Skype-Telefonate auf dem iPhone? Nicht bei T-Mobile

von Daniel Schraeder am , 09:40 Uhr

Skype hat heute einen offiziellen Client für das Apple-Handy angekündigt – und damit kostenlose Gespräche über Voice over IP und Instant Messaging. Doch deutschen iPhone-Besitzern nützt das wenig, denn T-Mobile erlaubt die Nutzung von Skype im eigenen Mobilfunknetz und bei T-Mobile-Hotspots nicht.

„Skype-Software für das iPhone war der Hauptwunsch unserer Nutzer. Wir freuen uns sehr, diesen Wunsch nun erfüllen zu können und Skype Millionen Menschen auf der ganzen Welt zugänglich zu machen, die das iPhone und den iPod Touch nutzen“, erklärt Scott Durchslag, Chief Operating Officer von Skype. Seit dem 31. März ist die Skype-Applikation im App Store zu haben.

Die Wirtschaftswoche liefert allerdings gleich eine schlechte Nachricht nach: „Telekom will neues Skype-Programm für iPhone und BlackBerry blockieren [1]„. Wir haben mit T-Mobile Pressesprecher Alexander von Schmettow über das Thema Skype auf dem iPhone und auf anderen Handys gesprochen.

Daniel Schraeder, CNET.de: Skype hat heute angekündigt, einen Client seiner VoIP- und Messaging-Software für das iPhone herauszubringen. Sie wollen aber den Einsatz von Skype über das Mobilfunknetz sowie über Ihre eigenen Hotspots unterbinden, wie Sie das bereits gegenüber der Wirtschaftswoche angekündigt haben?

Alexander von Schmettow, T-Mobile: Das ist so nicht korrekt, auch wenn die Wirtschaftswoche da eine Exklusivmeldung draus gemacht hat. Das ist keine Neuerung. Wir reagieren hier nicht auf eine Skype-PR-Aktion, sondern schließen bereits seit 1,5 Jahre in unseren Datentarif-Verträgen die Nutzung von Voice-over-IP aus. Das gilt natürlich auch für iPhone und G1.

CNET.de: Die allgemeinen Geschäftsbedingungen sind das eine, der Plan, Skype aktiv zu blockieren, etwas anderes.
T-Mobile: Stellen Sie sich vor, sie gehen bei Rot über die Ampel, obwohl Sie natürlich wissen, dass Sie das nicht dürfen. Man kann das natürlich auf die leichte Schulter nehmen, aber das sollte man aus Verbrauchersicht nicht unbedingt tun. Das ist ein Vertragsgegenstand, und der Verbraucher hat das schließlich unterschrieben. Der Client wird auf dem iPhone funktionieren, er wird sich problemlos installieren lassen. Aber wir behalten uns vor, das Netzfeature zu deaktivieren.

CNET.de: T-Mobile begründet die Maßnahme damit, sie gewährleiste die Netzstabilität.
T-Mobile: Unter anderem. Würden wir Skype zulassen, würde der Kunde über die Skype-Applikation ein Telefonat führen und damit weder unsere Technologie noch gegebenfalls unsere Netze nutzen – beispielsweise bei einem fremden WLAN-Hotspot. Bei der Voice-over-IP-Telefonie kommt es ja durchaus zu Aussetzern, Nachhalleffekten, Rauschen oder sonstigen Qualitätseinbußen. Der Kunde würde, da er ja T-Mobile-Kunde ist, die Telekom für diese schlechte Qualität verantwortlich machen und nicht unterscheiden zwischen dem Dienst eines Drittanbieters, den er über eine Applikation nutzt, und unserem eigenen Netz. Wir können uns als Qualitätsführer nicht leisten, dem Kunden ein solches Qualitätserlebnis zuzumuten, wenn das mit unserem Produkt geschieht.

CNET.de: Zurück zum Thema Netzstabilität. Können Sie näher spezifizieren, wie sich zum Beispiel der Skype- von Youtube-Traffic unterscheidet?
T-Mobile: Nein, das kann ich nicht. Aber unsere Netzexperten sagen mir, dass Voice-over-IP in einer Netzfunkzelle – also über UMTS oder EDGE – von den dort anfallenden Bandbreiten durchaus eine Beeinträchtigung wäre. Wenn man so positioniert ist wie wir, nämlich
den Kunden jederzeit und überall eine breitbandige Internetgeschwindigkeit verspricht, dann kann man sich das nicht leisten, dass durch ein einzelnes Feature die Performance in einer Funkzelle so dermaßen heruntergeht.

CNET.de: Ich lehne mich jetzt etwas aus dem Fenster und behaupte, Skype bedroht das klassische Telefonie- und SMS-Geschäft. Inwieweit spielt das eine Rolle bei der Entscheidung, Skype nicht zuzulassen?
T-Mobile: Das kann ich so nicht bestätigen. Skype ist bist jetzt kein Thema für uns gewesen – es ist nicht so, als hätten wir seit der Einführung irgendwelche dramatischen Einbrüche zu verzeichnen. Wir sind sicherlich gut genug aufgestellt, um dem Ganzen etwas entgegnen zu können.
An diesem Punkt möchte ich noch mal darauf hinweisen, dass Skype sicherlich in Ländern, in denen es eine lückenhafte Mobilfunknetzversorgung gibt, möglicherweise eine größere Daseinsberechtigung hat als in einem Land wie Deutschland, wo ich zumindest – wenn ich für T-Mobile spreche – von einer nahezu flächendeckenden Versorgung sprechen kann. Daher sehe ich jetzt von der technischen Seite her keine Notwendigkeit für einen solchen Dienst.

CNET.de: Nokia hat zum Mobile World Congress [2]im Februar dieses Jahres angekündigt, neue Handys ab dem N97 im dritten Quartal dieses Jahres auch mit vorinstalliertem Skype auszuliefern. Gelten die Bedingungen auch für diese Modelle?
T-Mobile: Ja, die Bedingungen sind nicht modell-, sondern vertragsabhängig. In jedem Vertrag zu Datentarifen und -optionen ist die gleiche Klausel zum Thema Voice-over-IP enthalten. Die von uns verkauften, bei T-Mobile erhältlichen Nokia-Geräte werden diesen Skype-Client nicht enthalten. Sie kommen allerdings mit einem generellen VoIP-Client, mit dem sich auch ein Skype-Account einrichten lässt. Allerdings gelten auch hier genau die gleichen Bedingungen zum Thema Voice over IP.

CNET.de: In anderen Ländern hat Hutchison Telecom unter der Marke 3 ein „Skype-Handy“ auf den Markt gebracht. Über eine halbe Million dieser Geräte wurden verkauft – und ein Großteil der Käufer ist Neukunde von 3. Haben Sie als T-Mobile keine Angst, mit solchen Maßnahmen eine künftig potentiell wertvolle, Internet-affine Zielgruppe zu verprellen?
T-Mobile: Nein, da haben wir keine Angst. Wir sind Vorreiter im Bereich des mobilen Internets und haben vor mittlerweile fünf Jahren als erste mit Web’n’Walk auf das offene, mobile Internet gesetzt. Wir sind bis heute der Einzige, der Breitband auch in der Fläche anbieten kann. Wir werden die Netze weiter ausbauen und wir arbeiten bereits heute mit den wichtigsten Internet-Communities zum Vorteil unserer Kunden eng zusammen. Sie können sicher sein, dass wir auch künftig mit allen starken Namen im Internet kooperieren werden. Außerdem haben wir aktuell die attraktivsten Endgeräte im Angebot. Wenn ich mir dieses Maßnahmenpaket ansehe, das nach und nach mit Festnetzangeboten wie T-Home Entertain verknüpft wird, haben wir eine Bandbreite als Konzern, bei dem VoIP-Telefonie nur ein ganz kleiner Ausschnitt ist. Das ist sicherlich kein unwichtiger oder uninteressanter Bereich, aber eben nur ein kleiner Teil des Themas mobiles Internet – und da sind wir so gut aufgestellt wie kaum ein anderer in der Branche. Somit bin ich sehr zuversichtlich, dass wir nicht nur mitschwimmen werden, sondern auch voranstehen, was diese neuen Trends angeht.

CNET.de: Vielen Dank für das Interview.

Bislang ist das Thema allerdings mehr heiße Luft – denn die erste Version des offiziellen Skype-Clients für das iPhone erlaubt VoIP-Telefonate ohnehin nur über WLAN und noch nicht über Mobilfunknetze. Die Wirtschaftswoche führt das auf den „immer noch großen Widerstand vieler Netzanbieter“ zurück. Wir haben bei Skype nach den offiziellen Gründen für diesen Schritt gefragt, aber noch kein Statement erhalten. Technische Gründe dafür gibt es aber wohl nicht: Schließlich ermöglicht der inoffizielle Skype-Client Fring bereits seit über einem Jahr VoIP-Telefonate über UMTS.

„Normalerweise haben Firmen Erfolg, die den Kunden geben, was sie wünschen. Schlichtes Blockieren war im Geschäftsleben noch nie ein guter Rat“, sagt hierzu Scott Durchslag, Chief Operating Officer (COO) Skype.

Artikel von CNET.de: https://www.cnet.de

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[1] Telekom will neues Skype-Programm für iPhone und BlackBerry blockieren: http://www.wiwo.de/unternehmer-maerkte/telekom-will-neues-skype-programm-fuer-iphone-und-blackberry-blockieren-392509/

[2] Mobile World Congress : http://www.cnet.de/themen/mwc/