Die beste Eigenbau-DVB-T-Antenne: Doppelquad für 5 Euro basteln

von Pascal Poschenrieder am , 13:49 Uhr

Mit DVB-T ist theoretisch überall der Empfang von digitalem Antennenfernsehen möglich. In der Praxis hapert es aber oft an der Signalstärke. Nur teure Aktivantennen sorgen für ein ruckelfreies Bild. Es geht aber auch günstig. Letztes Jahr haben wir eine billige Eigenbau-Antenne vorgestellt, die besser ist als die meisten Kaufantennen. Jetzt legen wir nach und zeigen, wie der Bau einer Doppelquad-Antenne für 5 Euro funktioniert. Sie bietet einen noch stärkeren Empfang.

DVB-T [1] steht für Digital Video Broadcasting Terrestrial, also digitales Antennenfernsehen. Im Gegensatz zur analogen Fernsehübertragung wandern Datenpakete durch die Luft. Das hat Vor- und Nachteile. DVB-T bietet eine gleichbleibend hohe Bildqualität ohne Rauschen. Dafür bleibt das Bild bei schlechtem Empfang ganz aus. Und genau hier liegt das Problem vieler Zuschauer: Sie bekommen auch mit teuren Kaufantennen kein ausreichendes Signal. Wenn dann doch endlich ein Signal da ist, reißt es genau dann ab, wenn Bruce Willis gerade seinen Pistole zückt – und das nur, weil es im Nachbarort regnet.

Der Grund dafür liegt in den DVB-T-Frequenzen. Die sind deutschlandweit je nach Region sehr unterschiedlich. Deshalb funktionieren Kaufantennen immer nur in dem Empfangsbereichen ideal, in dem die Frequenzen zur Antennenlänge passen. CNET.de hat darum bereits letztes Jahr eine Anleitung zum Eigenbau einer einfachen DVB-T-Antenne [2] online gestellt. Die rund 5 Euro teure Antenne passen Bastler genau an die Sendefrequenzen an, die bei ihnen vorliegen. Dadurch ist der Empfang deutlich besser als bei Antennen von der Stange. Einige unserer Leser haben aber auch mit der angepassten Lösung im Zimmer noch keinen perfekten Empfang. Nun stellen wir eine weitere Eigenbauantenne in Doppelquad [3]-Form vor, die noch besser funktioniert, aber nicht mehr kostet.

Problem Sendefrequenzen

Je nach Region senden die deutschen Fernsehanstalten ihre Programme auf völlig unterschiedlichen Frequenzen aus. Insgesamt gibt es 57 verschiedene Sendefrequenzen. Diese reichen von 177,5 MHz bis 858 MHz. Für eine einfache Lambda-Halbe-Stabantenne [4] ergeben sich so Längen von 8,5 bis 82 Zentimetern. Es ist also klar, dass eine Kaufantenne mit einer Beispiellänge von 15 Zentimetern nur für ganz bestimmte Regionen einen guten Empfang liefert. Um eine ideale Antenne zu bauen, sind also die Frequenzen der Sender in der eigenen Region Fernsehen vonnöten.


Die Eigenbau-Antenne ist exakt für die regionalen Sendefrequenzen berechnet.

Auf der Website ueberallfernsehen.de [5] stellt der Norddeutsche Rundfunk eine Liste mit einer Übersicht aller regionalen Sendefrequenzen [6] zum Download bereit. Wer nun selbst eine Antenne bauen möchte, muss also herausfinden, welcher Sender ihn mit Signalen versorgt. In der Regel ist das der nächstgelegene Sendeturm. In Einzelfällen ist es aber auch möglich, dass ein Berg den Empfang behindert und eine weiter entfernte Station ein stärkeres Signal liefert. Wer sich nicht sicher ist, findet auf ueberallfernsehen.de zu vielen Bundesländern auch Karten mit eingezeichneten Sendemasten und Empfangsstärken.

Antennenberechnung

Die Doppelquad-Eigenbauantenne besteht aus vier schräg übereinander angeordneten Halbwellendipolen. Ihre Form gleicht zwei um 45 Grad gedrehten und übereinander angeordneten Quadraten – also fast dem bayerischen Wappen.


Die Doppelquad-Antenne besteht aus zwei übereinander angeordneten Quadraten.

Um die Größe dieser Quadrate zu bestimmen, ist als erstes ein Berechnen der Mittelfrequenz der unterschiedlichen Kanäle erforderlich. Dazu schlagen Bastler in der Frequenztabelle [6] die niedrigste und die höchste Frequenz an ihrem Standort nach. Anschließend ziehen sie die niedrigste von der höchsten Frequenz ab, teilen den Wert durch zwei und addieren anschließend die niedrigste Frequenz.

Für den Standort München sind das die folgenden Werte:

niedrigste Frequenz: 212,5 MHz

höchste Frequenz: 834 MHz

Daraus folgt die Berechnung:

834 MHz – 212,5 MHz = 621,5 MHz

621,5 MHz / 2 = 310,75 MHz

310,75 MHz + 212,5 MHz = 523,25 MHz

Aus der Mittelfrequenz ist nun die Wellenlänge [7] zu errechnen. Diese ist notwendig, da die Antenne später eine vielfache Länge der Wellenlänge haben muss. Die Welle muss quasi genau in die Antenne „passen“.

Die Wellenlänge berechnet sich aus der Lichtgeschwindigkeit [8] geteilt durch die Frequenz. Die Berechnung funktioniert wie folgt:

299.792 km/s / 523,25 MHz = 572,94 mm = 57,29 cm

Eine Antenne mit diesem Wert wäre sehr groß. Dank der Physik ist es aber möglich, ihn durch einen geraden Teiler, in diesem Fall vier, zu dividieren. Anschließend beträgt die gesuchte Länge noch rund 14,3 Zentimeter. Für die Länge der Antenne ist allerdings noch ein so genannten Verkürzungsfaktor [9] zu berücksichtigen. Funkwellen bewegen sich im Vakuum mit Lichtgeschwindigkeit. In Luft oder Kupfer-Leitungen sind sie aber langsamer. Daher ist im Falle des Doppelquads die Quadrat-Seitenlänge mit 0,97 zu multiplizieren. Anschließend liegt die Länge bei ungefähr 13,9 Zentimetern.

Die gesamte Formel sieht folgendermaßen aus:

Damit die Berechnung auch ohne Taschenrechner klappt, stellen wir das unten folgende Script bereit. Es berechnet die idealen Ausmaße für die Antenne automatisch – inklusive der Länge des notwendigen Kupferdrahts. Dazu ist lediglich das Eingeben der Minimal- und der Maximalfrequenz notwendig.

niedrigste Frequenz (in MHz)
höchste Frequenz (in MHz)
Quadrat-Kantenlänge (in cm)
Antennenbreite (in cm)
Antennenhöhe (in cm)
Gesamtlänge Draht (in cm)

Antennenbau

Als erstes besorgen sich Bastler die notwendigen Teile. Für das Doppelquad bekommen sie im Baumarkt Kupferdraht. Er sollte ein Stärke von 1,5 oder 2 Quadratmillimetern haben. Die Länge berechnet das Script automatisch. Allerdings kann der Draht ruhig etwas länger sein. Falls der Baumarkt keinen solchen Draht führt, tut es auch ein gewöhnliches Stromkabel aus drei massiven Kupferleitungen. Die sind dann natürlich abzuisolieren.

Neben dem Draht ist ein Antennenkabel vonnöten. Wer kein altes Kabel zu Hause hat, kauft eines in einem Elektronikgeschäft.

Nun geht es an das Anfertigen der Antenne. Dazu misst man am Kabel achtmal die Quadrat-Kantenlänge ab und zeichnet sie an. Anschließend hilft eine 90-Grad Kante, beispielsweise vom Schreibtisch, beim korrekten Biegen des Drahtes an den Markierungen. Dabei ist bei der Mitte des Quads zu beginnen. Nach der letzten Biegung ist der restliche Draht abzuzwicken. Allerdings sollte ein kleines Stück zum Zusammenlöten der Enden stehenbleiben.


So sieht der Kupferdraht nach dem Biegen aus.

Als nächstes ist das Zusammenlöten der Enden an der Reihe. Dabei sollte man darauf achten, dass die Lötstelle von möglichst hoher Qualität ist, da sich der Empfang sonst verschlechtert. Der Lötzinn sollte nicht zu lange heiß sein und nach dem Erstarren noch glänzen.


Die beiden Enden hält Lötzinn zusammen.

Nun wird das Kabel vorbereitet. Dazu muss der unnötige Stecker entfernt werden. In diesem Fall ist das die Kupplung, also der „weibliche“ Stecker mit dem Loch. Nun macht man am Schnitt circa 1,5 Zentimeter der äußeren Isolierung ab. Unter der Isolierung kommt ein Drahtgeflecht zum Vorschein. Dieses ist zurückzuschieben und zu einem Kabel zu verdrehen. Unter dem Drahtgeflecht verbirgt sich eine zweite Isolierung. Von ihr sind rund 5 Millimeter zu entfernen. Darunter findet sich eine blanke Kupferleitung.


Der männliche Stecker muss am Kabel bleiben.

Nun sind Kupferleitung und verdrehtes Drahtgeflecht an die Antenne zu löten. Das geschieht an der Stelle, in dem sich die beiden Quadrate treffen. Das Kupferkabel kommt an die eine Seite, das Geflecht an die andere. Sowohl Kabel als auch Draht dürfen sich nicht berühren.


Das Antennenkabel ist angelötet. Die beiden Seiten dürfen sich nicht berühren.

Für das Aufhängen genügt eine Reißzwecke, ein Nagel oder etwas Tesafilm. Allerdings geht es vorher an das Ausrichten. Die Antenne sollte in Richtung Sender zeigen. Eventuell verbessert sich der Empfang durch ein leichtes Neigen. Auch eine andere Positionierung im Raum kann zu besseren Ergebnissen führen.


Die fertige Antenne hängt mit Reißzwecken an einer Pinnwand.

Fazit

Das Basteln der Doppelquad-Antenne ist etwas aufwändiger als das Anfertigen des ersten Eigenbaus [2]. Dafür ist der Empfang besser. In unserem Test erreicht die Doppelquad-Lösung 100 Prozent Signalempfang an einer Position, wo die einfache Selbstbau-Antenne lediglich 60 bis 70 Prozent schafft. Auch im Vergleich zu den von uns getesteten Kaufantennen ist der Empfang des Quads deutlich besser und störungsunempfindlicher.

Update:

Da einige unserer Leser auch mit dieser Antenne noch nicht alle Sender empfangen, haben wir eine weitere Antenne mit noch besserem Empfang gebaut. Die Mulit-Doppelquad-Antenne [10] besitzt für jede Sendefrequenz ein eigenes Doppelquad, wodurch sich der Empfang besonders bei Standorten mit weit gefächerten Frequenzen beträchtlich verbessert. In unserem Test bekommen wir sogar im Keller noch alle Sender mit 100 Prozent Signalstärke herein.

Update:

Wir haben eine weitere DVB-T-Antenne [11] angefertigt, die dank eines Reflektors noch besseren Empfang bietet.

Update

Wer auch mit unseren Eigenbau-Antennen noch Empfangsprobleme hat, sollte sich unseren DVB-T-Antennenverstärker [12] zum selberbauen ansehen. Er verstärkt das Signal und sorgt so für störungsfreies Fernsehen.

Artikel von CNET.de: https://www.cnet.de

URL zum Artikel: https://www.cnet.de/41001557/die-beste-eigenbau-dvb-t-antenne-doppelquad-fuer-5-euro-basteln/

URLs in this post:

[1] DVB-T: http://de.wikipedia.org/wiki/DVB-T

[2] Anleitung zum Eigenbau einer einfachen DVB-T-Antenne: https://www.cnet.de/praxis/insider/39189229/dvb_t_antenne+fuer+5+euro+so+klappt+der+eigenbau.htm

[3] Doppelquad: http://de.wikipedia.org/wiki/Quadantenne

[4] Lambda-Halbe-Stabantenne: http://de.wikipedia.org/wiki/Antennentechnik#Halbwellendipol

[5] ueberallfernsehen.de: http://www.ueberallfernsehen.de/

[6] Liste mit einer Übersicht aller regionalen Sendefrequenzen: http://www.ueberallfernsehen.de/dvbtdownloads127.pdf

[7] Wellenlänge: http://de.wikipedia.org/wiki/Wellenlänge

[8] Lichtgeschwindigkeit: http://de.wikipedia.org/wiki/Lichtgeschwindigkeit

[9] Verkürzungsfaktor: http://de.wikipedia.org/wiki/Verkürzungsfaktor

[10] Mulit-Doppelquad-Antenne: https://www.cnet.de/praxis/wochenend/41002569/die+beste+dvb_t_antenne+der+welt+multi_doppelquad+im+eigenbau.htm

[11] DVB-T-Antenne: https://www.cnet.de/praxis/wochenend/41503233/dvb_t_antennen+im+eigenbau+bester+empfang+dank+reflektor.htm

[12] DVB-T-Antennenverstärker: https://www.cnet.de/praxis/wochenend/41524218/dvb_t_antennenverstaerker+im+eigenbau+fuer+perfekten+tv_empfang.htm