Fernsehen in HD: ja, aber keine Fußball-EM

Die DVD hat in Zeiten von HDTV ebenfalls einen Nachfolger gefunden: Blu-ray. Bis vor kurzem war die Frage nach der DVD-Nachfolge noch ungewiss, denn sowohl die Blu-ray-Technologie von Sony als auch HD-DVD (maßgeblich unterstützt durch Microsoft und Toshiba) kämpften um die Gunst des risikofreudigen Kunden. Denn wer auf das falsche Pferd gesetzt hat, schaut jetzt blöd aus der Wäsche: Die Produktion von HD-DVD-Titeln und Wiedergabegeräten wurde schlagartig zurückgefahren, das Format ist gestorben.


Mit der Playstation 3 hat Sony den HD-Formatkrieg für sich entschieden: Die Spielekonsole ist standardmäßig mit einem Blu-ray-Laufwerk ausgestattet. So fand das Disc-Format schnell Verbreitung.

HDMI und Kopierschutz

Mit der Digitalisierung des Fernsehens und dem gestiegenen Bandbreitenbedarf bei der Signalübertragung hat die Industrie mit HDMI (High Definition Multimedia Interface) eine neue Schnittstelle ins Leben gerufen. Sie überträgt Audio- und Videodaten verlustlos und über ein einziges Kabel. Die Schnittstelle wurde Mitte 2003 entwickelt und ist an immer mehr Unterhaltungselektronikgeräten zu finden – unter anderem auch an Flachbildfernsehern, Receivern, Blu-ray-Playern und Computer-Grafikkarten. HDMI verdrängt langsam aber sicher die analogen Schnittstellen. Dahinter steht ein bestimmtes Motiv: Analoge Signale sind problemlos abzugreifen und aufzuzeichnen. Bei der volldigitalen Übertragung von Filmmaterial ist es den Herstellern möglich, raffinierte Kopierschutzmaßnahmen einzubauen. So kam es vor, dass ProSiebenSat.1 zeitweise das Programm des ehemaligen HD-Senders kopiergeschützt ausstrahlte, was die Aufzeichnung mit Festplattenrekordern unmöglich machte.

Probleme kann es aber nicht nur bei der Aufzeichnung geschützter Signale geben, sondern sogar beim Abspielen. Dafür sorgt ein Verschlüsselungssystem namens HDCP (High-bandwidth Digital Content Protection). Ursprünglich als Vorkehrung gedacht, um das Abgreifen von HD-Signalen und damit deren Vervielfältigung zu unterbinden, verhindert das System selbst die Wiedergabe, wenn nicht alle Geräte in der Wiedergabe-Kette (zum Beispiel Player und Fernseher) HDCP unterstützen. Es ist also unbedingt beim Kauf von Unterhaltungselektronik darauf zu achten, dass HDCP kein Problem für das Gerät darstellt.


Der Stecker eines HDMI-Kabels ist etwa so groß wie bei USB. Kein Vergleich zu der klobigen SCART-Norm.

Hochauflösende Europameisterschaft?

Um eines vorwegzunehmen: Fußballfreunde haben Grund zum Heulen – zumindest in Deutschland. Während die Gastgeberländer Österreich und Schweiz die Fußballspiele und die Berichterstattung hochauflösend ausstrahlen, klammern sich ARD und ZDF noch an die gute alte PAL-Fernsehnorm. Den HDTV-Sendebetrieb wollen sie angeblich erst anlässlich der olympischen Winterspiele im Jahr 2010 starten. Der Bezahlsender Premiere scheidet ebenfalls aus – mangels der nötigen Übertragungsrechte. Die einzige Möglichkeit, die EM hochauflösend und in deutscher Sprache mitzuverfolgen stellen der österreichische Sender ORF 1 HD sowie der Schweizer Sender HD Suisse dar.

Doch auch hier bekommt der Bundesbürger Steine in den Weg gelegt: Beide Sender sind verschlüsselt, und die zur Entschlüsselung benötigten Smartcards bekommen nur österreichische beziehungsweise Schweizer Staatsbürger, die im Land Rundfunkgebühren bezahlen. Da das Knacken der Verschlüsselung illegal ist, können deutsche Fußballfans nur in die Röhre gucken. Bei eBay sind inzwischen sogar Angebote von Österreichern aufgetaucht, die bereit sind, ihre freigeschaltete Smartcard während der WM zu „vermieten“.

Die Zukunft von HDTV

Die Faszination für hochauflösendes Fernsehen hat gerade erst begonnen: Geeignete Geräte beziehungsweise Fernsehsender sind noch recht dünn gesät. Vor allem die deutschen Sendeanstalten müssen noch ihre Hausaufgaben machen. ARD und ZDF produzieren ihre Sendungen zwar schon seit einigen Jahren hochauflösend, eine Vertröstung auf 2010 als offiziellen HDTV-Sendestart ist allerdings ein schlechter Witz. Das können öffentlich-rechtliche Sender anderer Länder besser.

Es ist kaum verwunderlich, dass die Industrie bereits an potenziellen Nachfolge-Technologien arbeitet, die selbst HDTV in den Schatten stellen sollen. Als Beispiel ist UHDV (Ultra High Definition Video) vom japanischen Unternehmen NHK zu nennen. Mit rund 33 Megapixeln erreicht UHDV die sechzehnfache (!) Auflösung von Full-HD. Eine Bildwiederholrate von 60 Hz sorgt für eine ungeahnt flüssige Wiedergabe von Bewegungen. Die daraus resultierende hohe Bildqualität hat auch ihren Preis: Das Videomaterial verschlingt dermaßen viel Speicherplatz, dass es derzeit nicht möglich ist, ein spielfilmlanges Video auf einen handlichen Datenträger zu bannen. Denn selbst ein viertelstündiger Clip benötigt mehrere Terabyte (also mehrere tausend Gigabyte) an Speicherplatz. Zum Vergleich: Aktuelle Computer-Festplatten haben gerade erst die magische Terabyte-Hürde erreicht. Blu-ray-Discs hingegen fassen gerade einmal 50 Gigabyte. Bis UHDV marktreif ist, werden wohl noch einige Jahre ins Land gehen.


Eine UHDV-Testinstallation auf der Expo 2005 in Japan: Die Präsentationen sind angeblich so lebensecht, dass bei schnellen Szenen ähnlich wie bei IMAX-Filmen Schwindelgefühle auftreten können.

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