40-GByte-HD-Camcorder: Canon HG10

von Lori Grunin am , 00:00 Uhr

Pro
  • exzellente Bildstabilisierung
  • insgesamt hervorragende Videoqualität
Con
  • schlechte Audio-Aussteuerung
  • kleiner elektronischer Sucher
  • einige ergonomische Macken
  • kein Einstellring zum manuellen Scharfstellen
Hersteller: Canon Listenpreis:
ZDNet TESTURTEIL: SEHR GUT 7,5 von 10 Punkte
Fazit:

Der HG 10 ist ein solides Gerät, das aber auch nervige Macken hat.

Es gibt keinen Zweifel: Der Canon HG10 nimmt scharfe, gut belichtete Fotos und HD-Videos auf. Leider lassen ihn sein undurchdachtes Design und die schlechte Audio-Aussteuerung gegenüber der Konkurrenz nicht so gut aussehen.

Lange musste man auf ihn warten, aber jetzt ist der festplattenbasierte, AVCHD-kompatible Canon HG10 endlich da. Der neue Canon übernimmt das Innenleben und das Objektiv vom HV20 [1].

Zu einem Preis von etwa 1000 Euro bringt er jedoch ein vollständig anderes Design mit. Und das fällt durch einige gewagte Änderungen auf, die leider nicht immer zum Vorteil ausfallen.

Design

Der HG10 ist zwar deutlich kleiner als der HV20, mit einem Gewicht von 505 Gramm allerdings nicht viel leichter. Obwohl der Canon damit etwas weniger wiegt als sein Hauptkonkurrent, der Sony HDR-SR7 [2], ist er etwas größer. Sein in Silber und Dunkelgrau gehaltenes Äußeres wirkt nicht ganz so schick wie die schwarze Einfassung des SR7. Das größere Chassis erleichtert jedoch das bequeme Halten der Kamera.

Um das Gehäuse zu komprimieren, hat Canon viele der Bedienelemente verlegt und umgestaltet. In einigen Fällen führt das durchaus zu Verbesserungen. Der große, extrem gleichmäßig und bequem zu bedienenden Zoom-Wippschalter sowie der ausfahrbare Sucher überzeugen jedenfalls.

Einige Ärgernisse hätte Canon aber besser beseitigen sollen. Das betrifft beispielsweise die lose Abdeckung des Zubehörschuhs. Man kann sie eigentlich gleich wegwerfen, denn es wird nicht lange dauern, bis sie sowieso verlorengeht. Andere Neuerungen sind schlichtweg enttäuschend.

Da ist zum Beispiel der neue Vier-Wege-Schalter mit dem konzentrischen Scrollrad. Einerseits wirkt das wesentlich besser als ein Touchscreen. Aber es fällt äußerst schwer, den Navigationsschalter zu bedienen, ohne das Scrollrad zu betätigen. Letztlich wird dadurch die Navigation und das manuelle Scharfstellen erheblich erschwert. Canon verzichtet bei diesem Modell auch auf den Einstellring zum manuellen Scharfstellen am Objektiv.

Darüber hinaus ist der Joystick des HV20 ebenfalls besser platziert. Er sitzt direkt auf dem Gehäuse des Camcorders statt auf der Einfassung des LCDs. So ist man beim HG10 gezwungen, das LCD weitaus häufiger zu benutzen, als es eigentlich nötig wäre. Das ist nicht nur einfach nervig, die Kamera lässt sich auch schwieriger ruhig halten und der Stromverbrauch steigt unnötig.

Das Display misst 69 Millimeter (2,7 Zoll) und sollte für einen HD-Camcorder auch nicht kleiner sein. Es ist auch in direktem Sonnenlicht und aus unterschiedlichen Blickwinkeln noch ablesbar. Der Sucher wirkt aber etwas zu klein und die Augenmuschel aus Hartkunststoff fühlt sich nicht besonders angenehm an.

Funktionsumfang

Angesichts des Preises bietet der HG10 allerdings einen recht guten Funktionsumfang. Der 3-Megapixel-CMOS-Sensor nimmt HD-Videos mit einer nativen Auflösung von 1920 mal 1080 Pixeln auf, die dann samt Interlacing auf 1440 mal 1080 Pixel AVCHD herunterkonvertiert werden. Der Camcorder kann auch im 1440×1080/24p-Format aufnehmen, doch dieses Format wird derzeit noch weniger unterstützt als einfaches AVCHD.

Die 40 GByte große Festplatte bietet Platz für 5,5 Stunden mit 15 MBit/s und bis zu 15 Stunden mit 5 MBit/s. Allerdings empfiehlt es sich wie immer, ausschließlich mit höchster Qualitätsstufe aufzunehmen. Es sei denn, man ist sich absolut sicher, die Aufnahmen nachträglich nicht mehr bearbeiten zu wollen.

Im Fotomodus kann man 3-Megapixel-Fotos schießen und im Filmmodus Bilder mit 1920 mal 1080 Pixeln. Wirklich ärgerlich ist es aber, dass Fotos nicht auf der Festplatte, sondern nur auf einer Mini-SD-Karte gespeichern werden können.

Die Set-Taste auf der LCD-Einfassung ruft die Einstellungen für Hintergrundbeleuchtung, Belichtungsausgleich, Fokus und Schnellwiedergabe auf. Im Kameramodus gibt es auch Blitz-Einstellungen.

Im Videomodus ermöglicht eine Funktionstaste den Zugriff auf die Programmauswahl, die Blenden- oder Belichtungsautomatik, einen Kinomodus (für einen Filmlook mit 24 fps) sowie einen Nachtmodus mit langer Belichtungszeit. Eine Handvoll Weißabgleich-Optionen und eine Reihe von voreingestellten Bildeffekten plus individuell einstellbarer Farbtiefe, etwa für Postereffekte, Schärfe, Kontrast und Helligkeit sind ebenso vorhanden. Ein paar digitale Effekte sowie Einstellmöglichkeiten der Videoqualität und der Bildgröße bei Fotoaufnahmen ergänzen die Palette.

Für Fotos stehen drei Belichtungsmodi zur Verfügung: evaluative, mittenbetonte Integralmessung und Spotmessung. Außerdem gibt es Einstellungen für Serienbildmodus und Belichtungsreihen sowie die Fotogröße.

Es wäre allerdings schön, wenn sich einige dieser Funktionen schneller erreichen ließen. Das trifft besonders auf die Focus-Priority zu. Damit wird die Auswahl zwischen Canons AiAF und mittenbetontem AF-Modus, Instant-AF sowie normalem Fokus bezeichnet. Auch die Zoomgeschwindigkeit, die eine variable und drei konstante Einstellungen aufweist, gehört hier dazu.

Diese Funktionen werden häufig benutzt. Sie sollten also nicht tief in den Menüs versteckt sein. Falls der Benutzer nicht weiß, dass es sie überhaupt gibt und wie sie benannt sind, kann er sie sogar ganz übersehen. Und wie beim HV20 lässt sich während der Aufnahme der Weißabgleich nicht ändern. Bei Szenen mit unterschiedlichen Lichtquellen ist das ein echtes Ärgernis.

Leistung

Das 10-fach-Zoomobjektiv ist mit Canons Super-Range Optical Image Stabiliser ausgestattet. Er verbessert die Bildstabilität, indem er dem System laufend Feedback liefert. Die Technik funktioniert sehr gut, immerhin besser als bei anderen Modellen mit höheren Zoomwerten.

Canons Instant-AF arbeitet mit einer Bereicherkennung: Diese nutzt ein vom Motiv reflektiertes Messsignal, um dem AF-System den groben Aufenthaltsort des Motivs mitzuteilen. Dadurch muss das Objektiv auf einen kleineren Bereich scharfstellen.

Man kann den IAF ausschalten, um Strom zu sparen, wenn er gerade nicht gebraucht wird. Vor allem bei Motiven, die sich nur wenig bewegen, etwa bei Menschen im Gespräch oder einer Schultheateraufführung, ist das sinnvoll. Mit IAF fokussiert der Camcorder bei schlechten Lichtverhältnissen minimal schneller.

Die Aufnahmen ruckeln zwar zwischen den Einstellungen immer noch etwas hin und her. Doch insgesamt ist die Performance bei schlechten Lichtverhältnissen, was Fokus und Videoqualität betrifft, etwas besser als die von vergleichbaren früheren Canon-Camcordern für Privatanwender. Außerdem bringt der HG10 einen der bisher am angenehmsten zu bedienenden Zoomschalter mit.

Die Audioqualität kann da leider nicht ganz mithalten. Stellt man den Windschutzfilter auf „Auto“, nimmt das eingebaute Stereomikrofon den Ton von hinten recht gut auf. Aber Stimmen von vorne klingen gedämpft und Gespräche von der Seite werden fast gar nicht aufgezeichnet. Bei abgeschaltetem Windschutz sind die Aufnahmen von vorne besser.

Doch die Reichweite des Camcorders scheint recht begrenzt zu sein. Sie beträgt etwa einen Meter und eine Zoommikrofon-Funktion fehlt gänzlich. Den Eingangspegel kann man ebenfalls nicht regeln. Zur Verbesserung der Audioqualität gibt es einen externen Mikrofoneingang sowie einen Zubehörschuh – allerdings nur gegen Aufpreis.

Bildqualität

An der Bildqualität gibt es kaum etwas zu bemäkeln. Der HG10 liefert gut belichtete, gesättigte und scharfe Videos und Fotos. Bei schlecht beleuchteten Szenen machen sich leichtes Bildrauschen und Unschärfen bemerkbar. Auch einige überbelichtete helle Bereiche bei gut ausgeleuchteten Szenen tauchen auf. Das ist jedoch in dieser Preisklasse nichts Besonderes.

Fazit

Am Canon HG10 sind die frustrierende Ergonomie sowie die Probleme bei der Audio-Performance zu bemängeln. Jeder potenzielle Käufer sollte den Camcorder erst einmal ausprobieren, um zu sehen, was er selbst von der Anordnung der Bedienelemente hält. Auch ein Vergleich mit der – eher schwachen – Alternative, dem Touchscreen der Sony [3] SR7, liegt nahe. Falls die Audio-Qualität ebenfalls ein Problem darstellt, dann sollte man die Anschaffung eines externen Mikrofons oder eben doch eines Touchscreen-Modells in Erwägung ziehen.

Artikel von CNET.de: https://www.cnet.de

URL zum Artikel: https://www.cnet.de/39158952/40-gbyte-hd-camcorder-canon-hg10/

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[1] HV20: https://www.cnet.de/tests/camcorder/0,39030920,39155817,00/hd_camcorder+fuer+hobbyfilmer+canon+hv20.htm

[2] Sony HDR-SR7: http://prvcms.cnet.de/tests/camcorder/0,39030920,39158948,00/zukunftsorientierter+festplatten_camcorder+sony+handycam+hdr_sr7e.htm

[3] Sony: http://www.cnet.de/unternehmen/sony/