Großartige DSLR-Kamera: Nikon D300

von Ellis Benton am , 11:58 Uhr

Pro
  • großes Live-View-LCD
  • enorm schnelles Scharfstellen und Auslösen
  • makellose 12-Megapixel-Fotos
  • hochwertige Verarbeitung
Con
  • etwas schwer
  • ziemlich teuer
Hersteller: Nikon Listenpreis:
ZDNet TESTURTEIL: EXZELLENT 8,7 von 10 Punkte
Fazit:

Die D300 schafft einen perfekten Ausgleich zwischen digitaler Innovation und hervorragender Bildqualität, allerdings auf hohem Preisniveau.

Die Nikon D300 kann zwar nicht mit wirklich revolutionären Funktionen aufwarten, dafür aber mit modernster Technik: Der atemberaubende Live-View-Bildschirm, der neuartige Autofokus und die innovative digitale Lichtmessung verdienen wahrhaftig Anerkennung. Und dazu gesellt sich eine makellose Bildqualität. Das alles kommt in einem grundsoliden, kompakten Gehäuse daher. Auch wenn diese Kamera etwas teurer ist, so kann sie es doch mühelos mit allen Rivalen aufnehmen.

Das Angebot an digitalen Spiegelreflexkameras ist dieser Tage ziemlich groß. Denn es drängen zunehmend große Elektronikunternehmen auf einen Markt, der sich zuvor in der Hand von wenigen Optikspezialisten befand. Doch obwohl Sony [1] und Samsung [2] immer bessere Kompaktkameras und auch beachtliche Modelle für fortgeschrittene Fotografen produzieren, beherrschen den professionellen Bereich noch immer Canon, Nikon und Olympus.

Die Nikon D300 ist an der Schnittstelle zwischen dem Markt für Gelegenheitsfotografen und dem Profisegment angesiedelt. Sie bietet die pure Leistung und Bildqualität, die Profis verlangen. Darüber hinaus bringt sie aber auch populäre Ausstattungsmerkmale mit, etwa einen großen Bildschirm, HD-Unterstützung und eine Live-View-Wiedergabe.

Die Spitzenausstattung spiegelt sich im Preis: Allein das Gehäuse der D300 schlägt mit etwa 1600 Euro zu Buche. Für den Test wird die Kamera mit einem AF-S-DX-Objektiv (17 bis 55 Millimeter, f/2.8G) von Nikon bestückt. Außerdem benötigt man mehrere 2-GByte-Speicherkarten und eventuell noch ein Nikon SB-800 Speedlight-Blitzgerät.

Design

Wenn es nichts zu verbessern gibt, soll man auch nichts ändern. Das Design von Spiegelreflexkameras hat sich in den letzten 50 Jahren nicht grundlegend verändert. Auch die D300 wird in dieser Hinsicht niemanden überraschen, der jemals eine Mittelklasse-Film- oder -Digitalkamera benutzt hat. Sie ist eher groß und schwer, mit Objektiv wiegt sie über ein Kilo. Die wichtigsten Bedienelemente befinden sich in etwa dort, wo man sie erwartet. Sie sind auf dem spritzwassergeschützten Magnesiumgehäuse zu funktionalen Sektionen gruppiert.

Das auf der Oberseite links vom Sucher angebrachte Auswahlrad für den Aufnahmemodus ermöglicht den direkten Zugriff auf die Einstellungen für Bildqualität, Weißabgleich und Empfindlichkeit. Zusätzlich gibt es ein arretierbares Auswahlrad, mit dem sich zwischen Einzelbildaufnahme, Selbstauslöser und Serienbildaufnahme wechseln lässt. Überraschenderweise kann man hier auch die Live-View-Funktion und die Spiegelarretierung bedienen.

Rechts vom wunderbar hellen und großzügigen Prismensucher befindet sich ein monochromes LCD-Kontrollfeld. Viele preisgünstige digitale Spiegelreflexkameras nutzen dafür das Hauptdisplay. Doch diese Option ist weit besser. Man erhält auf einen Blick eine Übersicht, ohne die Kamera absetzen zu müssen, und spart dazu noch Energie. Unter dem Display befinden sich die Einstellmöglichkeiten für Belichtungszonen und Messwertspeicherung sowie ein Paar Einstellräder, mit denen man sich schnell durch die Menüs und Optionen arbeiten kann.

Das große Navigationspad ist wahrscheinlich das einzige Bedienelement, das weniger beeindruckend ist. Es funktioniert immerhin schnell genug, um sich damit durch die Menüs zu bewegen. Aber im Vergleich mit dem Einstellrad von Canon wirkt es ungenau. An der Rückseite befinden sich außerdem die Auswahltaste für die Autofokus-Messpunkte sowie die Wiedergabe-, Zoom- und die Löschtaste. An der Vorderseite gibt es die üblichen Tasten für den versenkbaren Blitz und zur Überprüfung der Tiefenschärfe. Ein Schalter, mit dem man zwischen manueller Fokussierung, Einzelautofokus und kontinuierlichem Autofokus auswählen kann, ist ebenso vorhanden. Die frei programmierbare Funktionstaste unter der Objektivfassung sieht etwas verloren aus.

Die Hauptattraktion ist der neue LCD-Bildschirm der D300. Mit seinen 76 Millimetern (3 Zoll), mittlerweile nahezu schon Standard in der Digitalfotografie, ist er nicht nur großzügig bemessen. Er liefert zudem verblüffende 920.000 Pixel, fast viermal so viel wie bei den meisten anderen Kameras. Darauf wiedergegebene Bilder sehen natürlich hervorragend aus. In Verbindung mit der Live-View-Darstellung kommt die hohe Auflösung aber erst richtig zur Geltung. Damit lässt sich die Schärfe der Motive deutlich besser überprüfen. Live-View ist eine nützliche, wenngleich etwas schwerfällige Angelegenheit, die mit viel Spiegelklappern und Vorab-Fokussierung einhergeht. Am besten eignet sich das Verfahren für ungewöhnliche Aufnahmewinkel und Stillleben.

Ein benutzerfreundliches Feature ist auch der HDMI-Ausgang der D300. Über ein – leider nicht mitgeliefertes – HDMI-Kabel kann man sich auf einem hochauflösenden Fernseher eine Dia-Show in zeitgemäßer 720p- oder 1080i-Auflösung anschauen. Traditioneller ist da der altmodische Compact-Flash-Steckplatz. Der wird inzwischen schon bei preisgünstigeren Modellen häufig durch einen SD-Steckplatz ersetzt.

Funktionsumfang

Das Herz der D300 ist ein 12,3-Megapixel-CMOS-Sensor. Obwohl er kein echter Full-Frame-Chip ist, gestattet seine Größe Lichtempfindlichkeitswerte von ISO 200 bis ISO 3200. Darüber hinaus resultieren aus Nikons Vertrauen in die hauseigenen Rauschunterdrückungssysteme auch noch die Einstellungen Low (bis ISO 100) und High (bis ISO 6400). Die sind für all jene gedacht, die an die Grenzen des Machbaren gehen wollen.

Wie die meisten Spiegelreflexkameras verfügt auch die D300 über ein Reinigungssystem, das Staubablagen auf dem Sensor verhindern soll. Am besten wird es so eingestellt, dass es sich beim Abschalten aktiviert. Dann gibt es bei Schnappschüssen keine Verzögerungen.

Die eingebaute Expeed-Bildverarbeitungs-Engine erlaubt das Aufnehmen von bis zu sechs Bildern pro Sekunde. Damit liegt die Kamera auf dem gleichen Niveau wie andere Kameras in diesem Preissegment. In Verbindung mit Verschlusszeiten von bis zu 1/8000 Sekunde dürfte das für jeden ausreichen, der nicht gerade ein fanatischer Sportfotograf ist.

Natürlich kann die D300 Bilder sowohl als Rohdaten aufzeichnen als auch im JPEG-Format. Die RAW-Dateien im proprietären NEF-Format lassen sich entweder als 12-Bit- oder als 14-Bit-Dateien mit größerer Farbtiefe abspeichern. Allerdings können unkomprimierte Dateien der höchsten Qualitätsstufe bis zu 32 MByte Speicherplatz in Anspruch nehmen. Man büßt auch an Geschwindigkeit ein: Serienaufnahmen sind dann nur noch mit 2,5 Bildern pro Sekunde möglich.

Jede manuell einstellbare Funktion der D300 aufzuzählen, nähme mehr Zeit in Anspruch, als die RAW-Daten einer mehrere Gigabyte fassenden Speicherkarte auszulesen. Dennoch sind es einige wert, gesondert betrachtet zu werden. Auf die bei preisgünstigeren Kameras anzutreffenden einfachen Szenenmodi muss man verzichten. Dafür verfügt die D300 über vollständig individuell anpassbare Aufnahmeeinstellungen, mit denen sich Kontrast, Farbe und Scharfzeichnung justieren lassen. Außerdem gibt es noch die Active-D-Lichtmessung. Dieses System analysiert Motive während der Aufnahme und passt gleichzeitig die Einstellungen so an, dass Details sowohl in den hellsten als auch in den dunkelsten Bildbereichen erhalten bleiben.

Ebenfalls eine beeindruckende Innovation ist der Autofokus mit 3D-Tracking. Ist diese Funktion aktiviert, erfasst die D300 Motive im Bild und stellt sie scharf, egal wie unberechenbar sich diese auch bewegen. Man muss lediglich dafür sorgen, dass das Motiv innerhalb des groß dimensionierten Autofokusbereichs mit seinen 51 Messfeldern bleibt und den Finger auf dem Auslöser lassen.

Natürlich können auch der Weißabgleich, die Belichtung, die Messfelder und vieles mehr über entsprechende Bereiche des Aufnahmemenüs eingestellt werden. Die Verwendung der programmierbaren Funktionstaste lohnt sich auch dann, wenn man damit lediglich die Zeit spart, bestimmte Einstellungen in den Tiefen des Menüs ein- oder zweimal täglich zu ändern. Ihre voreingestellte Funktion sind Belichtungsreihen.

Im Lieferumfang der D300 ist die Software Nikon Transfer enthalten. Sie ist recht simpel, abgesehen von der Option, Dateien automatisch an zwei Orten zu speichern, wobei eine Datei als Sicherungskopie dient. Ebenfalls mitgeliefert wird Nikons View-NX. Das ist ein Bildbetrachter, mit dem man einfache Justierungen an der Belichtung, dem Weißabgleich und den Aufnahmeeinstellungen der NEF-Dateien vornehmen kann. Wer seine Aufnahmen im Rohdatenformat weiterbearbeiten möchte, sollte eine Investition von 110 Euro in die von Nikon angebotene Bildbearbeitungssoftware Capture-NX nicht scheuen.

Leistung

Trotz ihrer Größe ist die D300 eine schnelle Kamera. Sie fährt nahezu augenblicklich hoch und hat keine wahrnehmbare Auslöseverzögerung. Der Autofokus ist schnell, aber nicht der schnellste was digitale Spiegelreflexkameras betrifft. Diese Ehre wird vielmehr der kompakten E-3 [3] von Olympus zuteil. Aber auch das ist kein wirkliches Problem, es sei denn, es kommt tatsächlich auf die Mikrosekunde an.

Zum Lieferumfang der Nikon D300 zählt lediglich das Gehäuse. Es wäre allerdings geradezu verrückt, dieses nicht mit einer anständigen Optik auszustatten. Im Test haben wir das AF-S mit 17 bis 55 Millimeter Brennweite (f/2.8G) verwendet, ein DX-Objektiv, das auf die Größe des Sensors der D300 abgestimmt ist.

Wie zu erwarten genügen die Fotos höchsten Ansprüchen. Wer sich wirklich wie ein Profi fühlen möchte, sollte ein paar Aufnahmen machen und sich an den messerscharfen Konturen und strukturierten Details erfreuen. Die Farben springen einem förmlich vom Bildschirm entgegen. In Verbindung mit der Active-D-Technologie findet die automatische Messfeldsteuerung zuverlässig jedes Bisschen optische Information, das sich in den Schatten verbirgt.

Die Akkulebensdauer ist die beste auf dem Markt: Mit einer Ladung hält der wuchtige Lithium-Ionen-Akku bis zu 1000 Aufnahmen lang durch. Auch das entspricht etwa der vierfachen Leistung der meisten anderen Kameras – auch wenn die EOS 40D [4] von Canon nicht weit davon entfernt ist.

Bildqualität

In der Standardeinstellung könnten Nachschärfung und Sättigung eventuell etwas heraufgesetzt werden. Aber eigentlich gibt es hier keinen Anlass zur Beschwerde. Besonders beeindruckend ist die Leistung der D300 bei wenig Licht in Innenräumen. Der automatische Weißabgleich umgeht sauber den störenden orangen Farbstich, den manche Kameras bei Kunstlicht aufweisen.

Und überdies sind die Möglichkeiten der Kamera bei hoher Lichtempfindlichkeit atemberaubend. Bis ISO 800 ist nicht eine Spur digitalen Bildrauschens zu erkennen. Selbst bei ISO 3200 wirken die Bilder noch brauchbar, freilich nur in kleinerem Format.

Der eingebaute Blitz dürfte von Profis wohl höchstens zum Aufhellen von dunklen Bereichen verwendet werden. Er ist jedoch kräftig genug, um einen größeren Raum auszuleuchten. Für stimmungsvollere Aufnahmen kann er auch heruntergeregelt werden.

Fazit

Die D300 ist eine hervorragende Allround-Kamera. Allerdings ist der Spiegelreflexmarkt auch voll von großartigen Kameras. Die preislich ähnlich gelagerte Olympus E-3 ist mit ihren 10-Megapixeln leichter, kleiner und verfügt obendrein noch über eine eingebaute Bildstabilisierung. Man kann aber auch mit der EOS 40D von Canon bis zu 500 Euro sparen, falls man bereit ist, ein paar Megapixel, den 3D-Autofokus und HDMI zu opfern. Andererseits bietet Canons brandneue EOS 450D [5] ebenfalls 12 Megapixel und ein 76-Millimeter-Display mit Live-View sowie 14-Bit-Verarbeitung für etwa 850 Euro.

Nikon hat mit der D300 ein hohes Qualitätsniveau angepeilt und nicht eine bestimmte Preisklasse. Das zeigt sich in der grundsoliden, wetterbeständigen Verarbeitung, dem hohen Bedienungskomfort und den makellosen Ergebnissen. Sie mag teuer sein, ist aber auch jeden Cent wert.

Artikel von CNET.de: https://www.cnet.de

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[1] Sony: http://www.cnet.de/unternehmen/sony/

[2] Samsung: http://www.cnet.de/unternehmen/samsung/

[3] E-3: http://lifestyle.cnet.de/olympus-e-3-body-only-digitalkamera--a1ks.html

[4] EOS 40D: https://www.cnet.de/tests/digicam/0,39030924,39158535,00/blitzschnelle+dslr_kamera+canon+eos+40d+video.htm

[5] EOS 450D: http://lifestyle.cnet.de/canon-eos-450d-digital-rebel-xsi-body-only-digitalkamera--a2iD.html