Internet-TV: Gratis-Glotze mit Macken

Beim Start im vergangenen Jahr hatte Joost viele Vorschusslorbeeren erhalten, unter anderem deshalb, weil hinter dem Projekt die erfolgreichen Kazaa- und Skype-Gründer Niklas Zennström und Janus Friis stehen. Die Beliebtheit hat sich angesichts der mageren Inhalte gelegt, die Bloggerszene lästert nun über das Programm oder ignoriert es komplett. Anfang April kamen Gerüchte auf, dass sich Joost aus Europa zurückziehen werde, doch Joost-Chef Mike Volpi dementierte umgehend. Stattdessen sollen die Videos demnächst auch ohne Extra-Programm komplett über den Webbrowser abrufbar sein. Solange Joost jedoch am eigentlichen Manko, den Inhalten, nichts Wesentliches ändert, ist das Projekt keinesfalls massentauglich.

Babelgum: viel Community, wenig hochwertiges Material

Das Konzept von Babelgum erinnert an Joost: Der Zuschauer hat jederzeit Zugriff auf sämtliche Sendungen aller Kanäle, finanziert werden die Inhalte über Werbung. Das Programm läuft auf Windows-Rechnern und Intel-Macs, beim ersten Start besteht es auf einer Registrierung mit Angabe von E-Mail-Adresse, Geburtsdatum und Geschlecht. Anders als Joost nimmt Babelgum nach dem Start standardmäßig den kompletten Bildschirm in Beschlag. Die Bedienelemente erscheinen wiederum als Einblendung über dem Fernsehbild. Die einzelnen Sendungen eines Kanals lassen sich aus einer bebilderten Liste auswählen, außerdem gibt es eine kanalübergreifende Suchfunktion. Alternativ können Sie eigene Pseudo-Kanäle einrichten, die auf Schlagwörtern basieren. Der Kanal „Action“ listet dann alle Sendungen auf, die entsprechend kategorisiert wurden oder dieses Wort im Titel tragen. Wiedergabelisten mit Ihren Lieblingssendungen können Sie ebenfalls anlegen.

Babelgum
Babelgum
Auch Babelgum legt die Bedienelemente über das Videofenster. Die Sendungen eines Kanals wählen Sie anhand von Szenenfotos aus.

Auffällig an Babelgum sind die vielfältigen Community-Funktionen: Der Zuschauer kann Videos bewerten, mit Schlagwörtern versehen und mit anderen Benutzern diskutieren. Die Videos lassen sich in Blogs und Facebook-Profile einbinden. Ambitionierte Nutzer laden ihre selbstgedrehten Filme hoch und nehmen am Babelgum-Film-Festival teil – die diesjährigen Gewinner wurden im Mai in Cannes ausgezeichnet. Diese kleinen Besonderheiten heben Babelgum von Joost ab und lassen es weniger kommerziell erscheinen. Außerdem ist die Bildqualität im Durchschnitt etwas höher als bei Joost, auch Aussetzer kommen seltener vor. Dafür liegt die Umschaltzeit im Test regelmäßig bei rund zehn Sekunden.

Das grundlegende Problem teilen sich beide Plattformen: Auch Babelgum mangelt es an erfolgreichen Filmen, Serien und Sportübertragungen. An allen Ecken lauert zweit- bis drittklassige oder steinalte Ware. In Kombination mit der recht langen Umschaltzeit zehrt das sehr schnell an den Nerven des Zuschauers. Auch Babelgum ist also für den Massenmarkt noch nicht richtig gut aufgestellt.

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