"Linux auf Rädern" soll Windows-Monopol ausbremsen

Verändert das „Apple-Auto“ den Markt?

Im Bereich des Infotainments gibt derzeit eindeutig Apple den Ton an. Offiziell will der Konzern allerdings nicht über die Zukunft des vernetzten Automobils und seiner Betriebssysteme orakeln. „Für uns ist der Bereich Automotive aber insofern interessant, als dass wir versuchen, in Zusammenarbeit mit Auto-Herstellern iPod und iPhone optimal im Auto zu integrieren“, so Georg Albrecht, Sprecher der Apple GmbH in München.

Speziell im Infotainment-Sektor ist der iPod derzeit natürlich das Maß der Dinge. Ein Beispiel: Die BMW Group hat bereits aufgezeigt, wie sich Endgeräte aus der Consumer Electronics – unter anderem Apples iPod und iPhone – im Fahrzeug anbinden lassen. Immerhin war der Konzern der erste Automobilhersteller weltweit, der zur Markteinführung des Apple iPhone bereits eine integrierte Nutzung im Fahrzeug anbieten konnte.

Dennoch sehen auch die Experten vom bayerischen Automobilproduzenten eher ein vielgliedriges elektronisches Konzert im Automobil auf sich zurollen. Ein dominantes Betriebssystem für die gesamte Fahrzeugelektronik ist kaum in Sicht. Es existieren vielmehr spezifische unterschiedliche Betriebssysteme wie OSEK, die den jeweils hohen und differenzierten Anforderungen je nach Einsatzbereich zwischen Fahrwerk, Antrieb, Sicherheit, Komfort, Infotainment optimal entsprechen sollen.

iPhone im Auto
Plattformübergreifend: BMW bietet ein iPhone-Dock, obwohl im Fahrzeug selbst keine Apple-Software zum Einsatz kommt. (Foto: BMW Group)

„Die Bestrebungen für die Zukunft gehen nicht dahin, ein Betriebssystem für das Fahrzeug als Ganzes zu finden, sondern vielmehr die Schnittstellen zwischen den Funktionen zu standardisieren, damit Hardware und Software leicht austauschbar und kombinierbar werden“, erläutert Katharina Bölsterl, Sprecherin der BMW Group in München. Grundsätzlich unterscheidet der Konzern mit Blick auf die Wahl geeigneter Betriebssysteme die klassische Fahrzeugelektronik sowie den Bereich Infotainment im Auto.

„Im letztgenannten Bereich erleben wir derzeit eine Annäherung zwischen der Consumer-Electronics-Welt und der automobilen Infrastruktur“, so Bölsterl. Und gerade an dieser Schnittstelle setzt der Konzern speziell für die Anwendung im Auto auf konfigurierte Betriebssysteme wie Embedded Linux oder Windows for Automotive, zeigt sich aber auch für andere Varianten offen.

„Auch hier ist es erstrebenswert, unterschiedliche Angebote auf dem Markt verfügbar zu haben“, begründet die Sprecherin von BMW den vielschichtigen Projektansatz. Speziell im Infotainment-Bereich gibt der Konzern aber ein eindeutiges Bekenntnis zu Linux ab. „Wir würden eine Entwicklung begrüßen, die mehr Austauschbarkeit und Skalierbarkeit über Open Source ermöglicht.“

Spannend bleibt noch die Frage, wie sich mobile Anwendungen auf die Betriebssystem-Umgebung im vernetzten Fahrzeug auswirken – etwa im Zuge der Implementierung von Windows Mobile. Denn auch hier befindet sich Linux auf dem Vormarsch, etwa in Form der linuxbasierten Plattform moblin.org, die sich mobilen Autoszenarien widmet.

Folglich rückt auch hier die Frage nach der passenden Betriebssystemumgebung bei den Herstellern erneut an die Spitze der Agenda, auch deshalb, weil das harte Ringen um Marktanteile zunehmend von der wirtschaftlichen Wertschöpfungskette gekennzeichnet ist. Ein straffes Kostenmanagement ist für jeden Spieler ein Muss – und offenere Systeme werden dazu sicherlich einen stärkeren Beitrag leisten, als dies bislang der Fall ist.

Aufmacher-Bild: Ford

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