In 300 Metern links abbiegen: Handys mit echtem Navigationssystem

Was ein echtes Navi ausmacht

Echte Navis sind kostenpflichtig. Das liegt zum einen am Kartenmaterial, das recht genau sein muss und Fahrspuren sowie Einbahnstraßen ebenso enthält wie Fahrverbote in der Innenstadt oder auf Feldwegen. Dem Fußgänger kann das zwar egal sein, doch Autofahrern winken Punkte in Flensburg – sie haben also ein gesteigertes Interesse daran, dass sie nur in die richtige Richtung in die Einbahnstraße fahren.

Zum anderen ist die Software natürlich deutlich aufwendiger. Anstelle einer theoretischen Routenberechnung liegen Positions- und Geschwindigkeitsdaten live vor. Das Programm muss überprüfen, ob sich der Fahrer auch an die vorgeschlagene Route hält, und, sollte er falsch abbiegen, eine alternative Route planen.

Dazu kommen natürlich noch Feinheiten wie eine autotaugliche Anzeige. Wichtige Informationen müssen auf den ersten Blick zu erfassen sein – also beispielsweise Pfeile und Entfernungsangaben. Und obwohl es ja eigentlich verboten ist, tippen viele Navi-Nutzer ihr Fahrziel unterwegs ein – entsprechend groß und gut ablesbar sollten die virtuellen Tasten auf dem Touchscreen oder die mechanischen Tasten der Handytastatur sein.

Zu guter Letzt bedarf es noch einer anständigen Halterung für das Handy. Sie muss den GPS-Empfang ermöglichen – das Handy sollte also unter der nicht metallbedampften Windschutzscheibe seinen Platz finden und nicht im vom Blech verdeckten Fahrzeuginnenraum. Darüber hinaus ist eine externe Stromversorgung praktisch, also ein Handy-Ladeadapter mit Zigarettenanzünderstecker. Denn wenn die Displaybeleuchtung brennt, der GPS-Chip empfängt, der Handyprozessor rechnet und das UMTS-Modul aktuelle Verkehrs- oder Kartendaten abruft, geht dem Akku schnell der Saft aus. In die Berliner Ostseestraße kommt man von der Messe München mit einer Akkuladung definitiv nicht.

On-Board vs. Off-Board

Unter den Handy-Navis gibt es zwei unterschiedliche Konzepte – die Onboard- und die Offboard-Navigation. Die Onboard-Lösung entspricht im wesentlichen einem „normalen“ Navigationssystem: Die Kartendaten sind auf einer Speicherkarte oder im Gerätespeicher hinterlegt, die Routenberechnung erfolgt auf dem Mobiltelefon.

Bei der Offboard-Variante sind die Karten nicht im Handy gespeichert. Stattdessen überträgt das Mobiltelefon seine aktuelle Position und das gesuchte Ziel an einen Server des Navi-Anbieters, der dann die Routenberechnung übernimmt und die Fahranweisungen auf das Handy überträgt. Diese Lösung entspricht also in etwa Google Maps – nur mit dem Unterschied, dass ein auf dem Handy installiertes Programm die aktuelle Position überprüft und bei Abweichungen eine neue Route anfordert. Darüber hinaus gibt es selbstverständlich Fahranweisungen akustisch wieder.

Während eine Onboard-Lösung in der Regel einmal gekauft wird, fallen beim Offboard-Modell Abo-Kosten an – oder einmalige Gebühren für jede Route. Auf den ersten Blick klingt das nicht so attraktiv, doch dafür gibt es immer aktuelles Kartenmaterial und Zusatzinformationen, die etwa Staus bei der Planung berücksichtigen. Dazu kommen allerdings noch die Kosten für die Datenübertragung über das Handynetz. Neuere Lösungen wie Nokia Maps erlauben allerdings auch die lokale Installation von Kartenmaterial, damit die mobile Datenübertragung nicht mehr nötig ist. Das ist natürlich vor allem im Ausland praktisch, da die Roaming-Kosten für Daten immer noch extrem hoch sind.

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