Endlich da: LG KM900 Arena – Smartphone mit Vollausstattung

von Daniel Schraeder und Flora Graham am , 17:03 Uhr

Pro
  • extrem gut ausgestattet
  • ordentliche 5-Megapixel-Kamera
  • hochwertige Video-Aufnahmen
  • anpassbare Menüs
Con
  • schwache Akkuleistung
  • Onscreen-Keyboard reagiert schlecht
  • unberechenbarer Zoom
  • verwirrende Pop-up-Meldungen
Hersteller: LG Listenpreis: 449 Euro
ZDNet TESTURTEIL: GUT 7,0 von 10 Punkte
Fazit:

Es fällt schwer, ein Ausstattungsmerkmal zu finden, das das Arena nicht hat. Das ist faszinierend - bringt aber auch Nachteile mit sich: Komponenten wie GPS, HSDPA, WLAN und Kamera saugen den Akku schnell leer. Außerdem reagiert das KM900 teilweise langsam und hakelig. Das Tippen von SMS frustriert so schon mal schnell. Wer aber ein voll ausgestattetes Touchscreen-Handy sucht, das nicht von Apple stammt, kommt am neuen LG kaum vorbei.

LGs Flaggschiff im Handybereich hört auf den Namen KM900 – oder Arena. Es kommt im aktuell üblichen iPhone-Look – zentrales Element ist ein hochauflösendes, 3 Zoll großes Touchscreendisplay. Darüber hinaus glänzt es mit einer umfangreichen Ausstattung. WLAN, GPS, Kamera mit Video-Funktion, UMTS samt HSDPA? Alles dabei. Wie sich das Arena in der Praxis schlägt, haben wir bereits getestet.

Das größte Schweizer Taschenmesser der Welt kommt mit 87 Werkzeugen – damit dürfte man für jede Situation bestens gerüstet sein. Das Problem ist nur, dass das Biest die Bezeichnung Taschenmesser kaum noch verdient. Es ist schlicht riesengroß. Und den richtigen Schraubenzieher in einer brenzligen Situation zu finden, ist keine Sache von wenigen Sekunden. Unterm Strich passt diese Beschreibung auch auf das LG [1] Arena – es ist mit allem ausgestattet, was es gibt, aber dafür eben ein Klumpen mit komplexer Menüführung.

Design

Auf den ersten Blick erinnert das Arena an die erste Generation von Apples iPhone. Das gilt vor allem für die Rückseite. Ganz klar: LG schielt hier auf die gleichen potentiellen Käufer wie Apple [2]. Deswegen ist es auch nur fair, dass wir das Arena mit dem Kult-Smartphone [3] vergleichen.

Wie die meisten Smartphones überragt auch das LG das iPhone, wenn es um die Funktionalitäten geht. Es unterstützt Copy and paste, MMS, kommt mit UKW-Radio, zeigt die virtuelle Tastatur auch im Querformat auf dem Display, kommt mit mehr Bluetooth-Profilen und so weiter.

Aber das iPhone ist nicht nur aufgrund seiner Ausstattung zum Überflieger geworden. Es schafft es einfach, die ganzen praktischen und coolen Funktionen, die Smartphones schon seit Jahren mitbringen, in einer hübschen, logischen und klaren Oberfläche unterzubringen – die auch noch intuitiv bedienbar ist.

Bedienung

Das größte Problem der meisten Touchscreen-Smartphones ist ihre langsame Reaktion. Wenn es nur eine virtuelle Tastatur gibt, um Telefonnummern, Textnachrichten oder E-Mails einzutippen, ist jede noch so kurze Verzögerung zwischen „Tastendruck“ und dem Erscheinen des Buchstabens auf dem Display nervig und frustrierend. Außerdem führen Wartezeiten zu mehr Tippfehlern, da man sie bei der Eingabe nicht so schnell entdeckt.

LG hat mit seiner neuen „S-Class“ genannten Oberfläche eine ordentliche Reaktionsgeschwindigkeit versprochen. Auf das Hauptmenü, das sich im übrigen hervorragend anpassen lässt, trifft das auch zu. Auch die Zifferntastatur zum Wählen von Telefonnummern reagiert angenehm schnell – nervig ist allerdings die lahme QWERTZ-Tastatur.

Bei unserem Testgerät gibt es eine spürbare Verzögerung zwischen einem Tastendruck und dem Auftauchen des Buchstabens. Das gilt sowohl für den Hoch- als auch den Querformatmodus der virtuellen Buchstabentastatur. Dazu kommt noch, dass das Gerät jeden Tastendruck verwirft, den man während dieser Verzögerung ausführt – wer schnell tippt, vermisst häufig Buchstaben in den Worten. Dadurch liest sich eine durchschnittliche SMS wie Kauderwelsch. Die einzige Möglichkeit, das zu verhindern, ist, langsam zu tippen und nach jedem Buchstaben zu warten, bis er auf der Anzeige erscheint. Das nervt.

Im Gegensatz zum iPhone unterstützt das Arena Copy and paste in allen Programmen, die wir ausprobiert haben – darunter die Messaging-Applikation und der Browser. Es ist allerdings recht umständlich, den Cursor an die richtige Stelle zu bewegen. Auch das Treffen eines Links auf einer Webseite ist nicht besonders einfach.

Immerhin gibt es eine Multitouch-Zoomfunktion. Sie vergrößert natürlich auch Links in Webseiten, die dann leichter zu treffen sind. Allerdings ist der Zoom etwas unberechenbar. Eine kurze Zoom-Geste auf dem Display führt häufig zu einer unpassenden, gigantischen Vergrößerung. Außerdem poppt nach jedem Zoom eine nervige Nachricht auf, die den Inhalt der Seite für einen kurzen Moment verdeckt.

Ausstattung

Apropos Mitteilungen: Grundsätzlich freuen wir uns darüber, dass das Arena uns mit Pop-ups auf dem aktuellen Stand der Dinge hält. Doch leider sind nicht alle diese Hinweise klar verständlich. Beispielsweise haben wir RSS-Feeds abonniert und eine automatische Aktualisierung aktiviert – und das Arena warnt uns davor, dass dabei Kosten für den Datentransfer entstehen können. Vermutlich – die Meldung des englischen Testmodells ist nämlich nicht eindeutig. Es sagt „Charged when connection for auto updates“. Okay.

Unabhängig davon ist die Abo-Funktion von RSS-Feeds oder Podcasts eine coole Funktion, die das Apple-Smartphone ebenfalls nicht zu bieten hat. Dennoch würden wir uns freuen, wenn die eine oder andere Grundfunktion noch mal überarbeitet werden würde. Beispielsweise zeigt der MP3-Player beim Vorspulen das falsche Icon – nämlich das für Zurückspulen. Außerdem hakt und ruckelt die Bedienung des Mediaplayers gelegentlich mal. Das ist natürlich alles kein Beinbruch, aber eben nicht so perfekt wie beim iPhone gelöst.

Punkten kann das Arena hingegen mit seiner 5-Megapixel-Kamera. Sie nimmt klare Bilder mit hervorragender Farbbalance auf – auch in schwachem Licht. Allerdings verzögert das Smartphone auch hier. Zwischen dem Druck auf den Auslöser und der Aufnahme vergehen schon mal ein paar Sekunden. Für Action-Fotos ist das Arena also nicht geeignet. Dafür hinterlässt der Bildbetrachter einen guten Eindruck. Er ist im Look and Feel von Coverflow gehalten.

Einen Xenon-Blitz bietet das Arena nicht. Stattdessen sorgt eine Foto-LED für etwas Licht im Dunkeln. Darüber hinaus lässt sich die Kamera auch auf hohe ISO-Empfindlichkeiten einstellen. Eine zweite Kamera ermöglicht Selbstporträts und Videotelefonie.

Der Videomodus ist erstklassig. Das Gerät nimmt bei einer Auflösung von 720 mal 480 Pixeln immerhin 30 Bilder pro Sekunde auf. Testweise haben wir in einer Aufnahme den Raum gewechselt, von einer extrem hellen in eine extrem dunkle Umgebung. Das Ergebnis kann sich sehen lassen – lediglich die Farben wirken ein wenig verwaschen. Die Wiedergabe von Videos auf dem 3-Zoll-Display mit 480 mal 800 Pixeln kann sich sehen lassen.

Die Unterstützung von Dolby Mobile weist auf die Audio-Funktionalitäten des KM900 hin. Dank dieses Audio-Processings klingt der Sound einfach viel satter, als wir es von den meisten anderen Handys her kennen. Wer ein Headset an der 3,5-Millimeter-Klinkenbuchse anschließt, kann sogar virtuellen Surround-Sound genießen.

Im Audio-Praxistest mit anständigen Kopfhörern überzeugt das Arena ebenfalls. Vor allem in den Höhen liegen die Stärken, der Bass hingegen klingt etwas schwach. Unterm Strich überzeugt die Wiedergabe.

Ebenfalls integriert ist ein UKW-Transmitter. Autofahrer spielen ihre Musiksammlung so direkt über das Autoradio ab, ohne dass ein zusätzlicher Adapter nötig wäre. Darüber hinaus gibt es optional noch ein Cradle mit TV-Ausgang für das Arena.

Fazit

Ganz klar: LG greift das iPhone an. Wenn es um die Ausstattung und die Funktionalität geht, kann Apple nicht viel dagegensetzen. Doch der Schlüssel zum Erfolg des iPhones ist und bleibt seine Bedienung. Da kann das Arena trotz der tollen S-Class-Oberfläche nicht recht mithalten. Das LG hakelt leider immer wieder.

Dafür überzeugt das Gerät mit einer gigantischen Ausstattung, die Maßstäbe setzt. UKW-Transmitter, GPS, Kamera mit Videofunktion, WLAN, UMTS und HSDPA – mehr gibt es kaum. Das geht allerdings auch auf den Akku. Wer die umfangreichen Funktionen auch nutzt, muss damit rechnen, dass das Arena nicht einmal einen vollen Tag durchhält.

Artikel von CNET.de: https://www.cnet.de

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[1] LG: http://www.cnet.de/unternehmen/lg/

[2] Apple: http://www.cnet.de/unternehmen/apple/

[3] Smartphone: http://www.cnet.de/themen/smartphone/