Windows-Handy mit Tastatur und GPS: Sony Ericsson Xperia X1

von Yvonne Göpfert am , 18:05 Uhr

Pro
  • Panels für schnellen Direktzugriff
  • großes Display
  • ausziehbare QWERTZ-Tastatur aus Metall
  • 3,2-Megapixel-Kamera
Con
  • mit 160 Gramm recht schwer
  • bei Sonne spiegelndes Display
  • kurze Akkulaufzeit bei aktivem GPS
  • Booten dauert extrem lang
Hersteller: Sony Ericsson Listenpreis: 699 Euro
ZDNet TESTURTEIL: SEHR GUT 8,3 von 10 Punkte
Fazit:

Das Sony Ericsson Xperia X1 ist ein sehr gutes Business-Smartphone mit einem Funktionsumfang, der sich kaum übertreffen lässt. Allerdings schadet die etwas träge Nutzeroberfläche dem Gesamteindruck.

Sony Ericsson hat bereits auf dem Mobile World Congress in Barcelona mit seinem vollausgestatteten Windows-Smartphone Xperia X1 für Furore gesorgt. Highlights sind das hochauflösende Touchscreen-Display, die seitlich herausziehbare Tastatur, GPS, HSDPA sowie eine Digicam samt Foto-LED. Ob das Gerät die hohen Erwartungen erfüllen kann, verrät der erste Test.

Das Xperia X1, das bereits im Februar 2008 auf dem Mobile World Congress [1]in Barcelona vorgestellt wurde, gibt es nun endlich zu kaufen. Es gilt in puncto Design und Ausstattung als das aktuelle Vorzeigemodell von Sony [2] Ericsson. Und man kann vorwegnehmen, dass sich das Windows-Mobile-Smartphone [3] wacker gegen die Konkurrenz von Nokia, Samsung [4] oder HTC [5] schlägt. Das ist umso erstaunlicher, als das japanisch-schwedische Gemeinschaftsunternehmen bislang vor allem für seine Cyber-shot- und Walkman-Modelle bekannt ist, die sich im Consumer-Bereich etabliert haben.

Design

Kühl und schwer liegt das Xperia X1 aus gebürstetem Metall in der Hand: Es bringt 160 Gramm auf die Waage – da spürt man die solide Verarbeitung deutlich. Im Vergleich zu Samsungs Omnia [6] ist das Smartphone nicht nur recht schwer, sondern zudem fast doppelt so dick: Es misst 11,1 mal 5,3 mal 1,8 Zentimeter. Das große Volumen des Geräts rechtfertigt allerdings die bogenförmig herausschiebbare QWERTZ-Tastatur. Sie ist aus Metall, die Tasten sind groß sowie klar voneinander getrennt und bei Dunkelheit gut beleuchtet. Eine E-Mail tippt man damit sekundenschnell. Einarmig lässt sich das X1 bei aufgeklappter Tastatur allerdings nicht nutzen.

Beim Herausschieben des Keyboards dreht sich der Bildschirminhalt ins Querformat – das funktioniert gut und schnell. Durch Drehen des Handys verändert das Display seine Ansicht aber nicht. Dafür fehlt dem Gerät der nötige Beschleunigungssensor.

Einen Pluspunkt verbucht das X1 für sein 3,9 mal 6,5 Zentimeter großes Display, das bei 65.536 Farben eine Auflösung von 800 mal 480 Pixeln bietet. Wenn der 3-Zoll-Bildschirm des X1 auch etwas kleiner ist als der des Samsung Omnia [6] mit 3,2 Zoll Bilddiagonale, so übertrumpft das X1 die Konkurrenz dennoch hinsichtlich der Auflösung. Samsung bietet 400 mal 240 Pixel, das HTC Touch Diamond [7] liegt mit 640 mal 480 Pixeln Auflösung ebenfalls unter der des X1.

Fotos stellt der Bildschirm sehr scharf dar, bei praller Sonne leidet die Ansicht jedoch wie bei vielen Mobiltelefonen: Auf dem stark spiegelnden Display kann der Nutzer kaum etwas lesen. Die Reaktionsfähigkeit des Touchscreen ist dagegen gut. Im Vergleich zum Omnia hat Sony Ericsson den feinfühligeren Touchscreen. Er reagiert sehr viel zuverlässiger, insbesondere an den Rändern. Zudem kann der Nutzer recht flott durch lange Adresslisten scrollen. Da kommt beinahe schon iPhone-Feeling auf.

Panels

Eine Verbesserung der Benutzerführung stellen Sony Ericssons Panels dar. Es handelt sich individualisierte Oberflächen, die der Nutzer quasi über Windows Mobile legen kann. Unter dem Display findet sich eigens ein mechanischer Knopf, der ins Panel-Menü führt. Sieben Panels sind vorinstalliert. Sie lassen sich als Startbildschirm festlegen und bieten damit Direktzugriff auf verschiedene Funktionen. So kommt der Nutzer beispielsweise direkt auf den Kalender, zu Multimedia-Dateien, zu Google [8]-Funktionen wie Suche oder Mail und auf einen Bildschirm, der WLAN, Bluetooth sowie verpasste Anrufe anzeigt. Wer kein ansprechendes Panel findet, kann sich weitere aus dem Internet herunterladen [9].

Zwei vom Benutzer selbst zu belegende Schnellzugriffstasten unter dem Display und ein kleines Touchpad helfen beim Bedienen des Smartphones. So muss der Nutzer nur mit einem Finger über das Touchpad streichen, um den Mauszeiger auf dem Bildschirm zu bewegen. Insgesamt kann der Anwender das Smartphone auf vier Arten bedienen: per Touchscreen, Tastatur, Vier-Wege-Navigationstaste oder Touchpad – sehr praktisch. Die als Betriebssystem verwendete Version von Windows Mobile ist 6.1.

Der Lieferumfang ist üppig: Neben Akku, Ladekabel, Datenkabel und PC-Software hat der Hersteller noch In-Ear-Kopfhörer inklusive Kabelfernbedienung beigepackt. Der Kopfhörer liefert einen sehr guten Klang.

Performance

Eines vorneweg: Bis das X1 hochgefahren ist, vergeht viel Zeit. Erst nach 55 Sekunden kann der Nutzer seine PIN eingeben. Insgesamt ist das Smartphone erst nach einer Minute startklar. So langsam startet keines der Konkurrenz-Telefone.

Dennoch eignet sich das X1 als Smartphone für Geschäftsleute, schließlich bietet es eine überzeugende Auswahl von PIM- und Messaging-Anwendungen. Kontakte mit Foto und 36 Feldern pro Person erlauben es, detaillierte Daten im Telefonbuch zu speichern. Zudem lässt sich der Kontakt per SMS oder E-Mail verschicken, als vCard oder Voice Mail senden und in Google Maps anzeigen. Insbesondere die Verknüpfung mit Google Maps ist gelungen und erweist sich im Berufsalltag als äußerst nützlich – sei es zum Finden von Kundenadressen oder bei der Orientierung.

Viele Funktionen fürs Business

Der Abgleich mit Outlook geht ohne Probleme vonstatten. 50 Datensätze in Form von Kontakten, Terminen und Aufgaben brauchen aber knapp eine halbe Minute, bis sie synchronisiert sind. Das könnte einen Tick schneller gehen.

Zum Surfen steht neben dem Internet Explorer, der standardmäßig mit Windows Mobile ausgeliefert wird, auch Opera Mobile als Browser zur Verfügung. Damit lässt es sich recht komfortabel durchs Web surfen. Opera unterstützt sogar Plug-ins, Cookies und Javascript. Größere Webseiten laden per WLAN binnen gut 20 Sekunden. Mit HSDPA dauert es etwa 35 Sekunden.

GPS-Empfänger gehören in dieser Geräteklasse schon fast zum Standard. Der GPS-Chip im X1 braucht im Schnitt etwa eine Minute, bis er genügend Satelliten geortet hat, um die eigene Position zu bestimmen. Zum Navigieren von A nach B setzt Sony Ericsson neben Google Maps auf die Software Wayfinder. Eine Testversion ist im Lieferumfang auf CD-ROM enthalten, der Anwender muss das Programm jedoch erst noch auf dem Mobiltelefon installieren. Aber Achtung: Nach einem Monat wird die Nutzung kostenpflichtig. Die Online-Version für 12 Monate ist ab 59 Euro zu haben.

Multimedia und Entertainment

Das Xperia X1 eignet sich dank Windows Mobile und QWERTZ-Tastatur gut als mobiles Büro. Auch die Multimediafunktionen überzeugen im Großen und Ganzen. Drückt der Nutzer auf den Auslöser am rechten Rand des Mobiltelefons, aktivert sich binnen vier Sekunden die 3,2-Megapixel-Kamera samt Autofokus. Einige Konkurrenten erledigen das schneller. Weiteres Manko: Eine schützende Klappe vor der Linse hat Sony Ericsson anders als bei seinen Cyber-shot-Handys nicht verbaut.

Immerhin ist die Bedienung gelungen: Auf dem Touchscreen wählt der Anwender Motivprogramme wie Portrait, Landschaft oder Sport aus und stellt den Weißabgleich ein. Außerdem kann er hier auch in den Videomodus wechseln. Die Fotos sind scharf bis in die Ecken, die Farben leuchten kräftig. Für Schnappschüsse taugt die Kamera dennoch nur bedingt. Bei schummrigem Licht dauert es schon mal lange drei Sekunden, bis der Autofokus scharf stellt und auslöst. Weitere ein bis zwei Sekunden benötigt die Kamera, bis sie wieder für die nächste Aufnahme bereit ist.

Radio und MP3-Player sind einfach zu bedienen, und die Klangqualität geht in Ordnung. Die Lautstärke ist prima, vor allem über die mitgelieferten Stereo-Kopfhörer. Das Überspielen von Musikdateien klappt recht fix: 97 MByte brauchen etwas über eine Minute, bis sie auf dem Mobiltelefon sind.

Wie schon Nokia, HTC und Samsung bietet auch Sony Ericsson mit dem X1 Quad-Band-Technik, so dass Geschäftsreisende fast überall auf der Welt telefonieren können. Weiter unterstützt das Mobiltelefon WLAN, Bluetooth und HSDPA mit einer Datenübertragungsrate von bis zu 7,2 MBit/s. Von Haus aus bringt das X1 bereits 400 MByte Speicherkapazität mit, der Nutzer kann jedoch nur über etwa 200 MByte frei verfügen. Das ist zu wenig, stellt aber kein Problem dar, da der Speicher mit Micro-SD-Karten erweitert werden kann. Das ist eine Besonderheit, denn Sony-Ericsson-Geräte nehmen üblicherweise nur Memory-Stick-Karten auf.

Leistung

Sowohl über Festnetz als auch über Handy klingt der Gesprächpartner eher dumpf, insgesamt aber klar verständlich. Die eingebauten Lautsprecher bieten bei höchster Lautstärke so viel Power, dass der Anwender sein Gespräch auch bei hohem Umgebungsgeräusch noch problemlos führen kann.

Abstriche muss der Nutzer gegenüber den offiziell von Sony Ericsson angegebenen Akkulaufzeiten machen: Während der Hersteller für Telefonate eine Dauer von bis zu 10 Stunden im GSM-Netz verspricht, kommt der Anwender im Alltag nur auf etwa 5 Stunden, bevor der Akku wieder geladen werden muss. Surfen per WLAN ist etwa 3,5 Stunden lang möglich. Wenn neben dem Handynetz auch GPS aktiv ist, muss der Akku nach 2 Stunden 15 Minuten wieder an die Steckdose. Im Großen und Ganzen reicht der Akku, aber die Herstellerangaben versprechen zu viel.

Dank Windows Mobile und einer soliden Verarbeitung eignet sich das X1 sehr gut als Business-Smartphone. Allerdings liegt im Betriebssystem auch die Krux – es reagiert langsam. Da helfen die von Sony Ericsson neu eingeführten Panels. Mit ihnen bekommt der Nutzer Direktzugriff auf Kontakte und Kalender, Multimedia-Dateien und verschiedene Programme. Das Display sowie die Tasten des QWERTZ-Keyboards sind schön groß und damit gut zu bedienen.

Artikel von CNET.de: https://www.cnet.de

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[1] Mobile World Congress : http://www.cnet.de/themen/mwc/

[2] Sony: http://www.cnet.de/unternehmen/sony/

[3] Smartphone: http://www.cnet.de/themen/smartphone/

[4] Samsung: http://www.cnet.de/unternehmen/samsung/

[5] HTC: http://www.cnet.de/unternehmen/htc/

[6] Samsungs Omnia: https://www.cnet.de/tests/handy/39194776/lahmer+alleskoenner+samsung+omnia+sgh_i900.htm

[7] HTC Touch Diamond: https://www.cnet.de/tests/handy/39190609/schon+getestet+xda+htc+touch+diamond+designhandy+mit+gps.htm

[8] Google: http://www.cnet.de/unternehmen/google-inc/

[9] Internet herunterladen: http://www.sonyericsson.com/cws/support/phones/detailed/todownloadmorepanels/x1?cc=de&lc=de