch Youtube-taugliche Videoclips aufnimmt, sollte man einer genuinen Digitalkamera den Vorzug geben. Eine angemessene SD-Speicherkarte vorausgesetzt,empfielt sich hier die Canon Digital IXUS 70 [3]. Sie ist etwas teurer als dieses Sony-Gerät. Doch sie fällt nur unwesentlich größer aus, liefert vergleichbare Videoqualität und dazu noch ordentliche 7-Megapixel-Standfotos.

Artikel von CNET.de: https://www.cnet.de

URL zum Artikel: https://www.cnet.de/39158681/nur-fuer-einfache-web-videos-sony-nsc-gc1/

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[1] Sony: http://www.cnet.de/unternehmen/sony/

[2] Sony Cybershot DSC-W55: https://www.cnet.de/tests/digicam/0,39030924,39156722,00/schnelle+schnappschuesse+in+guter+qualitaet+sony+cybershot+dsc_w55.htm

[3] Canon Digital IXUS 70: https://www.cnet.de/tests/digicam/0,39030924,39156060,00/flott+und+kompakt+canon+digital+ixus+70.htm