Nikon D90: erste DSLR, die HD-Videos in 1280 x 720 aufnimmt

von Lori Grunin und Stefan Möllenhoff am , 13:27 Uhr

Pro
  • Videoaufnahme-Funktion
  • spitzenmäßige Performance
  • solide verarbeitete Kamera mit gutem Sucher
  • erstklassige Fotoqualität
Con
  • einige Einschränkungen bei der Videofunktion
  • Implementierung des HDMI-Ausgangs nicht optimal
  • mitgeliefertes Objektiv nur mittelmäßig
Hersteller: Nikon Listenpreis:
ZDNet TESTURTEIL: SEHR GUT 8,0 von 10 Punkte
Fazit:

Wie bereits mit der D80 erhält man auch mit der Nikon D90 eine hervorragende DSLR für sein Geld. Sie ist die erste DSLR-Kamera mit Video-Modus. Das finden wir vor allem deshalb klasse, weil sie mit einer Bildrate von 24 fps und einer Auflösung von 1280 mal 720 Pixeln im Motion-JPEG-Format aufnimmt, so dass die Videos nach HD-Qualität und Kino aussehen. Mit anderen Objektiven lassen sich außerdem interessante Effekte erzielen.

Mit der D90 bringt Nikon die erste digitale Spiegelreflexkamera mit Videofunktion auf den Markt. Das Datenblatt liest sich vielversprechend: 12,3 Megapixel Fotoauflösung, Videoaufzeichnung in 1280 mal 720 Pixeln, Live-View, HDMI-Ausgang und eine Einschaltzeit von nur 0,15 Sekunden. Wir haben getestet, ob die DSLR hält, was sie verspricht.

Das gerüchteumwobene und lang ersehnte Update der Nikon D80 erweist seinem Vorgängermodell alle Ehre. Die Nikon D90 mit 12,3 Megapixeln Auflösung löst die beliebte 10-Megapixel-D80 nicht ab, sondern stellt eine Ergänzung der DSLR-Produktreihe von Nikon dar. Das wohl auffälligste Unterscheidungsmerkmal ist die Videofunktion der D90. Somit ist das ab 800 Euro erhältliche Modell die erste digitale Spiegelreflexkamera mit Video-Unterstützung. Die größten Konkurrenten der D90 sind das ältere 10 Megapixel-Modell 40D von Canon, die Sony [1] Alpha DSLR-A700 mit 12,2 Megapixeln und die Pentax K20D mit 14,6 Megapixeln.

Design

Mit stolzen 737 Gramm ist die Kamera deutlich schwerer als die meisten vergleichbaren digitalen Spiegelreflexkameras. Dafür fühlt sie sich allerdings auch solider und robuster an. Die etwas teureren Modelle A700 und K20D bieten einen besseren Schutz vor Staub und Witterungseinflüssen. Die D90 ist in ihren Abmessungen mit der D80 nahezu identisch, hat den gleichen vertikalen Griff und den gleichen Akku, der für 850 Aufnahmen reichen soll. Nikon hat auch die kabellose Blitzsteuerung und die Kurzzeitsynchronisation des Vorgängers übernommen. Die Lebensdauer des Verschlusses wurde erhöht und das Staubreduktionssystem der D300 integriert. Aus der D300 kommt auch das Display zum Einsatz, allerdings mit Polymer- anstatt Glas-Abdeckung. Es handelt sich dabei um ein 76 Millimeter (3 Zoll) großes und sehr hochauflösendes LCD mit 920.000 Pixeln.

Sowohl Fotografieren als auch Filmen macht mit der Kamera wirklich Spaß. Sie liegt gut in der Hand, und alle, die in letzter Zeit eine DSLR-Kamera von Nikon benutzt haben, sollten mit den Bedientasten und der Navigation auf Anhieb zurechtkommen. Wer bislang eine Kamera eines anderen Herstellers hatte, benötigt etwas Eingewöhnungszeit. Bei Nikon befinden sich die Tasten für Weißabgleich, ISO und Bildqualität am linken Monitorrand. Die meisten Konkurrenten positionieren sie an der rechten Seite. Wie bei der D80 sind diese Bedienelemente nicht optimal zu erfühlen und etwas unübersichtlich gekennzeichnet.

Rechts vom Monitor liegen die Live-View-Taste, ein 4-Wege-Navigationspad mit OK-Taste, ein Sperrschalter für die Messfeldvorwahl sowie eine Taste zur Anzeige kontextabhängiger Informationen. Im Live-View-Modus blendet die Kamera wahlweise eine von zwei Informationsanzeigen oder eine Gitterübersicht auf dem Display ein. Im Standard-Aufnahmemodus zeigt der Bildschirm die aktuellen Einstellungen an. Einige Parameter lassen sich hier direkt anpassen.

Die Parameterauswahl ist jedoch etwas ungünstig gewählt. Die Funktionsbelegung der AE-L-, AF-L- und Fn-Taste oder Optionen für die Rauschunterdrückung bei langer Belichtungszeit sind beispielsweise direkt erreichbar – häufiger genutzte Einstellungen wie Auswahl des AF-Modus oder Selbstauslöser-Verzögerung verstecken sich dagegen tief im Menü. Zwar bietet es sich an, die Fn-Taste zumindest mit der Auswahl der AF-Modi belegen, aber für den Funktionsumfang der Kamera reichen die wenigen konfigurierbaren Bedienelemente einfach nicht aus.

Ausstattung

Mit dem Film-Modus setzt sich die D90 zwar klar von der Konkurrenz ab, aber die Implementierung lässt doch ein wenig zu wünschen übrig. Auf dem Papier macht die Videokamera durchaus einen guten Eindruck: 24 Bilder pro Sekunde, Motion-JPEG-Format mit bis zu 1280 mal 720 Pixeln und Unterstützung für optische Bildstabilisierung bei Videoaufnahmen, sofern vom Objektiv unterstützt. Es scheint allerdings, als wäre Nikon an einige technische Grenzen gestoßen, die den Spaß mit der DSLR etwas dämpfen. Darüber hinaus sind wir beim Video- und HDMI-Ausgang über einige Anfängerfehler gestolpert.

Beispielsweise lässt sich die Belichtung während eines Videoclips nicht ändern. Das heißt, dass sich der Anwender nicht zwischen Umgebungen mit unterschiedlichen Lichtverhältnissen bewegen sollte, beispielsweise von Innenräumen ins Freie. Außerdem nimmt die D90 Ton nur in Mono auf. Während die Aufnahme läuft, funktioniert der Autofokus nicht. Folglich ist beim Verfolgen von Objekten eine sehr geschickte Vorgehensweise vonnöten. Videoclips in HD-Qualität sind aufgrund des Dateisystems auf fünf Minuten Länge begrenzt.

Die Video-Bildrate von 24 Bildern pro Sekunde entspricht in den meisten Fällen nicht den vom TV-Prozessor erwarteten 23,976 Bildern pro Sekunde. So kommt es gelegentlich zu Rucklern bei der Wiedergabe auf dem Fernseher. Dennoch wartet man im Einsteigersegment schon sehr lange auf eine solche DSLR. Denn auf eine Videoaufnahmefunktion kombiniert mit den fotografischen Möglichkeiten einer DSLR musste man beim Wechsel zu digitalen Spiegelreflexkameras bislang verzichten.

Über den Mini-HDMI-Ausgang speist die Kamera sämtliches Bildmaterial in Originalauflösung an den Fernseher. Dieser ist dann für das Herunterskalieren der Inhalte verantwortlich. Neuere Geräte, wie der Samsung PS50P96 [2], ermöglichen so ein Hineinzoomen in die angezeigten Fotos.

Dank eines überarbeiteten Expeed-Bildprozessors steht im Live-View-Modus eine Gesichtserkennungsfunktion zur Verfügung. Dadurch sollen sich die Belichtung und der Autofokus so anpassen, dass Personen auf Fotos optimal aussehen. In der Praxis ist bei der Portraitqualität allerdings kein großer Unterschied zum Weitwinkel-Autofokus zu erkennen. Die beiden zuletzt genannten AF-Modi sind jedoch um einiges schneller als der Normalwinkel-AF in Live View.

Dann gibt es noch die üblichen Verbesserungen und Ergänzungen der Aufnahmeeinstellungen. Dazu zählt beispielsweise eine Verbesserung der Active-D-Lighting-Technologie, die dunkle Bildbereiche während der Aufnahme aufhellt, ohne helle Bereiche überzubelichten. Darüber hinaus stehen neun Möglichkeiten für benutzerspezifische Picture-Control-Einstellungen sowie erweiterte Szene-Modi zur Verfügung, die automatisch auf niedrigere Verschlussgeschwindigkeiten umstellen, wenn sich ein Video-Objektiv an der Kamera befindet. Wir können in unseren Tests jedoch keine signifikante Verbesserung der Performance beim Fotografieren und Filmen im Active-D-Lighting Modus feststellen. Wir vermissen ganz klar die zahlreichen Möglichkeiten, welche die benutzerspezifischen Einstellungen der D300 und der D3 bieten.

Die D90 verfügt auch über eine Buchse für Nikons GPS-Empfänger GP-1, der es ermöglicht, Fotos mit Ortsinformationen gekoppelt zu speichern. Es gibt außerdem einige integrierte Bildbearbeitungsoptionen. Mit ihnen lassen sich Verzerrungen korrigieren, Bilder glätten und eine Fischaugenperspektive anwenden.

Die meiste Kritik richtet sich gegen das mitgelieferte Objektiv (18 bis 105 Millimeter, F3,5 bis F5,6). Einerseits scheint es als Hauptobjektiv gerade richtig dimensioniert zu sein: Mit 27-157 Millimetern Kleinbildkamera-Äquivalent reichen Weite und Länge für Standardanforderungen aus. Andererseits ist der Zoom-Ring zu schwergängig, und es scheint etwas unschärfere Fotos zu liefern als die von Canon mitgelieferten Objektive.

Leistung

An der Performance der D90 gibt es nichts auszusetzen. Die hat Nikon im Vergleich zur D80 klar verbessert. Das Autofokus-System mit elf Messfeldern wurde zwar beibehalten, aber Nikon hat noch einen AF-3D-Tracking-Modus – ebenfalls mit elf Messfeldern – obendrauf gelegt. Die Kamera macht für ihre Klasse einen äußerst reaktionsfreudigen Eindruck, was unsere Performance-Tests auch bestätigen. Insgesamt gehört sie zu den schnellsten ihrer Klasse, und abgesehen von der Serienbildgeschwindigkeit kann sie fast mit der D300 mithalten. Zwischen Einschalten und erster Aufnahme vergehen nicht einmal 0,2 Sekunden. In hellen Umgebungen mit hohen Kontrasten liegt die Verschlussverzögerung bei etwa 0,4 Sekunden. Bei schlechteren Lichtverhältnisse erhöht sich der Wert auf 0,9 Sekunden. Bei mehreren Aufnahmen hintereinander im RAW- oder JPEG-Format vergeht zwischen den Fotos jeweils etwa eine halbe Sekunde; auch mit Blitz sind es immer noch respektable 0,7 Sekunden.

Die Bildrate bei Serienbildaufnahmen liegt bei etwa 4 Bildern pro Sekunde, was für eine Prosumer [3]-SLR sehr gut ist. In Tests mit einer 8-GB-SDHC-Speicherkarte von SanDisk mit 30 MByte pro Sekunde erreicht die Bildrate mit etwa 4,5 Bildern pro Sekunde den vom Hersteller angegebenen Wert. Doch auch ohne die flottere Karte sind der Serienbildmodus und das Autofokussystem schnell genug, um Kinder oder Hunde aufzunehmen – zumindest im JPEG-Format. Somit kommt die Kamera für alle Eltern sportbegeisterter Kinder in Betracht. Der AF-3D-Tracking-Modus mit elf Bildpunkten ist gut, solange sich das Motiv nicht überraschend in eine andere Richtung bewegt. Der Versuch, ein Eichhörnchen zu filmen, ist im Test zum Beispiel nicht gerade von Erfolg gekrönt. Es bewegte sich zu plötzlich und willkürlich in alle Richtungen, und der Autofokus orientiert sich abwechselnd an Kopf oder Schwanz – je nachdem, was näher an der Kamera ist.

Die D90 kommt zwar mit einem 23,6 mal 15,8 Millimeter großen 12,3-Megapixel-CMOS-Bildchip, doch Nikon betont, dass es sich dabei um einen anderen Sensor als in der D300 handelt. Die Pixel sind jedoch genau gleich groß, und obwohl die Bilder nur mit 12 Bit und nicht, wie bei der D300, mit 14 Bit verarbeitet werden, soll die Bildqualität im hohen ISO-Bereich dank der integrierten Rauschunterdrückung identisch sein. Die Testergebnisse können das nicht so ganz bestätigen: Die D90 scheint bis einschließlich ISO 400 bessere Bilder zu liefern, ab ISO 400 aufwärts hat die D300 die Nase vorn. Bei ISO 1600 verlieren die Details ein wenig an Schärfe, und bei ISO 3200 stoßen die Bilder an den Rand der Brauchbarkeit.

Wie alle anderen Kameras von Nikon neigt auch die D90 zur Unterbelichtung, und bei hellen Bildern ist der Dynamikbereich besser als bei dunklen. Das Farbspektrum der Kamera ist sehr gut, sie gibt Farben präzise und satt wieder.

Die Film-Modi mancher Schnappschusskameras sind der D-Movie-Aufnahmefunktion der D90 überlegen. Im Test filmen wir wehende Fahnen und einen Springbrunnen. Die Aufnahmen an sich machen einen ordentlichen Eindruck, obgleich die Farbsättigung im Video-Modus weitaus intensiver ist als im Foto-Modus. Und eine Bildrate von 30 Bildern pro Sekunde wäre doch besser als die tatsächlichen 24 fps. Außerdem braucht man drei Hände, wenn man den Zoom betätigen will – den man übrigens manuell scharf stellen muss. Es ist nicht ganz einfach, die doch relativ schwere Kamera ununterbrochen ruhig zu halten, wenn man Videos in Live View aufnimmt. Doch trotz der Probleme und der Qualität sind die kreativen Möglichkeiten wirklich klasse.

Fazit

Was die Videofunktion angeht, ist diese Kamera nicht gerade das Modell, das der Hobbyfotograf in die Ferien mitnimmt, um alles zu filmen, was ihm vor die Linse kommt. Aber genau das ist ja auch das Kriterium, das eine DSLR von einer Kompaktkamera unterscheidet: Aufnahmen zu durchdenken und zu planen, statt einfach drauflos zu knipsen.

Dasselbe gilt hier analog für Videoaufnahmen. Die Möglichkeit zum Objektivwechsel ebenso wie auch die Einschränkungen im Videobereich zwingen den Benutzer zum sorgfältigen Komponieren, Erstellen und Bearbeiten von Videos. Bei der Verwendung von Schnappschusskameras und Camcordern ist das selten der Fall. Die Frage, ob die D90 nicht letztlich weder die eine noch die andere Funktion wirklich gut erfüllt, bleibt allerdings offen.

Unterm Strich bekommt die Nikon D90 gute Bewertungen, weil sie eine schnelle Kamera ist, mit der man viel Spaß beim Fotografieren und Filmen hat und mit der man für sein Geld eine absolut hochwertige Fotoqualität bekommt. Bei einem nicht ganz so prall gefüllten Geldbeutel ist die D80 aber nach wie vor eine hervorragende Alternative. Für die Preisdifferenz von gut 300 Euro gibt es bereits brauchbare HD-Camcorder wie den Samsung [4] VP-HMX10C auf dem Markt.

Artikel von CNET.de: https://www.cnet.de

URL zum Artikel: https://www.cnet.de/39199498/nikon-d90-erste-dslr-die-hd-videos-in-1280-x-720-aufnimmt/

URLs in this post:

[1] Sony: http://www.cnet.de/unternehmen/sony/

[2] Samsung PS50P96: https://www.cnet.de/tests/tv/39157884/imposanter+full_hd_plasma_tv+samsung+ps50p96.htm

[3] Prosumer: http://de.wikipedia.org/wiki/Prosumer

[4] Samsung: http://www.cnet.de/unternehmen/samsung/