Symbian-Handy mit GPS, WLAN und Tastatur: Nokia E71

von Yvonne Göpfert am , 15:03 Uhr

Pro
  • zwei Startbildschirme
  • VPN-Zugang
  • Verschlüsselung und Diebstahlschutz
  • lange Akkulaufzeit
  • gute Sprachqualität
  • HSDPA und WLAN
Con
  • Menüführung sehr komplex
  • Zahlen auf der Tastatur schlecht erkennbar
  • Freisprecher überträgt Gespräche abgehackt
Hersteller: Nokia Listenpreis: 417 Euro
ZDNet TESTURTEIL: EXZELLENT 9,0 von 10 Punkte
Fazit:

Mit dem E71 bekommt man ein schönes Smartphone mit zahlreichen Sicherheits- und Nachrichtenfunktionen, die sich allerdings in einem sehr komplexen Menü verstecken. Toll ist, dass sich der Nutzer zwei Startbildschirme einrichten und zwischen ihnen hin- und her schalten kann. Die Sprachqualität überzeugt. Nicht zufrieden stellen konnte allerdings der Freisprecher, der jede Silbe abgehackt überträgt.

Das Nokia E71 sieht aus, als ob es in keiner Vorstandssitzung fehlen dürfte. Hinzu kommt eine umfangreiche Ausstattung, die keine Wünsche offen lässt. Ob es auch im Arbeitsleben den Erwartungen gerecht werden kann, zeigt der Test.

Eigentlich gingen Branchenkenner davon aus, dass Nokia ein Business-Smartphone [1] wie das E71 bereits auf dem Mobile World Congress [2]im Februar 2008 in Barcelona vorstellen würde – doch Fehlanzeige. Erst Mitte Juni war es so weit: Nokia lud die Fachpresse nach London ein, um dort zwei neue Business-Smartphones zu präsentieren. Das E66 tritt das Erbe des E65 an, das Nokia E71 kommt als Nachfolger des E61i in den Handel. Die Ausstattung der beiden Businessmodelle ist gleich, sie unterscheiden sich lediglich durch ihren Formfaktor. Während das E66 als Schieber konzipiert ist, bietet das E71 eine QWERTZ-Tastatur im Riegelformat.

Design

Gerade einmal einen Zentimeter ist das E71 dick, bei einer Höhe von 11,4 Zentimetern und einer Breite von 5,7 Zentimetern. Mit seiner schlanken Form und dem glänzenden Metallgehäuse sieht das Smartphone elegant und gediegen aus. Überraschend ist das Gewicht: Wer das Smartphone zum ersten Mal in die Hand nimmt, erwartet ein sehr viel leichteres Gerät. Doch die 129 Gramm sind vor allem dem Metallgehäuse und einem großen Akku geschuldet.

Das Mobiltelefon ist solide verarbeitet und liegt angenehm in der Hand. Die Tasten reagieren sehr gut auf Druck, und durch die Wölbung sind die einzelnen Buchstaben auch gut zu treffen. Schade nur, dass die Buchstaben sehr eng beeinanderliegen. Die Beschriftung der Lettern ist gut lesbar, auf die Ziffern trifft das leider nicht zu – sie sind farblich kaum abgehoben, was das Eintippen einer Telefonnummer oder des PIN-Codes erschwert.

Neben einer vollständigen QWERTZ-Tastatur unterhalb des Displays gibt es sehr viele Direktzugänge zu den verschiedenen Funktionen. Ein Knopf an der rechten Seite führt zu den Sprachbefehlen, vier Buttons unterhalb des Displays rufen den Startbildchirm, den Kalender, die Kontakte oder das Nachrichtencenter auf. Am linken Rand sitzt der Steckplatz für SD- und SDHC-Speicherkarten. Er ist mit einem leicht zu entfernenden Gummiverschluss vor Staub geschützt.

Das Display zeigt bei einer Auflösung von 320 mal 240 Pixeln bis zu 16 Millionen Farben – da wird jeder Buchstabe gestochen scharf abgebildet. Auch als Sucher für die eingebaute 3,2-Megapixel-Kamera leistet der Bildschirm gute Dienste. Um Akkukapazität zu sparen, kann der Nutzer die Helligkeit des Displays einstellen – im Auslieferungszustand ist ein mittlerer Wert hinterlegt, der jedoch vielen zu dunkel sein dürfte. Wer die Helligkeit aber hochstuft, verkürzt damit automatisch die Akkulaufzeit.

Das Menü ist mit zwölf Hauptpunkten, die jeweils unzählige Unterpunkte enthalten, sehr umfassend – es bedarf daher einer Einarbeitungszeit, bis der Nutzer sich zurechtfindet. Um die Orientierung zu erleichtern, kann der Anwender sich sechs am häufigsten benutzte Funktionen als Shortcut auf den Startbildschirm legen.

Beim E71 gibt es außerdem die Möglichkeit, zwei individuelle Start-Screens zu definieren. So kann der Nutzer beispielsweise auf seinem Geschäftsbildschirm den schnellen Zugriff auf häufig genutzte Funktionen im Berufsleben wie Terminkalender, E-Mails, Browser und Notizen legen, während er auf seinem privaten Bildschirm neben Browser und E-Mails eher die Bildergalerie oder den Musikplayer packt. Leider greift das System bei Kalendereinträgen auf nur einen Kalender zurück, so dass man auch im privaten Modus die geschäftlichen Termine sieht. Umgeschaltet wird – ziemlich gemächlich – über die Funktion „Modi“: Es dauert etwa fünf Sekunden, bis der neue Bildschirm aktiviert ist.

Ausstattung

Der Lieferumfang ist von Nokia großzügig bemessen: Neben USB-Kabel und Installationssoftware liegen eine 2-GByte-SD-Karte, ein Stereo-Headset mit 2,5-Millimeter-Klinkenstecker und ein Lederetui bei. Schön wäre noch ein Ersatzakku gewesen, doch darauf muss der Käufer verzichten.

Auf dem Symbian-60-Smartphone ist die Mobile-Version von Microsoft [3] Office bereits vorinstalliert. Sie ermöglicht das Erstellen und Bearbeiten von Word-, Excel- und Powerpoint-Dateien. Außerdem kann der Nutzer „Aktive Notizen“ anlegen. Dazu schreibt er wie gewohnt seine Notiz, beispielsweise „nach Projektstand fragen“; anschließend lässt sich die Notiz mit einem Kontakt koppeln. Sobald diese Verknüpfung hergestellt ist, zum Beispiel wenn der entsprechende Kontakt anruft beziehungsweise angerufen wird, poppt die Notiz auf. Pro Kontakt kann nur eine Notiz gespeichert werden, aber eine Notiz lässt sich beliebig vielen Kontakten zuweisen. Das ist praktisch, wenn man beispielsweise ein Team über eine Sache informieren will.

Den Empfang von E-Mails einzurichten ist eine Sache von Sekunden, da der eingebauter E-Mail-Wizard die Einstellungen der gängigen Freemail-Anbieter kennt und der Nutzer somit nicht selbst die Angaben für SMTP und POP3 oder IMAP mühsam eintippen muss. Firmen-E-Mails lassen sich vom Firmenserver aus verschlüsselt via VPN übertragen. Das E71 unterstützt nun nicht mehr nur die Nokia-Lösung, sondern auch Cisco-VPN. Dabei lassen sich E-Mails auch im Push-Verfahren aufs Handy holen, allerdings muss der Nutzer dazu einen festen Zugangspunkt, beispielsweise über das Netz des Mobilfunkproviders oder über das WLAN des Heimnetzwerkes, definiert haben.

Für mehr Sicherheit soll die Datenverschlüsselung sorgen. Der Nutzer kann Informationen auf dem Smartphone und der Micro-SD-Karte verschlüsseln. Das geht ganz einfach unter dem Menüpunkt System/Verschlüsselung – und zwar für den Telefonspeicher und die SD-Karte separat. Achtung: Bei geringem Akkuladestand bringt das Handy die Rechenleistung für die Entschlüsselung nicht mehr – was zu Problemen beim Zugriff auf die Daten führt.

Nokia hat noch eine weitere Sicherheitsfunktion entwickelt: Geht das Gerät verloren, kann der Nutzer eine SMS an die eigene Telefonnummer schicken. Damit werden alle Daten auf dem Mobiltelefon gelöscht. Entfernt der Dieb die SIM-Karte, greift dieser Schutz jedoch nicht.

Die Verbindung via WLAN (802.11b/g) ist einfach, die Datenübertragung funktioniert flott, und Verbindungsabbrüche gibt es während des Tests nicht. Zudem lässt sich das E71 auch als Modem verwenden – dafür muss jedoch die Nokia PC Suite auf dem Notebook [4] installiert sein. Zum Surfen bietet das E71 den Nokia-Browser Minimap, der die Seiten auf die Breite des Bildschirms optimiert. Bei den Newsseiten von ZDNet.de wird jedoch in einigen Zeilen der letzte Buchstabe am rechten Rand abgeschnitten. Das hindert zwar nicht am Lesen, beeinträchtigt jedoch den Lesefluss. Um die Homepage anzusehen, muss der Anwender nach rechts scrollen – Nokia beschert hier kein erfreuliches Surfvergnügen. Gelungen ist dagegen, dass der Nutzer aus dem Browser heraus RSS-Feeds zu seiner Feed-Liste hinzufügen kann.

Für Multimedia-Fans hat Nokia eine 3,2-Megapixel-Kamera inklusive Barcodescanner, einen Mediaplayer, einen Podcast-Abspieler und ein UKW-Radio spendiert. Der Sound über den eingebauten Lautsprecher am oben Rand des Smartphones klingt ok, besser ertönt die Musik über das mitgelieferte Headset. Mit dem Schalter im Kabel kann man übrigens zwischen den Songs oder auch zwischen Radiosendern hin und her zappen.

Leistung

Die 3,2-Megapixel-Kamera löst bei Tageslicht binnen einer Sekunde aus und liefert farbtreue Bilder. Sie verfügt über einen echten Blitz, zudem kann der Nutzer einen Makromodus aktivieren. Auch das eingebaute GPS-Modul, mit dem sich der Nutzer den Weg zeigen lassen kann, funktioniert zuverlässig. Dank A-GPS ortet das Mobiltelefon den aktuellen Standort auch wenn er sich in einem Gebäude befindet, technikbedingt jedoch nicht 100-prozentig exakt. Im Test berechnet das Handy den Standort des Nutzers am Stadtrand von München auf ungefähr 450 Meter genau. Hierbei nutzt A-GPS die Daten der Mobilfunkzellen, in die das Telefon eingeloggt ist.

Das E71 versteht Sprachbefehle und lässt sich darüber steuern. Die vordefinierten Sprachbefehle, beispielsweise um Bluetooth zu aktivieren oder das Profil von „Lautlos“ auf „Im Freien“ zu ändern, erkennt es anstandslos.

Die Sprachqualität des Mobiltelefons überzeugt. So klingen die Stimmen sowohl vom E71 zum Festnetz als auch vom E71 zum Handy klar und natürlich, es ist jedoch ein leichtes Rauschen in der Leitung zu vernehmen. Enttäuschend dagegen ist die Leistung des Freisprechers: Er überträgt das Gespräch abgehackt.

Der Akku bleibt lange fit: Nokia verspricht mit einer Akkuladung eine Sprechzeit von bis zu 10,5 Stunden im GSM-Betrieb. Beim Einsatz von UMTS-Technik reduziert sich die Plauderzeit um mehr als die Hälfte auf 4,5 Stunden. Im Bereitschaftsmodus hält der Akku im GSM-Netz rund 17 Tage und im UMTS-Modus rund 20 Tage durch. Der Test ergibt, dass diese Werte zwar nicht eingehalten werden, das Smartphone im Standby jedoch acht Tage gut übersteht. Gespräche lassen sich im GSM-Netz bis zu sechs Stunden lang führen.

Artikel von CNET.de: https://www.cnet.de

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[1] Smartphone: http://www.cnet.de/themen/smartphone/

[2] Mobile World Congress : http://www.cnet.de/themen/mwc/

[3] Microsoft: http://www.cnet.de/unternehmen/microsoft/

[4] Notebook: http://www.cnet.de/themen/notebook/