Die beste DVB-T-Antenne der Welt: Multi-Doppelquad im Eigenbau

von Pascal Poschenrieder am , 16:38 Uhr

Das Antennenfernsehen DVB-T ist eigentlich eine geniale Erfindung. Eigentlich, denn viele haben Empfangsprobleme. Besonders bei großen Entfernungen zum Sendemast treten Störungen auf. Mit Zimmerantennen finden viele Fernseher überhaupt keinen Sender. Wir haben in der Vergangenheit bereits Antennen zum Selberbauen beschrieben, die für ein besseres Signal sorgen. Trotzdem gab es bei einigen unserer Leser noch Probleme. Deshalb erklären wir jetzt, wie der Eigenbau einer Antenne funktioniert, die den Empfang unter allen Umständen gewährleistet.

Wenn der Empfang von Antennenfernsehen früher nicht gut war, sahen Zuschauer das TV-Programm halt etwas verrauscht. Das analoge Signal sorgte aber trotzdem für ein Bild. Seit der Umstellung auf DVB-T [1] ist das anders. Bei unzureichender Signalstärke bleibt der Bildschirm komplett dunkel. Erst ab rund 50 Prozent Signal funktioniert das Dekodieren des Videomaterials. Genau hier liegt das Problem vieler Haushalte. Besonders bei großen Entfernungen zum nächstgelegenen Sendemast reicht der Empfang mit Kaufantennen nicht aus. Der Grund: Die DVB-T-Frequenzen [2] liegen teilweise sehr weit auseinander, wodurch völlig unterschiedliche Antennenlängen vonnöten wären.

Deshalb haben wir in der Vergangenheit den Bau einer Stab [3]– und einer Doppelquad-Antenne [4] beschrieben. Beide Varianten sind einfach mit Material für rund 5 Euro umzusetzen und sorgen bei vielen unserer Leser für hervorragenden Empfang. Allerdings haben einige andere immer noch Probleme. Nun haben wir eine Antenne gebaut, die für noch besseren Empfang sorgt. In unseren Tests liegt die Signalstärke auch bei Montage im Zimmer immer bei hundert Prozent. Sogar bei einem Test im Keller laufen noch alle Sender ruckel- und störungsfrei.

Das große DVB-T-Problem

Die deutschen Fernsehanstalten strahlen ihr TV-Programm auf den unterschiedlichsten Frequenzen aus. Die unterste, 177,5 MHz, und die oberste, 858 MHz, liegen dabei so weit auseinander, dass bei einer Lambda-Halbe-Stabantenne [5] Längen von 8,5 bis 82 Zentimetern nötig wären. Dabei ist es nicht nur so, dass die Frequenzen je nach Region sehr weit verteilt sind – auch regional sind die Differenzen sehr groß. So beträgt die niedrigste Frequenz in Bayern beispielsweise 212,5 MHz, wobei die höchste bei satten 834 MHz liegt. Kaufantennen bieten immer einen landesweiten Kompromiss für die verschiedenen Frequenzen. Deshalb funktionieren sie in den meisten Regionen schlecht bis überhaupt nicht. Wir haben das Frequenzproblem in der Vergangenheit mit einem Mittel der regionalen Frequenzen gelöst. Allerdings ist eine so berechnete Antenne für keine der unterschiedlichen Sendefrequenzen ideal. Dadurch kommt es trotz angepasster Antennelänge bei einigen noch zu Problemen. Die löst unsere neue Eigenbau-Antenne. Sie besteht aus mehreren Doppelquad-Antennen. Dabei ist jedes Doppelquad genau auf eine Frequenz abgestimmt.


Die Multi-Doppelquad-Antenne löst die Empfangsprobleme. Sie bringt für jede Frequenz ein passendes Doppelquad mit.

Die Berechnung der Multi-Doppelquad-Antenne

Ein Doppelquad [6] besteht aus vier schräg übereinander angeordneten Halbwellendipolen [7]. Die Form entspricht zwei um 45 Grad gedrehten und übereinander angeordneten Quadraten. Das obere und untere Quadrat gehen so ineinander über, dass sich rechter und linker Teil nicht berühren.


Die Doppelquad-Antenne besteht aus zwei übereinander angeordneten Quadraten.

Für die Multi-Doppelquad-Antenne bedarf es mehrerer, genau berechneter Doppelquads. Wie diese Berechnung funktioniert, erklärt unser Artikel zum Bau einer einzelnen Doppelquad-Antenne [8]. In diesem Fall wird allerdings statt einer Antenne für die Mittelfrequenz für jede Frequenz eine eigene gebaut.

Die Frequenzen jeder Region finden sich in der Senderliste des Norddeutschen Rundfunks [9]. Bei der Suche werden viele feststellen, dass in einigen Regionen sehr niedrigen Frequenzen zum Einsatz kommen. Diese führen zu sehr großen Antennen. Deshalb ist es empfehlenswert, bei Frequenzen unter 300 MHz statt – wie üblich – einer Lambda-Viertel- eine Lambda-Achtel-Antenne zu bauen. Um die Berechnung der Quadrat-Kantenlängen der Doppelquads zu erleichtern, stellen wir das folgende Berechnungstool bereit. Nach der Eingabe der Frequenz eines Kanals gibt es die benötigten Quadrat-Kantenlängen des Doppelquads aus.

niedrigste Frequenz (in MHz)
höchste Frequenz (in MHz)
Quadrat-Kantenlänge (in cm)
Antennenbreite (in cm)
Antennenhöhe (in cm)
Gesamtlänge Draht (in cm)

Der Bau der Antenne

Als erstes geht es an das Kaufen der notwendigen Teile. Im Baumarkt besorgen sich Bastler als erstes den Kupferdraht, aus dem sie später ihre Doppelquads biegen. Er sollte eine Stärke von 1,5 oder 2 Quadratmillimetern haben. Falls der Baumarkt einen derartigen Draht nicht führt, eignet sich auch ein gewöhnliches dreiadriges, starres Stromkabel. Dieses ist dann allerdings abzuisolieren. Die notwendige Länge des Drahts gibt das Berechnungstool für jedes Doppelquad aus. Allerdings ist es empfehlenswert, einen etwas längeren Draht zu kaufen.

Zusätzlich zum Draht ist ein Holzbrett vonnöten, auf das die Doppelquads montiert werden. Bei sechs unterschiedlichen Frequenzen sollte es etwa 1,5 Meter lang sein. Pro Doppelquad sind das rund 25 Zentimeter. Bei der Breite des Bretts haben sich 10 Zentimeter als ideal erwiesen. Für das Befestigen der Antennen kaufen Bastler Gewebeklebeband [10]. Nun ist noch eine Lüsterklemme [11] für 10-Quadratmillimeter-Kabel nötig.

Als letztes kommt das Antennenkabel an die Reihe. Dabei ist ein mindestens zehn Meter langes zu wählen. Wer ein solches Kabel nicht zu Hause hat, kauft es in einem Elektronikgeschäft.

Nun geht es an das Anfertigen der Doppelquads. Dazu nimmt man das Kupferkabel und zeichnet für jedes Doppelquad achtmal die Quadrat-Kantenlänge an. Anschließend ist das Kabel circa zwei Zentimeter nach der letzten Markierung abzuzwicken.

Beim Biegen der einzelnen Quads hilft eine 90-Grad-Kante, etwa die der Schreibtischplatte. Dabei ist in der Mitte des Doppelquad zu beginnen. Die Antenne muss man so biegen, dass sich die beiden Antennenhälften in der Mitte nicht berühren.


So sieht der Kupferdraht nach dem Biegen aus.

Nach der letzten Biegung ist das Zusammenlöten der Drahtenden an der Reihe. Dabei sollte man darauf achten, dass die Lötstelle von hoher Qualität ist, da der Empfang sich sonst verschlechtert. Der Lötzinn sollte nicht zu lange heiß sein und nach dem Erstarren glänzen.


Nach dem Verlöten halten die Doppelquads ihre Form.

Sind alle Doppelquads gefertigt, beginnt das Festkleben auf dem Holzbrett. Die äußeren Dopelquads sollten von den Enden des Bretts rund 15 Zentimeter Abstand haben. Die Quads sind im gleichen Abstand zueinander zu montieren. Zuerst legen wir die Quads auf das Brett. Anschließend hält sie jeweils ein langer Klebestreifen an der oberen und unteren Kante des Bretts in Position.

Nun geht es an das Anlöten der Antennenkabel. Dazu ist als erstes der „weibliche“ Stecker vom Antennenkabel abzuschneiden. Anschließend entfernt man am Schnitt etwa 1,5 bis 2 Zentimeter der äußeren Isolierung. Darunter kommt ein Kabelgeflecht zum Vorschein. Dieses ist zu entflechten und dann zu einem Draht zusammenzuzwirbeln. Darunter erscheint eine zweite Isolierung. Sie schützt den Kupfer-Innenleiter des Kabels. Von letzerem sind rund 5 Millimeter abzuisolieren.


Das angelötete Kabel: Falls das Drahtgeflecht keinen Lötzinn annimmt, ist es mit etwas Kupferdraht an die Antenne zu wickeln.

Jetzt lötet man den Kupfer-Innenleiter an die Mitte einer Seite des Doppelquads. An die andere kommt das Drahtgeflecht. Bei einigen Antennenkabeln nimmt dieses allerdings keinen Lötzinn an. In diesem Fall wickeln wir es mit einem dünnen Kupferdraht fest an die Antenne, sodass ein guter Kontakt besteht.

Nun zieht man das Kabel vom Doppelquad zu einem Ende ihres Bretts und zwickt es dort ab. Anschließend fixieren wir es mit Klebeband. Bei den anderen Doppelquads funktioniert alles genauso.

Am Schluss enden alle angeschlossenen Antennenkabel an einer Seite des Holzbretts. Nun sind sie zu einem Kabel zusammenzuführen. Dazu entfernen wir als erstes rund 8 Zentimeter der äußeren Isolierung aller Kabel. Anschließend geht es wieder an das Entflechten und Verzwirbeln der Abschirmung. Ist das geschehen, isoliert man rund 6 Zentimeter vom Innenleiter ab. Nun sind die abisolierten Innenleiter so zu biegen, dass alle in die Kabelklemme passen.


Die Enden der einzelnen Kabel müssen in die Lüsterklemme.

In die andere Seite der Klemme kommt der Innenleiter des Antennenkabels, das am anderen Ende noch mit einem Stecker versehen ist. Das Kabelende ist nach dem üblichen Verfahren abzuisolieren.

Stecken alle Innenleiter in der Kabelklemme, umwickeln Bastler diese mit Klebeband, um die Innenleiter gut zu isolieren. Nun verzwirbelt man alle Drahtgeflechte zu einem und wickelt dieses zur Abschirmung um die isolierte Verbindung. Das Ende verbinden wir durch Verzwirbeln mit dem Drahtgeflecht des anderen Antennenkabels, das noch einen Stecker hat.


Die Abschirmung der Kabel ist verbunden.

Nun schirmt ein Stück Alufolie die gesamte Steckverbindung zusätzlich ab. Dazu wickelt man es einfach so um die Verbindung, dass es die Leitungen aus Drahtgeflecht berührt. Am Ende isoliert Klebeband die ganze Verbindung. Das Band sollte möglichst fest gewickelt sein, damit die Alufolie einen festen Kontakt zur Schirmleitung hat.


Alufolie sorgt zusätzlich für eine Abschirmung vor Störungen. Klebeband isoliert die gesamte Verbindung.

Beim Aufhängen der fertigen Antenne besteht die Wahl, sie horizontal oder vertikal zu befestigen. Lediglich auf die Ausrichtung ist zu achten. Die Antenne sollte in Richtung des Sendemasts zeigen.

Fazit

Verglichen mit den anderen Eigenbau-Antennen für den DVB-T-Empfang ist die Multi-Doppelquad-Lösung deutlich aufwändiger. Dafür ist der Empfang mit ihr auch in Randgebieten problemlos möglich. In München empfangen wir damit beispielsweise problemlos die österreichischen Sender ORF1 und ORF2. Und das, obwohl der Sendemast rund 100 Kilometer entfernt ist. Wer sich also die Mühe macht, wird mit super Empfang belohnt.

Update:

Wir haben eine weitere DVB-T-Antenne [12] angefertigt, die dank eines Reflektors noch besseren Empfang bietet.

Update

Wer auch mit unseren Eigenbau-Antennen noch Empfangsprobleme hat, sollte sich unseren DVB-T-Antennenverstärker [13] zum selberbauen ansehen. Er verstärkt das Signal und sorgt so für störungsfreies Fernsehen.

Artikel von CNET.de: https://www.cnet.de

URL zum Artikel: https://www.cnet.de/41002569/die-beste-dvb-t-antenne-der-welt-multi-doppelquad-im-eigenbau/

URLs in this post:

[1] DVB-T: http://de.wikipedia.org/wiki/DVB-T

[2] Frequenzen: http://de.wikipedia.org/wiki/Frequenz

[3] Stab: https://www.cnet.de/praxis/insider/39189229/dvb_t_antenne+fuer+5+euro+so+klappt+der+eigenbau.htm

[4] Doppelquad-Antenne: https://www.cnet.de/praxis/wochenend/41001557/die+beste+eigenbau_dvb_t_antenne+doppelquad+fuer+5+euro+basteln.htm

[5] Lambda-Halbe-Stabantenne: http://de.wikipedia.org/wiki/Antennentechnik#Halbwellendipol

[6] Doppelquad: http://de.wikipedia.org/wiki/Quadantenne

[7] Halbwellendipolen: http://de.wikipedia.org/wiki/Halbwellendipol#Halbwellendipol

[8] Artikel zum Bau einer einzelnen Doppelquad-Antenne: https://www.cnet.de/praxis/wochenend/41001557/page/2/die+beste+eigenbau_dvb_t_antenne+doppelquad+fuer+5+euro+basteln.htm

[9] Senderliste des Norddeutschen Rundfunks: http://www.ueberallfernsehen.de/dvbt175.html

[10] Gewebeklebeband: http://de.wikipedia.org/wiki/Klebeband#Duct_Tape.2FDuck_Tape

[11] Lüsterklemme: http://de.wikipedia.org/wiki/Lüsterklemme

[12] DVB-T-Antenne: https://www.cnet.de/praxis/wochenend/41503233/dvb_t_antennen+im+eigenbau+bester+empfang+dank+reflektor.htm

[13] DVB-T-Antennenverstärker: https://www.cnet.de/praxis/wochenend/41524218/dvb_t_antennenverstaerker+im+eigenbau+fuer+perfekten+tv_empfang.htm