Linux, Jailbreak und Rockbox machen mehr aus Ipods

von Daniel Schraeder und Manuel Masiero am , 00:00 Uhr

Mit alternativen Betriebssystemen und Patches kann jeder Ipod deutlich mehr, als Apple erlaubt: Videos laufen auf jedem Player-Modell, vormals nicht unterstützte Musikformate werden klaglos abgespielt, Restriktionen durch Itunes fallen weg, und Programme von freien Programmierern laufen auf den Geräten. Dieser Workshop zeigt, mit welchen Tools Anwender die meisten Funktionen aus ihrem Ipod herausholen können.

Die Ipod-Produktfamilie und ihr jüngster Spross Iphone sind allesamt schick, funktional und leicht zu bedienen. Kein Wunder also, dass Apple [1] mit seinen Ipod-Modellen den Musikplayer-Markt beherrscht. Doch bei der Software-Ausstattung leisten sich die Kultgeräte manchen Patzer, und zwar ausgerechnet in ihrer ureigensten Domäne, der Musik. Beispielsweise kommt kein Ipod mit populären Audioformaten wie Flac, MPC, Ogg Vorbis, und WMA zurecht. Besitzer älterer Ipods müssen zudem mit einer weiteren Einschränkung leben. So können beispielsweise die Nano-Modelle der ersten und zweiten Generation keine Videofiles abspielen, obwohl sie technisch dazu in der Lage sind.

Ipodlinux
Alternative: Auf Linux basierende Betriebssysteme wie Ipodlinux erweitern die Apple-Musikplayer um viele neue Funktionen.

Linux-Betriebssystem reizt den Ipod aus

Dass man sich Filme prinzipiell auf allen mit Display ausgestatteten Ipods ansehen kann, steht nicht auf der offiziellen Website. Das funktioniert aber problemlos, wenn man ein Linux-Betriebssystem auf dem portablen Player installiert. Original- und Open-Source-Betriebssystem können wahlweise per Dual-Boot friedlich nebeneinander existieren, so dass keine Daten verloren gehen. Zudem lassen sich alle Änderungen über die Itunes-Software wieder rückgängig machen. Der Vollständigkeit halber ein Hinweis: Laut Apple erlischt bei Aufspielen eines fremden Systems die Garantie.

Mehr Funktionen und frei von DRM

Mit dem Audiospezialisten Rockbox [2] und dem für Musik- und Videofiles gleichermaßen geeigneten Ipodlinux [3] bekommen die portablen Apple-Player zahlreiche neue Funktionen verpasst. Auf Bedienkomfort müssen Anwender dabei aber ebenso wenig verzichten wie auf ihr Original-Betriebssystem.

Ipod
Geheim: Bei Problemen lassen sich Ipods per Tastendruck in den Disk-Modus schalten und werden unter Windows und Mac OS als Wechseldatenträger erkannt.

Die Vorgehensweise ist dabei jeweils gleich: Zuerst das Gerät im Disk-Modus booten (siehe geheime Ipod-Kommandos [4]) und anschließend mit dem Computer verbinden. Im Disk-Modus wird der Ipod vom PC als Wechseldatenträger erkannt, und ein OS lässt sich aufspielen. Ipodlinux bringt seinen eigenen Installer [5] mit. Auch für Rockbox gibt es ein passendes Utility [6], das ebenso wie Ipodlinux einen Bootloader aufspielt. Am PC angeschlossene Ipods lassen sich nach Installation direkt per Drag and drop mit Files befüllen. Einzige Einschränkung: Da Windows die Alternativ-Systeme nicht mehr erkennt, müssen Anwender ihren Player im Disk-Modus booten, können anschließend aber wie gewohnt Files darauf kopieren.

Ipod-Betriebsysteme mit Bootmenü: Rockbox und Ipodlinux

Rockbox unterstützt jede Menge Audio-Codecs, darunter die Ipod-Formate AAC und MP3 sowie AC3, MPC, FLAC und Ogg Vorbis. Die Entwickler des Freeware-OS legen speziellen Wert auf die Soundqualität und haben Rockbox mit entsprechenden Features ausgestattet. Dazu zählen ein 5-Band-Equalizer, Crossfading und eine Normalisierungsfunktion. Rockbox läuft zudem nicht nur auf den meisten Ipods, sondern auch auf Playern von Archos, Cowon, Iriver und Sandisk sowie Toshiba. Über die gegenwärtig unterstützten Geräte gibt die Rockbox-Webseite detailliert Auskunft.

Das Open-Source-Allroundtalent Ipodlinux spielt nicht nur Audio-Files ab, sondern unterstützt wie das Apple-OS auch Video-Playback von MPEG-4- und H.264-Filmen. Großer Vorteil: Mit Ipodlinux laufen die Filme auch auf älteren Ausgaben des Ipod Nano sowie anderen nicht dafür vorgesehenen Apple-Playern. Über Plug-ins lässt sich das Betriebssystem wie Rockbox um zahlreiche Module und Spiele, beispielsweise einem Doom-Emulator, erweitern.

Rockbox
Auswahl: Audiospezialist Rockbox läuft auf für zahlreichen Ipod-Versionen und Musikplayern anderer Hersteller.

Zusatzsoftware für Ipod Touch und Iphone

Auch für Apples neue Flaggschiffe gibt es Tuning-Möglichkeiten. Zwar laufen weder die oben besprochenen Betriebssystem-Alternativen Rockbox noch Ipodlinux auf den Touchscreen-Geräten. Dafür lässt sich das Original-Betriebssystem recht problemlos aufbohren. Standardmäßig verhindert es zwar, dass Software, Tools und Spiele von Drittanbietern laufen. Dieser Schutz lässt sich allerdings knacken – und der Weg zur Personalisierung steht offen.

Je nach installierter Firmware auf dem Ipod oder Iphone kann es bereits ausreichen, den integrierten Webbrowser Safari auf www.jailbreakme.com zu schicken. Kurze Zeit und einen Neustart des MP3-Players später gibt es mit Installer ein neues Icon im Hauptmenü. Startet man das Programm, lädt es aus dem Internet eine Liste mit Tools, Programmen und Spielen. Für all diese Anwendungen steht auf Fingertipp eine kurze Beschreibung zur Verfügung. Die Installation der Programme erfolgt vollautomatisch: Man tippt in der Beschreibung des Programmes innerhalb des Installers auf die entsprechende Schaltfläche und Ipod Touch beziehungsweise Iphone laden die Applikation herunter. Das Hauptmenü lädt kurze Zeit später neu und beinhaltet ein weiteres Icon.

Iphone
Zusatzsoftware für Iphone und Ipod Touch: Nach dem Ausführen von Jailbreak lassen sich Programme, Tools und Spiele über das Internet nachinstallieren.

Zu den wichtigsten Third-Party-Applications – so heißen nicht von Apple freigegebene Programme – gehören Spiele wie Sudoku und Blackjack, simple Tools wie eine Taschenlampe, die das Display weiß leuchten lässt, oder Programme, die das Anpassen des Gerätes mit Hintergrundbildern oder anderer Menüstruktur ermöglichen.

Mit Ipod-Backups auf Nummer sicher

Vor Aufspielen eines Betriebssystems sollte man sicherheitshalber den aktuellen Datenbestand der Ipods sichern. Dafür bietet sich zwar auch Itunes [7] an, allerdings funktioniert ein Backup mit dem Apple-Musikmanager nur dann, wenn sich die Musik- und Videofiles bereits in dessen Medienbibliothek befinden. Zudem lässt sich immer nur ein einziger Ipod mit Itunes synchronisieren – weitere Geräte bleiben hier außen vor. Dennoch gelingt es über Datei, Sicherheitskopie auf Speichermedium die Musiksammlung auf CD oder DVD zu sichern.

Anwender sind mit Winamp [8] in jedem Fall besser beraten: Der Kult-Player ist zum einen nicht auf einen einzigen Ipod begrenzt. Zum anderen erlaubt Winamp das Kopieren von Multimediafiles in beide Richtungen, also vom PC zum Gerät und umgekehrt. Letzterer Weg bleibt Itunes-Nutzern versperrt. Zwar können Anwender Dateien auch manuell auf den Computer übertragen, wirklich empfehlenswert ist diese Methode jedoch nicht. Alle Ordner und Files liegen unverschlüsselt im versteckten Ipod-Verzeichnis Ipod_Control, besitzen aber kryptische Dateinamen. Um die ursprünglichen Namen wiederherzustellen, ist viel Handarbeit gefragt. Leichter geht es mit Winamp.

Winamp schlägt Itunes bei Sicherheitskopien

Winamp macht Ipod-Backups einfach: Die Software unterstützt ab Version 5.2 alle Ipod-Modelle und bindet per USB angeschlossene Player automatisch in ihre Medienbibliothek ein. Diese lässt sich im Menü über View, Media Library oder mit dem Tastenkürzel ALT+L aufrufen. Ipods listet Winamp in der linken Spalte der Medienbibliothek unter der Rubrik Portables auf. Nach einem Mausklick auf das passende Gerät erhalten Anwender eine übersichtliche Liste sämtlicher darauf gespeicherten Audio- und Videodateien. Dann genügt es, Alben, Filme oder einzelne Musiktracks auszuwählen und sie per Kontextmenü-Befehl Copy to Local Media auf Festplatte zu übertragen. Winamp legt sämtliche Daten im Musik-Ordner des gerade aktiven Windows-Benutzerprofils ab. Will man anstelle eines alternativen Betriebssystems wieder das Ipod-OS aufspielen und die gesicherten Multimediafiles wiederherstellen, greift man zu Itunes.

Winamp
Schaltzentrale: Der Kult-Player Winamp tauscht Audio- und Videofiles mit angeschlossenen Ipods aus und ist dabei so komfortabel wie Itunes.

Zurück in den Werkszustand mit Itunes

Wie sich ein Ipod mit Itunes wieder in den Ursprungszustand zurückversetzen lässt, beschreibt Apple auf seiner Website [9]. Dazu genügt es, das Gerät über die linke Menüleiste auszuwählen und es anschließend über die Schaltfläche Wiederherstellen auf die Werkseinstellungen zurückzusetzen. Itunes aktualisiert dabei das Betriebssystem auf Wunsch auch gleich auf die aktuellste Version.

Itunes
Erste Hilfe: Itunes setzt Ipods auf Knopfdruck wieder in den Originalzustand zurück.

Wird der über USB oder Firewire angeschlossene Ipod nicht vom System erkannt, helfen versteckte Tastaturkommandos, um den Player wieder „sichtbar“ zu machen. Alle Ipods lassen sich per Tastendruck neu starten oder laufen im Diagnose- beziehungsweise Disk-Modus. Die Tastenkombinationen [4] unterscheiden sich allerdings je nach Modell und Gerätegeneration, sind aber auf zahlreichen Webseiten dokumentiert. Der Disk-Modus sorgt dafür, dass Windows oder Mac OS den Ipod als Wechseldatenträger erkennen. Anschließend lässt sich der Player in den Ausgangszustand zurückversetzen und neu mit Musik und Videos betanken.

Übersicht: Welche Software auf welchen Ipods läuft

Modell Generation Jahr Rockbox Ipodlinux Jailbreak
Ipod 1 2001 ja ja nein
Ipod 2 2002 ja ja nein
Ipod 3 2003 ja ja nein
Ipod 4 2004 ja ja nein
Ipod 5 2005 ja ja nein
Ipod Classic 6 2007 nein nein nein
Ipod Nano 1 2005 ja ja nein
Ipod Nano 2 2006 nein nein nein
Ipod Nano 3 2007 nein nein nein
Ipod Shuffle 1 2005 nein ja nein
Ipod Shuffle 2 2005 nein ja nein
Ipod Mini 1 2004 ja ja nein
Ipod Mini 2 2005 ja ja nein
Ipod Photo 1 2004 nein ja nein
Ipod Touch 1 2007 nein nein ja
Iphone 1 2007 nein nein ja

Artikel von CNET.de: https://www.cnet.de

URL zum Artikel: https://www.cnet.de/39187447/linux-jailbreak-und-rockbox-machen-mehr-aus-ipods/

URLs in this post:

[1] Apple: http://www.cnet.de/unternehmen/apple/

[2] Rockbox: http://www.rockbox.org/

[3] Ipodlinux: http://www.ipodlinux.org/

[4] Ipod-Kommandos: http://www.command-tab.com/2006/03/30/hidden-ipod-commands

[5] Installer: http://ipodlinux.org/Installer_2

[6] Utility: http://www.rockbox.org/twiki/bin/view/Main/RockboxUtility

[7] Itunes: http://www.apple.com/de/itunes

[8] Winamp: http://www.winamp.com

[9] Website: http://docs.info.apple.com/article.html?artnum=60983