24-Megapixel im Vollformat: Sony Alpha DSLR-A900

von Lori Grunin am , 12:05 Uhr

Pro
  • Bildstabilisator im Gehäuse integriert
  • guter Sucher
  • tolles Zubehörsystem
  • 24-Megapixel-Vollformat-Sensor
  • drei individuell belegbare Modus-Einstellungen
Con
  • Fokus-Bereichwahl nicht fixierbar
  • störende Vorschautaste
  • enttäuschende Performance für die Preisklasse
  • kein Live-View-Modus
  • lauter Spiegel
  • langsamer Autofokus
  • niedrige Einzelbildgeschwindigkeit
  • deutliches Rauschen ab ISO 1600
Hersteller: Sony Listenpreis:
ZDNet TESTURTEIL: GUT 7,4 von 10 Punkte
Fazit:

Die hohe Auflösung ist atemberaubend, aber vieles an der A900 kann noch nicht so recht überzeugen.

Der erste Versuch von Sony, eine Kamera im Profisegment zu platzieren, scheint recht gut gelungen. Die Sony Alpha DSLR-A900 bietet zumindest eine sehr hohe Auflösung. Doch zum stolzen Preis von 2200 Euro erwarten wir mehr. CNET hat getestet, ob Leistung und Handling ebenfalls stimmen.

Sony [1] legt offensichtlich großen Wert darauf, für die A900 die Bezeichnung „Profikamera“ zu vermeiden. Stattdessen ist die Rede vom Flaggschiff der DSLR [2]-Pruduktlinie. Mit einem Preis ab 2200 Euro bewegt sie sich aber durchaus im Bereich der Profimodelle. Und ihre Vollformat-Mitbewerber, die Nikon D700 [3] und die Canon EOS 5D Mark II [4], finden ihre Abnehmer hauptsächlich unter professionellen Fotografen. Außerdem erfordert ein so hoch auflösender Sensor ein scharfes, vorzugsweise schnelles Objektiv. Und solche Optiken sind teuer. Für reine Amateurfotografen übersteigen die Anschaffungskosten in der Regel das Budget. Im Test kommt ein 24-bis-70-Millimeter-Modell (f2,8) von Zeiss zum Einsatz.

Das Zubehörpaket zählt daneben wohl zu den innovativsten und professionellsten, die sich derzeit bei vergleichbaren Kameras vorfinden. Dazu gehören unter anderem der zur Seite drehbare HVL-F42AM-Blitz sowie der Funktionshandgriff VG-C90AM. Er bietet Platz für mehr Akkus und bringt die wichtigsten Steuerungstasten in nahezu identischer Anordnung noch einmal mit. So garantiert Sony sowohl für Quer- als auch für Hochformataufnahmen dieselbe Bedienungsfreundlichkeit. Ebenso wie andere Sony-DSLRs [5] arbeitet die A900 auch mit Konica-Minolta-Objektiven zusammen.

Design

Die Aufmachung der A900 erinnert an das Design der A700. Mit 935 Gramm wiegt die A900 nicht gerade wenig – dennoch ist sie leichter als die Nikon D700 und in etwa mit der 5D Mark II vergleichbar.

Ein kleines Status-Display an der Kameraoberseite zeigt Informationen zu Verschluss, Blende, Akku und verbleibender Kapazität an. Für alles Übrige gibt es das 3-Zoll-LC-Display auf der Rückseite. Wie die A700 gewährt die A900 Fotografen vollen Zugriff auf alle Einstellungen direkt über den Bildschirm.

Die Bedienelemente erfordern allerdings etwas Eingewöhnung. Denn viele sehen gleich aus und fühlen sich für den Finger auch recht ähnlich an. Es ist nicht einfach, sich die genauen Positionen der Knöpfe zu merken. Das Modus-Einstellrad bietet drei Positionen für eine individuelle Belegung. Und der große, helle Sucher macht ordentlich Spaß.

sony_a900
Einige Steuerelemente der A900 sind durchaus gelungen – etwa die beiden großen, individuell programmierbaren Funktionstasten und der Schalter für den Bildstabilisator.

Bedauerlicherweise gibt es beim Design der A900 zwei dicke Mängel, die uns in den Wahnsinn treiben. Erstens lässt sich der Navigations-Joystick, der den Autofokus-Bereich einstellt, nicht fixieren. Wer stets nur die festen Spot- oder Weitwinkel-Einstellungen verwendet, den wird das nicht weiter stören. Doch beim Arbeiten mit dem lokalen Autofokus ändert sich der ausgewählte AF-Bereich häufig unbeabsichtigt.

Der zweite Makel betrifft die Vorschautaste. Viel zu oft wird sie aus Versehen gedrückt. Wenn dann auch noch die intelligente Vorschau aktiviert ist, schaltet die Kamera in einen anderen Modus. Aus dem muss sich der Benutzer dann erst mal wieder befreien. Jeder aus unserer Redaktion, der diese Kamera in den Händen hielt, berührte diese Taste tatsächlich versehentlich.

Schließlich wirkt auch der Spiegel bei der A900 ungewöhnlich laut, obwohl das keinen wirklichen Design-Fehler darstellt.

Funktionsumfang

Bei Nikon und Canon ist das Objektiv für die Bildstabilisation verantwortlich. Sony hat sich hingegen für ein im Gehäuse integriertes System entschieden und nennt es „Super Steadyshot Inside“.

Ein innovatives Merkmal der A900 ist die bereits erwähnte intelligente Vorschau. Durch Drücken der Schärfentiefetaste zeigt das LCD ein Vorab-Bild der Szene an. Anschließend passt der Nutzer Einstellungen wie Belichtung, Weißabgleich, Verschlussgeschwindigkeit und so weiter an und verfolgt die Änderungen auf dem Display. Das ist zwar grundsätzlich eine gute Idee, doch in der Praxis funktioniert die Displayanzeige etwas zu ungenau. Somit eignet sich dieses Feature letztlich nur für Grobeinstellungen.

Die A900 bietet die typischen Funktionen, die man bei einer solchen Kamera auch erwarten darf. Darunter findet sich ein Kreativmodus zur individuellen Einstellung von Kontrast, Sättigung, Schärfe und Helligkeit. Die Funktion „Zone“ verhindert die Über- oder Unterbelichtung von Fotos. Außerdem gibt es einen D-Range-Optimierer (DRO) zur Erweiterung des Dynamikbereichs sowie eine Belichtungsreihenfunktion (+/- 3 Einstellungen in 1/3- oder 2/3-Schritten), Weißabgleich- und DRO-Reihen.

Zu den Funktionen, die in erster Linie für professionelle Anwender von Interesse sein dürften, zählen ein komprimiertes RAW-Format für 8-Bit- anstelle der üblichen 12-Bit-Aufnahmen sowie die Möglichkeit, Feinanpassungen am Autofokus vorzunehmen. Das behebt Probleme beim Fokussieren von Objekten im Vorder- oder Hintergrund des Motivs. Denn im Gegensatz zu den Mittelklasse-Modellen von Nikon und Canon gibt es bei der A900 nur eine einzige Fokuseinstellung.

Die A900 verfügt über einige Tasten und Einstellräder zur individuellen Belegung. Wer einen genaueren Überblick über den üppigen Funktionsumfang und die Handhabung der A900 haben möchte, sollte sich das Benutzerhandbuch im PDF-Format [6] herunterladen.

Performance

Zur Verarbeitung der enormen Menge an Bilddaten hat Sony die A900 mit zwei seiner Bionz-Prozessoren ausgestattet. So schafft sie im Serienbildmodus bis zu fünf Bilder pro Sekunde. Dabei stößt allerdings der Pufferspeicher sogar mit einer schnellen UMDA-Speicherkarte, etwa der 4 GByte großen SanDisk-Extreme-Ducati, schnell an seine Grenzen. Die beiden Prozessoren sorgen dafür, dass das Verarbeiten und Speichern von Bildern auch mit hoher ISO-Empfindlichkeit nicht zu lange dauert.

Eine Kamera dieser Preisklasse muss aber nicht unbedingt im Serienbildmodus Spitzenleistungen zeigen. Sie sollte vor allem durch einen schnellen Autofokus und zügige Einzelaufnahmen überzeugen. Leider bleibt die A900 hier hinter den Erwartungen zurück. Beispielsweise schwankt die Auslöseverzögerung auch bei optimalen Bedingungen: Manchmal liegt sie bei recht guten 0,3 Sekunden, ein anderes Mal beträgt sie aber gerade noch akzeptable 0,5 Sekunden.

Den größten Anlass zur Kritik gibt jedoch der verhältnismäßig träge Autofokus bei schlechten Lichtverhältnissen, etwa bei Innenaufnahmen – zumindest in Verbindung mit dem mitgelieferten 24-bis-70-Millimeter-Objektiv (f2,8). Die Kamera benötigt rund 1,2 Sekunden zum Scharfstellen und Auslösen. Für spielende Katzenkinder ist das in unserem Test deutlich zu langsam. Die Nikon D90 macht da einen reaktionsfreudigeren Eindruck. Positiv fällt auf, dass die Optimierung des Dynamikbereichs die Kamera scheinbar überhaupt nicht ausbremst.

Rein technisch schießt die A900 jedoch hervorragende Bilder. Die Rauschwerte fallen durchwegs gut aus und die Farben bleiben konstant. Doch nach Hunderten von Aufnahmen stellt sich bei uns noch immer nicht der Wow-Effekt ein, den wir bei einer Kamera dieser Kategorie eigentlich erwarten. Die Bilder der A900 sind nicht so scharf, wie wir es von Nikon und Canon gewohnt sind. Die hohe Auflösung bietet da einen gewissen Trost für die mangelnde Schärfe. Denn gleich große Ausdrucke erfordern dadurch geringere Zoomstufen.

Ab ISO 1600 wirken die Bilder zunehmend rauschig und verwaschen. Hier hält die A900 einfach nicht mit den Bildern der Canon 5D Mark II mit. Die Farben wirken allerdings hervorragend: hell, satt und auch einmal eher gedämpft, wenn es nötig ist. Bei Innenaufnahmen mit automatischem Weißabgleich kommt es im Test allerdings zu einigen Rot-Orange-Verschiebungen.

Fazit

Die Sony Alpha DSLR-A900 ist für einen ersten Vollformat-Versuch durchaus gelungen. Aber es gibt noch deutlich Aufholbedarf gegenüber Nikon und Canon. Beide Hersteller arbeiten schon weitaus länger in dieser Kategorie und hatten entsprechend mehr Zeit, an ihren Produkten zu feilen. Das bisher nicht allzu ausgeprägte Engagement von Sony im Bereich der optischen Bildstabilisierung wirkt sich dennoch hier zu Gunsten des Neulings aus. Doch so richtig überzeugen kann uns diese Kamera nicht.

Testergebnisse

Aufnahmegeschwindigkeit (in Sekunden)
(kürzere Balken bedeuten bessere Leistung)

Zeit bis zur ersten Aufnahme   
Aufnahme zu Aufnahme   
Verschlussverzögerung (schlechte Lichtverhältnisse)   
Verschlussverzögerung (typisch)   

Nikon D700 [3]

0,2 
0,5 
0,6 
0,3 

Sony Alpha DSLR-A900

0,3 
0,5 
1,2 
0,4 

Typische Serienbildgeschwindigkeit (Bilder pro Sekunde)
(längerer Balken bedeutet bessere Leistung)

Nikon D700 [3]

4,9 
Sony Alpha DSLR-A900

4,7 

Artikel von CNET.de: https://www.cnet.de

URL zum Artikel: https://www.cnet.de/41000764/24-megapixel-im-vollformat-sony-alpha-dslr-a900/

URLs in this post:

[1] Sony: http://www.cnet.de/unternehmen/sony/

[2] DSLR: https://www.cnet.de/tests/digicam/archiv/a3T1/

[3] Nikon D700: https://www.cnet.de/tests/digicam/39201308/hervorragende+profi_dslr+fuer+vollformataufnahmen+nikon+d700.htm

[4] Canon EOS 5D Mark II: https://www.cnet.de/tests/digicam/41000767/vollformat_dslr+mit+hd_videofunktion+canon+eos+5d+mark+ii.htm

[5] Sony-DSLRs: https://www.cnet.de/tests/digicam/archiv/c10181-a3T1/

[6] Benutzerhandbuch im PDF-Format: http://pdf.crse.com/manuals/3877682431.pdf