Handy mit Videobrille: General Mobile G777

von Yvonne Göpfert am , 00:00 Uhr

Pro
  • Videobrille
  • ordentliche Software-Ausstattung
  • viele Multimedia-Programme
Con
  • kurze Akkulaufzeiten
  • teilweise nervige Menü-Animationen
  • schlechte Auflösung der Videobrille
Hersteller: General Mobile Listenpreis:
ZDNet TESTURTEIL: SEHR GUT 8,0 von 10 Punkte
Fazit:

Das G777 ist ein wahrer Unterhaltungskünstler. Ganz egal, ob man lieber Videos guckt, Musik hört oder Fotos schießt und bearbeitet. Darüber hinaus schlägt es sich auch als Handy gut. Schade, dass der Akku so schnell schlapp macht.

Endlich ist es da, das Handy für den Kinofan: General Mobile bringt mit dem G777 ein Mobiltelefon auf den Markt, dem eine Videobrille beiliegt. Sie spielt Filme in fast in Fernsehbildschirmgröße ab. Ob das Spielfilm-Handy sowohl zur Unterhaltung als auch als klassisches Mobiltelefon zu gebrauchen ist, zeigt der Test.

Unbekannte Mobiltelefonanbieter müssen sich etwas einfallen lassen, um auf dem deutschen Handymarkt zu bestehen. General Mobile, seit Anfang 2008 in Deutschland aktiv, ist die Überraschung gelungen. Der Neuling unter den Mobiltelefonanbietern hat ein Multimediahandy mit dem gewissen Extra entwickelt – als Highlight steckt eine Videobrille in der Verpackung, die das Reisen mit spannenden Spielfilmen versüßt.

Design

Man kann das G777 einfach so auf den Tisch legen, und jeder wird denken: ach, ein Handy. Schwarzer Klavierlack und ein silbernes Band um den Rand lassen das G777 edel, aber nicht außergewöhnlich aussehen. Wer also auffallen will, kramt auch noch ein Lederbeutelchen hervor, in dem die Videobrille steckt, die zum Lieferumfang gehört. Die Brille sieht ganz cool aus, mit 50 Gramm Eigengewicht sitzt sie auch nicht allzu schwer auf der Nase. Nach einiger Zeit vergnüglichen Videoschauens macht sie sich dennoch unangenehm bemerkbar: Der Abstand zwischen dem Auge und den Gläsern ist groß, es fällt viel Licht ein, und das Videoschauen strengt die Augen ganz schön an.

Apropos lange gucken: Das Abspielen von Filmen schlaucht den Akku. Praktischerweise enthält jedes Paket auch einen Ersatzakku plus Ladeschale. Weiterschauen ist also auch im spannendsten Moment garantiert. Mit einem Filmwechsel sieht es dagegen schon schwieriger aus: Einfach mal die Speicherkarte rausziehen und eine neue einlegen ist offensichtlich nicht vorgesehen. Der Steckplatz für Micro-SD-Karten liegt nämlich gut versteckt unter dem Akku. Umso schlimmer, weil der Speicher mit maximal 2 Gigabyte leider ziemlich knapp bemessen ist – vor allem für Video-Anwendungen.

Die Videobrille bläst die Bilder auf, so dass zwar nicht der versprochene Eindruck von Fernsehen auf einem 50-Zoll-TV-Schirm entsteht, aber eine Bilddarstellung in der Größe eines DIN-A4-Blocks ist ja immer noch besser als alles, was man auf einem 2,4 Zoll großen Handydisplay sehen würde. Die Auflösung der Videobrille mutet eher bescheiden an – man muss sich mit 320 mal 240 Pixeln begnügen – die Bildqualität ist entsprechend flau, der Kontrast könnte stärker sein. Da hätten wir für fast einen halben Tausender, den man für das Handy auf den Tisch blättern muss, mehr erwartet.

General Mobile G777 - Handy mit Videobrille
Die Videobrille gehört zum Lieferumfang des G777. Die Auflösung ist zwar etwas schwach, doch das Filmvergnügen toppt jedes Handy-Display.

Brillenträger müssen leiden: Die Sehhilfe passt zwar unter die Videobrille, Komfort ist aber was anderes. Schade, dass die Brille keine Dioptrienanpassung [1] ermöglicht, wie es beispielsweise die Videobrille von Carl Zeiss erlaubt. Theoretisch könnte man allerdings auch diese oder jede andere Videobrille, die besser passt, an das G777 anschließen, denn die Verbindung zum Handy erfolgt über einen 3,5-Millimeter-Klinkenstecker.

Nächstes Multimedia-Highlight: General Mobile hat eine 3-Megapixel-Kamera spendiert, die über einen Schieberegler an der Linse von Makro auf Normalmodus umstellt. Schade, dass eine so gute Kamera keinen Schutzdeckel bekommen hat, der Kratzer auf dem Objektiv verhindert.

Noch zwei Worte zu Haptik und Menü-Design: Das Handy liegt prima in der Hand, die Tasten reagieren gut, nur ihre Anordnung irritiert: Die „Null“ befindet sich nämlich nicht unten, sondern rechts in der Mitte. Die Menüstruktur ist übersichtlich und bunt, leider nervt sie mit kitschigen Animationen.

Ausstattung

Ganz klar: Das G777 punktet mit seiner Multimediaausstattung. Die Kamera löst einigermaßen flott aus, aber noch einmal so viel Zeit braucht sie leider, bis ein Foto abgespeichert ist. Damit gehen insgesamt etwa vier Sekunden ins Land, bis die Kamera fit für den nächsten Schnappschuss ist. Das Ergebnis der 3-Megapixel-Bilder geht in Ordnung, allerdings wirken Fotos leicht gelbstichig. Anschließend gibt es die Möglichkeit, auch gleich noch eine Diashow zu bauen: Überblendtechniken, ein Toneditor und ein Programm namens Photo Artist machen es möglich. Allerdings ist die Software noch nicht ganz ausgereift.

Die Kamera hat übrigens noch zwei Nebenberufe: Zum einen lässt sie sich per USB-Kabel an den Rechner anschließen und als Webcam nutzen, zum andern funktioniert die Kamera als Bewegungssensor bei entsprechend programmierten Spielen. Vorinstalliert ist unter anderem ein Würfelspiel: So lange man schüttelt, klappern fünf Würfel, hält man das Handy still, sind die Würfel gefallen. Gut umgesetzt, denn die Games mit Bewegungssensor verleiten dazu, stundenlang zu spielen.

Der MP3-Player gibt jeden Sound mit Power wieder. Dabei lässt sich übrigens die Geschwindigkeit einstellen, mit der ein Lied abgespielt werden soll: Von „langsam“ bis „maximale Geschwindigkeit“ gibt es fünf Stufen – wer gerne läuft und sich hochpuschen will, hat mit dem G777 den idealen Antreiber gefunden. Weiteres hübsches Gimmick: Durch einen eingebauten Bewegungssensor kann man von Titel zu Titel springen, indem das Mobiltelefon geschüttelt wird. Aber das kennt man ja schon vom Sony [2] Ericsson W910i.

Als weitere Besonderheit spielt das Mobiltelefon bei Telefonaten vordefinierte Hintergrundgeräusche, um dem Teilnehmer an dem anderen Ende vorzugaukeln, auf dem Bahnhof, auf einem Flughafen oder an einem anderen Ort zu sein. Witzige Idee, aber Vorsicht mit der Lautstärke! Wer anderen einen falschen Hintergrund vorspielen will, sollte auf jeden Fall testen, ob die die Sache stimmig ist und ob man vom Telefonat selbst noch etwas versteht..

Schließlich hilft das Handy natürlich auch, das Leben organisieren. Kalender, Alarm, Aufgabenliste und Weltuhr sind an Bord. Ja, sogar an die Gesundheit hat General Mobile gedacht und Software zur Berechnung des Body-Mass-Index (BMI) und zur Berechnung der Monatsblutung hinterlegt. Und schließlich gibt es noch die Kommunikationszentrale, in der E-Mails, MMS und SMS einlaufen und Chats gestartet werden können. Alles hübsch beisammen.

Zu guter Letzt sollte man aber nicht vergessen, dass das G777 ein Mobiltelefon ist: Die Sprachqualität geht in Ordnung. Die Stimmen klingen nur ein wenig dumpfer als gewohnt.

Fazit

Für Spielkinder stellt das G777 von General Mobile genau das richtige Handy dar: Viele Multimediafunktionen vertreiben unterwegs die Langeweile, mit der Kinobrille vergehen auch längere Zugfahrten wie im Flug. Schade, dass die Brille ein wenig drückt und der Akku ein bisschen schwach auf der Brust ist.

Artikel von CNET.de: https://www.cnet.de

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[1] Dioptrienanpassung: http://de.wikipedia.org/wiki/Dioptrie

[2] Sony: http://www.cnet.de/unternehmen/sony/