Vollformat-DSLR mit HD-Videofunktion: Canon EOS 5D Mark II

von Lori Grunin am , 13:56 Uhr

Pro
  • hervorragende Leistung
  • brillante Fotoqualität
  • gute Videofunktion und -qualität
Con
  • keine drahtlose Blitzsteuerung
  • großes Spotmessfeld
  • kein integrierter Blitz
  • wenig direkte Bedienungselemente
  • mittelmäßiger Autofokus
Hersteller: Canon Listenpreis:
ZDNet TESTURTEIL: EXZELLENT 8,6 von 10 Punkte
Fazit:

Das lang ersehnte Upgrade der Canon EOS 5D schafft eine hervorragende Bildqualität. Endlich zeichnet die DSLR auch Videos mit 1920 mal 1080 Pixeln auf. Lediglich beim Autofokus und der Bedienung wünschen wir uns noch ein paar Verbesserungen.

Die Canon EOS 5D Mark II ist eine beeindruckende Nachfolgerin der ursprünglichen EOS 5D. Die tolle Vollformatkamera schießt fantastische Fotos, wie es sonst nur echte Vollprofi-Kameras schaffen.

Über drei Jahre gibt es die Canon EOS 5D [1] schon am Markt. Das ist heutzutage eine lange Zeit für ein technisches Produkt. Vor allem im Bereich der digitalen Kameras [2], wo sich die Technologie derart schnell wandelt. Die EOS 5D hatte zwar immer eine große Fangemeinde, doch gleichzeitig weckte sie bei den Nutzern auch den Wunsch nach mehr.

Ihre jetzt erschienene Nachfolgerin, die EOS 5D Mark II, stellt also in vieler Hinsicht ein Pflicht-Upgrade dar. Darauf haben anspruchsvolle Amateurfotografen, denen die 5D als zuverlässiges Arbeitstier dient, sehnsüchtig gewartet. Zudem stecken in ihr zahlreiche Bildverarbeitungskomponenten der EOS-1Ds Mark III [3], etwa eine höhere Version der Bildverarbeitungsengine Digic 4. Mit rund 2400 Euro ist sie jedoch deutlich günstiger. Da lachen Herz und Geldbörse ambitionierter Fotografen. Auch gegenüber der direkten Konkurrenz gibt sich die neue 5D damit angriffslustig. Und dazu kommen noch ihr neuer 21-Megapixel-CMOS-Sensors und eine bahnbrechenden Videofunktion.

Design

Die Kamera kommt in zwei offiziellen Konfigurationen: nur das Kameragehäuse oder als Version im Set mit dem EF-Objektiv 24 bis 105 Millimeter f/4L IS USM. Normalerweise bieten Objektive innerhalb von Sets dieser Art nur wenig Anlass zur Freude. Aber diese 24-bis-105-Millimeter-Linse übertrifft merklich die Erwartungen. Sie dürfte für jeden eine gute Ergänzung abgeben, der ein passendes Erstobjektiv sucht. Wie bei allen hoch auflösenden Modellen macht es sich allerdings bezahlt, das Objektiv mit der größten verfügbaren Schärfe auszuwählen.

Mit etwas mehr als 907 Gramm wiegt die Mark II etwas mehr als ihre Vorgängerin. Das staub- und witterungsgeschützte Gehäuse hat Canon nach eigenen Angaben rund um die Kartenabdeckung und die Tasten verstärkt. Auch die Lebensdauer des Verschlusses hat sich auf über 150.000 Funktionszyklen erhöht.

Das Kameragehäuse selbst besteht aus Stahl und ist mit einer Magnesiumlegierung beschichtet. Trotz offensichtlich robuster Bauweise liegt die Kamera aber nicht so klotzig in der Hand wie die Nikon D700 [4]. Sie zeigt sich wie alle Profi-DSLRs von Canon [5] sehr bequem in der Handhabung. Nachteilig am aktualisierten Design ist lediglich, dass neues Zubehör erforderlich ist. Beispielsweise benötigt der Nutzer einen anderen Akku und einen neuen vertikalen Griff.

Die Bedienelemente hat Canon im Vergleich zu den übrigen Modellen neu angeordnet. An der Oberseite befindet sich das Haupteinstellrad. Daneben gibt es vier jeweils mit Doppelfunktionen belegte Tasten. Sie dienen zum Einstellen der Belichtungsmessart (Messfeld: gewaltige 3,5 Prozent für die Spotmessung, 8 Prozent für Teilmessung, mittenbetonte und evaluative Messung), des Weißabgleichs, des Autofokus (One-Shot, „AI Servo“ und „AI Focus“), der Serienmodi, der ISO-Empfindlichkeit sowie der Blitzkorrektur.

Im Gegensatz zur Sony Alpha DLSR-A900 [7] zeigt das oben angebrachte Status-LCD vollständige Informationen an. Im Display auf der Rückseite lassen sich ebenfalls die aktuellen Einstellungen aufrufen. Im Unterschied zur A900 kann der Benutzer aber nicht in ihnen navigieren. Das ist ebenso ein Manko wie das Fehlen der bei der A900 und D700 vorhandenen Taste zur Direkteinstellung der Belichtungsmessung. Das Modus-Einstellrad auf der Oberseite bietet pflichtgemäß lediglich einige Grundfunktionen: Bulb-Modus, PASM, Automatikmodus, drei benutzerdefinierbare Modi und den Creative-Auto-Modus, der bei der EOS 50D Premiere hatte.

canon_5d-mark-ii
Das Beste am Design der Canon-DSLR sind die altbewährten Navigationselemente, besonders das große Daumenrad und der Acht-Wege-Joystick.

Auf der Rückseite rechts oben liegen die Tasten zum Einschalten des Autofokus, der Belichtungssperre und zur Fokuspunktauswahl. Links sitzen die Tasten für Live-View/PictBridge, Menü, Picture Styles, Info, Wiedergabe und Löschen. Unglücklicherweise fühlen sich benachbarte Tasten meist auch identisch an. Der als Joystick ausgeführte Multi-Controller und das Schnellwahl-Einstellrad mit der Enter-Taste sind dieselben wie bei den jüngsten Canon-Modellen. Sie bewähren sich auch hier.

Der Sucher präsentiert sich etwas größer und heller als bei der 5D. Er bietet mit 98 gegenüber 95 Prozent zwar eine größere Blickfeldabdeckung als der der D700. Doch die 100 Prozent einer A900 oder von Mittelklassemodellen wie der Olympus E-3 [8] erreicht er nicht. Aber vielleicht schafft Canon die restlichen zwei Prozent ja irgendwann auch noch.

Funktionsumfang

Die bemerkenswerteste Funktion, mit der die Mark II gegenüber der Konkurrenz punkten kann, ist ihre Videofunktionalität. Canon arbeitet hier mit einer Auflösung von 1920 mal 1080 Pixeln bei 30 Bildern pro Sekunde, also echter 1080p-High-Definition. Ein eingebautes Mono-Mikrofon und ein Stereo-Mikrofoneingang runden das Ganze ab. Die maximale Aufzeichnungsdauer beträgt zwölf Minuten – bei Verwendung einer 4-GByte-Karte. Alles in allem ist die Implementierung durchaus gelungen. Der Autofokus funktioniert beim Filmen leider nicht. Doch die Belichtung lässt sich während der Aufnahme nachjustieren, die optische Stabilisierung funktioniert, und Picture Styles stehen auch zur Verfügung.

Viele der neu hinzugekommenen Funktionen richten sich zweifellos an Profis: zwei niedrig aufgelöste RAW-Formate (10 und 5,2 Megapixel), erweiterte Optionen für auswechselbare Einstellmattscheiben, eine integrierte Korrektur der Randbelichtung zum Ausgleich ungleichmäßiger Helligkeitsverteilung auf der Bildfläche sowie ein geräuscharmer Live-View-Modus. Auch ein Autofokus mit Gesichtserkennung ist vorhanden. Er funktioniert allerdings nur in Verbindung mit Live-View.

Wer HDR-Fotografie betreibt, mag zu der in der Mark II realisierten Belichtungsreihen-Funktion ein gespaltenes Verhältnis haben: Einerseits ist sie in mancher Hinsicht im Vergleich zu anderen Modellen unglaublich flexibel. Beispielsweise lässt sich die Einstellung von Belichtungsreihen in Abständen von 1/3, 2/3, 1, 1 1/3, 1 2/3 oder 2 wählen. Sie kann dabei um einen mittleren Belichtungswert von +/- 4 beliebig variieren. Andererseits bleibt der Nutzer auf drei Aufnahmen beschränkt. Andere Kameras ermöglichen hier fünf oder sogar sieben Fotos.

Die Mark II bezieht ihren Saft aus einem Akku des neuen Typs LP-E6. Je nach Temperatur sorgt er mit 750 bis 850 Aufnahmen nach CIPA-Standard für eine ordentliche Betriebsdauer. Darüber hinaus besitzt sie eine recht ausgeklügelte Berichtsfunktion. So lassen sich beispielsweise die Akkus erfassen. Die Kamera zeigt dann den Ladestatus mit folgenden Informationen an: Datum der letzten Verwendung, Anzahl der Aufnahmen seit dem letzten Aufladen, Verschleiß des Akkus und verbleibende Ladekapazität.

Einige von den Wettbewerbern angebotene Funktionen wiederum fehlen der Kamera: Ein eingebauter Blitz, obwohl in dieser Preisklasse selten vertreten, kann im Notfall wirklich nützlich sein. Ebenso verzichtet Canon nach wie vor auf drahtlose Blitzsteuerung. Und wer eine Vollformatkamera mit integrierter Bildstabilisierung sucht, dem bleibt allein die A900.

Leistung

Zwischen Einschalten und erster Aufnahme vergehen 0,3 Sekunden. Für die Aufnahme selbst braucht die 5D Mark II je nach Lichtverhältnissen zwischen 0,3 und 0,6 Sekunden. Zwischen zwei Fotos liegen typischerweise 0,4 Sekunden.

Bei Serienbildaufnahmen allerdings arbeitet die 5D Mark II von allen neuen Vollformatmodellen am langsamsten. Das liegt wohl auch daran, dass Nikon eine wesentlich niedrigere Auflösung verwendet und Sony [9] seine Prozessorleistung verdoppelt, um höhere Geschwindigkeiten zu erreichen. Die Mark II eignet sich weder mit ihrer Serienbildgeschwindigkeit von 3,8 Bildern pro Sekunde (RAW: 14 Aufnahmen, JPEG: unbegrenzt) noch mit ihrem mittenlastigen Autofokus mit neun Fokuspunkten besonders für ein schnelles, unterbrechungsfreies Fotografieren beweglicher Objekte. Für eine Arbeitsweise, die eine größere Anzahl an Fokuspunkten außerhalb des mittleren Bildquadrats erfordert, gibt es bessere Geräte. Aber bei Aufnahmen, die hauptsächlich mit mittiger Schärfe auskommen, liefert die Kamera fantastische Ergebnisse.

Die Bildqualität der Mark II ist einfach fabelhaft. Wie bei einem Modell dieser Preisklasse zu erwarten, fallen Belichtung und Farbwiedergabe präzise und gleichmäßig aus. Angesichts der Auflösungswerte der Kamera erscheint auch ihr Rauschverhalten erstaunlich gut: Bis ungefähr ISO 1600 wird lediglich eine leichte Weichzeichnung sichtbar. Es treten weder Bildrauschen noch Rauschunterdrückungsartefakte auf. Je nach Bildmotiv erhält man brauchbare Aufnahmen bis ISO 12.800. Einziger Kritikpunkt: der zu warme Weißton beim Weißabgleich mit Kunstlicht. Sogar Bild und Ton bei den Videoaufnahmen sind erfreulich gut. Allerdings könnte das Mikrofon einen Windfilter vertragen.

Fazit

Nach etwa einem Monat Fotografieren mit der Canon EOS 5D Mark II heißt es: Hut ab! Diese Kamera macht einfach Spaß. Die Nikon D700 spielt zwar auch ganz oben mit. Doch im direkten Vergleich behält die 5D Mark II dank höherer Auflösung und ihrer erstaunlich guten Videoaufzeichnung die Nase vorn.

Testergebnisse

Aufnahmegeschwindigkeit (in Sekunden)
(kürzere Balken bedeuten bessere Leistung)

Zeit bis zur ersten Aufnahme   
Aufnahme zu Aufnahme   
Verschlussverzögerung (schlechte Lichtverhältnisse)   
Verschlussverzögerung (typisch)   
Canon EOS 5D Mark II

0,3 
0,4 
0,6 
0,3 
Canon EOS 5D

0,2 
0,5 
0,6 
0,3 
Nikon D700 [4]

0,2 
0,5 
0,6 
0,3 
Sony Alpha DLSR-A900 [7]

0,3 
0,5 
1,2 
0,4 

Typische Serienbildgeschwindigkeit (Bilder pro Sekunde)
(längerer Balken bedeutet bessere Leistung)

Nikon D700 [4]

4,9 
Canon EOS 5D Mark II

3,8 
Canon EOS 5D

3,3 

Artikel von CNET.de: https://www.cnet.de

URL zum Artikel: https://www.cnet.de/41000767/vollformat-dslr-mit-hd-videofunktion-canon-eos-5d-mark-ii/

URLs in this post:

[1] Canon EOS 5D: http://lifestyle.cnet.de/canon-eos-5d-slr-digitalkamera-12-megapixel-inkl-ef--oDE-B000WFB4Z8.html

[2] digitalen Kameras: https://www.cnet.de/tests/digicam/

[3] EOS-1Ds Mark III: https://www.cnet.de/tests/digicam/39188908/exzellente+profi_dslr+canon+eos_1ds+mark+iii.htm

[4] Nikon D700: https://www.cnet.de/tests/digicam/39201308/hervorragende+profi_dslr+fuer+vollformataufnahmen+nikon+d700.htm

[5] Profi-DSLRs von Canon: https://www.cnet.de/tests/digicam/archiv/c20000002-a3T1/

[6] Beispielfotos: die Bildqualität der Canon EOS 5D Mark II: https://www.cnet.de/41002105/beispielfotos-die-bildqualitaet-der-canon-eos-5d-mark-ii/?pid=1#sid=41000767

[7] Sony Alpha DLSR-A900: https://www.cnet.de/tests/digicam/41000764/24_megapixel+im+vollformat+sony+alpha+dslr_a900.htm

[8] Olympus E-3: https://www.cnet.de/tests/digicam/39189226/enorm+benutzerfreundliche+dslr_kamera+olympus+e_3.htm

[9] Sony: http://www.cnet.de/unternehmen/sony/