HTC Shift: überforderter UMPC mit Vista und Windows Mobile

von Michelle Thatcher am , 00:00 Uhr

Pro
  • umschaltbare Auflösung
  • Sliding-Mechanismus
  • integriertes HSDPA
Con
  • hoher Preis
  • kurze Batterielauflaufzeit unter Vista
  • lauter Lüfter
  • kleine Tasten
  • Origami-Software
Hersteller: HTC Listenpreis: 1100 Euro
ZDNet TESTURTEIL: BEFRIEDIGEND 5,5 von 10 Punkte
Fazit:

Der Shift hat zu wenig Leistung, kostet zu viel Geld und ist zudem zäh zu bedienen.

Den windowsbasierten UMPCs war bislang kein großer Erfolg beschieden. Mit dem Shift startet HTC einen neuen Anlauf. Der Trick an der Sache: Neben Windows Vista kommt auch Windows Mobile zum Einsatz, wenn man nur mal kurz auf seinen Kalender zugreifen möchte.

Alle sechs Monate versucht wieder ein Hersteller, der dahinsiechenden Gattung der Ultra-Mobile-PCs (UMPC) neues Leben einzuhauchen. Samsung [1] ist mit seinen drei oder vier Experimenten gescheitert, genau wie Asus und viele andere. Nun will es der PDA-Spezialist HTC [2] wissen. Dessen als HTC Shift bezeichnetes Gerät sieht auf dem Papier auch recht gut aus. Er ist klein und besitzt Touchscreen plus Tastatur. Zudem lässt sich sein Display so aufklappen wie bei einem Notebook [3]. Kann man dieses 1100-Euro-Modell ernst nehmen – oder handelt es sich dabei um ein zum Scheitern verurteiltes Experiment?

Design

Der Shift gleicht anderen UMPCs: Er ist rechteckig, besitzt ein 7-Zoll-Display, das den größten Teil der Vorderseite einnimmt, und ist mit einer Reihe von Funktionstasten am Bildschirmrand ausgestattet. Den Mauscursor kann man mittels eines rund 12 mal 12 Millimeter großen Touchpads steuern, das rechts am Bildschirm angebracht ist. Die entsprechenden Maustasten sind auf der gegenüberliegenden Seite angeordnet. Dieses Trackpad arbeitet eher ungenau, und man benötigt mehrere Daumenbewegungen, um den Cursor von einer Seite des Bildschirms an die andere zu befördern – eine ziemlich frustrierende Übung. Immerhin scheint dieses System etwas besser zu funktionieren als das des Packard Bell EasyNote XS.

Über dem Touchpad ist eine Taste angebracht, die den Communications Manager startet. Hier lassen sich Einstellungen für Modem, WLAN, Bluetooth und Push-E-Mail machen sowie Helligkeit und Lautstärke anpassen. Direkt darunter ist auch ein Knopf, mit dessen Hilfe sich die Bildschirmauflösung zwischen der physischen Auflösung von 800 mal 480 Pixel und interpolierten von 1024 mal 600 Punkten umschalten lässt. Die Vorderseite des Shift beherbergt einen Fingerabdruckleser und eine 1,3-Megapixel-Webcam. Zudem kann man zwischen Windows Vista Business und einer alternativen Benutzeroberfläche auf Windows-Mobile-Basis umschalten.

Die integrierte Tastatur ist die Trumpfkarte des Shift: Sie wird sichtbar, wenn man den Bildschirm nach oben schiebt. Diese Technik nutzen auch andere UMPCs, beim Shift kann der Screen jedoch zusätzlich nach oben geklappt werden, so dass er beinahe im rechten Winkel zur Tastatur steht. In diesem Zustand sieht das Gerät wie ein Mini-Laptop aus. Leider sind die Tasten so klein, dass das Tippen mit zehn Fingern kaum möglich ist.

Ausstattung

Der HTC Shift wird mit zwei Betriebssystemen ausgeliefert: Man kann zwischen Windows Vista Business und einer PDA-artigen Oberfläche namens SnapVue wählen. Letztere ist gelegentlich nützlich, da sie in wenigen Sekunden startet und den schnellen Zugriff auf Kalender, Outlook-E-Mail, Kontakte, SMS-Nachrichten und die lokale Wettervorhersage ermöglicht. Ihre Flexibilität ist allerdings beschränkt. Es lassen sich nämlich keine neuen Anwendungen installieren. Meistens wird man Vista starten müssen, um etwas Sinnvolles mit dem Gerät anfangen zu können.

Dies ist jedoch die größte Schwachstelle des Shift. Denn das neueste Microsoft [4]-OS ist für die schwache Hardware des UMPC einfach zu fett. Der Celeron läuft mit 800 MHz und ist über einen 400-MHz-Bus angebunden. Die neuen Core-2-Duo-Chips mit mehreren GHz und 800-MHz-Bus spielen einfach in einer anderen Liga. Entsprechend präsentiert sich Vista auf dem Shift sehr zäh. Es mach keinen Spaß, damit zu arbeiten.

Als Massenspeicher setzt HTC statt eines Flash-Laufwerks eine herkömmliche Festplatte mit einer Kapazität von 40 GByte ein. Dadurch bleiben die Kosten je GByte auf sehr niedrigem Niveau. Die Kapazität ist zwar nicht gerade weltbewegend, reicht aber aus, um Office-Dateien, ein paar Dutzend DivX-Filme und ein paar hundert MP3-Dateien darauf abzulegen. Bild und Ton lassen sich mit Hilfe der analogen Monitorbuchse hinten und des 3,5-Millimeter-Kopfhöreranschlusses links an externe Geräte weitergeben.

Wer mit dem Shift Videos abspielen möchte, wird nicht enttäuscht. Der 7-Zoll-Schirm ist klar, hell und – besonders hervorzuheben – nicht mit einer spiegelnden Beschichtung versehen. Inhalte bleiben selbst bei direktem Sonnenlicht noch lesbar. Der Screen ist berührungsempfindlich und regiert somit sowohl auf Fingerdruck als auch auf Eingaben des mitgelieferten Stylus. Letzterer ist ideal für die Texteingabe direkt auf der Anzeige. Zum Glück arbeitet die Handschriftenerkennung von Windows Vista annähernd fehlerfrei. Der integrierte Fingerabdruckleser vereinfacht die Authentifizierung. Für zusätzliche Sicherheit sorgt das Trusted Platform Module [5] (TPM).

Der HTC Shift verfügt über HSDPA-Unterstützung. Die SIM-Karte wird unter dem Akku eingesetzt. So kann man mit diesem Gerät von fast überall aus ins Internet gehen – und genau dafür ist es perfekt geeignet. Allerdings muss man dafür rund 1100 Euro hinblättern – eine Menge Geld.

Das größte Manko des HTC Shift ist seine dürftige Leistung: Egal ob Surfen im Internet oder die Arbeit mit Office, alles fühlt sich zäh an. Das kompakte Gerät ist mit dem leistungshungrigen Vista schlichtweg überfordert. Nicht umsonst setzt Intel für die Mobile Internet Devices (MID) mit Atom-CPU auf ein deutlich schlankeres Linux-OS.

Die Akkulaufzeit des Shift sieht im Vergleich zur Leistung kaum besser aus. Bei gelegentlicher Nutzung hält er zwei Stunden durch. Dabei befindet sich das Gerät meist im Leerlauf und wird nur gelegentlich für Textverarbeitung genutzt. Beim prozessorintensiven Testprogramm BatteryMark fällt die Laufzeit auf 1 Stunde und 20 Minuten.

Fazit

Trotz einigen interessanten Merkmalen wie dem integrierten HSDPA-Modul oder dem guten Display überzeugt der HTC Shift nicht. Er erfüllt nicht einmal die Systemanforderungen des installierten Betriebssystems. So arbeitet der UMPC nur sehr langsam. Eine Alternative für mobiles Computing wäre der Samsung Q1 – oder ein aufgerüsteter Eee PC.

Artikel von CNET.de: https://www.cnet.de

URL zum Artikel: https://www.cnet.de/39192231/htc-shift-ueberforderter-umpc-mit-vista-und-windows-mobile/

URLs in this post:

[1] Samsung: http://www.cnet.de/unternehmen/samsung/

[2] HTC: http://www.cnet.de/unternehmen/htc/

[3] Notebook: http://www.cnet.de/themen/notebook/

[4] Microsoft: http://www.cnet.de/unternehmen/microsoft/

[5] Trusted Platform Module: http://de.wikipedia.org/wiki/Trusted_Platform_Module