Hervorragende Profi-DSLR für Vollformataufnahmen: Nikon D700

von Lori Grunin am , 15:02 Uhr

Pro
  • ausgezeichnete Fotoqualität bis ISO 6400
  • schnelles Fokussieren und Fotografieren selbst bei wenig Licht
  • erstklassige Fertigungsqualität
  • übersichtlich angeordnete Bedienelemente
Con
  • relativ hohes Gewicht
  • niedrige Auflösung für ihre Klasse
  • Sucher deckt nur 95 Prozent ab
  • auswechselbare Einstellmattscheiben fehlen
  • gelegentliche Probleme mit dem automatischen Weißabgleich bei künstlichem Licht
Hersteller: Nikon Listenpreis:
ZDNet TESTURTEIL: EXZELLENT 9,0 von 10 Punkte
Fazit:

Für jeden, der keine extrem hochauflösenden Fotos, perfekte Videos oder blitzschnelle Sportaufnahmen macht, bietet die Nikon D700 alles, was eine Vollformatkamera zu einem günstigen Preis nur versprechen kann.

Die Nikon D700 ist eine hervorragende digitale Spiegereflexkamera für professionelle Aufnahmen im Vollformat. Ihr relativ hohes Gewicht rechtfertigt sie durch die erstklassige Fertigungsqualität. Trotz etwas niedriger Auflösung liefert sie brillante Bilder. Und das Ganze gibt es zu einem Preis, der Profis ebenso verlockt wie ambitionierte Amateure.

So manch einer benötigt nicht unbedingt die Unzerstörbarkeit oder den eingebauten vertikalen Griff einer traditionellen Profi-DSLR, wie sie die Nikon D3 [1] oder die Canon EOS-1D Mark III [2] bieten. Diese Fotografen sehen in den kleineren, leichteren und billigeren Vollformat-Modellen wie der Nikon D700 und der Canon EOS 5D Mark II [3] die wahren Arbeitstiere. Zudem ermöglichen es die etwas niedrigeren Preise auch ambitionierten Amateurfotografen, im Vollformat zu arbeiten.

Design

Die D700 [4] gibt es in zwei Konfigurationen zu kaufen: nur das Gehäuse oder im Set mit dem alten AF-S VR Zoom-NIKKOR IF-ED [5] mit 24 bis 120 Millimetern Brennweite und F3,5 bis F5,6 Blendenöffnung. Im Kit gibt es das Objektiv, das allein sonst um die 400 Euro kostet, für etwa 300 Euro. Aber wenn für ein Kameragehäuse allein schon um die 2000 Euro anfallen, erscheint es etwas pfennigfuchserisch, ein doch eher mittelmäßiges Objektiv zu wählen. Andererseits ist es relativ kompakt und vielseitig. Um es durch ein besseres zu ersetzen, bräuchte es wahrscheinlich mehrere, größere und teurere Objektive.

Ein Gehäusegewicht von einem knappen Kilo stellt normalerweise nicht gerade ein großes Plus dar. Im Vergleich zu Modellen mit über 1200 Gramm, etwa der D3 oder der Canon EOS-1D-Reihe, ist die D700 ein Leichtgewicht. Trotzdem wiegt sie immer noch etwas mehr als Vollformat-Konkurrenzkameras wie die Sony [6] Alpha DSLR-A900 (850 Gramm) oder die Canon EOS 5D-Reihe (um 730 Gramm). Das Gehäuse fertigt Canon aus einer Aluminiumlegierung. Es fühlt sich wie die Außenhaut eines Panzers an. Zudem ist es besser abgedichtet als das der D300. An die Staub- und Witterungsfestigkeit der D3 kommt die D700 jedoch nicht heran.

Das Gehäusedesign ähnelt stärker der D300 als der D3 und entspricht dem üblichen Nikon-Stil. Fast alle Einstellungen nimmt der Fotograf über Tastenkombinationen und Einstellräder auf der Vorder- und Rückseite vor. Links oben befinden sich Tasten für Qualität, Weißabgleich und ISO-Empfindlichkeit. Dort sitzt auch ein Einstellrad, das zwischen den Betriebsarten (Einzelaufnahme, langsame und schnelle Serienaufnahme), Life-View, Selbstauslöser und Spiegelvorauslösung umschaltet. Dadurch wird der Life-View-Betrieb umständlicher als nötig. Neuere Modelle haben eine eigene Taste, um in diesen Modus zu wechseln. Damit ist er einfacher und schneller zu nutzen. Oben rechts umgibt der Einschalter den Auslöser. Außerdem gibt es Tasten für Belichtungskorrektur und Auswahl des Belichtungsmodus (PASM). Nikon bietet ein herkömmliches Status-LCD, das etwas andere Informationen als der Sucher bietet: Messmodus oder ISO-Empfindlichkeit zeigt es beispielsweise nicht an.

Großzügig verteilt: Die Rückseite der Nikon D700 bietet ordentlich Platz für Bedienelemente.

Vorne links befinden sich ein Schalter für den Autofokus-Modus, Tasten für Klappblitz und Belichtungskorrektur sowie Anschlüsse für ein Fernauslöse- und ein Blitzsynchronisationskabel. Zwischen dem Griff und dem Objektiv verbirgt sich eine frei belegbare Taste. Sie liegt direkt unter dem Ringfinger der rechten Hand. Unsere Lieblingsfunktion ist der virtuelle Horizont, der den Wert der Belichtungskorrektur verwendet, um die Abweichung von der Horizontalen anzuzeigen. Auch der etwas höher sitzenden Abblendtaste lässt sich eine beliebige Funktion zuweisen.

Eines der hervorstechendsten Merkmale des Designs der D700 – und aller anderen Nikon-Kameras ab der Mittelklasse aufwärts – ist die Verwendung von Schaltern, um den Messmodus (1,5-Prozent-Spotmessung, mittenbetonte Messung, evaluativ) und die AF-Messfeldsteuerung (Einzelfeldsteuerung, dynamische und automatische Messfeldsteuerung) direkt anzuwählen. Anschließend ermöglicht es der Achtwege-Multiselektor, den Fokuspunkt im Sucher auszuwählen. Dabei kommt immer noch die gleiche, praktische Navigationssteuerung wie bei der D3 zum Einsatz. Der Schalter selbst dient zudem auch dazu, durch Fotos und Informationsbildschirme bei der Wiedergabe zu scrollen. Allerdings ist er bei schnellen Bewegungen etwas zu unpräzise. Insgesamt erscheint das aber nach wie vor besser als die Alternativen der Konkurrenz.

Andere Bedienelemente auf der Rückseite umfassen separate AF-Aktivierung und AF/AE-Lock sowie das übliche Sortiment für Wiedergabe, Löschen, Info, Menü und so weiter. Wie üblich bei Nikon-DSLRs sind auch bei der D700 zwei gleichzeitige Tastendrücke zum Formatieren (Löschen plus Modus) und Zurücksetzen (Qualität und Belichtungskorrektur) erforderlich.

Funktionsumfang

Wie die D3 und die D300 bietet auch die D700 jede Menge Funktionen zur benutzerspezifischen Anpassung. Es stehen zwei Speicherplatzreihen für benutzerspezifische Einstellungen zur Verfügung, von denen jede vier Plätze hat, sowie eine frei konfigurierbare Menüseite. Wie bei der D300 gibt es bei der dynamischen Messfeldsteuerung die Wahl zwischen 9, 21 oder 51 AF-Messfeldern sowie 51-Punkt-3D-Tracking. Wie bei der D300 auch sind diese Optionen aber unglücklicherweise tief in den Menüs vergraben. Wir finden auch die Möglichkeit praktisch, die Größe des Messfelds bei mittenbetonter Messung zu wählen. Die zahlreichen anderen Optionen würden den Rahmen dieses Testberichts sprengen: Weitere Details bietet ein Prospekt [4] auf der Website von Nikon.

Die 5D Mark II mit ihrem Videoaufnahmemodus und dem hochauflösenden 21-Megapixel-Sensor stellt den 12-Megapixel-CMOS-Sensor der D700 mit seiner relativ niedrigen Auflösung in den Schatten. Es handelt sich übrigens um den gleichen Chip wie bei der D3. Wie ihre Nikon-Geschwister ist die D700 besonders gut für HDR-Anwendungen geeignet. Es gibt Optionen für Belichtungsreihen mit bis zu neun Aufnahmen bei 5 LW in Drittel-, halben oder ganzen Schritten. Darüber hinaus sind die neuen Picture-Controls zum Justieren und Speichern von Kontrast, Helligkeit, Schärfe, Sättigung und Farbe bemerkenswert. Auch Active D-Lighting, Vignettensteuerung sowie eine eher ärgerliche Option für Mehrfachbelichtungen sind vorhanden. Letztere setzt sich nach jedem Stapel auf Off zurück – einen Gang ins Menüsystem ist erforderlich, um sie wieder einzuschalten. Für 12- oder 14-Bit-RAW-Dateien stehen die Einstellungen verlustbehaftete beziehungsweise verlustlose Kompression und unkomprimiert zur Verfügung. Wie die D3 hat die D700 eine DX-Format-Automatik für die reibungslose Zusammenarbeit mit DX-Objektiven.

Performance

Für alle, die nicht die Geschwindigkeit professioneller Sportaufnahmen benötigen, ist die D700 ausreichend schnell. Ihre Performance liegt nur knapp unter jener der D3. Vom Einschalten bis zur ersten Aufnahme braucht sie weniger als 0,2 Sekunden. Bei gutem Licht benötigt sie zum automatischen Fokussieren und Aufnehmen 0,3, bei schlechten Lichtverhältnissen 0,6 Sekunden. Nach der D3 stellt das die klassenbeste Leistung dar.

Wie bei der D300 dauern zwei aufeinander folgende Aufnahmen etwa 0,5 Sekunden. Mit einer Bildrate von 4,9 fps bei Serienaufnahmen hinkt die D700 allerdings der Konkurrenz hinterher. Für die meisten Situationen genügt das allerdings locker. Bei Bedarf lässt sich die Bildrate durch den MB-D10-Batteriegriff auf angegebene, D3-ähnliche 8 fps steigern. Der Griff ist übrigens zu viel Zubehör kompatibel, das auch für die D300 passt.

Darüber hinaus leistet die D700 mit demselben AF-System wie die D300 eine schnelle und akkurate Fokussierung selbst bei wenig Licht. Der Sucher dagegen ist enttäuschend. Er deckt nur 95 Prozent der Szene ab. Das erscheint merkwürdig, da doch die D3 und die D300 beide 100 Prozent der Szene zeigen. Bei der D700 fehlen auch die Einstellmattscheiben, die viele ihrer Konkurrentinnen mitbringen.

Bildqualität

Es überrascht nicht, dass die D700 eine tolle Fotoqualität liefert. Mit einem wirklich guten Objektiv gelingen die Fotos außerordentlich scharf. Die Kamera bietet eine ausgezeichnete Belichtung und einen hohen Dynamikbereich. Sowohl dem visuellen Eindruck nach wie auch zahlenmäßig bietet sie eine erstklassige Farbgenauigkeit. Allerdings kommt der automatische Weißabgleich bei Kunstlicht ins Straucheln. Die D700 hat ein ausgezeichnetes Rauschprofil: Fotos weisen bis circa ISO 6400 keine Verschlechterung auf. Sie bleiben je nach Motiv bei ISO 6400 und ISO 12.800 noch absolut brauchbar. Bei ISO 25.600 fallen sie noch nicht so schlecht aus wie mit der Canon EOS 50D bei gleicher Empfindlichkeit. Doch trotzdem bleibt das eher eine Option für den Notfall.

Die einzige bedeutende Schwäche der Nikon D700 ist ihre Auflösung. Für Anhänger des Druckens ohne Skalierung hat der größte Ausdruck, der sich mit einer Auflösung von 300 dpi aus ihren 12-Megapixel-Dateien erzielen lässt, das Format 36 mal 23,8 Zentimeter. Für einen Abzug im Format 40,6 mal 28 Zentimeter sind 15,8 Megapixel erforderlich, auch wenn beispielsweise Epson-Drucker dieses Format mit 240 dpi erzielen können. In dieser Auflösungsklasse ist ihr wichtigster Konkurrent die ältere und jetzt ziemlich günstige Canon EOS 5D [7]. Sie ist jedoch so alt, dass keine vergleichsfähigen Leistungsdaten vorliegen. Obwohl sie nicht mehr in der offiziellen Canon-Produktreihe auftaucht, ist sie auf dem Markt immer noch erhältlich.

Fazit

Im Vergleich zur 5D hat die D700 einen größeren Belichtungsspielraum, ein besseres AF-System und eine modernere Funktionsausstattung. Andererseits verfügt Canon über ein umfassenderes Objektivprogramm für Vollformatkameras, das auch mehr Optionen im mittelpreisigen Segment bietet. Für alle, die Videos aufnehmen möchten, ist die Auswahl im Vollformatbereich natürlich auf die 5D Mark II begrenzt. Ansonsten ist die D700 aber eine tolle DSLR für Profis und ambitionierte Amateure.

Artikel von CNET.de: https://www.cnet.de

URL zum Artikel: https://www.cnet.de/39201308/hervorragende-profi-dslr-fuer-vollformataufnahmen-nikon-d700/

URLs in this post:

[1] Nikon D3: http://lifestyle.cnet.de/nikon-d3-digitalkamera--a1gI.html

[2] Canon EOS-1D Mark III: https://www.cnet.de/tests/digicam/39188908/exzellente+profi_dslr+canon+eos_1ds+mark+iii.htm

[3] Canon EOS 5D Mark II: http://lifestyle.cnet.de/canon-eos-5d-mark-ii-with-24-105mm-lens-digitalkamera--avyH.html

[4] D700: http://www.nikon-highlights.de/D700/

[5] AF-S VR Zoom-NIKKOR IF-ED: http://www.nikon.de/product/de_DE/products/broad/400/overview.html

[6] Sony: http://www.cnet.de/unternehmen/sony/

[7] Canon EOS 5D: http://lifestyle.cnet.de/canon-eos-5d-slr-digitalkamera-12-megapixel-inkl-ef--oDE-B000WFB520.html