"Linux auf Rädern" soll Windows-Monopol ausbremsen

„Für die Entwicklung der Onboard-Software, also die Software, die im Auto installiert wird, hat das sehr weit reichende Folgen“, erläutert Martin Große-Rhode vom Fraunhofer-Institut für Software- und Systemtechnik (ISST) in Berlin. Allerdings beziehe sich dieser Trend zunächst einmal nicht unmittelbar auf die Betriebssysteme, sondern vielmehr auf die Kommunikationssysteme, die zu unterstützenden Schnittstellen und die Sicherheit der Systeme.

Das eine oder andere Betriebssystem liefert dazu die passenden Komponenten mit, zumindest in der grauen Theorie. In der Praxis bleibt die anschließende Entwicklungsarbeit letztlich an den Zulieferern hängen. Aber auch für den Käufer lohnt es sich, gelegentlich einen Blick in die Liefer- und Servicebedingungen zu werfen, wenn es mal beim mobilen Entertainment unterwegs etwas ruckelt. Im Klartext: Offenere Betriebssystemumgebungen etwa auf Linux-Basis könnten auch die Form der Zusammenarbeit zwischen Hersteller (OEM) und Zulieferer verändern.

Vernetztes Auto, Kartenzahlung
Vernetztes Fahrzeug: Die Zahlung von Mehrwertdiensten innerhalb und außerhalb des Fahrzeugs wäre via Kreditkarte über den Bordcomputer denkbar. (Foto: BMW Group)

Was bringt AUTOSAR?

Im Zuge des neuen Standards AUTOSAR werden die Karten nämlich derzeit neu gemischt. In dieser Entwicklungspartnerschaft haben sich Automobilhersteller und Zulieferer zusammengeschlossen – und eine Standardisierung des Betriebssystems für die klassischen Fahrzeugdomänen und der relevanten Schnittstellen erarbeitet. Denn die Standardisierung nach AUTOSAR bis hin zur Wahl der Betriebssysteme öffnet den Markt, sodass Hersteller von konkurrierenden Lieferanten ihre Software-Komponenten beziehen können, die dennoch ins System passen.

Letztlich stärkt dieser Trend auch die offene, plattformübergreifende Vernetzung. Auch im Bereich des Infotainments laufen derzeit einige Projekte, mit dem Ziel, offene Plattformen und Anwendungen zu schaffen. So richtig durchsetzen wird sich angesichts der komplexen Autoelektronik aber nach Einschätzung von Experten – zumindest was die Wahl des Betriebssystems angeht – weder Windows noch Linux noch Apple.

Zu erwarten ist vielmehr eine Koexistenz der unterschiedlichsten Varianten. „Für eingebettete Softwaresysteme, wie sie in der Automobilelektronik eingesetzt werden, sind vornehmlich Echtzeitbetriebssysteme relevant“, betont Martin Große-Rhode. Als Ausnahme gelten allerdings Infotainment-Systeme, die wegen ihrer Historie viel stärker vom typischen PC-Consumer-Markt geprägt sind. Für alle anderen Anwendungen seien diese Betriebssysteme aber viel zu komplex.

Übergreifende Plattformen spielen hingegen in der gesamten Automotive-Elektronik eine immer größere Rolle, weil sich damit sowohl Kosten- und Zeiteinsparungen als auch eine Qualitätssteigerung verbinden lässt. Die Betriebssysteme bilden demzufolge nicht mehr und nicht weniger als einen Teil der Plattformstrategie und unterliegen somit einer analogen Standardisierungsentwicklung. „Dieser Trend bezieht sich aber eher auf die Schnittstellen beziehungsweise APIs als auf die Implementierungen“, bilanziert Große-Rhode.

Was machen die Hersteller in Asien?

Was nun die künftige Schlagkraft von Open Source angeht, so existiert als Automotive-Betriebssystem bereits das bewährte OSEK-OS. Jedoch spielen derzeit unterschiedliche Initiativen herein. Vor allem erhalten die Europäer durch die Konkurrenz aus Asien mächtig Gegenwind. Toyota und andere streben nach eigenen Standards, etwa mit der „Japan Automotive Software Platform Architekture“ (JasPar).

Eine direkte Konkurrenz zwischen AUTOSAR und JasPar erkennt Große-Rhode allerdings nicht, da AUTOSAR viel mehr auf die Basis-Software und die Gesamtarchitektur ausgerichtet sei, während Japan eine Standardisierung der gesamten Software einschließlich der Anwendungen anstrebe. „Das liegt nicht zuletzt daran, dass die Marktbedingungen bzw. die Hersteller-Strukturen in Japan ganz anders sind als in Europa und den USA“, so der Fraunhofer-Experte weiter.

Windows Automotive, Fiat 500
Das Einspielen von Musikdateien ins Auto ist bereits jetzt per USB-Stick möglich. Eine entsprechende Buchse bietet beispielsweise der Fiat 500. (Foto: CNET Networks)

Andererseits verfügen aufstrebende Länder anhand von Billigmarken wie in China der Fall durchaus über das Potenzial, den Markt auch bei der Wahl der Betriebssysteme gehörig durcheinanderzuwirbeln. Doch weit gefehlt: Die asiatischen Automobilhersteller sind derzeit ebenso Mitglieder bei AUTOSAR wie die europäischen und amerikanischen Unternehmen. Und die japanische Variante JasPar beschränkt sich ohnehin auf die Nutzung und Anwendung der von AUTOSAR gesetzten Standards. Demzufolge erscheint auch ein chinesischer Sonderweg aus dem asiatischen Konzert heraus zumindest derzeit als wenig opportun.

Neueste Kommentare 

Noch keine Kommentare zu "Linux auf Rädern" soll Windows-Monopol ausbremsen

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *