Gigabyte M912M: Netbook mit Touchscreen

von Joachim Kaufmann am , 11:17 Uhr

Pro
  • Expresscard-Slot
  • Touchscreen
Con
  • mäßige Akkulaufzeit
  • Displaygelenk arretiert nicht sauber
  • winzige Tastatur
  • nicht angepasste Software
  • lauter Lüfter
Hersteller: Gigabyte Listenpreis: cira 550 Euro
ZDNet TESTURTEIL: GUT 7,4 von 10 Punkte
Fazit:

Das Gigabyte M912M lässt gute Ansätze erkennen. Da Windows XP aber nicht für die Fingereingabe optimiert ist, kann das Tablet-Netbook seine Vorteile kaum ausspielen.

Ein Netbook mit Touchscreen – das klingt nach gemütlichem Surfen auf der Couch, nach einem endlich bezahlbaren Mini-PC mit berührungsempfindlichem Display, nach einem größeren iPhone – perfekt für unterwegs. Der CNET-Test erklärt, warum das innovative Gigabyte M912 in der Praxis scheitert.

Netbooks [1] sind eine der langweiligsten Produktkategorien auf dem PC-Markt: Die Mehrzahl der Geräte kommt mit 8,9- oder 10,1-Zoll-Screen, 1,6-GHz-Atom-CPU, 1 GByte RAM und Intel-Grafik. Das trifft zwar auch auf das neue Gigabyte M912M zu, sein Touchscreen hebt es aber von der Konkurrenz ab. Durch das Drehgelenk lässt es sich in Sekunden zum Tablet-PC umbauen. Mit einem Gewicht von 1,35 Kilo ist es rund 200 Gramm schwerer als andere Netbooks.

Das Chassis des M912 ist stabil und gibt auch bei heftigem Druck nicht nach. Der Bereich um die Tastatur und der äußere Displayrahmen sind silberfarben beschichtet. Leider hat sich Gigabyte für einen Deckel mit schwarzem Klavierlack entschieden, auf dem man jeden einzelnen Fingerabdruck deutlich sieht. Gerade einen Tablet-PC fasst man aber öfter an – mit optisch wenig erfreulichen Konsequenzen. Da hilft nur ein Putztuch.

Anlass zur Kritik gibt auch das Drehgelenk: Im Notebookmodus arretiert es das Display nicht sauber. Es dreht sich bei Bewegungen um einige Grad hin und her. Im Tablet-PC-Modus halten Kunststoffnasen den Screen in Position.

Gigabyte nutzt im M912 offenbar dieselbe Tastatur wie Fujitsu Siemens im Amilo Mini [2]. Deren Tasten sind nicht nur klein, sondern mickrig. Man vertippt sich ständig. Aufgrund der kleinen Grundfläche sind zwar auch die Tastaturen anderer Netbooks nicht perfekt, Gigabyte liegt aber nochmals darunter.

Während klassische Tablet-PCs nur per Stift bedienbar sind, kommt der M912 mit einem echten Touchscreen. Nach einer Drehung kommt der Formfaktor einem Surftablett schon sehr nahe. Wenn man die Orientierung des Bildes im Treiber der Intel-Grafikkarte verändert – eine Hardwaretaste fehlt leider -, lässt sich das Gerät auch hochkant verwenden. Da die vertikale Auflösung dann 1024 Pixel beträgt, muss man beim Surfen im Web nicht mehr ständig scrollen. Da horizontal nur 600 Pixel zur Verfügung stehen, sind zwar die Zusatzboxen der meisten Websites zunächst nicht zu sehen, Fließtext kann aber bequem gelesen werden.

Der M912 kommt mit Windows XP Home, das mit seinen filigranen Menüs nicht auf die Eingabe per Finger vorbereitet ist. Das Scrollen erfolgt beispielsweise nach wie vor mit dem Balken. Surfen auf der Couch im Stile des iPhone funktioniert also nicht. Die in XP enthaltene Onscreen-Tastatur ist für die Fingerbedienung zu klein. Um den im Displayrahmen untergebrachten Stift kommt man kaum herum.

Die von den großen Tablet-PCs gewohnten Features wie Handschrifterkennung fehlen beim M912, da nur Windows XP Home installiert ist. Microsoft [3] bietet die Tablet PC Edition des OS nicht mehr an.

Bei der Arbeit mit Stift erweist sich der Touchscreen als Hindernis, da er jede Berührung – auch die der aufgestützten Hand – registriert. Zudem ist die Eingabe nicht so präzise wie bei großen Tablet-PCs, deren Display nicht auf Druck anspricht, sondern auf das vom Stift erzeugte elektromagnetische Feld. Noch dazu wirkt der Screen des M912 leicht milchig.

Trotz aller Kritik wird das Potential des Touchscreen im Netbook-Bereich deutlich. Das größte Hindernis ist derzeit die Software. Der Vista-Nachfolger Windows 7 soll nativ über Multitouch-Fähigkeiten verfügen und auch auf Netbooks laufen. Eee-PC-Hersteller Asus hat bereits ein Gerät in Aussicht gestellt.

Die Ausstattung des Gigabyte folgt dem aktuellen Netbook-Standard: 1,6-GHz-Atom, 1 GByte RAM, Intel-GMA-950-Grafik. Diese Kombination kommt auch bei anderen Geräten wie Fujitsu Siemens Amilo Mini [2] und MSI Wind U100 [4] zum Einsatz. Die Everest-Benchmarks bewegen sich daher auf demselben Niveau. Das M912 bietet eine 80-GByte-Festplatte, die im Crystal Diskmark 2.2 eine gute Figur macht.

Leider unterstützt das WLAN-Modul des Netbook nur 802.11b/g. 802.11n wäre vor allem wegen der verbesserten Reichweite wünschenswert – die höhere Bandbreite ein netter Nebeneffekt. Als eines der wenigen Netbooks bietet das M912 einen Expresscard34-Slot, der beispielsweise die Erweiterung mit einer UMTS-Karte erlaubt. Diese Version ist eine gute Alternative zu einem USB-Stick, der vom Gehäuse weit absteht. Noch besser für den Webzugriff on the road ist natürlich ein integriertes HSDPA-Modem, wie es etwa das LG X110E [5] bietet.

Der 4500-mAh-Akku versorgt das M912 bei eingeschaltetem WLAN und weit möglichst heruntergedimmter Display-Hintergrundbeleuchtung für zweieinhalb Stunden mit Energie – ein eher mäßiger Wert. Der selbst bei weniger anspruchsvollen Aufgaben ständig laufende Lüfter ist in ruhigen Umgebungen ein wenig aufdringlich.

Fazit

Das 550 Euro teure Gigabyte M912M lässt gute Ansätze erkennen. Ein Touchscreen ist für bestimmte Anwendungen wie Surfen im Web die ideale Ergänzung zur Eingabe per Touchpad und Tastatur. Da Windows XP nicht für die Fingereingabe optimiert ist, kann das Tablet-Netbook seine Vorteile kaum ausspielen. Man bezahlt die Funktion aber relativ teuer: Klassische Netbooks ohne Drehdisplay sind für rund 200 Euro weniger zu haben.

Aber auch die Hardware hat Macken: Aufgrund der mickrigen Tasten sind Vertipper vorprogrammiert. Das Displaygelenk arbeitet schon im Neuzustand nicht sauber.

Die geringe Auflösung des Displays in eines der größten Mankos von Netbooks. Gigabyte bietet das M912 auch mit einem Screen an, der mit 1280 mal 768 Pixeln auflöst. Die Variante M912X kostet gut 60 Euro mehr.

Artikel von CNET.de: https://www.cnet.de

URL zum Artikel: https://www.cnet.de/39200031/gigabyte-m912m-netbook-mit-touchscreen/

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[1] Netbooks: https://www.cnet.de/digital-lifestyle/specials/39199883/alle+netbooks+im+vergleich+eine+uebersicht+billiger+mini_notebooks.htm

[2] Amilo Mini: https://www.cnet.de/tests/desktop/39199275/fujitsu+siemens+amilo+mini+netbook+mit+expresscard_slot.htm

[3] Microsoft: http://www.cnet.de/unternehmen/microsoft/

[4] MSI Wind U100: https://www.cnet.de/tests/desktop/39197565/netbook_renovierung+msi+wind+u100+mit+802_11n.htm

[5] LG X110E: https://www.cnet.de/tests/desktop/39199703/attraktives+netbook+mit+und+ohne+hsdpa+lg+x110.htm