HTC Touch Diamond 2: Windows-Smartphone mit Vollausstattung

von Daniel Schraeder am , 15:32 Uhr

Pro
  • hervorragende Ausstattung
  • hübsche Oberfläche
Con
  • resistives Touchscreen-Display
  • weder Foto-LED noch Blitz
Hersteller: HTC Listenpreis: 480 Euro
ZDNet TESTURTEIL: SEHR GUT 8,0 von 10 Punkte
Fazit:

Mit dem Touch Diamond 2 setzt HTC die Messlatte für vollausgestattete Windows-Mobile-Smartphones wieder ein Stück höher: Das Gerät sieht gut aus, die Standard-Oberfläche ist hinter dem hübschen, intuitiv mit den Fingern bedienbaren TouchFLO 3D versteckt und die Ausstattung - abgesehen vom fehlenden Blitzlicht - absolute Oberklasse.

Auf den ersten Blick sieht das Diamond 2 von HTC sehr vielversprechend aus: Es ist mit GPS, UMTS, HSDPA, WLAN und 5-Megapixel-Kamera voll ausgestattet, sieht gut aus, hat eine tolle Oberfläche und ist günstiger als das iPhone. Aber überzeugt das Smartphone auch im harten Praxistest? Wir haben es überprüft.

Wenn man einen guten Film wie Terminator produziert hat, darf man sich auch durchaus mal auf seinen Lorbeeren ausruhen. Nicht zu lang, versteht sich – denn was Erfolg hat, will fortgesetzt werden.

Und was in der Filmindustrie gilt, scheint auch im Smartphonemarkt zu stimmen. So bringt HTC [1] nun mit dem Touch Diamond 2 den Nachfolger seines erfolgreichen Touch Diamond auf den Markt. Wir haben uns das neue Smartphone [2]-Wunder bereits angesehen.

Design

Im Vergleich zum Vorgänger fallen vor allem zwei Punkte auf. Der Diamond 2 ist gewachsen, und zwar in alle Richtungen: Er ist breiter, länger und dicker als sein Vorgänger – und bringt circa 15 Gramm mehr Gewicht auf die Waage. Somit ist er nicht mehr der kleine, vollausgestattete Begleiter wie sein Vorgänger, sondern liegt größenmäßig eher auf einer Linie mit dem iPhone. Verglichen mit dem Apple [3]-Handy wirkt er allerdings etwas klobiger, da er ein gutes Stück schmaler und etwas dicker ist.

Die zweite größere Design-Änderung findet sich auf der Rückseite. Der erste Diamond hat hier eine etwas zerklüftet wirkende, in Dreiecken strukturierte Abdeckung aus schwarzem Kunststoff. Lediglich in der O2-Variante Xda Diamond ist die Rückseite flach – und so sieht nun auch der neue Diamond 2 aus. Von hinten ist er glatt wie ein Babypopo und glänzend wie ein frisch poliertes Auto – allerdings nicht sonderlich lang, denn er zieht Fingerabdrücke magisch an und sieht dann schnell aus wie die Glastheke in einer Pommesbude.

Für Akzente auf der Rückseite sorgt ein Dreieck aus geschliffenem Aluminium, in dem auch die Linse der 5-Megapixel-Kamera sitzt.

Wer seitlich auf das Gerät blickt, sieht den Rahmen aus Metall. Er zieht sich einmal um das komplette Gehäuse und taucht auf der Oberseite in Form eines etwa zentimeterbreiten Streifens im unteren Bereich auf. Das hinterlässt einen hochwertigen Eindruck.

Über dem Streifen auf der Vorderseite befinden sich vier mechanische Tasten. Sie fungieren als Rufannahme, Windows-Taste, Zurück-Button und Home- beziehungsweise Auflegeknopf.

Das zentrale Element ist natürlich das Touchscreen-Display. Im Vergleich zum Vorgänger ist es um 0,4 auf 3,2 Zoll angewachsen. Leider setzt HTC hier auf die günstigere, resistive Touch-Technologie. Dementsprechend ist nahezu die komplette Oberseite des Smartphones von einer Kunststofffolie überzogen. Das wirkt im Vergleich zu den Echtglasscheiben von iPhone, G1 oder Magic billig und trübt den hochwertigen Gesamteindruck. Außerdem dürfte die Oberfläche schneller verkratzen als bei Smartphones mit kapazitivem Touchscreen.

Unterhalb des Displays befindet sich eine berührungsempfindliche Zoom-Leiste. Wer sie mit dem Finger überstreicht, vergrößert Fotos und Webseiten – dementsprechend ersetzt sie das Rad unterm Display des Vorgängermodells. Das funktioniert gut, allerdings nicht so gut wie die Zweifinger-Geste beim iPhone: Man vergrößert immer nur die Mitte der Anzeige und muss Webseite oder Foto dann an die richtige Stelle schieben, anstatt gleich dort anzusetzen, wo die Vergrößerung nötig ist. Wer das möchte, tippt doppelt mit dem Finger auf die gewünschte Stelle – und benötigt dann die Zoomleiste nicht.

Oben am Geräterahmen befindet sich die Ein-Aus-Taste, auf der linken Seite gibt es eine sehr schmale, aber dafür umso längere Wipptaste zum Regeln der Lautstärke. Auf der Unterseite hat HTC neben dem versenkten Reset-Taster die für den Hersteller übliche Kombinationsbuchse eingebaut – sie dient zum Laden des Smartphones, verbindet es via USB mit dem PC und ermöglicht auch den Anschluss des mitgelieferten Headsets. Eine Standard-Klinkenbuchse gibt es leider nicht.

Ausstattung

In diesem Punkt rockt der Diamond 2 – kein Wunder, der Hersteller hat schließlich alles eingebaut, was möglich ist. Ins Internet verbindet sich das Smartphone über UMTS samt Datenturbo HSDPA, zu Hause und im Büro nimmt es Verbindung über WLAN nach 802.11b und g zum Netzwerk auf, mit der Auto-Elektronik kommuniziert es via Bluetooth, die Position ermittelt es via GPS.

An Software ist alles dabei, was Windows-Mobile-Smartphones eben so auszeichnet – es gibt Pocket Office samt Word Mobile, Excel Mobile und Powerpoint Mobile, ein paar Spiele, Browser und die üblichen Messaging- sowie Kommunikationsanwendungen. Windows Mobile 6.5 scheint immer noch nicht verfügbar zu sein, denn auch der Diamond 2 kommt noch mit der Version 6.1. Deren Haken hat HTC allerdings bestmöglich ausgeglichen.

So surft man mit dem Opera anstelle des unbrauchbaren Pocket Internet Explorer. Der alternative Browser ist komplett ins System integriert – der IE taucht gar nicht erst auf. Wie gewohnt zeigt Opera Webseiten so an, wie sie eben aussehen sollten – lediglich Flash-Inhalte stellt er noch nicht dar.

Zur rudimentären Navigation steht Google [4] Maps zur Verfügung. Wer seinen Diamond 2 als „echtes Navi“ mit Turn-by-Turn-Anweisungen nutzen möchte, kann Software von Drittanbietern wie TomTom Mobile Navigator nachinstallieren.

Die Oberfläche hat HTC getunt, so weit es geht: Die längst nicht mehr zeitgemäßen Windows-Dialoge und -Menüs tauchen quasi gar nicht mehr auf. Dementsprechend lässt sich das Smartphone auch fast ausschließlich mit dem Finger bedienen – den Stylus braucht es kaum noch. Selbst das Startmenü ist nun daumentauglich ausgelegt. Nur, wenn man tief in den Systemeinstellungen herumfuhrwerkt und beispielsweise die GPRS-Details ändern möchte oder das Internet-Sharing-Programm startet, um das Handy als Modem nutzen zu können, tauchen die Windows-Fensterchen auf.

Intern speichert das Smartphone 512 MByte. Das ist nicht viel für MP3- und Videodateien, aber er lässt sich mit MicroSD-Speicherkarten auf ordentliche Werte aufrüsten. Unterm Strich ist das besser als ein großer interner Speicher ohne Aufrüstmöglichkeit.

Leistung

Zu Anfang dieses Kapitels sprechen wir ein dickes Lob aus: HTC hat seine Hausaufgaben gemacht. So schnell wie der Touch Diamond 2 hat noch kein Windows-Mobile-Smartphone im Test reagiert. Vor allem das Durchscrollen des Menüs geht schnell vonstatten, auch der Browser startet nahezu verzögerungsfrei.

Dennoch bleibt Windows Mobile nun mal ein behäbiges Smartphonebetriebssystem mit vielen Macken. Wer schnell durch die Fotos scrollt, hat viel Spaß daran – meistens. Das gleiche gilt für den MP3-Player und Zusatzprogramme wie Google Maps. Doch wenn Windows Mobile den Nutzer ärgern möchte, fängt es aus nicht nachvollziehbaren Gründen an, zu ruckeln – bei Aufgaben, die es nur Sekunden vorher noch flüssig bewältigt hat. Fotos bleiben hängen, ein Tippen mit dem Finger wird verschluckt, Buchstaben fehlen oder Befehle werden nicht ausgeführt. Man sollte durchaus über einen strapazierfähigen Geduldsfaden verfügen.

Das gilt auch für die weiteren Merkmale von Windows Mobile. Diese Informationsblasen, die schon auf dem Desktop-PC nerven, stören auch auf dem Handy – wenn das Gerät beispielsweise keine Internet-Verbindung aufbauen kann, ploppt die entsprechende Meldung im 5-Sekunden-Takt in den Vordergrund und verhindert normales Arbeiten. Kaum drückt man sie weg, erscheint ein anderes Fenster. Schließt man es, landet man wieder in der vorher aktiven Applikation – und einen Augenblick später fluppt es schon wieder.

Fairerweise sagen wir an dieser Stelle dazu, dass es sich bei unserem Testgerät noch nicht um die finale Firmware-Version handelt. Verbesserungen sind also wahrscheinlich. Und noch dazu sind diese Effekte Ausnahmen und nicht die Regel – aber wenn sie auftauchen, dann tun sie das penetrant und immer im falschen Moment.

Keinen Anlass zu Kritik gibt die Telefonie-Applikation. Die Gesprächspartner verstehen sich einwandfrei.

Auch beim Akku punktet das Gerät. Laut Herstellerangaben soll der Diamond 2 im Standby 500 Stunden durchhalten – und erst nach 340 Minuten Dauertelefonie den Löffel abgeben. In der Praxis sind solche Werte bei einem Smartphone mit GPS, WLAN, HSDPA und großem Display natürlich kaum zu erzielen – denn all diese leckeren Schmankerl verlangen nach Saft. Realistisch begleitet einen das Handy zwei Tage, bis es wieder aufgeladen werden will.

Apropos Display: Die Anzeige sieht hervorragend aus. Sie ist mit 800 mal 480 Pixeln sehr hochauflösend, zeigt Farben brillant, hat einen mehr als ausreichenden Blickwinkel – sowohl horizontal als auch vertikal – und ist angenehm hell. Da stört es auch nicht, dass sie nur 65.000 Farben darstellt. Lediglich die spiegelnde Kunststoffabdeckung nervt etwas.

Die Kamera schießt hervorragende Bilder. Allerdings gilt das nur für helle Umgebungen – denn mangels Foto-LED oder Blitz sind Bilder in dunklen Umgebungen stark verrauscht. Noch dazu ist sie relativ lahm – zwischen zwei und drei Sekunden vergehen zwischen einem Druck auf den Auslöser und der Aufnahme.

Fazit

Der HTC Touch Diamond 2 ist ein würdiger Nachfolger des erfolgreichen Touch Diamond. Wer mit dem gewachsenen Formfaktor leben kann, bekommt hier ein bestens ausgestattetes Windows-Mobile-Smartphone mit hervorragender Oberfläche, das noch dazu günstiger ist als das iPhone.

Wir vermissen lediglich ein kapazitives statt resistives Touchscreen-Display, einen Blitz für die Kamera sowie eine Klinkenbuchse.

Artikel von CNET.de: https://www.cnet.de

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