DVB-T-Antenne für 5 Euro: So klappt der Eigenbau

von Pascal Poschenrieder am , 00:00 Uhr

Wer weder Kabel- noch Satellitenfernsehen nutzen kann, ist auf das digitale Antennenfernsehen DVB-T angewiesen. Leider sind viele Antennen teuer, und der Empfang bleibt trotzdem schlecht. Allerdings genügt ein altes Antennenkabel für den Eigenbau einer individuell abgestimmten Antenne.

Am 4. August 2004 hat in Deutschland die Abschaltung des analogen Antennenfernsehens begonnen. Wer heute noch über Antenne fernsehen möchte, benötigt einen DVB-T [1]-Receiver zum Empfangen des nun digitalen Signals. Im Gegensatz zum analogen Fernsehen gibt es bei DVB-T keinen schlechten Empfang – es gibt nur perfekten oder gar keinen. Gerade bei schlechtem und stürmischem Wetter kann es deshalb passieren, dass der Fernsehabend wegen fehlendem TV-Signal ausfällt.

Gute Antennen helfen, so etwas zu vermeiden. Allerdings kosten sie mindestens 30 Euro, und nach dem ersten Test kommt es oft zur Ernüchterung: Der Empfang verbessert sich häufig kaum. Der Grund liegt in den regional unterschiedlichen Sendefrequenzen. Kaufantennen sind in der Regel auf einen Mittelwert aller DVB-T-Sendefrequenzen abgestimmt.

Der folgende Artikel zeigt, wie aus einem simplen Antennenkabel eine leistungsfähige DVB-T-Dipol-Antenne [2] wird. Durch ihre angepasste Abstimmung sichert sie auch bei schlechtem Wetter den Fernsehabend.

DVB-T-Frequenzen

Für den Bau einer Dipol-Antenne benötigt man die niedrigste Sendefrequenz. Leider ist sie nicht deutschlandweit gleich. Regional senden die verschiedenen Fernsehsender auf verschiedenen Frequenzen. Das ermöglicht unterschiedliche, zur Region passende Programmteile. Die folgende Tabelle zeigt am Beispiel Bayern, wie unterschiedlich die Frequenzen und somit auch die idealen Antennenlängen sind.

Bundesland: Bayern
Region kleinster
Kanal
niedrigste
Frequenz
Länge
Innenleiter
Länge
Drahtgeflecht
Ausrichtung
Schwaben
Grünten 28 530 13,8 cm 13,5 cm horizontal
Augsburg/Welden 25 506 14,5 cm 14,2 cm horizontal
Oberbayern
München 10 212,5 34,8 cm 34,1 cm vertikal
Wendelstein 10 212,5 34,8 cm 34,1 cm vertikal
Hohenpeißenberg 28 530 13,8 cm 13,5 cm horizontal
Pfaffenhofen 25 506 14,5 cm 14,2 cm horizontal
Niederbayern
Pfarrkirchen 27 522 14,0 cm 13,7 cm horizontal
Brotjacklriegel 7 191,5 38,7 cm 37,9 cm vertikal
Landshut 27 522 14,0 cm 13,7 cm horizontal
Oberpfalz
Dillberg 6 184,5 40,2 cm 39,3 cm vertikal
Hoher Bogen 7 191,5 38,7 cm 37,9 cm vertikal
Hohe Linie 7 191,5 38,7 cm 37,9 cm vertikal
Mittelfranken
Nürnberg 6 184,5 40,2 cm 39,3 cm vertikal
Dillberg 6 184,5 40,2 cm 39,3 cm vertikal
Unterfranken
Würzburg 10 212,5 34,8 cm 34,1 cm horizontal
Rhön 25 506 14,5 cm 14,2 cm horizontal
Kreuzberg 36 594 12,3 cm 12,1 cm horizontal
Berchtesgadener Land
Untersberg 25 506 14,5 cm 14,2 cm horizontal

Eine Liste der Sendefrequenzen [3] für ganz Deutschland bietet die Website ueberallfernsehen.de [4] zum Download an. Für den Eigenbau müssen Sie dort lediglich die niedrigste Frequenz für Ihre Heimatregion heraussuchen.

Berechnung der idealen Antennelänge

Wie oben schon erwähnt, ist die niedrigste Sendefrequenz die Grundlage der Berechnung. Allerdings handelt es sich bei den angegeben Frequenzen nicht wirklich um die niedrigsten Sendefrequenzen. Jeder Kanal hat eine bestimmte Bandbreite [5], die mit berücksichtigt werden muss.


Die angegebenen Frequenzen für die verschiedenen Kanäle beschreiben die Mitte der Bandbreite. Möchte man die unterste Frequenz eines Kanals berechnen, muss man folglich die halbe Bandbreite abziehen.

Bei den angegebenen Frequenzen handelt es sich jeweils um die mittlere Frequenz für einen Kanal. Die wirklich niedrigste Frequenz erhält man durch Abziehen der halben Bandbreite von der angegebenen Frequenz.

Im VHF-Band III [6], das Kanal 5 bis 12 abdeckt, beträgt die Kanalbandbreite 7 MHz. Im UHF-Band IV und V [7] der Kanäle 21 bis 69 ist sie 8 MHz groß. Liegt der unterste Kanal in Ihrem Empfangsgebiet also im VHF-Band, müssen Sie 3,5 MHz von der niedrigsten angegebenen Frequenz abziehen. Befindet er sich im UHF Band, sind es 4 MHz.

Nun geht es an die Berechnung der Wellenlänge [8]. Sie ergibt sich durch Teilen der Lichtgeschwindigkeit [9] durch die oben errechnete Frequenz. Dabei ist darauf zu achten, dass es sich bei der Frequenz um Megahertz handelt. Sie muss also für die Berechnung mit einer Millionen multipliziert werden. Das Ergebnis ist die Länge der längsten ausgesendeten Welle. Beide Pole der Dipol-Antenne muss nun genau so lang sein, dass die Welle vom ihrem einen Ende bis zum anderen reicht.

Da sich so bis zu 1,6 Meter lange Antennen ergeben, teilt man die Wellenlänge nun durch vier. Auch andere Teile der Länge sind möglich. Die Welle reicht so immer noch von einem Ende der Welle bis zum anderen, nur dass sie davor mehrmals in der Antenne hin und her wandert.

Nun muss man noch die Dicke der Antenne berücksichtigen. Für den Innenleiter wird die errechnete Antennenlänge deshalb mit dem Verkürzungsfaktor [10] 0,97 multipliziert. Die ideale Länge des Drahtgeflechts erhält man durch Multiplizieren der Wellenlänge mit dem Verkürzungsfaktor 0,95.

Die gesamte Formel lautet wie folgt:

Beispielrechnung für den Innenleiter:

Beispielrechnung für das Metallgeflecht:

Wer nicht selbst rechnen will, kann das Excel-Sheet [11] von unserem Leser Rainer Persé herunterladen.

Bau der eigenen Antenne

Nach dem Berechnen der Länge geht es nun an den Bau. Ein altes Antennenkabel bildet die Grundlage für den Eigenbau. Das eine Ende bildet später die Antenne, das andere steckt im Empfänger.

Der erste Schritt ist folglich das Abschneiden des unnötigen Steckers. In diesem Fall ist das die Kupplung [12], also der „weibliche“ Stecker mit dem Loch.

Als nächstes geht es an das Entfernen der äußeren Kabelisolation. Um nicht zu wenig Isolation zu entfernen, kommen zur oben errechneten Innenleiterlänge zehn Zentimeter hinzu. Wer diese Länge vom offenen Kabelende aus abmisst, erhält den richtigen Punkt für das Abisolieren. Markieren Sie diesen Punkt mit einem Stift und biegen Sie das Kabel an der markierten Stelle. Schneiden Sie es nun an der durch die Biegung gespannten Stelle leicht mit einem scharfen Messer ein. Achten Sie darauf, dass Sie dabei das Metallgeflecht unter der Isolation nicht beschädigen. Das machen Sie so lange, bis der Schitt einmal um die Isolation herumreicht. Jetzt lässt sich die Isolationsschicht einfach abziehen.


Nach dem Entfernen der äußeren Isolation kommt das Metallgeflecht zum Vorschein.

Nun liegt das Drahtgeflecht frei. Sie können es ganz nach hinten über den nicht abisolierten Teil des Antennekabels schieben. Falls sich unter dem Drahtgeflecht noch eine Metallfolie befindet, muss diese entfernen werden.


Das Metallgeflecht sollte möglichst straff über den noch isolierten Teil des Kabels geschoben werden.


Die Isolation des Innenleiters behindert den Empfang.

Jetzt liegt der Innenleiter mitsamt Plasikhülle frei. Lösen Sie diese nun vorsichtig. Schneiden Sie die Plastikisolation dazu wieder vorsichtig mit dem Messer ein. Falls sie sich nicht auf einmal abziehen lässt, entfernen Sie sie Stück für Stück.


Entfernt man die Isolation des Innenleiters, wird der blanke Kupferdraht sichtbar.

Nun müssen Sie nur noch die Längen von Innenleiter und Metallgeflecht anpassen. Kürzen Sie dazu beide auf die jeweils errechneten Längen. Danach wird das Metallgeflecht noch mit einem Stück Klebestreifen unter Spannung fixiert, und fertig ist die Eigenbauantenne.


Ist die Antenne fertig, hängt man sie je nach Polarisationsrichtung [13] des Signals horizontal oder vertikal auf.

Beim Aufhängen gilt die Regel: je höher, desto besser. Außerdem müssen Sie die Ausrichtung des DVB-T-Signals Ihrer Region beachten. Bei einem horizontal polarisierten Signal muss man die Antenne für optimalen Empfäng parallel, bei vertikaler im rechten Winkel zum Horizont ausrichten.

Fazit

Die Selbstbau-Antenne ist schnell und einfach zu fertigen. Die benötigten Materialien finden sich in jedem Haushalt. Ihre Empfangsqualität ist durch die regionale Anpassung sehr gut. In unseren Tests konnten sowohl eine gekaufte passive als auch eine teure aktive Antenne nicht mithalten. Falls Ihnen beim nächsten Champions-League-Spiel wieder ein Sturm den Abend zu versauen droht, retten Sie ihn doch einfach selbst.

Update

Unser Leser Rainer Persé hat ein Excel-Sheet [11] zur Berechnung der Antennenlängen gebastelt. Nachdem sich die Anfragen nach der Rechenhilfe gehäuft haben, war er so freundlich, es uns zur Verfügung zu stellen. Vielen Dank!

Update

Nachdem einige unserer Leser selbst mit der Eigenbau-Antenne keinen guten Empfang haben, findet sich im Praxis-Bereich von CNET.de unter Wochenend-Projekt nun eine zweite Bastelanleitung. In diesem Fall wird der Bau einer Doppelquad-Antenne für den DVB-T-Empfang [14] beschrieben. Diese erreicht eine noch höhere Leistung. Im Vergleich zur hier beschreibenen Antenne ist der Empfang in unseren Tests um rund 30 bis 40 Prozent besser und somit in nahezu jeder Situation bei 90 bis 100 Prozent.

Update

Einige unserer Leser empfangen sogar mit der Doppelquad-Antenne noch nicht alle Sender. Besonders in Empfangsbereichen mit weit gefächerten Sendefrequenzen kommt es zu Problemen. Deshalb haben wir nun eine Multi-Doppelquad-Antenne [15] gebaut. Sie besitzt für jede Sendefrequenz ein eigenes Doppelquad. In unserem Test liegt die Signalstärke jedes Kanals so sogar noch im Keller bei 100 Prozent.

Update

Wir haben eine weitere DVB-T-Antenne [16] angefertigt, die dank eines Reflektors noch besseren Empfang bietet.

Update

Wer auch mit unseren Eigenbau-Antennen noch Empfangsprobleme hat, sollte sich unseren DVB-T-Antennenverstärker [17] zum selberbauen ansehen. Er verstärkt das Signal und sorgt so für störungsfreies Fernsehen.

Artikel von CNET.de: https://www.cnet.de

URL zum Artikel: https://www.cnet.de/39189229/dvb-t-antenne-fuer-5-euro-so-klappt-der-eigenbau/

URLs in this post:

[1] DVB-T: http://de.wikipedia.org/wiki/DVB-T

[2] Dipol-Antenne: http://de.wikipedia.org/wiki/Dipolantenne

[3] Liste der Sendefrequenzen: http://www.ueberallfernsehen.de/dvbtdownloads127.pdf

[4] ueberallfernsehen.de: http://www.ueberallfernsehen.de

[5] Bandbreite: http://de.wikipedia.org/wiki/Bandbreite

[6] VHF-Band III: http://de.wikipedia.org/wiki/VHF-Band_III

[7] UHF-Band IV und V: http://de.wikipedia.org/wiki/Dezimeterwelle

[8] Wellenlänge: http://de.wikipedia.org/wiki/Wellenlänge

[9] Lichtgeschwindigkeit: http://de.wikipedia.org/wiki/Lichtgeschwindigkeit

[10] Verkürzungsfaktor: http://de.wikipedia.org/wiki/Verkürzungsfaktor

[11] Excel-Sheet: https://www.cnet.de/i/c/praxis/insider/dvb-t-antenne/dvb-t_antenne.xls

[12] Kupplung: http://de.wikipedia.org/wiki/Steckverbinder#Grundbauformen

[13] Polarisationsrichtung: http://de.wikipedia.org/wiki/Polarisation

[14] Doppelquad-Antenne für den DVB-T-Empfang: https://www.cnet.de/praxis/wochenend/41001557/die+beste+eigenbau_dvb_t_antenne+doppelquad+fuer+5+euro+basteln.htm

[15] Multi-Doppelquad-Antenne: https://www.cnet.de/praxis/wochenend/41002569/die+beste+dvb_t_antenne+der+welt+multi_doppelquad+im+eigenbau.htm

[16] DVB-T-Antenne: https://www.cnet.de/praxis/wochenend/41503233/dvb_t_antennen+im+eigenbau+bester+empfang+dank+reflektor.htm

[17] DVB-T-Antennenverstärker: https://www.cnet.de/praxis/wochenend/41524218/dvb_t_antennenverstaerker+im+eigenbau+fuer+perfekten+tv_empfang.htm