Weitwinkelkamera mit einigen Schwächen: Nikon Coolpix S600

von Lori Grunin am , 11:02 Uhr

Pro
  • kompaktes, attraktives Design
  • tolle Außenaufnahmen
  • optische Bildstabilisierung
  • relativ großzügiges Weitwinkelobjektiv
Con
  • dürftige Benutzerschnittstelle
  • großer Zeitabstand zwischen den Aufnahmen
Hersteller: Nikon Listenpreis:
ZDNet TESTURTEIL: GUT 6,6 von 10 Punkte
Fazit:

Die S600 sieht ziemlich gut aus. Sie ist aber langsam, verfügt nur über wenige Features, und ihre Menüführung lässt teilweise zu wünschen übrig.

Die Coolpix S600 von Nikon ist eine gute, aber nicht überragende Kompaktkamera. Vor allem hinsichtlich Performance und Bedienung kann sie leider nicht überzeugen.

Von außen betrachtet wirkt die Nikon Coolpix S600 durchaus ansprechend. Sie liefert zum Teil auch ganz schöne 10-Megapixel-Aufnahmen. Für circa 290 Euro wird sie derzeit im Handel angeboten. Doch hält ihr Inneres auch, was ihr Äußeres verspricht?

Design

Zugegebenermaßen sieht diese Kompaktkamera ziemlich gut aus. Sie wiegt 130 Gramm und macht mit ihrem schwarzen Gehäuse im Metallic-Finish einen eleganten Eindruck. Bei einer Größe von 89 mal 53 mal 23 Millimetern passt sie problemlos in jede Jackentasche – und zu jedem gesellschaftlichen Anlass.

Auch wenn die S600 wirklich toll aussieht, ist es ziemlich nervig, sie zu bedienen. Viele Merkmale, die mittlerweile bei Schnappschusskameras eigentlich gebräuchlich sind, sucht man bei ihr vergebens. Stattdessen muss sich der Benutzer aufwändig durchs Menü klicken. Jede Auswahl eines Menüpunkts erfordert eine gesonderte Bestätigung.

Eigentlich sollte es klar sein, dass der Fotograf beim Auswählen einer Funktion weiß, was er tun möchte. So muss bei den meisten vergleichbaren Modellen nur zweimal auf den entsprechenden Knopf gedrückt werden, um von ISO 100 auf ISO 200 umzustellen. Bei der S600 ist das fünfmal nötig. Freilich gibt es noch andere Kameras, auf die das zutrifft. Deshalb gibt es hier nur einen kleinen Punktabzug.

Um jedoch ein Menü zu verlassen, das virtuelle Einstellrad oder die Wiedergabe zu beenden, muss man den entsprechenden Knopf erneut drücken. Fast alle anderen Kameras beenden diese Modi, sobald der Auslöser halb gedrückt wird. Unterm Strich verdirbt einem das manchmal wirklich den Spaß am Fotografieren.

Nur bei Makro, Blitz, Selbstauslöser und Belichtung sind separate Einstellungen möglich. Wie bei den meisten Schnappschusskameras erfolgt die Aufnahmeeinstellung über das Menü oder das Display. Mit dem virtuellen Einstellrad lässt sich zu sämtlichen Modi wie Setup, Videoaufzeichnung, Tonaufnahmen, Programmbelichtung (Szenen), Automatik für hohe ISO-Einstellungen sowie die üblichen Automatikmodi navigieren. Über einen Menüknopf kann der Benutzer die Aufnahmeeinstellungen verändern: Auflösung/Bildqualität, Weißabgleich, Belichtungsmessung, Aufnahme (Einzel- oder Serienaufnahme, Best-Shot-Auswahl), ISO-Empfindlichkeit von 100 bis 3200, zahlreiche Farboptionen, Autofokusbereich und -modus.

Funktionsumfang

Eigentlich ist es gar nicht so tragisch, dass so viele Knöpfe gedrückt werden müssen, um all diese Einstellungen vorzunehmen. Denn die meisten davon wirken sowieso recht sinnlos. Mit dieser Kamera möchte wohl kaum jemand Aufnahmen mit mehr als ISO 400 machen. Deshalb scheint der High-ISO-Modus ziemlich überflüssig. Zudem sind mit der Matrix- und mittenbetonten Belichtungsmessung offensichtlich keine verschiedenen Belichtungen bei den Aufnahmen möglich. Die fehlende Spot-Messfunktion wäre hier sicherlich eine bessere Alternative.

Die Best-Shot-Auswahl kann dagegen recht nützlich sein. Bei anhaltend gedrücktem Auslöser nimmt die S600 zehn Bilder auf. Das schärfste davon wird gespeichert. Aber auch bei diesem Modus bleibt zu wünschen, dass er viel schneller zu- und abschaltbar wäre, als das der Fall ist.

Der Autofokus der Gesichtserkennung wirkt zu lahm und fahrig, um ihn ernst zu nehmen. Wie bei den meisten Schnappschusskameras stellt der Autofokus auf das falsche Objekt scharf. Besteht das Motiv zum Beispiel aus zwei Menschen auf einer Bank, entscheidet sich der Autofokus für die Bank. Wie fast immer ist es ratsamer, von sämtlichen Autofokus-Modi die Finger zu lassen. Stattdessen sollte der Bildmitte-Autofokus verwendet und entsprechend eingestellt werden. Bei der Auswahl des Objekts ist der Fotograf dann immer noch schneller als die Kamera.

Die S600 hat ein gutes, optisch stabilisiertes Weitwinkelobjektiv für Brennweiten zwischen 28 und 112 Millimetern (f/2,7 bis 5,8) mit einem vierfachen optischen Zoom. Das Fotografieren wird allerdings durch die eingeschränkte Reichweite des Teleobjektivs rasch frustrierend. Die Lumix-TZ-Serie [1] von Panasonic und ein paar Modelle aus der W-Serie [2] von Sony [3] machen da mehr Spaß. Ein Pluspunkt der Kamera ist das mit 69 Millimetern (2,7 Zoll) angenehm große Display. Auch noch bei recht flachem Blickwinkel und bei direkter Sonneneinstrahlung lässt es ein ordentliches Bild erkennen.

Performance

Die S600 gehört immerhin zu den schnelleren Exemplaren der Coolpix-S-Reihe, die wir in letzter Zeit im Test hatten. Dennoch ist sie manchmal ganz schön schwerfällig. Ihre Einschaltzeit ist noch beeindruckend: lediglich 0,8 Sekunden. Auch bei individueller Scharfstellung löst sie rasch aus: 0,4 Sekunden bei guten Kontrastverhältnissen und 1,1 Sekunden bei schlechten.

Für die Aufnahme von zwei Bildern nacheinander braucht sie dann aber lange 2,1 Sekunden. Damit liegt sie ungefähr auf gleicher Höhe mit der dürftigen Digital Ixus 80 IS [4] von Canon. Den meisten anderen Konkurrenten hinkt sie somit weit hinterher. Immer mal wieder erscheint eine Sanduhr auf dem Display. Wird der Blitz zugeschaltet, bremst sie das nicht mehr viel ab. Mit 2,5 Sekunden schießt sie hier sogar schneller als die Mehrzahl ihrer Klasse.

Eine eher mittelmäßige Bildrate von 1,3 Bildern pro Sekunde, ein enttäuschend schwacher Akku und der recht hohe durchschnittliche Zeitabstand zwischen den Aufnahmen kommen der S600 in ihrer Bewertung nicht gerade zugute.

Bildqualität

Dennoch kann man sagen, dass die S600 bessere Bilder liefert als die meisten ihrer Mitbewerberinnen. Vor allem bei Außenaufnahmen lassen sich mit ihr gute Ergebnisse erzielt. Hier überzeugt sie durch satte, angenehme und naturgetreue Farben. Helle Bereiche werden jedoch häufig überbelichtet.

Bei Objekten mit wenig Details in hellem Tageslicht ist die Bildqualität auch mit ISO 800 noch zufriedenstellend. Bei gedämpfterem Licht empfiehlt es sich jedoch, eher nicht über ISO 400 hinauszugehen. Aufnahmen im Innenbereich sehen so aus, als sei die Bildverarbeitung etwas überaktiv. Es lässt sich auch eine leichte Verzerrung beobachten. Die fällt aber nicht stärker aus, als bei einem Weitwinkelobjektiv zu erwarten.

Leider geraten fast alle Fotos der S600 einen Hauch zu weich. Die Schärfe ist überhaupt nicht steuerbar. Die Videofunktion mit einer relativ niedrigen Bitgeschwindigkeit (30 Bilder pro Sekunde VGA bei 1,4 MBit/s) erscheint auch nicht sonderlich nützlich. Denn der Zoom ist bei laufender Aufnahme nicht aktivierbar. Zudem lassen sich im Test bei mindestens einem der Videos merkwürdige Belichtungsschwankungen feststellen.

Fazit

Nikons Coolpix S600 ist schön anzusehen, liegt gut in der Hand und liefert ab und zu auch nette Bilder. Doch die zahlreichen Abstriche bei der Performance und der Bedienung erlauben keine bessere Bewertung.

Artikel von CNET.de: https://www.cnet.de

URL zum Artikel: https://www.cnet.de/39193061/weitwinkelkamera-mit-einigen-schwaechen-nikon-coolpix-s600/

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[1] Lumix-TZ-Serie: https://www.cnet.de/tests/digicam/39156709/ultrazoom_kamera+mit+weitwinkelobjektiv+panasonic+lumix+dmc_tz3.htm

[2] W-Serie: https://www.cnet.de/tests/digicam/39156722/schnelle+schnappschuesse+in+guter+qualitaet+sony+cybershot+dsc_w55.htm

[3] Sony: http://www.cnet.de/unternehmen/sony/

[4] Digital Ixus 80 IS: http://lifestyle.cnet.de/canon-ixus-80-is-digitalkamera-silber--oD8-0215351670.html