Das Billig-Iphone aus China: Erst Vibra, dann Ring

von Daniel Schraeder am , 00:00 Uhr

Das Iphone für 80 Euro! Geht nicht? Doch – als Billig-Nachbau aus China. Wir haben uns getraut, den Import per Vorabüberweisung durchzuführen. Lesen Sie unseren Erfahrungsbericht.

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Das Iphone für 80 Euro! Geht nicht? Doch – als Billig-Nachbau aus China. Wir haben uns getraut, den Import per Vorabüberweisung durchzuführen. Lesen Sie unseren Erfahrungsbericht.

Das Iphone kommt am 9. November offiziell nach Deutschland. 399 Euro soll es kosten, die kleine Variante mit 4 GByte Speicher für Filme und Musik. Mit T-Mobile-Vertrag, versteht sich. Wer 8 GByte speichern möchte, muss einen Hunderter drauflegen.

Das muss doch billiger gehen, denken wir uns, und beginnen mit unserer Recherche. Und, in der Tat, wir werden fündig. Bei Ebay verkaufen diverse Händler ein Handy, das dem Iphone zum Verwechseln ähnlich sieht, unter dem Namen CECT P168. Von Iphone ist in der Auktion freilich nichts zu lesen, in Foren aber wird der Vergleich deutlich gezogen. Am 9. Oktober schlagen wir zu – und ersteigern ein Gerät zum Preis von 118,18 Euro.

CECT P168: China-Iphone
Auf den ersten Blick sieht das CECT P168 aus wie das Iphone. Es hat allerdings mehr Tasten auf der Vorderseite.

Vorauskasse, versteht sich. Wer sich unsicher ist, hat zumindest auf den ersten Blick recht: Nachnahme schließt der Verkäufer aus, Rücknahme und Garantie laufen über Asien, Porto zahlt der Käufer – auch wenn das Gerät defekt sein sollte. Und der Gerichtsstandort ist, natürlich, China.

Immerhin: Auch Paypal wäre möglich. Dort hat man als Käufer zumindest einen gewissen Schutz. Kommt das Paket nicht an oder weicht das Produkt stark von der Beschreibung ab, erstattet der Finanzdienstleister den Betrag.

Wir entscheiden uns für die klassische Überweisung. Direkt nach der Auktion erhalten wir eine Bankverbindung – überraschenderweise aus Deutschland. Mit Porto und Verpackung zahlen wir 143,18 Euro – plus Zoll. Insgesamt neun Tage später bringt der UPS-Bote ein in ordentlich Folie verpacktes Paket aus China. Die erste Überraschung, denn einige Kollegen haben schon gelästert: „Das kommt sowieso nicht an“. Vom Zoll haben wir bislang nichts gehört.

Auspacken und Einschalten

Das Paket ist wirklich ordentlich verpackt. Unter der Folie befindet sich eine weitere Umverpackung aus braunem Karton. Darin wartet die nächste Überraschung auf uns: Ein glänzend-schwarzer Karton mit großen Bluetooth-Logo, diversen chinesischen Schriftzeichen, einem Foto vom P168 und: das Apple [1]-Logo mit Iphone-Schriftzug. Die Rückseite sieht nicht anders aus, insgesamt drei angebissene Äpfel zieren die Produktfotos, dazu der Spruch „Apple, the future is here“.

CECT P168: China-Iphone
Bei Ebay war von „Iphone“ nichts zu lesen, auf dem Karton findet sich das Apple-Logo.

Der Karton ist erstaunlich hochwertig. Magnete halten ihn zusammen, er ist zum Aufklappen gedacht und nicht zum Aufreißen. Im Karton riecht es chemisch-streng. Im Inneren befindet sich eine ordentliche Ladung Hardware, sauber in Luftpolsterfolie verpackt. Neben dem „Iphone“ sehen wir zwei (!) Akkus – beim Apple-Original kann man den Akku nicht mal selber tauschen. Außerdem gibt es ein externes Steckerladegerät, das einen Akku aufnimmt. Über die integrierte USB-Buchse kann man das Handy anschließen; das Kabel ist dabei. Auch eine Bedienungsanleitung sowie ein Kabelheadset befinden sich im Lieferumfang.

Sehen wir uns also das eigentliche Telefon an. Es sieht auf den ersten Blick tatsächlich aus wie das Iphone – mit gleich großem, 3,5-Zoll-Touchscreen, schwarzem Gehäuse und chromglänzender Umrandung. Das Handy selbst hat scheinbar verschiedene Bezeichnungen. Auf der Rückseite prangt ein großes Apple-Logo, darunter steht prominent „iPhone“. Auf den Seriennummer-Etiketten steht „iFOE“, außerdem taucht regelmäßig – auf Gerät, Akku und Seriennummer – der wohl am ehesten offizielle Name „P168“ auf.

Ganz so billig wie befürchtet wirkt es nicht. Ohne Akku wiegt es immerhin 101 Gramm, mit kommt es auf 122. Dennoch fühlt man klar: Hier kommt kein echtes Glas zum Einsatz, geschweige denn Metall oder hochwertiger Kunststoff. Das ist billiges Plastik. Ein Kollege fragt: „Ist das ein Scherzartikel?“

Wir laden also den Akku auf, setzen eine von zwei möglichen SIM-Karten ein und schalten das China-Iphone an. Die nächste Überraschung: Es funktioniert. Das Display erwacht und präsentiert – genau, das Apple-Logo, den Iphone-Schriftzug sowie das Bluetooth-Logo. Okay, die Auflösung ist grausig, der Blickwinkel ebenso. Aber immerhin.

Das erste Mal haben wir jetzt mit dem Menü zu tun. Es ist tatsächlich, wie bei Ebay versprochen, deutsch: „Tragen Sie PIN ein. Versuche Bleiben: 3“. Über das Touchscreen-Display tippen wir die vier Ziffern ein und bestätigen mit „Zustimmu“. Ein Smiley verrät: „Kode angenommen“, dann erscheint das von Apple bekannte Hintergrundbild mit den orangenen Clownfischchen. Die Bedienung erfolgt größtenteils per Touchscreen (und Stift), es gibt beim Nachbau aber deutlich mehr Tasten als bei Apples Original: acht an der Zahl, plus Vier-Wege-Steuerkreuz. Die schönen Fingergesten funktionieren natürlich nicht.

CECT P168: China-Iphone
Das Menü ist irgendwo zwischen lustig und chaotisch angesiedelt.

Das Menü ist ordentlich. Von MP3- und Videoplayer über Menstruationsrechner, SMS-Funktion, Kamera, einigen Spielen bis hin zu E-Mail ist alles vorhanden, was man braucht. Wenn man sich denn nur zurecht finden würde – das klappt zumindest nicht auf Anhieb. Schuld daran ist die fast schon comichafte Übersetzung. Wer etwa eine To-Do-Aufgabe hinzufügen möchte, kann das unter „Entertainment“, „Zusätzlich“, „Um Liste zu Machen“, „Fügen Sie“ tun. Die Diktier-Funktion befindet sich ebenfalls unter „Entertainment“ und dem Unterpunkt „Multimedia“ und heißt „Gesundes Registriergerät“. Weil das ja klar ist.

Den Klingelton stellt man im Menü „Verbraucher Profiliert“ ein. Man wählt das gewünschte Profil, etwa „Versammlung“, wählt „Passen Sie an“ und „Klingeln Sie Typ“. Soll das Gerät zunächst vibrieren, geht das natürlich auch: Man wählt „Erst Vibra, dann Ring“ unter „Aufmerksamer Typ“.

Erlaubt oder verboten?

Es gibt also allerhand Gründe, um zu lästern und sich zu ärgern. Unglaublich frech erscheint es, dass immer wieder das Apple- sowie das Iphone-Logo auftauchen. Wir fragen nach bei Apple-Pressesprecher Georg Albrecht: „Wir prüfen mögliche Plagiatsfälle sehr genau“.

Darf man denn so ein Gerät überhaupt importieren? Wir haben Rechtsanwalt Alexander von Walter befragt. „Kostenpflichtige und vor allem teure Abmahnungen von den Anwälten des Markeninhabers muss ein Verbraucher, der Produktplagiate einführt, nicht befürchten. Denn das Markenrecht, das die Markenkennzeichen vor unbefugtem Gebrauch durch Produktpiraten schützt, ist nur auf den geschäftlichen Verkehr anwendbar. Verbraucher, die einzelne Produkte für den Eigenbedarf ordern, handeln nicht im geschäftlichen Verkehr und unterfallen daher nicht dem strengen Markenrecht mit seinen scharfen Sanktionen. Allerdings können auch Verbraucher ganz schnell in den Bereich des „geschäftlichen Verkehrs“ geraten, wenn sie Artikel gezielt zur Weiterveräußerung – auch im Freundes- oder Bekanntenkreis – einführen. Diese Absicht müsste der Markeninhaber allerdings erst einmal nachweisen. Kritisch wird es diesbezüglich, wenn zum Beispiel eine Vielzahl von gefälschten Iphones geordert wird, die dann erkennbar nicht mehr nur dem privaten Eigenbedarf dienen dürften. In diesem Fall greift das Markenrecht mit seinen Sanktionen: Unterlassung, empfindlicher Schadensersatz und Vernichtung der Ware.

In der Praxis macht allerdings der Zoll Ärger und beschlagnahmt Pakete mit gefälschter Ware, wobei hier auf die Rechtsgrundlage der Beschlagnahme geachtet werden sollte: Markenrecht ist bei rein privatem Warenverkehr nicht einschlägig und kann daher nicht den Rechtsgrund für eine Beschlagnahme bilden. Bei Lieferungen aus Ländern außerhalb der EU fallen zudem je nach Artikel in der Regel noch Einfuhrumsatzsteuer in Höhe von 19 Prozent und gegebenenfalls andere Abgaben an.“

Fazit

Klar ist: Ein Iphone erhält man nicht für so wenig Geld. Und das CECT P168 hat mit einem Iphone nicht viel zu tun – abgesehen vom optischen Eindruck auf den ersten Blick und den diversen aufgebrachten Logos. Dennoch ist es überraschend, wie wenig ein ordentlich ausgestattes Smartphone [3] mit viel Zubehör kosten kann. Es hat zwar viele Mängel, ein chaotisches Menü und eine katastrophale Übersetzung. Aber es funktioniert. Videoclips zum China-Iphone und ein ausführlicher Test folgen.

Artikel von CNET.de: https://www.cnet.de

URL zum Artikel: https://www.cnet.de/39158687/das-billig-iphone-aus-china-erst-vibra-dann-ring/

URLs in this post:

[1] Apple: http://www.cnet.de/unternehmen/apple/

[2] CECT P168: Iphone-Nachbau aus China: https://www.cnet.de/39158698/cect-p168-iphone-nachbau-aus-china/?pid=1#sid=39158687

[3] Smartphone: http://www.cnet.de/themen/smartphone/