Erstes Touchscreen-Handy aus Finnland: Nokia 5800 XpressMusic

von Andrew Lim am , 11:33 Uhr

Pro
  • WLAN
  • HSDPA
  • GPS
Con
  • dürftiger Touchscreen
  • langweiliges Design
Hersteller: Nokia Listenpreis: 395 Euro
ZDNet TESTURTEIL: SEHR GUT 7,9 von 10 Punkte
Fazit:

Das 5800 XpressMusic hat einige tolle Funktionen, aber der Touchscreen ist verbesserungswürdig.

Die Vorfreude auf das Nokia 5800 XpressMusic war ziemlich groß – und vielleicht zu groß, denn der Touchscreen des 5800 ist lange nicht so reaktionsfreudig wie der des iPhone. Gelegentlich muss sogar der Stylus nachhelfen. Zum Musikhören eignet sich das 5800 jedoch recht gut. Bleibt zu hoffen, dass Nokia beim nächsten Touchscreen-Handy alles richtig macht.

Nachdem Apple [1] mit dem iPhone [2] neue Maßstäbe gesetzt hat, kam die Frage auf: Wie lange lässt Nokia mit seinem ersten Touchscreen-Handy auf sich warten? Die Antwort lautet: „weit länger als angenommen“. Nach über einem Jahr ist es jetzt so weit. Aber kann das 5800 XpressMusic, das erste Touchscreen-Handy der Finnen, tatsächlich mit dem iPhone mithalten? Der Test soll genau diese Frage beantworten.

Design

Abgesehen vom Touchscreen sieht das 5800 genauso aus und fühlt sich auch genauso an wie die meisten Schokoriegel-Handys von Nokia. Das Kunststoffgehäuse macht zwar einen soliden Eindruck, aber es ist nicht gerade aufregend. Alles wirkt ziemlich banal, es fehlt einfach an Pep. Ein Display aus Glas oder ein ultraflaches Gehäuse wären da nicht schlecht gewesen.

Im Gegensatz zum reaktionsfreudigen Display des iPhone erweist sich der Touchscreen des 5800 als ziemlich störrisch. Der Benutzer muss ordentlich Druck ausüben, damit es überhaupt merkt, dass er etwas von ihm will. Leider ist manchmal sogar ein Griffel erforderlich, um präzise navigieren zu können. Neben dem alles andere als perfektem Bildschirm verhindert auch eine klobig wirkende, erhöhte Umrandung, dass das 5800 als elegantes Handy durchgeht.

Obendrein will das Display zuerst mittels einer Entsperrtaste an der Seite aktiviert werden. Das kann wirklich nerven, wenn man schnell jemanden anrufen möchte. Doch nicht alles am Design ist so schlecht. Das 5800 hat auch einige überzeugende Aspekte zu bieten: etwa die 3,5-Millimeter-Kopfhörerbuchse an der Oberseite und einen gut zugänglichen microSD-Kartensteckplatz.

Im Vergleich zu anderen Nokia-Handys bleibt nur zu sagen, dass die finnischen Entwickler bei diesem Modell nicht gerade in Höchstform waren. Doch bei den nächsten Touchscreen-Handys werden sie sicherlich wieder bessere Arbeit leisten. Wenn es am 5800 wirklich etwas zu verändern gibt, dann sollte also unbedingt ein bedienfreundlicherer Touchscreen verbaut werden.

Funktionsumfang

Obwohl das 5800 rein äußerlich im Test nicht gerade überzeugt, lässt sein Funktionsumfang die Herzen höher schlagen. Die Modellbezeichnung „XpressMusic“ trägt das 5800 in jedem Fall zu Recht. Der integrierte Musik-Player mit Albumanzeige funktioniert wirklich gut. Der Nutzer kann entweder über eine Suchleiste nach Titeln suchen oder auf dem Display mit dem Finger durch eine Titelliste navigieren.

Über den Nokia Music Store lässt sich kinderleicht Musik direkt auf das Handy herunterladen. Außerdem – und das ist das beste – genügt zum Musikhören ein ganz normaler Kopfhörer. Das mitgelieferte Headset des 5800 verfügt zudem über eine praktische Fernbedienungseinheit. Sie ermöglicht das Bedienen des Handys, wenn es gerade in der Hosentasche steckt.

WLAN und HSDPA sorgen für einen flotten Internetzugang. Auch der Browser des 5800 erfüllt seinen Zweck. Die Internetseiten zeigt es komplett an. Der Anwender kann hinein- und herauszoomen sowie den jeweils angezeigten Seitenausschnitt mit dem Finger verschieben. Er ist zwar nicht ganz so beeindruckend wie der Safari-Browser des iPhone, doch er funktioniert – und er reicht aus, um beim Warten am Bahnhof Nachrichten oder Wetterhinweise zu lesen.

Über die YouTube-Mobilseite zeigt das Nokia auch Videos. Im Test funktioniert das allerdings nicht ganz zuverlässig. Dafür können jedoch auch externe Verbindungsprobleme die Ursache sein.

Dank integriertem GPS arbeitet das 5800 in Verbindung mit Nokia Maps oder Google [3] Maps auch als Satellitennavigationsgerät. Das klappt im Test bestens. Das große Display sorgt für die bislang beste Navigationsperformance eines Nokia-Handys. Wie erwartet funktioniert GPS am besten draußen mit freier Sicht gen Himmel.

Die 3,2-Megapixel-Kamera ist zwar nicht die beste je in einem Nokia-Handy verbaute, aber bei Tageslicht leistet sie gute Dienste – und die Qualität reicht problemlos für MMS-Nachrichten oder kleine Ausdrucke. Bei schlechten Lichtverhältnissen erhellen die zwei LED-Fotoleuchten nur Objekte, die sich wenige Meter vor dem Objektiv befinden. Für alles, was weiter entfernt liegt, sind sie zu schwach. Ein Xenon-Blitz wäre hier die bessere Lösung.

Sobald ein Foto geschossen ist, landet es in der Galerie. Dort kann der Nutzer, ähnlich wie beim iPhone, durch sämtliche Fotos blättern. Ein integrierter Beschleunigungssensor ermöglicht es, durch einfaches Drehen des Geräts Bilder im Hoch- oder Querformat anzuzeigen. Der Sensor funktioniert jedoch teilweise etwas träge. Mit Hilfe einer Zoomtaste auf dem Display lassen sich die Bilder vergrößern und verkleinern. Insgesamt fällt die Fotowiedergabe beim 5800 recht ordentlich aus. Sie kommt aber weder an die Geschwindigkeit noch an die Dynamik der iPhone-Galerie heran.

All diese Funktionen werden von einer überarbeiteten Schnittstelle aus gesteuert. Sie soll das Bedienen mit den Fingern leichter machen. Auf der Startseite befindet sich eine Reihe großer Symbole, um auf Kontakte, Nachrichten und andere Informationen zuzugreifen. Eine Direktzugriffstaste oberhalb des Bildschirms öffnet die Medienanzeige. Das erscheint aber eigentlich ziemlich überflüssig.

Die Startseite lässt sich nach Wunsch konfigurieren. Danach zeigt sie mehrere Informationen an, beispielsweise Textnachrichten und aktuelle Termine. So manch einer mag das für nützlich halten, andere finden es unübersichtlich. Ein weiterer strittiger Aspekt am 5800 ist das Texteingabesystem. Es gibt verschiedene Bildschirmtastaturen, darunter eine Standardtastatur und eine vollständige QWERTZ-Version.

Da das Display nicht gerade durch Reaktionsfreudigkeit überzeugt, ist es auf Dauer sehr ermüdend, mit diesen Tastaturen zu arbeiten. Denn die Tasten reagieren schlichtweg nicht immer wie gewünscht. Wer deshalb anfängt, seine Nachrichten mit dem Stift einzugeben, merkt recht bald, dass das auch nicht viel besser geht. Eine herausziehbare, mechanische QWERTZ-Tastatur wäre da schon eine feine Sache.

Performance

Die Tonqualität beim Telefonieren fällt ebenso akzeptabel aus wie der Klang des MP3-Players. Wie nicht anders zu erwarten, hört sich die Wiedergabe über den Lautsprecher bei höherer Lautstärke blechern an. Mit eigenen Kopfhörern lässt sich das Klangerlebnis deutlich verbessern. Daher sei allen Musikfans geraten, sich ein paar ordentliche Kopfhörer zuzulegen.

Die Bildqualität der 3,2-Megapixel-Kamera reicht für MMS-Nachrichten, kleine Ausdrucke und zum Ansehen der Bilder auf dem Display aus. Doch unter schlechten Lichtverhältnissen gibt es keine überragenden Ergebnisse. Angesichts anderer Nokia-Handys, etwa des N82 [4], ist es wirklich bedauerlich, dass der Hersteller dem 5800 keine bessere Kamera gegönnt hat.

Die Akkulaufzeit gibt Nokia mit über acht Stunden Sprechzeit bei GSM- und fünf Stunden bei UMTS-Nutzung an. Im Standby-Modus soll der Akku sowohl bei GSM als auch bei UMTS rund 17 Tage halten. Im Test schwankt die Akkulaufzeit stark, je nachdem, wie häufig HSDPA, GPS und andere stromfressenden Funktionen zum Einsatz kommen. Selbst bei häufigem Gebrauch hält der Akku aber in jedem Fall mindestens einen Tag.

Fazit

Es lässt sich nicht verschweigen, dass Nokias erstes Touchscreen-Handy leider nicht unseren Erwartungen entspricht. Es gibt zwar nichts, was absolut missraten wäre. Doch im Vergleich zu Nokias überzeugenden Mobiltelefonen, beispielsweise dem E71 [5], wirkt das 5800 ziemlich glanzlos. Und wenn schon ein Touchscreen zum Einsatz kommt, dann muss er auch wirklich gut sein.

Der Touchscreen des 5800 kann im Test jedoch nicht bestehen. Er ist weder so reaktionsfreudig noch so schnell, wie das zu wünschen wäre. Und das trübt den Gesamteindruck doch erheblich. Mit einem schickeren Styling und einem ausgereifteren Touchscreen hätte das 5800 jedenfalls bessere Noten erhalten.

Artikel von CNET.de: https://www.cnet.de

URL zum Artikel: https://www.cnet.de/41000454/erstes-touchscreen-handy-aus-finnland-nokia-5800-xpressmusic/

URLs in this post:

[1] Apple: http://www.cnet.de/unternehmen/apple/

[2] iPhone: https://www.cnet.de/tests/handy/39193346/endlich+da+und+schon+getestet+iphone+3g.htm

[3] Google: http://www.cnet.de/unternehmen/google-inc/

[4] N82: https://www.cnet.de/tests/handy/39160861/tolle+features+im+reizlosen+riegel+nokia+n82.htm

[5] E71: https://www.cnet.de/tests/handy/39193666/symbian_handy+mit+gps_+wlan+und+tastatur+nokia+e71.htm